Gliederung
1 Einleitung 3
2 Voraussetzungen zum Verständnis von Machiavellis Staatstheorie 5
2.1 Verwendete Begrifflichkeiten und Geschichtsphilosophie Machiavellis 5
2.2 Das pessimistische Menschenbild 7
3 Das Ideal der „wohlgeordneten“ Republik 8
3.1 Die innere Organisation der „idealen“ Republik 9
3.2 Militärische und politische Mittel zur Expansion und Erhaltung der Freiheit 11
3.3 Der Aufstieg und Niedergang eines Staates 12
3.3.1 Korruption - die Ursache des Untergangs der politischen Ordnung 12
3.3.2 Die Zurückführung einer „città corrotta“ zu ihrer ursprünglichen Ordnung durch 13
den uomo virtuoso
4 Schlussbetrachtungen 15
5 Literaturverzeichnis 17
5.1 Werke 17
5.2 Literatur 17
Die Hausarbeit folgt den Regeln der neuen Rechtschreibung.
2
1 Einleitung
Niccolò Machiavelli (1469-1527) gelang, was nur wenige Philosophen erreichten - nach nunmehr fast fünfhundert Jahren ist sein Name immer noch aktuell. Die Kennzeichnung eines Politikers als „machiavellistisch“, stellt diesen als skrupellosen Machtmenschen bloß - ob das Machiavellis tatsächliche Auffassung widerspiegelt bleibt zweifelhaft. 1 Zwar ist die lange Zeit betriebene schwarz - weiß Interpretation seiner Werke verschwunden, doch assoziieren die Menschen den Florentiner nach wie vor eher mit rücksichtslosem Machtstreben als mit einem Verfechter des Republikanismus. Machiavellis Ruf als „Vater“ der modernen Politikwissenschaften 2 basiert im Wesentlichen auf seinen Werken „Il Principe“ (1513, veröffentlicht 1532) 3 und „Discorsi sopra la prima deca ti Tito Livio“(ca. 1513 - 1519 4 , veröffentlicht 1531) 5 . In einem zerrütteten und in verschiedene Staaten aufgesplitterten Italien der Renaissance versuchte Machiavelli durch seine Schriften die politische Neuordnung des Landes voranzutreiben. „Il Principe“ appellierte an die Fürsten, den neuen Staat in Italien zu schaffen, während die „Discorsi“ seine Überlegungen über Aufbau, Organisation, Erweiterung und Wiederherstellung einer Republik zusammenfassten.
In die Politik der Stadt Florenz involviert, erlebte er die Unbeständigkeit des politischen Erfolges. Die Karriere Machiavellis hing eng mit dem Schicksal seiner Heimatstadt zusammen. 1494 musste Florenz vor Karl VIII. kapitulieren, die über einen langen Zeitraum regierenden Medicis wurden abgesetzt und der Bußprediger Savonarola errichtete für vier Jahre eine geradezu revolutionär-demokratische Republik, ehe er 1498 zunehmend an Rückhalt verlor, was zu seiner Hinrichtung führte. Im selben Jahr begann Machiavellis politische Laufbahn. Er wurde zum Sekretär der „Zweiten Kanzlei“, einer Art Kriegs- und Außenministerium, und kurz darauf zum Sekretär des „Rates der Zehn“, der Regierung der Stadt, ernannt. Ein Jahr darauf startete seine diplomatische Laufbahn, die ihn zum Hof des französischen Königs Ludwig XII., zu Cesare Borgia nach Rom und an den kaiserlichen Hof Maximilian I. führte. Machiavelli baute die Volksmiliz in Florenz auf, mit der er 1509 seinen größten politischen Erfolg errang - die Unterwerfung der Stadt Pisa. Mit dem Untergang der Republik Florenz 1512 war auch sein eigener verbunden. Die zurückgekehrten Medicis
1 Münckler, Herfried: Machiavelli - Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus der Krise der
Republik Florenz. Frankfurt am Main 1984. S. 9.
2 Taylor, Quentin P.: The Other Machiavelli - Republican Writings by the Author of “The Prince”. Boston 1988.
S. VII.
3 Machiavelli, Niccolò: Il Principe - Der Fürst / Italienisch-Deutsch. Stuttgart 1986.
4 Über den Zeitpunkt der Beendigung des Werkes gibt es verschiedene Auffassungen. König datiert die
„Discorsi“ bis in die 1520er Jahre hinein. Vgl. dazu: König, Renè: Niccolò Machiavelli - Zur Krisenanalyse
einer Zeitenwende. München, Wien 1979. S. 220.
5 Machiavelli, Niccolò: Discorsi. Leipzig, Frankfurt am Main 2000.
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verbannten ihn aus seiner Heimatstadt. Das notgedrungene Exil nutzte er zur Niederschrift seiner politischen Überzeugungen, ehe er 1526 die lang ersehnte Chance bekam, wieder ein politisches Amt zu bekleiden. Kurz darauf beendete ein wiederholter Machtwechsel seine letzte staatliche Tätigkeit. Vergrämt über den Ausschluss aus der Politik der neuen Republik, verstarb Machiavelli 1527. 6
Der überzeugte Patriot und Republikaner sah seine Aufgabe darin, seiner Stadt als Politiker zu dienen. Als ihm dies durch die Verbannung verwährt wurde, vollbrachte er seine eigentliche, von der Nachwelt gerühmte Leistung - die Niederschrift seiner politischen Überzeugungen. Die Hausarbeit rückt den weniger bekannten Teil seiner Arbeit in den Mittelpunkt der Betrachtungen - seine Idee zum Aufbau der idealen Staatsordnung, der Republik. Dabei werden die Fragen verfolgt: Worin sah Machiavelli die Vorteile der Republik gegenüber einer Alleinherrschaft? Was führte seiner Meinung nach zum politischen Erfolg beziehungsweise Misserfolg? Inwieweit beeinflusste sein pessimistisches Menschenbild die Staatstheorie? Welche Mittel und Wege sind zur Stabilisierung des Staates und zur Durchsetzung der Staatsräson erlaubt?
