Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. II
Tabellenverzeichnis. IV
Abbildungsverzeichnis. V
Abkürzungsverzeichnis. VII
1 Einleitung 1
1.1 Die Republik Irland als Untersuchungsgegenstand 1
1.2 Fragestellung und Zielsetzung 2
1.3 Inhaltlicher Aufbau der Arbeit. 4
2 Methodik und Datengrundlage 6
2.1 Verwendete Datengrundlage. 7
2.2 Die Regionale Strukturanalyse: Definitionen und Kritik 8
2.2.1 Definitionen. 8
2.2.2 Kritik 10
2.3 Räumlich-administrative Gliederung Irlands. 11
2.4 Profile der untersuchten Industriezweige 14
2.4.1 Maschinenbau (Engineering) 14
2.4.2 Elektronik (ICT) 15
2.4.3 Software 15
2.4.4 Medizintechnik (medical devices) 15
2.4.5 Pharmazeutische Industrie (Pharmazeuticals) 16
2.4.6 Chemische Industrie (Chemicals) 16
3 Standortnachfrager Unternehmen 17
3.1 Voraussetzung „Ökonomische Globalisierung“ 18
3.2 Internationalisierung von Unternehmen 20
3.2.1 Begrifflichkeit des Internationalen Unternehmens 20
3.2.2 Internationalisierungsstrategie 21
3.2.3 Phasen der Internationalisierung 22
3.2.4 Basisstrategien und Gestaltungsalternativen. 23
3.2.5 Theorien der Internationalisierung. 26
3.2.6 Motive für die Internationalisierung via Direktinvestitionen. 28
3.2.7 Organisationstypen. 30
3.3 Bedeutung des Standortes in der Unternehmensplanung 32
3.3.1 „Konzept der strategischen Rolle“ von GOETTE 32
3.3.2 Standortentscheidungsprozess. 35
3.3.3 Bedeutung der länderspezifischen Rahmenbedingungen. 37
0
3.4 Die Interaktion zwischen transnationaler Unternehmung und Staat 42
4 Rahmenbedingungen in der Republik Irland. 44
4.1 Wirtschaftliche Standortbedingungen und Wirtschaftsentwicklung 44
4.1.1 Wirtschaftspolitik seit den 1950er Jahren 44
4.1.2 Probleme der Wirtschaftsentwicklung seit den 1960er Jahren 45
4.1.3 Wirtschaftsboom der 1990er Jahre. 47
4.1.4 Aktuellste Trends und Prognosen der Wirtschaftsentwicklung 52
4.1.5 Bedeutung der Direktinvestitionen 54
4.2 Die Industrial Development Agency im formellen Netzwerk der Institutionen. 56
4.2.1 Das Netzwerk der Institutionen. 57
4.2.2 Die Industrial Development Agency (IDA) 58
4.3 Die konsequente Ausnutzung der EU-Förderpolitik 59
4.4 Die Verbesserung des Bildungssystems 61
4.5 Die Wirtschafts- und Arbeitskultur der Iren 61
4.6 Zusammenfassung der wichtigsten Rahmenbedingungen. 62
5 Räumliche Ansiedlungsstruktur 65
5.1 Absolute Häufigkeitsverteilung aller TNCs 65
5.2 Relative Verteilung aller TNC. 68
5.3 Analyse der Branchenverteilung. 69
5.3.1 Die absolute TNC-Verteilung der Grundgesamtheit n 641 69
5.3.2 Die absolute TNC-Verteilung nach den IDA-Regionen 70
5.3.3 Relatives Verteilungsmuster 72
5.3.4 Mikrostandorte der Medizintechnik. 80
5.4 Die Analyse der Verteilung nach Herkunftsländern. 82
5.4.1 Die absolute TNC-Verteilung der Grundgesamtheit n 641 82
5.4.2 Die absolute TNC-Verteilung nach den IDA-Regionen 83
5.4.3 Relatives Verteilungsmuster 85
5.4.4 Mikrostandorte deutscher Unternehmen 90
5.5 Aussagen und Thesen zur Ursachenforschung 91
6 Mögliche Ursachen für die räumliche Struktur 95
7 Schlussbetrachtung 99
Literaturverzeichnis. VIII
1
Tabellenverzeichnis
Seite
Tabelle 2.1: Regionale Gliederung der EU 1
Tabelle 2.2: Die NUTS 3-Regionen Irlands 12
Tabelle 2.3: Aufteilung der IDA-Regionen auf die Grafschaften 12
Tabelle 3.1: brownfield- und greenfield-investments im Überblick. 25
Tabelle 4.1: BIP-Wachstumsprognose nach Komponenten (Reale Veränderung gegenüber Vorjahr) 53
