INHALTSVERZEICHNIS
I. EINLEITUNG: Der Begriff Workaholism und seine Entstehung
II. WORKAHOLISM: ARBEITSSUCHT ALS BEISPIEL EINER PATHOLO-
GISCHEN BEDEUTUNG VON ARBEIT
II.1 Begriffliche Annäherung und die Schwierigkeit beim Umgang mit dem
Syndrom der Arbeitssucht
II.2 Wo beginnt Arbeitssucht? Die Schwierigkeit der Abgrenzung
II.3 Erklärungsansätze zur Entstehung von Arbeitssucht
II.4 Diagnostik der Arbeitssucht
II.4.1 Klassifikationssysteme als Hilfe zur Diagnostik nach Poppelre u-
ter
II.4.2 Psychologische Messverfahren nach Mc Millan et al.
II.5 Fazit
III. SCHLUSS: Ansätze zur Prävention und Intervention
Literaturverzeichnis
3
EINLEITUNG: Der Begriff Workaholism und seine Entstehung
In der heutigen westlichen Gesellschaft wird die soziale Stellung einer Person in besonderem Maße durch deren Arbeit bestimmt, die Arbeit einer Person gehört heute zu ihren zentralen Merkmalen. Auch in der Psychologie besteht Einigkeit darüber, dass Arbeit über ihre Funktion der Existenzsicherung hinaus auch eine sinnstiftende und eine identifikationsvermittelnde Bedeutung hat.
„Arbeit ist eine Beschäftigung, die die Zeit vertreibt und die Möglichkeit bietet, so-
ziale Kontakte herzustellen und persönliche Befriedigung zu erlangen. Daher wür-
den auch über 70% der Menschen selbst dann weiter ihren Beruf ausüben, wenn sie
es gar nicht müßten.“ 1
Aufgrund der Bedeutung, die der Arbeit in unserer heutigen Gesellschaft beigemessen wird, mag es auf den ersten Blick paradox erscheinen, sich auf die negativen Folgen von Arbeit zu konzentrieren oder auch Folgen eines falschen Umgangs mit der Arbeit zu beleuchten. Besonders die Folgen einer einseitigen Ausrichtung des Lebens auf die Arbeit sind bisher kaum erforscht worden - das wissenschaftliche Interesse schien sich eher auf andere Perspektiven der Arbeit zu richten, wie zum Beispiel auf die verschiedenen Auswirkungen bestimmter Arbeitssituationen.
In den letzten Jahren aber hat sich die Wissenschaft zunehmend mit dieser „neuen“ Thematik beschäftigt. Hierbei wird meist als „Arbeitssucht“ bezeichnet, was das Produkt einer alleinigen Ausrichtung des Lebens auf die Arbeit ist. Mc Millan, O`Driscoll und Burke beschreiben „Arbeitssüchtige“ in diesem Zusammenhang als Menschen, die sich besonders schwer von ihrer Arbeit lösen können, einen übermäßigen Genuss bei der Arbeit verspüren, und folglich auch eine andere Art des Umgangs mit ihrer Freizeit haben, als Nicht-Arbeitssüchtige:
„Workaholism envolves difficulty disengaging from work, a strong drive to work,
intense enjoyment of work , and a differing use of leisure time than others.“ 2
Das Symptom der Arbeitssucht scheint ein typisches Produkt unserer modernen Leistungsgesellschaft zu sein und auch gerne als solches dargestellt. Tatsächlich entstand der Begriff „Workaholism“ (in Anlehnung an „Alkoholism“) vor dem sich verstärkenden Gegensatz von Arbeit und Vergnügen, der sich mit der Industrialisierung herausbildete und i nfolge
1 Schneider, Skala für Arbeitssucht, S. 3
2 Mc Millan et al., Workaholism: A Review of Theory, Research and Future Directions, S. 167
4
des Wertewandels in den Sechzigern und Siebzigern besondere Bedeutung erlangte. Er etablierte sich vor allem in den Achtzigern und Neunzigern 3 , fand Eingang in die Umgangssprache und wurde schließlich zu einer Art Modewort. Im Gegensatz zu den krankhaften Verhaltensweisen, die die Wissenschaft ursprünglich mit dem Begriff „Workaholism“ in Verbindung brachte - nämlich Gesundheit und Wohlbefinden für die Arbeit zu vernachlässigen 4 , wird der Begriff umgangssprachlich oft im positiven Sinne gebraucht. Hierbei wird oft die Liebe zur Arbeit betont, wobei die „Suchtkomponente“ des Begriffs in den Hintergrund tritt. In diesem Sinne erscheint es beinahe schon als erstrebenswert, als „arbeitssüchtig“ tituliert zu werden, zumindest wenn damit die Liebe zum Beruf und ein besonderes Engagement bzw. Einsatz für den Job verbunden werden. Was aber steckt wirklich hinter dem Begriff „Workaholism“ bzw. seinem deutschen Pendant „Arbeitssucht“?
