Spätestens seit der Öffnung des europäischen Binnenmarktes für den grenzüberschreitenden Waren- und Dienstleistungsverkehrs und den damit verbunden erweiterten Möglichkeiten wird es für Unternehmen immer leichter, neue Geschäftsfelder zu entdecken. Was für den Austausch von Waren- und Dienstleitungen auf der einen Seite gilt, zeigt sich für die Finanzierung eben dieser Projekte auf der anderen Seite als Problem. Gerade im Hinblick auf die damit verbundene Gesamtsituation, der immer schneller wachsenden Dynamik der Finanz- und Wirtschaftsmärkte im nationalen aber vor allem im europäischen und globalen Bereich, sowie den schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen eines stark gewachsenen Wettbewerbs macht es die Liquiditätssicherung und Kapitalbeschaffung erforderlich, neue Anforderungsprofile an die Kapitalgeber und die Kapitalnehmer zu stellen. Diese neuen Umstände machen es daher unabdingbar, über einheitliche Liquiditäts- und Kreditvergaberichtlinien nachzudenken und diese Schritt für Schritt als allgemeingültige und verbindliche Anforderungen und Rahmenbedingungen so zu implementieren, dass auf ökonomisch vernünftige Weise eine transparente und allgemein nachvollziehbare Kreditvergabe unter den gültigen Bedingungen jederzeit zu Stande kommen kann. Große Bedeutung erlangte daher das Baseler Komitee für Bankenaufsicht, das seit Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts immer wieder sukzessive Vorschläge zur Behandlung der Kapitalbefriedigung der Wirtschaft erarbeitete und Regeln festsetzte, mit deren Hilfe eine optimale Risiko- und Bonitätsbeurteilung der Wirtschaftssubjekte ermöglicht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bedeutung des Mittelstandes in Deutschland
3. Die Entwicklung der Baseler Eigenkapitalverordnungen
3.1. Überblick über Basel II
3.2. Zielsetzungen und Aufgaben von Basel II
3.3. Die Drei Säulen von Basel II
4. Das Rating im Focus des Mittelstandes
4.1. Auswirkungen auf die Eigenkapitaldecke des Kreditinstituts (KI)
4.2. Die Ratingklassen
4.3. Internes/ Externes Rating
5. Die Auswirkungen auf den Mittelstand
5.1. Die Auswirkungen auf die Bilanzierung - eine Untersuchung
5.1.1. Das Eigenkapital – der wichtigste Bilanzposten
5.1.2. Möglichkeiten zur Verbesserung der Bilanzstruktur
5.1.2.1. Auswirkungen der Verbesserungen der Bilanzstruktur anhand eines konkreten Fallbeispieles
5.1.3. Erweiterung der Sicherheiten
6. Herausforderungen aus der Sicht des Mittelstandes – zentrale Kritikpunkte
6.1. Die Anerkennung von Sicherheiten
6.2. Die Marktdisziplin
6.3. Die Implementierung technischer Standards
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des "Basel II"-Beschlusses der Baseler Kommission auf mittelständische Unternehmen in Deutschland, insbesondere im Hinblick auf mögliche Veränderungen ihrer Bilanzierungspraktiken und der Kapitalbeschaffung.
- Bedeutung und Rolle des deutschen Mittelstandes in der aktuellen Wirtschaftslage.
- Struktur und Funktionsweise der drei Säulen von Basel II.
- Methoden und Kriterien der Bonitätsbeurteilung und des Ratings.
- Analyse der Auswirkungen von Basel II auf die Bilanzstruktur mittelständischer Unternehmen.
- Kritische Herausforderungen und Perspektiven der technischen Implementierung.
Auszug aus dem Buch
4. Das Rating im Focus des Mittelstandes
Zunächst zu der Frage: „Was heißt eigentlich Rating?“
Mit einem Rating wird die Bewertung der Bonität eines Unternehmens vorgenommen. Diese „Benotung“ erfolgt nach feststehenden Kriterien, die in einer Ratingklassenskala angegeben werden. Dabei geht es nicht allein um Liquidität und Finanzielles sondern auch um „soft facts“ wie Unternehmensführung oder Betriebswirtschaftliche Steuerung.
