Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 2
I. La miseria - das Elend - der Übersetzung 2
I.1. Grundproblematik: Übersetzen ist ein utopisches Unterfangen 2
I.2. Übersetzungstheoretische Überlegungen hinsichtlich Ortegas Standpunkt 4
II. Los dos utopismos - Die zwei Utopismen 5
II.1. Der Mensch erreicht nie, was er sich vornimmt, doch das muss nicht negativ sein 5
II.2. Der Mensch kann doch erreichen, was er will, und kann sich auch über andere Dinge
freuen 6
III. Sobre el hablar - Über das Sprechen 8
III.1. Sobre el hablar y el callar: Über das Sprechen und das Schweigen 8
III.2. No hablamos en serio 10
III.3. Linguistische Überlegungen zur Utopiehaftigkeit der Sprache 12
IV. El esplendor - der Glanz - der Übersetzung 14
V. Bibliographie 16
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0. Einleitung
Beim Studium einer Sprache werden die einzelnen Gebiete meist streng von einander getrennt. Die Linguisten grenzen sich häufig stark von den Literaturwissenschaftlern ab, und die Philosophie wird davon meist völlig separat abgehandelt. Deswegen ist es besonders interessant, einmal ein Thema wie das Übersetzen, das man sowohl der Literatur- als auch der Sprachwissenschaft zuschreiben könnte, aus philosophischer Sicht zu betrachten. Ortega, den man wahrlich als hervorragenden Literaten bezeichnen kann,setzt sich in seinem Buch Miseria y esplendor de la traducción intensiv damit auseinander, wie problematisch das Übersetzen sei, welche Möglichkeiten aber auch darin verborgen liegen. Zunächst werde ich mich mit Ortegas Auffassung, das Übersetzen sei ein utopisches Unterfangen, beschäftigen, bevor ich dazu übersetzungstheoretische Überlegungen in Betracht ziehen werde. Im Anschluss wird seine These, alles, was der Mensch tut, sei utopisch, auf den Prüfstand gelegt werden, bevor es zur Erläuterung seiner Überlegungen über das Sprechen einer Sprache allgemein und dann basierend auf linguistische Ansätze kommen wird. Nach all diesen eher theoretischen Abhandlungen soll es dann abschließend noch um Ortegas Auffassung, was für Vorzüge das Übersetzen habe, gehen.
I. La miseria - das Elend- der Übersetzung
I.1. Grundproblematik: Übersetzen ist ein utopisches Unterfangen
Der Ausgangspunkt der Überlegungen zur Übersetzung ist die Behauptung einiger Wissenschaftler, dass gewisse (deutsche) Denker übersetzbar seien, andere hingegen nicht. Dem zu Grunde liegt die Annahme, es gebe Philosophen oder ganz allgemein Schriftsteller, die man übersetzen könne. Ortega hingegen sieht dies anders. Er vertritt die Auffassung, dass alles, was der Mensch unternimmt, utopisch sei. Er vertrete diese These aber nicht, da er sich als Moralapostel aufspielen wolle, sondern da er überzeugt sei, aufzeigen zu müssen, dass der Mensch stets zum Scheitern verurteilt sei und nichts dafür könne. Für Ortega bedeutet also utopisch sein, ein Ziel zu verfolgen, das nicht erreicht werden kann. Dabei verwendet er diesen Begriff eher so, wie es in der Volkssprache üblich ist, als gemäß der strengeren Definition der Philosophie: So wird allgemein utopisch als ,, unerfüllbar, unwirklich; wirklich-
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keitsfremd“ (Ahlheim: 1966, 741) 1 verstanden. In der Philosophie hingegen ist folgende Definition üblich: Utopie gilt als eine
In Anlehnung an Thomas Mores Utopia (1516) entwickelte Bezeichnung für literarische Gegenentwürfe zur gesellschaftlich-politischen Ordnung. (...) Mit der Ausweitung des Utopiebegriffs von der literarischen Gattungsbezeichnung zur allgemeinen politischen Kategorie erhält Utopie neben der Bedeutung einer ortslosen Kritik an bestehenden Verhältnissen die Konnotation einer positiven Zukunftsvorstellung.(Prechtl,Burkhard:1996 2 ) Ortega begründet seine Auffassung dadurch, dass jedes Tier von Natur aus eine bestimmte Ausstattung habe. Im Gegensatz zu allen anderen Tieren sei der Mensch melancholisch, da er sich Ziele stecke, die er nicht erreichen könne, er verfolge also ,,Wahnideen“ (Ortega: 1956, 11 3 ), sei ,,maniático“ (S.10). Und dies sei bei allen Dingen der Fall, weswegen er auch beim Übersetzen nie vollkommene Perfektion erreichen könne. Schriftsteller hielten nämlich nicht immer die Normen ihrer Sprache ein, sondern handelten oft zuwider der geltenden Grammatik und Konventionen. Übersetzer hingegen würden dies oft nicht wagen und anstatt gewisse Nuancen beizubehalten, würden sie lieber auf die sic here Seite gehen und die Regeln kleinlichst beachten.
