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Im Rahmen der Auseinandersetzung mit dem Schriftsteller Frank Wedekind, möchte ich in dieser Arbeit einmal seine Zeit als Werbetexter näher beleuchten. Für viele ist es zunächst sicher ganz und gar unbekannt, daß Wedekind überhaupt jemals in der Werbebranche gearbeitet hat. Das ist auch nicht allzu verwunderlich, wenn man bedenkt, wie wenig Literatur es zu diesem Thema gibt. Sicherlich mag man in Frage stellen, ob die Kenntnis über diese Periode überhaupt wichtig ist, um seine Werke zu interpretieren oder zugänglicher zu machen. Aber selbst, wenn das Wissen um seine Tätigkeit als Werbetexter bei der Firma Maggi uns keinen Aufschluß über Interpretationsansätze für dieses oder jenes Werk bieten kann, so ist es doch eine Möglichkeit, diesen Schriftsteller besser kennenzulernen und uns in ihn hineinzuversetzen, denn kaum ein Schriftsteller schreibt etwas, das völlig abgetrennt und unabhängig von seinem eigenen Leben entstehen kann.
Um sich das Leben eines Schriftstellers vor dem geistigen Auge vorzustellen, es lebendig zu machen, sollte man möglichst viele Aspekte betrachten können, ohne es auf einen kurzen Lebenslauf zu beschränken, wie es so häufig getan wird. Aus diesem Grund möchte ich hier versuchen, in diesen Lebenslauf einmal tiefer einzutauchen und Wedekinds Leben in der Zeit zwischen 1886 und 1887 näher zu beleuchten. Sicherlich nur ein winziger Abschnitt in seinem Leben, jedoch, wie ich glaube, ein sehr Aufschlußreicher.
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Zunächst fragt man sich, wie ein Mann wie Frank Wedekind zu einer Stelle als Werbetexter überhaupt gekommen ist, vor allem, wenn man seinen familiären und finanziellen Hintergrund kennt und weiß, daß die Familie Wedekind sehr wohlhabend war.
Grund für die Annahme dieser Stelle ist aber tatsächlich ein finanzieller Notstand, in dem sich Frank Wedekind zur Zeit seines Eintritts bei der Firma Maggi befindet. Im
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Oktober 1886 kommt es zu einer heftigen, angeblich sogar handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Frank und seinem Vater Dr. Friedrich Wilhelm Wedekind, da ersterer endgültig beschlossen hatte, sein Jurastudium, das er sowieso schon seit einiger Zeit vernachlässigt hatte, nun endlich aufzugeben. Dieser Streit gipfelt in einer Ohrfeige, die sich sein Vater schwerlich gefallen lassen konnte und untersagte Frank die bis dato großzügige finanzielle Unterstützung. Daß das Verhältnis zwischen Vater und Sohn Wedekind auch schon vor dieser Auseinandersetzung ein eher gespaltenes gewesen sein muß, läßt ein von Frank Wedekind verfaßtes Gedicht sehr deutlich werden, das er erst kurz vorher geschrieben hatte.
Vater mein
Lieber Papa, der Du bist auf Deinem Studierzimmer! Geheiligt werde Dein Name (...)
Gib uns heute unser täglich Brot und vergib uns unsere Schulden! 1
Der sarkastische Ton, in dem er sich mit seiner Abhängigkeit von seinem Vater auseinandersetzt und der sogar gotteslästerliche Bezug, dürften ihm zu seiner Zeit den Ruf eines respektlosen, frechen jungen Mannes eingebracht haben, was ja in unseren Tagen nicht unbedingt negative Attribute sind.
Zu dieser Zeit suchte man bei der Firma Maggi, die sich bereits in Kempttal bei Zürich in der Schweiz etabliert hatte, einen Leiter des Presse- und Reklamebüros. Da es um die Jahrhundertwende noch keine qualifizierte Ausbildung für diese Stelle existierte, suchte man zumindest jemanden, der gut und modern schreiben konnte. Daß die vakante Stelle gerade mit Frank Wedekind besetzt werden konnte, das verdankte dieser dem Zufall, daß er mit Karl Henckell, ebenfalls in der Konservenbranche tätig, seit der Rückkehr der Wedekinds aus Amerika gut bekannt war. Zunächst interessierte man sich für Gustav Henckell, dessen Bruder und ebenfalls ein moderner Schriftsteller, der es aber finanziell genauso wenig nötig hatte, einem geregelten Job nachzugehen, wie es unter normalen Umständen auch bei Frank Wedekind der Fall gewesen wäre. Da aber Karl Henckell um die finanziellen Sorgen seines Freundes wußte, schlug er diesen für die Stelle des Leiters des Presse- und Reklamebüros vor. Frank Wedekind wurde angeschrieben und nahm die Stelle an.
Arbeit zitieren:
Julia Siebert, 1998, Frank Wedekind - Der Werbetexter als Literat - Der Literat als Werbetexter, München, GRIN Verlag GmbH
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