In der Ratingnote kommt zum Ausdruck, wie weit das Unternehmen die Fähigkeit besitzt, auch in der Zukunft seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Je schlechter das Rating, umso höher wird auch die Ausfallwahrscheinlichkeit für die Kredite des Schuldners.
Kommt es zur Einführung der neuen Kreditrichtlinien nach Basel II, entscheidet das Rating eines Unternehmens damit über Kreditvergabe oder -absage.
Ganz neu ist den Kreditinstituten diese Vorgehensweise jedoch nicht. Auch momentan ist die Beurteilung eines Unternehmens Bestandteil jedes Kreditantrages, der in der Firmenkundenabteilung bewilligt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Kapitalbeschaffung für Unternehmen unter dem Einfluss sich wandelnder Finanzmarktbedingungen und des Baseler Komitees.
2. Die Bedeutung des Mittelstandes in Deutschland: Darstellung der ökonomischen Relevanz des Mittelstandes und der aktuellen Herausforderungen wie Insolvenzen und Imagefragen.
3. Die Entwicklung der Baseler Eigenkapitalverordnungen: Erläuterung der historischen Entwicklung, Zielsetzungen und der dreisäuligen Struktur von Basel II.
4. Das Rating im Focus des Mittelstandes: Definition und Bedeutung von Ratingprozessen sowie deren Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit und das Eigenkapital der Kreditinstitute.
5. Die Auswirkungen auf den Mittelstand: Analyse der Bilanzierungspraktiken und Strategien zur Verbesserung der Bilanzstruktur unter Berücksichtigung von Basel II.
6. Herausforderungen aus der Sicht des Mittelstandes – zentrale Kritikpunkte: Diskussion der kritischen Aspekte wie Anerkennung von Sicherheiten, Marktdisziplin und der Implementierung technischer Standards.
7. Ausblick: Zusammenfassung der zukünftigen Entwicklung und der notwendigen Anpassungsstrategien für mittelständische Betriebe.
Schlüsselwörter
Basel II, Mittelstand, Bilanzierung, Rating, Kreditwürdigkeit, Eigenkapital, Bankenaufsicht, Bonitätsprüfung, Kreditrisiko, Kapitalbeschaffung, Liquidität, Marktdisziplin, Finanzierung, Unternehmenskultur, Investitionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der Baseler Eigenkapitalvereinbarungen (Basel II) auf die Finanzierungs- und Bilanzierungssituation mittelständischer Unternehmen in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Baseler Akkords, die Funktionsweise von Ratingverfahren, die Auswirkungen auf die Bilanzstruktur von KMUs sowie die Kritikpunkte aus Sicht der betroffenen Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu untersuchen, ob und inwieweit mittelständische Unternehmen aufgrund der neuen Anforderungen von Basel II ihre Bilanzierungspraktiken anpassen müssen, um weiterhin Zugang zu Krediten zu erhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literatur- und Dokumentenanalyse, basierend auf Berichten und Stellungnahmen des Baseler Komitees, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sowie relevanter Fachpublikationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die drei Säulen von Basel II, die Mechanismen der Bonitätsbeurteilung, die Relevanz interner versus externer Ratings und konkrete Handlungsoptionen zur Verbesserung der Bilanzstruktur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Basel II, Mittelstand, Rating, Eigenkapital, Bonität, Bankenaufsicht und Kapitalbeschaffung.
Warum ist die Eigenkapitalausstattung für mittelständische Unternehmen unter Basel II so kritisch?
Da Basel II Banken dazu verpflichtet, Kredite risikogerechter mit Eigenkapital zu unterlegen, wirkt sich ein schwaches Rating oder eine geringe Eigenkapitalquote negativ auf die Kreditkonditionen aus.
Welche Rolle spielt das "Interne Rating" für den Mittelstand?
Banken erhalten durch Basel II die Möglichkeit, interne Systeme zur Risikobeurteilung zu nutzen. Dies kann für den Mittelstand vorteilhaft sein, da Hausbanken regionale Gegebenheiten und langfristige Geschäftsbeziehungen besser in das Rating einfließen lassen können.
- Quote paper
- Thorben Schenk (Author), Anke Göbber (Author), 2002, Die Auswirkungen von Basel II auf die Kapitalbeschaffung mittelständischer Unternehmen unter Berücksichtigung der Bilanzierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28466