Tabelle 5.1.: Die absolute Verteilung der TNC auf Regionenebene und die Aufteilung der Regionen auf die Grafschaften 67
Tabelle 5.2: Absolute und prozentuale Branchenverteilung auf die Regionen (n=641) 70 Tabelle 5.3: Absolute Verteilung der Herkunftsländer auf die Regionen (n=553) 83
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1.1: Das Spannungsfeld „Internationale Unternehmung- Nationalstaat“
Abbildung 3.1: Die weltweiten Wachstumsraten des BIP und der FDI im Vergleich
Abbildung 3.2: Produktionsorganisation in räumlicher Perspektive
Abbildung 3.3: Das Konzept der strategischen Rolle
Abbildung 3.4: Die strategische Rolle als Schnittstelle zwischen TNC und Staat
Abbildung 3.5: Der internationale Standortentscheidungsprozess
Abbildung 3.6: Faktorenkatalog zur Operationalisierung eines Standortes
Abbildung 4.1: Die Entwicklung des Exports und des BSP zu konstanten Preisen
von dem Jahr 1960 bis 2001 (Basisjahr: 1995)
Abbildung 4.2: BIP und BSP zu konstanten Preisen im Vergleich
Abbildung 4.3a: Das BIP-pro Kopf (Kaufkraftstandard) Irlands, Deutschlands und
Großbritanniens im Vergleich zum EU-Durchschnitt (1994 bis 2002)
Abbildung 4.3b: BIP-pro-Kopf-Vergleich zwischen Deutschland, Irland und
Großbritannien (1995-2000, real in Preisen von 1995)
Abbildung 4.4: FDI inflows der „Kohäsionsfond-Staaten“ (90-01) der EU
Abbildung 4.5: Struktur der Förderorganisationen für Bildung
und Wirtschaft und ihre jeweiligen Zuständigkeiten
Abbildung 4.6: Netto empfangene EU-Finanzmittel nominell
und in Prozent des BIP von 1973 bis 2003
Abbildung 4.7: Standortvorteile Irlands auf einen Blick
Abbildung 5.1: Die absolute Verteilung aller TNC auf Grafschaftsebene
Abbildung 5.2: Standortquotient über alle TNC (Basis: Einwohnerzahlen 2002)
Abbildung 5.3: Prozentuale Verteilung „Branche“
Abbildung 5.4: Der KL auf Basis der Branchen
Abbildung 5.5: Der KS auf Basis der Branchen
Abbildung 5.6a: Die räumliche Verteilung der Softwarebranche
Abbildung 5.6b: Die räumliche Verteilung der Elektronikindustrie
Abbildung 5.7a: Die räumliche Verteilung der TNC der Medizintechnik
Abbildung 5.7b: Die räumliche Verteilung der TNC der Maschinenbauindustrie
Abbildung 5.8: Mikrostandorte Medizintechnik
Abbildung 5 9: Prozentuale Verteilung „Herkunftsland“
Abbildung 5.10: Der KL auf Basis des Indikators „Herkunftsland“
Abbildung 5.11: Der KS auf Basis des Indikators „Herkunftsland“
Abbildung 5.12: Die räumliche Verteilung US-amerikanischer Firmen
Abbildung 5.13: Die räumliche Verteilung britischer Firmen
Abbildung 5.14: Die räumliche Verteilung deutscher TNC
Abbildung 5.15: Mikrostandorte deutscher TNC
Abbildung 5.16: KS der Branchen und der Herkunftsländer im Vergleich
Abbildung 5.17: KL der beiden Verteilungsindikatoren im Vergleich
Abbildung 5.18: Peripherie und Agglomerationsregionen in Irland und
deren Spezialisierungsgrad
Abbildung 6.1: Regionale Einteilung der Fördergebiete Irlands
im Rahmen des NDP 2000-2006
Abkürzungsverzeichnis
ASEAN Association of South East Asian Nations BIP (GDP) Bruttoinlandsprodukt (gross domestic product) BSP (GNP) Bruttosozialprodukt (gross national product ) Co. County (Grafschaft) CSO Central Statistics Office EG Europäische Gemeinschaft ESRI Economic and Social Research Institiute EU Europäische Union FDI Foreign Direct Investments (Direktinvestitionen) F&E Forschung und Entwicklung GIS Geographisches Informations System IDA Investment and Development Agency bzw.