Auch bei ,,Werke[n] der exakten und der Naturwissenschaften“ (S. 13) (,,libros de ciencias exactas y naturales“ (S.12)) sei dies nicht anders. Zwar seien in diesen Bereichen die Schwierigkeiten geringer, aber dennoch vorhanden. Auch hier gibt es Begriffe, die keine hundertprozentig entsprechende Übersetzung haben. Wenn man allerdings auf einer Unterscheidung zwischen zu übersetzender und nicht übersetzbarer Literatur beharren würde, ließe man unter den Tisch fallen, dass bei bestimmten wissenschaftlichen Büchern der Grund dafür, dass sie scheinbar mühelos zu übersetzen sind, darin liege, dass ihr Vokabular zu großen Teilen aus Fachtermini besteht, die aber keine Sprache im eigentlichen Sinn seien, da Sprache auch ohne vorherige Begriffsdefinitionen funktioniere, was im Falle von Sachbüchern nicht der Fall ist.
Allgemein sei es für einen Autor grundsätzlich wichtig, dass er seine Muttersprache beherrscht , dabei stets verständlich ist, aber nicht immer auf die bloße Alltagssprache zurück- 1 Karl-HeinzAhlheim (Hrsg., 1966), Duden: Fremdwörterbuch, 2.Auflage (Mannheim: Bibliographisches Institut AG) 741.
2 Peter Prechtl, Franz-Peter Burkhard (Hrsg., 1996), Metzler Philosophie Lexikon: Begriffe und Definitionen, (Stuttgart/Weimar: Metzler)
3 José Ortega y Gasset (1956), Miseria y Esplendor de la traducción: Elend und Galnz der Übersetzun,.dt.: Gustav Kilpper (Ebenhausen: Langwiesche-Brandt KG) 11.
(Alle weiteren Zitate, für die nicht extra eine Referenz angegeben wird, beziehen sich ebenfalls auf dieses Buch). .
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greift, was ein weiteres Problem für das Übersetzen aufwirft: jeder Literat hat einen eigenen persönlichen Stil. Schon alleine deswegen, weil er ab und zu geringfügig von den konventionellen Bedeutungen mancher Wörter abweicht. Zudem hat auch jede Sprache seinen eigenen sprachlichen Stil, insofern nur wenige Begriffe exakt dieselben semantischen Grenzen aufweisen wie andere, die ihnen in der Fremdsprache gleichgesetzt werden.
I.2 Übersetzungstheoretische Überlegungen hinsichtlich Ortegas Standpunkt
Wenn Ortega sagt, dass vieles nicht hundertprozentig dem Original entsprechend übersetzt werden kann, gebe ich ihm vollkommen Recht. Auch die Übersetzungstheorie belegt zweifellos, dass es keine eins zu eins Übersetzung geben kann. Laut Ortega sei einer der Gründe, warum Übersetzen ein utopisches Unterfangen sei, dass jeder Autor ,,seinen eigenen persönlichen Stil“ (vgl. S.21) habe. Worauf dieses ,,Seinen-eigenen-Stil“-Haben beruht, wird in Hatim und Masons Discourse and the Translator ziemlich genau erläutert. Zum einen sei das Problem, dass der Kontext, der Background verschiedener Personen und Kulturen unterschiedlich sind. So spiele es beispielsweise beim Textverständnis eine Rolle, ob jemand aus einer modernen, voll entwickelten Gesellschaft stammt oder noch in einer rückständigen Kultur lebt. Aber auch innerhalb einer einzigen Kultur gebe es eine ganze Reihe unterschiedlicher sprachlicher Ausprägungen, die von den verschiedensten Faktoren beeinflusst werden. Dies spiegele sich in den Dialekten wider, wobei Dialekte von Person zu Person verschieden sind, sich zum Beispiel in der Aussprache bestimmter Laute unterscheiden können. Besonders interessant ist, dass es eine gewisse Regelhaftigkeit bei der Entstehung vo n Dialekten zu geben scheint. So differenzieren Hatim und Mason an Hand bestimmter Kriterien folgende Arten von kontextbedingter Variation : zum einen gäbe es die ,,geographischen Dialekte“, die sich räumlich, politisch oder kulturell von anderen Territorien abgrenzen. Dennoch ist auch solch ein Dialekt nie einheitlich, sondern weicht je nach Entfernung des Punkts, wo der Dialekt am stärksten ausgeprägt ist, stärker ab. Während diese Art von Dialekt mehr oder minder konstant ist, gibt es daneben auch ,,temporäre Dialekte“, die an bestimmte Modererscheinungen und Trends gebunden sind, dann aber auch wieder verschwinden. ,,Soziale Dialekte“ dagegen sind abhängig von einem Klassenbewusstsein oder einer besonderen Gesellschaftsstruktur. Des Weiteren gibt es auch einen so genannten ,,Standarddialekte“. Der Unterschied zwischen Standard und Nicht Standard liegt im Grad der
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Christina König, 2004, José Ortega y Gasset: Miseria y esplendor de la traducción, Munich, GRIN Publishing GmbH
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