1. Einleitung
Der demographische Wandel in der Bundesrepublik Deutschland ist unübersehbar. Die Schrumpfung der Bevölkerung und der gleichzeitig ansteigende Anteil älterer Menschen an der deutschen Gesamtbevölkerung, ausgelöst durch anhaltend niedrige Geburtenraten und einer steigenden Lebenserwartung, haben vielfältige Konsequenzen für die Gesellschaft und ihre Lebensbedingungen. So wurde die Alterung der Gesellschaft in jüngster Vergangenheit meist im Zusammenhang mit den sozialen Sicherungssystemen diskutiert (was trotz des direkten Zusammenhangs mit dem Arbeitsmarkt nicht Teil dieser Hausarbeit ist). Weitaus weniger dagegen sind ihre Auswirkungen auf die Erwerbsarbeit beleuchtet worden, womit ich mich in meiner Hausarbeit beschäftige. Wird die momentan herrschende Arbeitslosigkeit zurückgehen oder wird es sogar zu einem demographisch bedingten Arbeitskräftemangel kommen? Werden die Erwerbstätigen nun immer älter und was würde dies für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Gesellschaft bedeuten? Hat der Rückgang der deutschen Bevölkerung Auswirkungen auf die Güternachfrage? All dies sind Fragen, denen ich in der hier vorliegenden Arbeit nachgehe, ebenso wie ich mögliche Konsequenzen für die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik aufzeige - Ist eine Verschiebung des Renteneintrittsalters nach hinten erforderlich? Oder muss die Einwanderung gefördert werden?
In Punkt zwei meiner Arbeit geht es zunächst um die Auslöser der Veränderungen in der deutschen Bevölkerungsstruktur, also jene Bestimmungsfaktoren, die für die Bevölkerungsentwicklung ausschlaggebend sind. Dabei richte ich meinen Blick auf Gesamtdeutschland und verzichte auf die Unterteilung zwischen Ost- und Westdeutschland, da diese Aufteilung den Rahmen dieser Hausarbeit übersteigen würde. Anhand der unter 2.1. erläuterten Determinanten stelle ich im Abschnitt 2.2. die 9. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes dar, die für den vierten Teil der Arbeit die Grundlage darstellt. Hierin werden die Veränderungen und Folgen des demographischen Wandels auf die Erwerbsarbeit und der daraus resultierende Handlungsbedarf für die Sozialpolitik behandelt. Zuvor gebe ich im dritten Kapitel noch einen Überblick über die derzeitige Lage auf dem Arbeitsmarkt. Mit dem Fazit (Kapitel 5) schließe ich die Arbeit ab.
Auf die Gründe der veränderten Bestimmungsfaktoren (z. B. den Rückgang der Geburtenrate) des demographischen Wandels gehe ich nur insoweit ein, als dass sie für den Handlungsbedarf der Sozialpolitik eine Rolle spielen.
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2. Der demographische Wandel
2.1. Bestimmungsfaktoren der Bevölkerungsentwicklung
Die Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur sind durch vier wesentliche Faktoren, die Geburtenquote (Fertilität), die Sterblichkeitsrate (Mortalität), die Lebenserwartung und die Migration in beide Richtungen (Ein- bzw. Auswanderungen) gekennzeichnet, die in der Folge erklärt und in Zusammenhang gebracht werden.
2.1.1. Fertilität
Fertilität bedeutet laut Duden die „Fähigkeit von Organismen, Nachkommen hervorzubringen“ (Duden 2000, S. 308), vereinfacht ausgedrückt die Zeugungs- und Gebärfreudigkeit. Es gibt zwei zentrale Maßzahlen, die Aufschluss über die Fertilitätsentwicklung geben: zum einen die zusammengefasste Geburtenziffer, welche angibt wie viele lebendgeborene Kinder von 1000 Frauen der gleichen Bevölkerungsgruppe innerhalb eines bestimmten Zeitraumes in Deutschland geboren werden und zum anderen die Nettoreproduktionsrate. Diese gibt die durchschnittliche Zahl der lebendgeborenen Mädchen an, die jede, einer bestimmten Altersgruppe zugehörigen Frau im Laufe ihres Lebens gebärt. Hieraus kann man ersehen, ob der Bestand einer Bevölkerung beibehalten werden kann, oder nicht. Liegt der Wert bei 1, bekommt also jede Frau eine Tochter, so ersetzt die Kinder- die Elterngeneration zu 100 Prozent. Ein Wert über 1 bedeutet, dass die Kindergeneration stärker, ein Wert unter 1, dass die Kindergeneration entsprechend schwächer besetzt ist, als die vorangegangene Generation (vgl. Abschlussbericht der Enquete-Kommission 2002, S. 18). Behalten diese neuen Töchtergenerationen eine unter 1 liegende Nettoreproduktionsrate bei, wird auch diese inzwischen neue Elterngeneration schwächer ersetzt.