KL
Koeffizient der Lokalisierung
KS
Koeffizient der Spezialisierung
MOE-Länder
Die Staaten Mittel und Osteuropas, die im Jahr 2004 der EU beitreten werden.
M&A
Merger and Acquisition (Fusion und Beteiligung)
NAFTA
North American Free Trade Association
NDP
National Development Plan
NUTS
Nomenclature des Unités Territoriales Statistiques
OECD
Organisation of Economic Cooperation and Development
p.a.
per annum
SQ
Standortquotient
TNC
Transnational Corporation
1 EINLEITUNG
1.1 Die Republik Irland als Untersuchungsgegenstand
Kaum ein anderes europäisches Land entwickelte sich in den letzten zehn Jahren so rasant wie die Inselrepublik Irland am westlichen Rande Europas. Als kleiner Staat mit gerade einmal 3,92 Millionen Einwohnern (Stand: 2002) und einer Fläche, die 2 annähernd die Größe Bayerns aufweist (70.273 km ), ist Irland Mitglied in zwei sehr
einflussreichen wirtschaftlichen Zusammenschlüssen: Der Europäischen Union (EU) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die irische Republik ist seit ungefähr zehn Jahren auch eines der Staaten mit dem größten Wirtschaftswachstum innerhalb dieser beiden Organisationen. 1 Mitte der 1980er Jahre noch war Irland eines der ärmsten Länder der EG. Die
wirtschaftlichen Aktivitäten ausländischer Unternehmen waren bis Ende der 80er Jahre von der Ansiedlung von Produktions- und Montagestätten geprägt. Daher wurde kein hochqualifiziertes Arbeitskräftepotenzial benötigt, so dass Irland lange Zeit als „Verlängerte Werkbank“ vieler Unternehmen des produzierenden und verarbeitenden 2 Gewerbes galt.
Ein steiles Wachstum erfuhr die irische Wirtschaft erst mit der Ansiedlung ausländischer Unternehmen der High-Tech-Industrie. Dazu gehören überwiegend Unternehmen der Pharmazeutischen Industrie und der Elektroindustrie. Letztere Branche umfasst in großem Umfang Unternehmen der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien und hier die Computerproduktion und Computerver- 3 marktung im Besonderen.
In den 1990er Jahren wurde die Republik Irland in Anlehnung an die zu dieser Zeit ebenfalls wirtschaftlich stark wachsenden Staaten Südostasiens - den so genannten Tigerstaaten - als „Keltischer Tiger“ bezeichnet. Hohe wirtschaftliche Wachstumsraten 4 des BIP pro Kopf von durchschnittlich 9,3% pro Jahr in den Jahren 1994-1998 und
steigender Wohlstand kennzeichneten von nun an das einstige Armenhaus in peripherer Lage am Nordwestrand Europas.