Die Arbeit wird sich im Folgenden auf einige vorliegende Studien konzentrieren und ve rsucht nach einer begrifflichen Annäherung an das Phänomen Arbeitssucht einen Überblick über den wissenschaftlichen Stand zu geben. Dabei werden verschiedene Erklärungsansätze zur Entstehung von Arbeitssucht erläutert, indem - selbstverständlich ohne den Anspruch auf Vollständigkeit - einige grundlegende Theorien zur „Arbeitssucht“ sowie ve rschiedene Versuche einer Diagnostik von Arbeitssucht dargelegt werden. Da dabei auch die fehlende Erklärungskraft vieler Theorien sowie die Schwierigkeit beim Umgang mit dem Thema deutlich werden, wird bei dieser Arbeit ein besonderer Fokus auf die Studie von Poppelreuter gelegt, der in seiner Forschungsarbeit zur Arebitssucht (1996) versucht hat, einige von ihm konstatierte Missverständnisse im Umgang mit Arbeitssucht aus dem Weg zu räumen.
3 Vgl.: Schneider, Skala für Arbeitssucht, S. 3
4 Schneider, Skala für Arbeitssucht, S. 7
5
WORKAHOLISM: ARBEITSSUCHT ALS EIN BEISPIEL EINER PATHOLOGI-SCHEN BEDEUTUNG VON ARBEIT
I. Begriffliche Annäherung und die Schwierigkeit beim Umgang mit dem Syndrom „Arbeitssucht“
Der Begriff „Sucht“ ist erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts - als Ergebnis der Suchtforschung - auch auf nichtstoffliche „Abhängigkeiten“, zu welcher die „Arbeitssucht“ zu zählen ist, ausgeweitet worden . 5 Im deutschsprachigen Raum findet man laut Poppelreuter keine einzige Quelle zur Arbeitssucht. Die Schwierigkeit beim Umgang mit der Arbeitssucht beschreibt Holger Heide im Vorwort zu dem von ihm herausgegebenen Buch „Massenphänomen Arbeitssucht“ als eine Folge der wissenschaftlichen Auffassung von Krankheit als „Abweichung“ von der Normalität:
„Die Schwierigkeit der diagnostischen Eingrenzung ist womöglich einfach eine
Folge der in der Medizin und Psychologie vorherrschenden Definition von Krank-
heit als Abweichung: Wo beginnt ein Bedürfnis ‚exzessiv’ zu werden? Da hat die
Hinterfragung der postulierten Normalität keinen Platz. Die Schwierigkeit könnte
so weniger dem Gegenstand selbst als dem Umgang mit ihm geschuldet sein.“
Demzufolge spielt auch eine bedeutende Rolle, dass die Auffassung, was unter „normalem Arbeitsverhalten“ zu verstehen ist, gesellschaftlich bedingt ist und daher meist nicht ohne weiteres hinterfragt werden kann. Dazu heißt es in einem Beitrag zum Jahreskongress 2000 der „Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren“ (DHS):
„Die Arbeitssucht ist ein Geschöpf unserer Arbeitsethik, nichts Anomales, sondern zuge-spitzte Normalität, weshalb es so schwierig ist, sie diagnostisch hinreichend klar einzu-
grenzen.“ 6
Nicht zuletzt auch aufgrund der dargelegten Problematik gibt es trotz eines gestiegenen wissenschaftlichen Interesses für das Thema „Arbeitssucht“ in den letzten Jahren bisher nur wenige ausreichend theoretisch fundierte und empirisch belegte Studien zu dieser spezifischen Art der Sucht - selbst wenn man die amerikanischen Studien zu dem Thema mit einbezieht. 7
5 Vgl. Heide, Massenphänomen „Arbeitssucht“, S.: 289
6 Dieter Henkel, zitiert nach: Heide, Massenphänomen „Arbeitssucht“, S.: 10
7 Poppelreuter , „Arbeit ist das ganze Leben“. Eine empirische Studie zum Thema Arbeitssucht. URL:
www.psychologie.uni-bonn.de/wiorg/forschung/abgeschlossen/arbeit_topolog.html
6
Arbeit zitieren:
Anja Rössner, 2004, Workaholism: Arbeitssucht als ein Beispiel einer pathologischen Bedeutung von Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Mobbing am Arbeitsplatz - Ansätze zur Prävention und Intervention
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