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Quelle: Statistisches Bundesamt 2001, aus: Abschlussbericht der Enquete-Kommission 2002, S.18
4 ... heißt A ngabe fällt später an
Nach dem Gipfel des Geburtenanstiegs Mitte der 60er Jahre, als 1000 Frauen im Durchschnitt noch 2500 Kinder zur Welt brachten, folgte ein rasanter Abstieg, der 1985 seinen vorläufigen Tiefpunkt mit nur noch ca. 1200 Kindern je 1000 Frauen erreichte (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2000, S. 3). In den 90er Jahren blieben die zusammengefassten Geburtenraten relativ konstant, was der Vergleich von 1991 mit 1332 Lebendgeborenen und 1999 mit 1361 Lebendgeborenen je 1000 Frauen zeigt. Jedoch kann eine so niedrige Geburtenziffer die nachfolgende Generation nur zu knapp zwei Dritteln ersetzen, worauf auch die Nettoreproduktionsziffer von 0,65 im Jahr 1999 hinweist (vgl. Kaufmann 1997, S. 69). Aus der obigen Grafik geht ferner hervor, dass sich das Geburtenverhalten der ausländischen Frauen immer mehr an das der deutschen angleicht.
Gründe für die niedrige Geburtenrate sind u. a. die zunehmend auf berufliche Selbstverwirklichung orientierten Lebensstile von Paaren, insbesondere von Frauen, die sich mit Kindern häufig nicht oder nur schwer vereinbaren lassen sowie die hohen Kosten, die Kinder verursachen (vgl. Bib-Broschüre 2000, S. 12). Die logische Konsequenz ist eine Schrumpfung der Bevölkerung.
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2.1.2. Mortalität
Die Anzahl der Gestorbenen nahm in den letzten Jahren weiterhin leicht ab, was im folgenden Schaubild dargestellt ist. Dieser Verlauf ist auf die Ausweitung der Lebenserwartung zurückzuführen, wird sich aber mit dem Nachrücken stärkerer Geburtenjahrgänge (60er Jahrgänge des „Babybooms“) ins hohe Lebensalter wieder erhöhen, da das Mortalitätsrisiko mit zunehmenden Alter steigt.
Quelle: Datenreport 2002, S. 38
Aus der Tabelle wird durch die Gegenüberstellung der Lebendgeborenen und Gestorbenen ebenfalls ersichtlich, dass es zuletzt im Jahr 1970 einen Geburtenüberschuss gab und seither jährlich mehr Menschen sterben als geboren werden. So gab es im Jahr 2000 72.000 mehr Sterbefälle als Lebendgeborene, was die Reduzierung der Bevölkerung nochmals verdeutlicht.
2.1.3. Lebenserwartung
Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt laufend an. Sie beträgt nach der Sterbetafel 1998 / 2000 derzeit für Neugeborene Jungen 74,8 Jahre und für Mädchen 80,8 Jahre. Ebenso hat sich auch die fernere Lebenserwartung erhöht, so dass ein heute 60-jähriger Mann im Durchschnitt noch weitere 19,25 Jahre und eine Frau im selben Alter noch ca. 23,5 Jahre weiterleben kann (als Vergleich findet sich im Anhang Tabelle 1). Als Ursache für den hohen Anstieg der Lebenserwartung in Deutschland führt das Statistische Bundesamt „die weitere
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Annäherung der in Ostdeutschland bislang etwas ungünstigeren Sterblichkeitsverhältnisse an die in Westdeutschland an“ (Statistisches Bundesamt, Mitteilung vom 20.11.2002). Die längere Lebenserwartung verbunden mit dem niedrigen Geburtenniveau bewirkt, dass das Durchschnittsalter der Bevölkerung immer höher wird, was als Alterung der Gesellschaft bezeichnet wird.
2.1.4. Migration
Wanderungen, sowohl Ab- als auch Zuwanderungen, stellen ebenfalls einen wesentlichen Bestimmungsfaktor des demographischen Wandels dar, da durch sie die Einwohnerzahl eines Landes maßgeblich beeinflusst wird (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2000, S. 5). So konnten die negativen Geburtenbilanzen der letzten Jahre durch die Wanderungssalden (Zuwanderung nach Deutschland abzüglich der Abwanderungen) ausgeglichen werden. Im Jahr 2000 gab es einen Gestorbenenüberschuss von 72.000 Personen (siehe 2.1.2.), bei einem Wanderungsüberschuss von 167.000 Personen, womit das Geburtendefizit mehr als ausgeglichen wurde. Ein negativer Wanderungssaldo (mehr Abwanderungen als Zuzüge) würde den Alterungs- und Reduktionsprozess der deutschen Bevölkerung dagegen beschleunigen.
Schaubild 3: Eckdaten zum Wanderungsgeschehen in Deutschland 1991 bis
2000
Statistisches Bundesamt 2001; aus: Abschlussbericht der Enquete-Kommission 2002, S. 22
(ab 1998 liegen die Daten teilweise nur gerundet vor)
Der Umfang der Wanderungen für die Zukunft ist nur schwer vorauszusagen, wie die Entwicklung der letzten Jahre zeigt (vgl. Abschlussbericht der Enquete-Kommission 2002, S. 22). Gründe hierfür sind u. a. politische Regelungen und der schlecht voraussagbare Rückzug von Immigranten in ihr Heimatland, aufgrund dortiger verbesserter Lebensbedingungen (z. B. Kriegsende).
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Arbeit zitieren:
Jennifer Derer, 2003, Demographischer Wandel und Erwerbsarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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