Inhalt:
Einleitung und kurzer Abriß über die Geschichte der Golfkulturen 3 - 9
Zur Praxis des Handels mit der Golfregion 9 - 12
Literaturangaben 12
Karten 12 - 14
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I. Einleitung und kurzer Abriß über die Geschichte der Golfkulturen: Liest man Keilschrifttexte aus dem 3. und 2. vorchristlichen Jahrtausend, die sich mit dem Handel in Mesopotamien und vor allem im Süden des Landes befassen, so stößt man immer wieder auf drei Namen: Dilmun, Magan und Melukkha. Aus diesen drei Regionen scheinen so gut wie alle Luxusgüter, wie Zedernholz, Halbedelsteine oder Gold, und alles Kupfer importiert worden zu sein. Andere Gegenden haben zu dieser Zeit anscheinend keine große Rolle für den Handel gespielt.
Im folgenden möchte ich auf Lage und Geschichte dieser drei Länder kurz eingehen (siehe Karte 1), sowie einen Abriß der Entwicklung des Handels mit Südmesopotamien geben. Dilmun liegt an der Ostküste der arabischen Halbinsel am arabischen Golf. Es umfaßt die Insel Bahrain (siehe Karte 3) und die unmittelbar dahinter liegende Küstenregion, die obere Golfregion, teilweise wurde wohl auch die Insel Failaka noch dazu gezählt. Das Land ist reich an Kupfer und den verschiedensten Mineralien, z. B. Karneol. Außerdem exportierte es schon früh Datteln und Steingefäße.
Das Klima war im 3. und 2. Jt. auch nicht niederschlagsreicher als heute. Anscheinend hat es ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem gegeben, das den Anbau von Feldfrüchten und Datteln erlaubte. Fischfang, aber auch die Jagd haben vermutlich eine große Rolle im täglichen Speiseplan gespielt. Allerdings war die hiesige Landwirtschaft im 3. und 2. Jahrtausend zunehmend nicht mehr dazu in der Lage, die wachsende Population zu ernähren, weswegen Getreide aus Mesopotamien zu einem begehrten Importgut wurde, eine Tatsache, die die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern natürlich stärkte. Trotz seinem vergleichsweise lebensfeindlichen Klima wird Dilmun in einigen sumerischen Texten als ein Land dargestellt, in dem Milch und Honig fließen, so zum Beispiel im Mythos „Enki und Ninhursag“ (aufgeschrieben Ende 3. Jt.); hier heißt es:
„In Dilmun äußerte der Rabe keine Schreie, der Löwe tötete nicht, der Wolf packte nicht das Lamm, unbekannt war der Kinder tötende Hund, unbekannt das Getreide verschlingende Wildschwein...“.
Utnapishtim, der Überlebende der Sintflut, wird von den Göttern nach Dilmun gebracht und lebt hier ewig unter paradiesischen Bedingungen. Dieses durchweg positive Bild, das die Sumerer von Dilmun hatten, rührt vermutlich aus der Tatsache, daß sie dachten, all die Luxusgüter, die aus Dilmun importiert wurden, würden auch tatsächlich natürlich dort vorkommen; in Wirklichkeit stammten die meisten wohl eher aus der Indusregion und wurden von Dilmun aus nur weiter gehandelt. Ein paar Worte zur Gesellschaft:
Wir haben es in Dilmun vermutlich mit einer relativ egalitären Gesellschaft zu tun, basierend auf der Kleinfamilie als Kerneinheit. Die Hügelgräber Dilmuns enthalten selten mehr als 10 Individuen, die vermutlich die Mitglieder einer solchen Familie waren. Auch die Größe der Häuser unterstützt dieses Modell. Weder die Ausstattung der Gräber noch die der Häuser ist sonderlich reich und sie weist auch normalerweise keine größeren Unterschiede auf. Es scheint sich also um eine Art Stammesgesellschaft gehandelt zu haben, vielleicht mit Oberhäuptern, die den noch heute existierenden Scheichs ähnelten, also eher erste unter gleichen als richtige Könige, die vielleicht auch den Fernhandel kontrollierten. Allerdings sprechen Zentren urbanen Charakters und die weitreichenden Kontakte Dilmuns auch für eine, wie auch immer geartete zentrale Organisation.
Gab es einen König? Ein altassyrischer Text aus Mari erwähnt ein Geschenk von zwei Litern Zypressenessenz für einen König, „lugal“ genannt, von Dilmun. Die ausnahmsweise relativ reich ausgestatteten Gräber von A`ali, die etwa in diesen zeitlichen Rahmen fallen, würden zu dieser Aussage passen. Allerdings bleiben immer noch Zweifel zurück: Was genau bedeutet
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das Wort „lugal“? Warum wurden keine palastartigen Strukturen gefunden? Warum tauche n keine Herrschergestalten auf Siegeln auf und warum gibt es auch sonst gar keine repräsentative Kunst in Dilmun?
