Im Rahmen des Seminars „Abweichendes Verhalten von Jugendlichen“ befasst sich die vorliegende Ausarbeitung mit einer speziellen Form abweichenden Verhaltens Jugendlicher: der Jugendgewalt. Dafür ist in einem einführenden Teil eine Darstellung der unterschiedlichen Auffassung von Gewalt notwendig. Hierbei werde ich mich zum einen auf die Polizeiliche Kriminalstatistik1 beziehen und zum anderen auf einige empirische Untersuchungen wie sie unter anderem Christian Pfeiffer und Peter Wetzels, Jürgen Mansel und Klaus Hurrelmann und Siegfried Lamnek durchgeführt und ausgewertet haben. Des weiteren ist aufgrund der Fülle an Erklärungsansätzen bzgl. abweichenden Verhaltens Jugendlicher und des Fehlens einer allgemeingültigen wissenschaftlichen Theorie der Gewalt eine Darstellung verschiedener theoretischer Ansätze notwendig. Diese ist in knapper Form gehalten und arbeitet die jeweiligen grundlegenden Überlegungen aus. Im Anschluss werden einige Ergebnisse wissenschaftlicher Analysen bzw. empirischer Untersuchungen einleitend aufgeführt. In Anlehnung an die überblicksartige Darstellung der Forschungsbefunde durch Kurt Möller, die teilweise zusätzliche Ergänzungen erfahren, wird die Täterstruktur jugendlicher Gewalt unter ausgewählten Gesichtspunkten und Einflussfaktoren bestimmter Sozialisationsbereiche beschrieben. Es handelt sich dabei nicht um eine reine Reproduktion der einzelnen Studienergebnisse, sondern um eine strukturierte und zum Teil zusammenfassende Darstellung. Da die angeführten Untersuchungen teilweise zu übereinstimmenden Erkenntnissen gelangen, wird entsprechend des jeweiligen Focus eine Studie stellvertretend aufgeführt. Sind Abweichungen bzw. neue Befunde/Zusammenhänge erkennbar, werden diese vergleichend dargestellt. Überwiegend sind verwendete Schaubilder dem Ersten Periodischen Sicherheitsbericht Bundesministeriums für Sicherheit entnommen. Im abschließenden Kapitel werde ich nochmals die Bezüge zur jeweiligen Theorie, die als Erklärung des Phänomens beitragen könnten, herstellen und einige allgemeine Überlegungen zu möglichen Präventions- und Interventionsmaßnahmen vorstellen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BEGRIFFSBESTIMMUNG
2.1 POLIZEILICHE KRIMINALSTATISTIK (PKS)
2.2 CHRISTIAN PFEIFFER/PETER WETZELS UND DER EPSB 2000
2.3 JÜRGEN MANSEL UND KLAUS HURRELMANN
2.4 SIEGFRIED LAMNEK
2.5 KURT MÖLLER
3 SOZIOLOGISCHE THEORIEN ABWEICHENDEN VERHALTENS
3.1 SOZIALSTRUKTUR:
3.1.1 Anomietheorie
3.1.2 Subkulturtheorie
3.1.3 Labeling-Approach
3.2 SOZIALISATION
3.2.1 Theorie des differenziellen Lernens
3.2.2 Theorien sozialer Kontrolle
4 EMPIRISCHE BEFUNDE
4.1 HELLFELDFORSCHUNG; PKS ALS DATENBASIS
4.2 GEWALTKRIMINALITÄT NACH STRUKTUR DER JUGENDLICHEN TÄTERSCHAFT
4.2.1 geschlechtsspezifisch
4.2.2 altersspezifisch
4.2.3 bildungsspezifisch
4.2.4 nationalitätsspezifisch
4.3 EINFLÜSSE DER SOZIALISATIONSBEREICHE
4.3.1 Familie
4.3.2 Schule
4.3.3 Gleichaltrigengruppen / Peergroups
5 SCHLUSSBETRACHTUNG
6 LITERATUR
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Jugendgewalt unter Berücksichtigung theoretischer Erklärungsansätze sowie aktueller empirischer Befunde, um ein besseres Verständnis für Entstehungs- und Verlaufsprozesse zu entwickeln und präventive Maßnahmen abzuleiten.
- Darstellung unterschiedlicher Gewaltbegriffe und wissenschaftlicher Definitionen.
- Diskussion soziologischer Theorien zur Erklärung von Delinquenz und abweichendem Verhalten.
- Analyse der Täterstruktur unter Einbeziehung von Faktoren wie Geschlecht, Alter und Bildung.