Ältere Studien über Irland beschäftigen sich überwiegend mit der Analyse der Ursachen der Rückständigkeit Irlands (fehlender Unternehmergeist, langjährige Abhängigkeit von Großbritannien, etc.). Solche Rückschlüsse sind zwar unentbehrlich für das historische Verständnis der Entwicklung Irlands. Sie befassen sich aber nicht mit dem Phänomen
1 Das BIP-pro-Kopf Irlands erreichte nur 63% des Britischen, Vgl.: Glebe, G. [2000], S. 43
2 Vgl.: Wood, G. [2000], S. 38
3 Vgl.: Glebe, G. [2000], S. 45
4 Vgl.: Monz, I. [2000], S. 145
1
5 des „Keltischen Tigers“ im Sinne einer Erfolgsanalyse. Die ersten, die den Versuch
einer Analyse des Aufschwungs unternahmen, waren AUST [1999] und ROLLER [1999]. Während letzterer sich der Fragestellung eher aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive näherte, zog AUST die politikwissenschaftliche Herangehensweise vor. Beiden gemein ist die klare Herausstellung der Bedeutung der sich in Irland ansiedelnden, ausländischen Unternehmen bzw. international agierenden Unter- 6 nehmungen auf der einen Seite. Andererseits unterstreichen sie die Bedeutung staatlichen Handelns zur Schaffung von Rahmenbedingungen für eine derartige Entwicklung einer Volkswirtschaft. Das Spannungsfeld, welches hierdurch entsteht, soll denn auch unter wirtschaftsgeographischem Aspekt. wesentlicher Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein.
1.2 Fragestellung und Zielsetzung
Irland bietet auf Grund seiner sehr dynamischen Entwicklung ein gutes Beispiel für ein solches Spannungsfeld, das sich aus der Unternehmensseite und der staatlichen Seite zusammensetzt. Auf der Unternehmensseite wird es durch die räumlichen Aspekte der strategischen Unternehmensplanung und ihrer Internationalisierungsstrategien gebildet. Dies kann unter dem Begriff der Internationalen Standortwahl zusammengefasst werden. Die Schaffung bzw. das Vorhandensein von Rahmenbedingungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eines Nationalstaates andererseits vervollständigt das Spannungsfeld.
Die Betrachtung der Entwicklungsdynamik Irlands gewinnt an Bedeutung, wenn die Diskussion um die Bewertung der Folgen des Globalisierungsprozesses mit einbezogen wird. Denn Irland profitiert wie kaum ein anderes Land von der Globalisierung der Wirtschaft und der damit einhergehenden Integration der Wirtschaftsräume - in diesem 7 Falle der EU.
Die Frage nach dem Einfluss staatlichen Handelns auf strategische Überlegungen von international agierenden Unternehmen ist in diesem Zusammenhang von zentraler Bedeutung. Diese Interaktion beider Akteure mündet in der Frage nach der jeweiligen Verhandlungsposition zur Durchsetzung der mitunter konträren Zielsetzungen beider Akteure.
Ein Ziel der Arbeit besteht darin zu ergründen, ob und ggf. welche räumlichen Strukturen der Ansiedlung ausländischer, international agierender Unternehmen in Irland erkennbar sind. Im Zuge dessen soll zunächst das räumliche Verteilungsmuster der ausländischen Unternehmen aus insgesamt sechs verschiedenen Wirtschaftszweigen und 20 unterschiedlichen Herkunftsländern aufgezeigt werden.
5 Vgl.: Aust [1999], S. 2f.
6 Die Begriffe Unternehmen und Unternehmung werden im folgenden synonym verwandt.
7 Vgl.: Glebe, G. [2000], S. 44
2
Dies soll der Beantwortung folgender Fragen dienen:
¾
Folgt die Ansiedlung irgendeinem erkennbaren Muster wie beispielsweise
Die räumliche Struktur wird durch die Auswertung einer Adressdatenbank mittels einer statistischen Analysemethode aufgedeckt - der so genannten „Regionalen Strukturanalyse“.
