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Das heute bestehende Parteien- und Regierungssystem entstand in den Jahren von 1943 bis 1945. Um aber die heutigen Strukturen und Probleme verstehen und erklären zu können, ist es nötig die Entwicklung des italienischen Einheitsstaates kurz zu erläutern.
Mitte des 19. Jahrhunderts begannen sich verschiedene Volkskreise, sowie politische und kulturelle Bewegungen zusammenzuschließen, um für die Einheit Italiens zu kämpfen. Italien war zu dieser Zeit auf mehrere Souveräne verteilt. Im Norden herrschten das Königreich Sardinien-Savoyen und Österreich, in Rom der Papst, diverse Großherzogtümer in Mittelitalien und die Bourbonen im Süden des Landes. Diese Zerteilung, die im Jahre 1815 auf dem Wiener Kongress beschlossen wurde, wurde immer mehr in Frage gestellt und kritisiert. Besondere Unterstützung fand man hier durch das Piemont, das industriell und ökonomisch sehr hoch entwickelt und somit überaus mächtig war. Die Bewegung der „Wiederauferstehung“, das sogenannte „risorgimento“ war geboren. Ziel dieses Nationalbündnisses, bei dem das Großbürgertum und die Großagrarier des Südens die politische Vorherrschaft hatten, war, eine einheitliche Sprache, Kultur und Literatur durchzusetzen. Diesem Bündnis schlossen sich bald Bauernmassen, Industrieproletariat und die Mittelschicht an. Durch militärische Erfolge gegen die französischen Besatzungstruppen im Süden, eine Volksabstimmung in Mittelitalien und nicht zuletzt durch das politische Vorgehen des Königreichs Sardinien- Savoyen im Piemont erlangte man im Jahr 1861 die nationale Einheit, die vom Parlament von Sardinien-Savoyen erklärt wurde. Die Staatsform war nun streng zentralistisch, wobei das Piemont das Zentrum darstellte. Es kam zu einer ökonomischen Dreiteilung des Landes: dem hochentwickelten Norden mit seiner Industrie, dem Zentrum und dem damals schon rückständigen Süden, in dem Großbauern vorherrschten. Die angestrebte kulturelle Einheit wurde nicht erreicht, wenn man z.B. sieht, dass bis zum Ende des 19. Jahrhunderts 78% der Süditaliener Analphabeten waren. 1 Ein Grund hierfür mag sein, dass die Einigung sehr schnell vollzogen wurde und so keine „Staatsverwaltung“ aufgebaut werden konnte, die der Vielschichtigkeit des Landes und seiner Bewohner entsprach. 2
Es kam zu großen Spannungen zwischen Kirche und Staat, bei denen die Kirche durch Papst Pius IX. ihren Angehörigen die politische Partizipation verbot. Diese Aspekte, zusammen mit der Vorherrschaft des Großbürgertums und der Großagrarier prägten den politischen sowie den gesellschaftlichen Fortgang des Landes nachhaltig. 3
1 Helmut Drüke, Italien. Leske und Budrich, Opladen 2000, Aufl.2, S 205-207
2 Ernst Ulrich Große, Günter Trautmann, Italien verstehen. Primus Verlag. Darmstadt 1997, S. 5
3 Drüke, Italien. S. 205-207
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Der Phase des „risorgimento“ folgt nach dem Ersten Weltkrieg, durch die Veränderungen der sozialen und politischen Verhältnisse die Entstehung des Faschismus. Es bildeten sich nationalistische Bewegungen, die die Resultate des Weltkrieges nicht akzeptierten und Widerstand ankündigten. Außerdem schlossen sich vom Staat benachteiligte Kleinhändler, Handwerker und ein großer Teil des Industrieproletariats zusammen, um für eine autoritäre Lösung zu kämpfen. Eine andere Gruppierung des Industrieproletariats forderte hingegen eine „soziale Umwälzung“ des Staates. Vor diesem Hintergrund konnte die rechte, nationalistische Bewegung 1921 ins Parlament einziehen und den Partito Nazionale Fascista (PNF) gründen. 1922 bildete Mussolini die Regierung, mit der sich der Faschismus sozial, politisch und ideologisch weiter verankerte. Merkmale des Faschismus sind: Die Integration der Massen in das politische Geschehen, aber auch das Eindringen des Staates in das private Leben der Bürger. So gab es beispielsweise das Modell des „dopo lavoro“, bei dem massiv in die Freizeitgestaltung der Menschen eingegriffen wurde. Genauso strikt griff die Politik in die Erziehung der Kinder ein. Ein weiteres Kennzeichen ist der Versuch, dass berufsständische Organisationen die gesetzgebende Körperschaft im Staat bildeten. Diese Praktik sollte auch in der Wirtschaft durchgesetzt werden, was aber nicht gelang. Dafür griff man in die wirtschaftlichen Prozesse ein, um sie für die politischen Ziele nutzen zu können. So wurden z.B. angeschlagene Unternehmen gerettet, um die vollkommene wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Ausland zu festigen. Damit eine solche Politik durchgesetzt werden konnte wurden alle demokratischen Parteien ausgeschaltet, auch die Versammlungs-und Pressefreiheit wurde aufgehoben. Dies alles geschah übrigens mit Zustimmung der katholischen Kirche, die in Mussolini „einen Abgesandten Gottes“ sah! Aus diesem Grund unterstützten auch viele Katholiken die Politik Mussolinis. Wegen inneren Protests und militärischen Fehlschlägen wurde Mussolini schließlich im Jahre 1943 als Regierungschef abgesetzt.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Italien dreigeteilt. Im Norden fand man Mussolini mit seiner Republik von Salò und die deutsche Besatzung. In Mittelitalien und im Süden saßen der Offizier Pietro Badoglio, der Nachfolger Mussolinis, sowie die alliierte Besatzung und christliche, sozialistische, kommunistische, bürgerliche und monarchische Widerstandsbewegungen. Diese antifaschistischen Kräfte stellten die Basis der neuen Demokratie in Italien dar.
Ohne die Phase des Faschismus wären die heutigen Wesensmerkmale und Strukturen der politischen Parteien ( besonders der „ersten Republik“) nicht zu verstehen, denn auch noch das gegenwärtige politische Leben ist noch von dieser Zeit geprägt. 4
4 Drüke, Italien. S.207-210
Arbeit zitieren:
Beate Sewald, 2001, Das italienische Parteiensystem, München, GRIN Verlag GmbH
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