Zum Verständnis seiner Staatstheorie wurden eine Erläuterung der wichtigsten in seinen Werken verwendeten Begriffe sowie sein M enschenbild im Zusammenhang mit dem Kreislauf der Verfassungen vorangestellt. Anschließend wendet sich die Hausarbeit dem Aufbau und den Zielen einer „wohlgeordneten“ Republik zu, ihrem Niedergang und der Möglichkeit ihrer Errichtung. Das Schlusswort bildet ein kurzes Resümee seiner politischen Staatstheorien.
Auf Grund des begrenzten Umfanges kann der eigentlich unerlässliche Bezug auf die geschichtliche Epoche nur im sehr geringen Ausmaße erfolgen.
Neben dem Studium von Machiavellis Werken „Der Fürst“ und „Discorsi“ entstand diese Hausarbeit im besonderen Maße auf der Grundlage der Sekundärliteratur von Herfried Münckler 7 , Wolfgang Kersting 8 sowie Maurizio Viroli 9 .
6 Dechering, Jens: Niccolo Machiavelli - Biographie
7 Münckler, Herfried: Machiavelli - Die Begründung des politischen Denkens der Neuzeit aus
der Krise der Republik Florenz. Frankfurt am Main 1984.
8 Kersting, Wolfgang: Niccolò Machiavelli. München 1988.
9 Viroli, Maurizio: Machiavelli. New York 1998.
4
2 Voraussetzungen zum Verständnis von Machiavellis Staatstheorie
2.1 Verwendete Begrifflichkeiten und Geschichtsphilosophie Machiavellis
Unumgänglich bei der Auseinandersetzung mit Machiavellis Staatsverständis ist die Erläuterung der von ihm verwendeten Begriffe. Im besonderen Maße rücken virtù und fortuna in den Mittelpunkt der Betrachtungen, da Machiavelli das politische Handeln als eine Auseinandersetzung der virtù mit fortuna interpretiert.
Diesner charakterisiert virtù wie folgt: „Sie ist alles Leben und dem gesamten Kosmos durchwaltende Kraft, durch die der Mensch vorrangig sein Dasein trägt und sich im großen und wie im kleinen behauptet und zur Geltung bringt.“ Zwar umspannt sie die ganze Welt, jedoch in unterschiedlich starker Ausprägung, je nach Volk und Zeit. 10 Virtù umfasst den Inbegriff all dessen, was geeignet ist, die Lebensfähigkeit und Stabilität des Staates zu gewährleisten, wobei die Erscheinung von der jeweiligen Situation abhängig ist. In der militärischen Ausrichtung steht sie für Mut, Tapferkeit, Entschlusskraft und Durchhaltevermögen. Als politische Tüchtigkeit beschreibt sie Eigenschaften, die für den Herrschaftserwerb beziehungsweise für den Herrschaftserhalt unumgänglich sind. 11 Dabei kann virtù als politische Energie innerhalb der menschlichen Natur gelehrt und erlernt werden.
Fortuna, die Schicksalsmacht, die Menschen heute steigen und morgen fallen lässt, ist weder berechenbar, noch sind ihre Ziele erkennbar. Sie entspricht der mythologisch dargestellten Differenz zwischen den Intentionen menschlichen Handelns und deren Folgen und Ergebnisse. Doch durch die von Machiavelli betriebene Entmystifizierung des Begriffes, stößt er auf menschliches Versagen, während andere der Schicksalsgöttin Schuld geben. Als Inbegriff der politischen Variablen entzieht sie sich jeglicher Kalkulation. Trotzdem müssen sich die Menschen nicht kampflos ihrem Schicksal ergeben, sondern können darauf einwirken. 12 Einerseits bleibt die eine Hälfte eine nicht beeinflussbare Notwenigkeit, doch ist die andere Seite den Angriffen von virtù ausgesetzt. Lieber „stürmisch als besonnen“ 13 sollten die Menschen gegen fortuna ankämpfen, dabei aber ihre Handlungsweisen der Zeit anpassen. Denn nur wer die Zeitverhältnisse mit in Betracht zieht - das Handeln qualità de` tempi
10 Diesner, Joachim: Virtù, Fortuna und das Prinzip Hoffnung bei Machiavelli. In: Nachrichten der Akademie der
Wissenschaften in Göttingen 1. Philologisch-historische Klasse. Göttingen 1993. S. 178.
11 Kersting, S. 114.
12 Münckler, 1984, S. 302.
13 Fürst, XXV, S. 199.
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Corinna Schulz, 2004, Die 'wohlgeordnete' Republik in der Staatstheorie Machiavellis, München, GRIN Verlag GmbH
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