Im nächsten Schritt werden dann mögliche Ursachen für die vorgefundene räumliche Struktur erörtert bzw. diskutiert. Grundlegend hierfür ist die Durchführung eines Experteninterviews sowie die Auswertung von Fachliteratur. Es soll herausgefunden werden, welchen räumlichen Implikationen das Handeln staatlicher bzw. halbstaatlicher Institutionen auf die konkrete, mikrogeographische Standortwahl der international agierenden Unternehmen haben.
Abbildung 1.1: Das Spannungsfeld „Internationale Unternehmung- Nationalstaat“
Quelle: Eigene Darstellung
3
Obige Abbildung sollen die geschilderten Zusammenhänge noch einmal visualisieren und zugleich die Zielsetzung dieser Arbeit verdeutlichen:
1.3 Inhaltlicher Aufbau der Arbeit
Im zweiten Kapitel steht zunächst die methodische Vorgehensweise der vorliegenden Arbeit im Vordergrund. Neben der Erläuterung der empirischen Methodik wird die hierfür als Grundlage dienende Adressdatenbank vorgestellt. Des weiteren wird auf die Vorgehensweise des Leitfaden gestützten Interviews mit dem Europadirektor der für die Ansiedlung ausländischer Unternehmen in Irland verantwortlichen Behörde eingegangen. Darüber hinaus wird die administrative Raumeinteilung Irlands erörtert. Mit den theoretischen Ausführungen in Kapitel 3 soll zunächst der Rahmen gesteckt werden, der eine Einordnung des Themas in die aktuellen Fragestellungen der Wirt- 8 schaftsgeographie erlaubt. Nach der Definition des Begriffes der ökonomischen
Globalisierung wird kurz auf die weltwirtschaftlichen und räumlichen Auswirkungen der ökonomischen Globalisierung eingegangen. Hieran schließt sich dann eine Übersicht über die bedeutendsten und für den Themenbereich relevanten Theorien der Internationalisierung von Unternehmen aus den Wirtschaftswissenschaften an. Deren kritische Würdigung wird daraufhin insbesondere aus der Sicht der Wirtschaftsgeographie erfolgen. Besondere Aufmerksamkeit wird in diesem Zusammenhang dem in der Literatur diskutierten Problem der Interaktion zwischen den Akteuren „Staat“ und „international agierender Unternehmung“ zuteil (Verhandlungsmachtmodell nach KOBRIN). Die Frage nach der stärkeren Einflussmöglichkeit bzw. der Verhandlungsposition während verschiedenen Phasen der Ansiedlungsplanung, Entscheidung und Realisierung ist hierbei maßgebend.
Zweck des Kapitels 4 ist es, exemplarisch die Situation eines Standort anbietenden Nationalstaates zu analysieren. Darum widmet es sich der Skizzierung der wirtschaftlichen, politischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen in der Republik Irland. Es stellt die regionale Wirtschaftsentwicklung von den 50er Jahren des 20. Jh. bis heute unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung seit den 1990er Jahren dar. Besondere Beachtung findet diesbezüglich die Entwicklung der Direktinvestitionen als Gradmesser außenwirtschaftlicher Verflechtung einer Volkswirtschaft. Außerdem wird ein Ausblick in die künftig zu erwartende Situation gewagt. Gegenstand von Kapitel 5 ist die eingehende Analyse der räumlichen Struktur der Ansiedlung international agierender Unternehmen in Irland. Mit Hilfe thematischer Karten und Diagramme wird die räumliche Verteilung der internationalen Unternehmen
8 Dieser Arbeit liegt der neuere Ansatz der relationalen Wirtschaftsgeographie zu Grunde. Jener
verhaltenswissenschaftliche Ansatz beruht in Abgrenzung zur Raumwirtschaft darauf, das räumliche
Strukturen nicht Ursache des Raumes selbst sind, sondern Ergebnis räumlich situierten Handelns
bestimmter Akteure. Insofern sprechen BATHELT / GLÜCKLER von der „Inversion der
4
verdeutlicht. Die zur Verfügung stehende Datengrundlage wird im Zuge einer Regionalen Strukturanalyse ausgewertet, um eine Ansiedlungs- bzw. Standortstruktur der Unternehmen zu erhalten. Als Auswertungskriterien gelten die identifizierten Branchen des produzierenden Gewerbes und das Herkunftsland des ausländischen Unternehmens. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, eventuelle Besonderheiten wie etwa Ballungen bestimmter Herkunftsländer oder Branchen zu identifizieren und zu visualisieren.
