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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Hauptteil 4
2.1 Variationen in internationalen Wappen 4
2.2 Die Wahl als Wappentier unter dem Einfluss von Sagen und Mythen 6
3. Fazit. 11
Literaturverzeichnis 12
Anhang 13
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1. Einleitung
„Von alters mit unbändiger Kraft und unbezwinglichem Mut ausgestattet, als Sinnbild des Heilands mit dessen Tugenden ausgezeichnet, der Demut, die sich in irdisches Kleid hüllt, der Reinheit, die sich nur der Jungfrau beugt [...]“ 1 - aus dieser Sicht ist das Einhorn eines der bedeutungsvollsten Mischwesen und Fabeltiere in der christlichen Ikonographie und daher auch in der Heraldik. Welcher Attribute hätte es mehr bedurft, wo doch die ausdrucksstärksten und tauglichsten für einen Ritter von Tugend schon genannt sind. Keuschheit, alternativ Reinheit, Kraft, Mut, Glaube, alternativ Heiligkeit, und Demut verbinden sich zu einem Bild, welches das einzig Gute darstellt. So ist es nicht überraschend, dass das einhörnige Huftier (Griechisch: monokeros; Latein: unicornis oder rhinoceros; Arabisch: karkaddan; Alt-Französisch: licorne; Mittelhochdeutsch: einhorn oder monizirus 2 ) ein beliebtes Wappentier ist und war. Laut Dennys ist es schließlich, neben Drachen, Harpyien und Phönix, das „most beautiful and decorative of all the fabulous creatures [...] of heraldry“ 3 . Trotz dieser augenscheinlichen Begeisterung liegt nur wenig Sekundärliteratur neueren Datums vor. Für einen kurzen, prägnanten Überblick über die Heraldik im Allgemeinen bietet sich FILIP 4 an. Außerhalb dieses Themenkomplexes behandelt Jürgen EINHORN 5 sehr ausführlich die Rolle des Tieres in Kunst und Literatur des Mittelalters; seine Rolle als Wappentier wird aber auch hier -wie in der im Anhang genannten Literatur- nur am Rande behandelt. In der vorliegenden Untersuchung nun ist abzusehen von den Sagen und Geschichten, nach denen das Einhorn wirklich existiert haben soll, wie noch 1830 im Brockhaus behauptet wird. Einzugehen ist auf jene Mythen, die die Bedeutung und die Wahl des Einhorns für und durch den Träger unterstreichen. Zunächst soll aber anhand einiger Beispiele erläutert werden, wie unterschiedlich die Darstellungen dieses Fabelwesens in der Heraldik sind, das in heutiger Zeit an
1 Beer, Rüdiger, Einhorn. Fabelwelt und Wirklichkeit, München 1972, S. 118.
2 Richards, Earl Jeffrey, Unicorn, Dictionary of the Middle Ages, Bd. XII, New York 1989, S. 280. (Richards 1989)
3 Dennys, Rodney, The heraldic imagination, Fakenham/Norfolk 1975, S. 163. (Dennys 1975)
4 Filip, Vaclav Vok, Einführung in die Heraldik, Stuttgart 2000.
5 Einhorn, Jürgen W., Unicornis spiritalis, Spiritalis unicornis. Das Einhorn als Bedeutungsträger in Literatur und Kunst des Mittelalters, München 1998 (2. Aufl.). (Einhorn 1998)
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völlig anderer Stelle populär ist: über 300 Apotheken im deutschsprachigen Raum tragen seinen Namen.
2. Hauptteil
2.1 Variationen in internationalen Wappen
Es steigt oder steht, es läuft oder springt, zuweilen sitzt es sogar 6 - das Einhorn wandelt sich von Wappen zu Wappen. Wie Löwe und Adler gehört es zu den so genannten Gemeinen Figuren auf heraldischen Schilden. Im Gegensatz zu den bereits erwähnten ist es aber, übrigens wie die ebenfalls verbreiteten Meerjungfrauen, Lindwürmer oder Basilisken (s. Anhang II), ein Fabelwesen, also eine fiktive Gestalt. Hinzukommt, dass es keineswegs nur ein Pferd mit einem Horn auf der Stirn ist, sondern aus mehreren Komponenten besteht, ergo ein Mischwesen. Während Dennys schreibt, es handle sich um „[...] body, head and man of a horse, but with a beard like a goat’s on it’s chin, the legs and cloven hooves of a hart, the tail of a lion[...]“ 7 , erweitert Volborth die Variationen dahingehend, dass der Körper des Einhorns auch der einer Gazelle oder Ziege sein könne 8 , Büttner spricht von einem Hirsch oder „Pferdchen“ 9 , auch Antilope und Esel soll das Einhorn ähneln. Am deutlichsten erkennbar sind die unterschiedlichen Körperteile bei Abbildungen mit Fischschwänzen, Flossen und Flügeln (s. Anhang I/g). Das wichtigste Charakteristikum aber wird weder verändert noch ausgelassen: das spitz zulaufende, gerade oder gebogene und in sich gewundene Horn auf der Stirn. Auch der Ziegenbart und die gespaltenen Hufe gehören in vielen Fällen dazu.