Die einzigen spezialisierten Berufe, die man klar ausmachen kann, sind die Priester, wegen der vielen ergrabenen Tempel, und dann später die Händler. Die Tempel sind auch die einzigen Gebäude mit eindeutig nicht profanem Charakter. Waren die Priester also die Organisatoren der Gesellschaft? Beweise dafür gibt es bislang nicht. Das in mesopotamischen Texten oft erwähnte Magan wird normalerweise mit dem heutigen Oman identifiziert. Urbane Zentren wie in Dilmun scheint es hier nicht gegeben zu haben. Versprengte Häusergruppen, von einem oder mehreren Turmhäusern dominiert und in Oasen gelegen, dominieren hier das Bild im 3. Jahrtausend. Zu Beginn des 2. Jt. werden viele davon aufgelassen. Administrative Gebäude wurden bis jetzt keine identifiziert. Siegel sind sehr selten. Große Grabbauten mit bis zu 200 Bestattungen sprechen für eine Sippengesellschaft (daran hat sich bis heute wenig geändert). Die Abbildung 1 zeigt ein typisches „Bienenkorbgrab“ aus Oman:
Das Land war ebenso wie sein nördlicher Nachbar Dilmun reich an Erzen und Mineralien. Der Handel mit der Golfregion begann anscheinend erst ab der Gamdet Nasr Zeit eine bedeutende Rolle zu spielen. In der vorhergehenden Urukzeit orientierte man sich eher nach Norden in Richtung Anatolien. Jetzt importierte man sein Kupfer aus dem Süden. Zu dieser Zeit scheint der Begriff Dilmun noch den Oman mit einzubeziehen, denn die sumerischen Texte sprechen zwar von Dilmun, die archäologischen Zeugnisse für Handelskontakte in dieser frühen Zeit stammen aber aus Oman, zum Beispiel in Gräbern gefundene Gamdet-Nasr-Keramik.
Um 2500 vor Chr. erscheint in Bahrain die erste permanente Siedlung und wenig später, in der Akkad-Zeit scheint sich auch die Unterscheidung zwischen Dilmun und Magan eingebürgert zu haben. Vermutlich kannten sich die mesopotamischen Seeleute mit der Zeit einfach besser in der Golfregion aus und erkannten deswegen den Unterschied zwischen den beiden Regionen.
1 Rice (1994), 255.
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Dilmun und Magan besetzten beide eine wichtige Rolle als Bindeglied zwischen Mesopotamien und den Induskulturen, die vermutlich identisch sind mit dem in Texten erwähnten Melukkha, denn der Landweg war gefährlich und beschwerlich. Bahrain ist besonders reich mit geschützten Häfen und Süßwasser gesegnet und spielte deswegen eine extrem wichtige Rolle als Anlaufstelle für Schiffe.
Steingewichte aus Harappa, die in Tall Abraq gefunden wurden, und eine Reihe von Keramikscherben mit Daumennageldekor beweisen die Existenz solcher Beziehungen in die Indusregion. Melukkha lieferte unter anderem Gold und edle Hölzer. Die Inschrift auf der Statue B Gudeas von Lagash besagt:
Allerdings gibt es noch andere Theorien, die die Lage Magans ganz woanders ansetzen; wenigstens drei akkadzeitliche Herrscher haben gegen ein Land dieses Namens Krieg geführt, darunter Naram-Sin; Manishtushu behauptet von sich, er habe über 32 Städte auf der anderen Seite des Meeres gesiegt und Silber und schwarzen Stein als Beute heimgebracht. Manche Forscher wollen in dieser Gegend „auf der anderen Seite des Meeres“ Magan erkennen. Aber hätte man es tatsächlich gewagt, ein Heer so tief in den Süden der arabischen Halbinsel zu führen? Außerdem gibt es in Oman kein Silber. Deshalb vermutete man Magan schließlich im Südwesten des Iran auf der anderen Seite des Golfs, also in der Susiana, mit der im übrigen natürlich auch Handel getrieben wurde. Zum Beispiel berichtet ein Text aus der Zeit des Amar-Sin:
„6 Schiffe zu je 60 Gur Ladefähigkeit, die zugehörige Mannschaft sind 36 Leute für 2 Monate, Sesam-Schiffe aus Susa...“ 3
Die Ladung dieser Schiffe beläuft sich insgesamt auf etwa 50 Tonnen (!) Sesam, welcher vielleicht als Saatgut Verwendung fand.
In den neuassyrischen Quellen ist Magan ohne Zweifel ein Synonym für Ägypten, vermutlich weil einige der Luxusgüter, die vorher aus der Golfregion importiert wurden, wie z. B. Elfenbein, nun aus dieser Gegend kamen; der Name wurde also einfach auf ein völlig anderes Land übertragen. Anscheinend machten die Menschen in Südmesopotamien keinen großen Unterschied zwischen den beiden Küstenstreifen des Persischen Golfes, bzw. dem nordöstlichen Afrika. Und natürlich dürfen wir unsere heutige Auffassung von Geographie nicht auf die Zeit vor 4000 Jahren übertragen. Für den gewöhnlichen Sumerer lagen die Länder der Golfregion am Rand der bekannten Welt und man hatte nur eine äußerst vage Ahnung von der Geographie dieser Gegenden.
2 H. Steible, Die neusumerischen Bau- und Weihinschriften 1, FAOS 9, 1 (Stuttgart 1991), 167-169.
3 Sigrist, Butz (1986), 29.
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Arbeit zitieren:
Antje König, 2003, Handel in Südmesopotamien im 3. und 2. Jahrtausend, München, GRIN Verlag GmbH
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