Abschließend wird im sechsten Kapitel die Expertenbefragung mit dem Europadirektor der für die Ansiedlung ausländischer Unternehmen zuständigen irischen Institution ausgewertet. Die Auswertung geschieht in der Weise, dass die gewonnenen Erkenntnisse der vorangegangenen empirischen Untersuchung den markantesten Ergebnissen der Arbeit gegenübergestellt und durch Fachliteratur erläutert werden. Kapitel 7 fasst die Ergebnisse der Arbeit im Zuge einer Schlussbetrachtung noch einmal zusammen.
Verursachungsrichtung“. Das Soziale und Ökonomische bestimmt die räumliche Struktur, nicht
umgekehrt. Vgl.: Bathelt, H / Glückler, J. [2002], S. 22, 25, 33-40
5
2 METHODIK UND DATENGRUNDLAGE
Die in Kapitel 3 und 4 erzielten Ergebnisse stützen sich auf eine gezielte Literaturauswertung. Wirtschaftsgeographische sowie sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Quellen sind in beiden Kapiteln maßgebend. In Kapitel 3 wurde hauptsächlich Literatur zu den Themenbereichen der Internationalisierung von Unternehmen und deren Standortentscheidungen ausgewertet. Kapitel 4 bezieht insbesondere solche Fachpublikationen mit ein, die sich mit der Situation in der irischen Republik befassen.
Die Erläuterung der in Kapitel 5 angewandten Methodik, das das räumliche Verteilungsmuster der Ansiedlung international agierender Unternehmen in Irland offen legt, muss aufgrund ihrer Komplexität detaillierter ausfallen. Dies geschieht in den Abschnitten 2.1 bis 2.3.
Die methodische Vorgehensweise des 6. Kapitels besteht in der Auswertung eines Leitfaden gestützten Interviews mit einem Experten der irischen Investitions- und Entwicklungsbehörde (IDA). Weitere Expertengespräche mit Mitarbeitern verschiedener Unternehmen, die in Irland Niederlassungen gründeten oder Gründen wollen, wären zwar sinnvoll. Sie sind jedoch im Rahmen dieser Untersuchung zu aufwendig. Um aber das Verhalten bzw. die Absichten wichtiger Entscheidungsträger der Unternehmen deutlich zu machen, wird der SEP, wie er in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur theoretisch hergeleitet wird, an anderer Stelle detailliert erörtert (siehe Kapitel 3.3). Die Expertenbefragung fand am 17. Juni 2003 in der Außenstelle der IDA in Frankfurt am Main statt. Als Interviewpartner stellte sich der Europadirektors der IDA, Herr Paul Hanratty, zur Verfügung. Die Schwerpunkte des 90-minütigen Gespräches lagen in folgenden Fragenkomplexen: allgemeine Arbeitsweise, aktuelle Ziele, konkrete Maßnahmen.
2.1 Verwendete Datengrundlage
Grundlage der Analyse der räumlichen Ansiedlungsstruktur ausländischer Unternehmen in Irland ist eine Adressdatenbank der irischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft IDA. 9 Diese ist auf deren Homepage abrufbar.
Abgerufen und bearbeitet wurde sie im Zeitraum von Ende Januar bis Mitte Februar 2003, so dass eventuelle Veränderungen bzw. Aktualisierungen der Adressdatenbank seitens der IDA nur bis zu diesem Zeitpunkt berücksichtigt werden konnten.