Ob real oder erdacht, alle diese Wesen eint ihre Funktion als Wappentiere, zu denen sie als Teil der menschlichen Vorstellungswelt oder eben der visuellen Erfahrung gemacht worden sind. Neben Tieren und Menschen, beziehungsweise
6 Pastoureau, Michel, Traité d’héraldique, Paris 2003 (4. Aufl.), S. 156. (Pastoureau 2003)
7 Dennys 1975, S. 163.
8 Volborth, Carl-Alexander von, Fabelwesen der Heraldik in Familien- und Städtewappen, Stuttgart u.a. 1996, S. 56. (Volborth 1996)
9 Büttner, Gottfried, Die Dame mit dem Einhorn. Die Teppiche des Musée de Cluny, Stuttgart 1990, S. 42. (Büttner 1990).
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Kombinationen aus beiden, zählen auch Gegenstände wie Anker, Schiffe und Äxte sowie Pflanzen wie Tannen und Tulpen zu den Gemeinen Figuren und unzählige, andere Abbildungen aus Fantasie und Wirklichkeit (siehe Anhang III).
Das Einhorn nun ist im Vergleich mit den populärsten Wappenfiguren Löwe und Adler eher selten vertreten, seine Verwendung in der Heraldik ist begrenzt 10 . Im Gegensatz zum ebenfalls vierbeinigen Löwen hält das Einhorn meines Wissens auf keiner Abbildung ein Objekt in Maul oder Hufen, wie es bei anderen Tieren durchaus üblich ist. So werden Tiere beispielsweise mit Axt, Zepter oder Schwert gezeigt. Desweiteren können sie eine Krone oder ein Halsband tragen oder angekettet sein. Dies mag auf andere Vielbeiner auffallend häufig zutreffen, die Bilder von Einhörnern verzichten aber in der Regel darauf. Die Haltung des Einhorns deckt sich in der Regel mit der vieler Löwen: das Tier ist im Profil abgebildet und sieht (aus Wappenträgersicht) nach rechts.
Der heraldischen Manier entspricht es, Tiere nach Möglichkeit nicht in ihrer natürlichen Farbe abzubilden. „Da man das Einhorn für das reinste aller Kreaturen hielt, glaubte man, dass seine natürliche Farbe Weiß sei.“ 11 Trotzdem sieht man das Einhorn in den meisten Fälle in einer Silber-Tinktur (wirkt auf Drucken Weiß, welches zu verwenden aber verpönt ist) dargestellt, seltener in Gold oder Schwarz. Ebenfalls sehr verschieden ist die jeweilige Grundfarbe. Usuell ist es auch, die Form der Tiere entsprechend zu stilisieren, also die Natur zu vereinfachen und heraldische Ausschmückungen und Stilisierungen anzufügen. Im Gegensatz zum Adler mit aufgefächerten Flügeln, verhältnismäßig übergroßen Krallen und verkleinerten Schwingen wirkt das Einhorn auf den ersten Blick gering überarbeitet; die Proportionen wirken ausgewogen.
Die so genannte Bewehrung der Tiere, dazu zählen Krallen, Hörner, Schnäbel, Hauer und Hufe, wird normalerweise anders als der restliche Körper eingefärbt. Zwar sind einige Einhörner komplett in Gold oder Silber ausgemalt, doch andere verfügen über einen silbernen Corpus und goldene Hufe und Mähne, einzelne
10 Pastoureau 2003, S. 156.
11 Volborth 1996, S. 56.
Arbeit zitieren:
Kristine Greßhöner, 2004, Das Einhorn in der Heraldik - Über Herkunft, Mythos und Bedeutung eines Wappentieres, München, GRIN Verlag GmbH
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