- Untersuchung des Einflusses verschiedener Sozialisationsbereiche wie Familie, Schule und Peergroups.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Subkulturtheorie
Die Subkulturtheorien akzentuieren besonders stark die Bedeutsamkeit des unmittelbaren sozialen Umfeldes, d.h. sie sind auf Sozialisationsprozesse gerichtet.
Subkulturtheorien gehen davon aus, dass einer Bildung abweichender Jugendgruppen als Versuch zur kollektiven Lösung von Statusproblemen gewertet werden kann. Zu einer Formation in Gruppen mit alternativen Werten und Lebensstilen führen ökonomische Benachteiligung, eine an der Mittelschicht orientierte Sozialisation in Schulen und ähnlichen institutionalisierten Sozialisationsinstanzen und ein Mangel an Chancengleichheit, konventionelle Ziele zu erreichen. Jene Gruppen lehnen sich stark an traditionelle Werte der Unterschicht an, z.B. ‚Härte’, ‚Männlichkeit’, usw. (vgl. Möller 2001: 65).
Cohen betrachtete Mitte der 1950er Jahre „abweichende subkulturelle Verhaltensformen als Reaktionsweisen von Jugendlichen auf gesellschaftlich verursachte Spannungszustände“ (Möller 2001: 65) und unterschied sechs Typen von Subkulturen. Im Einzelnen soll in unserem Kontext – ohne die anderen Erscheinungsformen zu negieren – beispielhaft auf die „juvenile männliche Basis-Subkultur“ eingegangen werden.
In den Peergroups entwickeln die männlichen Jugendlichen der Unterschicht eine negativistische Einstellung zu gesamt-gesellschaftlichen Werten. Sie lehnen die Werte der Mittelschicht nicht ab, aber sie kehren sie um. Ein weiteres Kennzeichen der männlichen Basis-Subkultur stellt die mutwillige Gewalt dar, d.h. der Einsatz von Gewalt ohne Zweckorientierung zur Erreichung eines Vorteils. Gewalt wird böswillig eingesetzt, um andere Personen zu ärgern (vgl. Möller 2001: 65).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Hinführung zum Thema Jugendgewalt und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise anhand vorliegender Studien.
2 BEGRIFFSBESTIMMUNG: Darstellung und Abgrenzung verschiedener wissenschaftlicher und polizeilicher Gewaltbegriffe.
3 SOZIOLOGISCHE THEORIEN ABWEICHENDEN VERHALTENS: Überblick über theoretische Erklärungsansätze, fokussiert auf Sozialstruktur und Sozialisation.
4 EMPIRISCHE BEFUNDE: Vorstellung statistischer Daten und Untersuchungsergebnisse zur Jugendkriminalität und deren Einflussfaktoren.
5 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion möglicher präventiver und gesellschaftlicher Lösungsansätze.
Schlüsselwörter
Jugendgewalt, Kriminalität, Sozialisation, Anomietheorie, Subkulturtheorie, Labeling-Approach, Delinquenz, Peergroups, Gewaltprävention, Sozialstruktur, Hellfeldforschung, Dunkelfeldforschung, Mehrfachtäter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Phänomens Jugendgewalt und analysiert, warum Jugendliche in abweichende Verhaltensmuster verfallen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Gewaltdefinitionen, theoretische soziologische Erklärungsmodelle sowie die empirische Analyse von Täterstrukturen und Sozialisationskontexten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein strukturiertes Verständnis für die Entstehung von Jugendgewalt zu vermitteln, um dadurch effektivere Präventions- und Interventionsmöglichkeiten zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine strukturierte und zusammenfassende Analyse bestehender Forschungsberichte, polizeilicher Statistiken und Dunkelfeldstudien namhafter Kriminologen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Ansätze zur Delinquenz (z.B. Anomie, Sozialisation) und empirische Befunde zur Täterstruktur und den Einflüssen von Familie, Schule und Peergroups.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Jugendgewalt, Delinquenz, Sozialisation, Subkultur, Anomie und Prävention.
Welche Rolle spielt die Familie für das gewalttätige Verhalten?
Die Arbeit zeigt, dass vor allem die Qualität der innerfamiliären Beziehungen und Erfahrungen mit häuslicher Gewalt, nicht aber die formale Familienstruktur, signifikant mit dem aggressiven Verhalten Jugendlicher korrelieren.
Wie bewertet die Arbeit die Bedeutung von Peergroups?
Gleichaltrigengruppen spielen eine entscheidende Rolle, da Gewalt in stark devianten Cliquen als legitimes Mittel zur Statusbehauptung und Zielerreichung in ein positives Normensystem integriert wird.
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- Cornelia Kopitzki (Author), 2003, Jugend und Gewalt. Abweichendes Verhalten von Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28680