9 Vgl.: IDA[2003a]: http://www.idaireland.com/industry/index.asp
6
10 Die für die Analyse relevante Datenbank umfasst 641 Datensätze. Sie wurden nach
dem Kriterium der Zugehörigkeit zu einem der sechs Branchen ausgewählt, die als produzierendes Gewerbe identifiziert werden konnten. Jeder Datensatz besteht aus dem Namen des in Irland direkt investierenden, ausländischen Unternehmens, den Industriezweig bzw. die Branche, dem er angehört, seinem Herkunftsland und eine Beschreibung der von ihm hergestellten Produkte. Ferner werden in der Datenbank der Unternehmenssitz in Irland mit vollständiger Adresse und Telefonnummer einer Kontaktperson angegeben. Bei einigen aufgeführten Firmen besteht die Möglichkeit, durch Links auf die Homepage des betreffenden Unternehmens mehr über das Unternehmen oder ggf. der Muttergesellschaft zu erfahren. Zudem besitzen einige, zumeist größere Unternehmen mehrere verschiedene Adressen in Irland. Daher ist davon auszugehen, dass sie mehrere Niederlassungen in Irland besitzen. Diese wurden jeweils als einzelnes Unternehmen betrachtet, um der größeren Bedeutung des betreffenden Unternehmens Rechnung zu tragen. Weitere Ergänzungen konnten durch die Internetseite www.irishmanufacturing.com vorgenommen werden. Die regionale Strukturanalyse wurde primär hinsichtlich der Kriterien „Unternehmenssitz in Irland“, “Herkunftsland des Unternehmens“ und „Branchenzugehörigkeit“ durchgeführt. Die beiden zuletzt genannten werden im weiteren Verlauf als Verteilungsindikatoren (oder kurz: Indikatoren) bezeichnet. Ihre Variablen sind die jeweiligen, konkreten Herkunftsländer (z.B.: Frankreich, Deutschland,...) bzw. Industriezweige (z.B.: Software, Maschinenbau, Pharmazie, etc.). Durch die Verknüpfung der Adressdatenbank mit „MapInfo“, einem Geographischen Informations System, werden ferner zahlreiche thematische Karten zur Interpretation der Regionalen Strukturanalyse erstellt. Weiterhin erfolgt die Visualisierung der Daten in Form von Tabellen und Diagrammen.
Diese Form der Methodik wurde anderen, möglichen Formen vorgezogen. Es kann beispielsweise durch die Anwendung der Shift-Analyse mehr über die Veränderungen 11 im Zeitablauf ausgesagt werden. Ziel dieser Arbeit ist es jedoch, eine
Momentaufnahme des Bestandes an ausländischen Unternehmen in Irland dafür zu verwenden, ein räumliches Verteilungsmuster der Ansiedlung aufzudecken. Die Errichtung einer Niederlassung im Ausland bedeutet für ein Unternehmen in der Regel auch gleichzeitig ein längerfristiges Engagement in diesem Land. Dies rechtfertigt eine Betrachtung des aktuellen Bestandes an ausländischen Unternehmen, die in Irland Produktionskapazitäten aufgebaut haben.
10 Insgesamt existieren 1094 ausländische Unternehmen in Irland, die im Jahre 2002 von der IDA
unterstützt und betreut wurden. Vgl.: IDA [2003b], S. 5
11 Vgl.: Schätzl, L. [2000], S. 77-84
7
2.2 Die Regionale Strukturanalyse: Definitionen und Kritik
2.2.1 Definitionen
Die in Kapitel 5 durchgeführte empirischen Untersuchung offenbart bei der Darlegung der absoluten Verteilung ausländischer Unternehmen schnell die Dominanz der Agglomerationsräume (siehe Abbildung 5.1). Absolute Werte lassen jedoch keinen Rückschluss auf die relative Ballung ökonomischer Aktivitäten zu. Daher wurde durch die statistischen Kennziffern Standortquotient (SQ), Koeffizient der Lokalisierung (KL) und Koeffizient der Spezialisierung (KS) ein Instrumentarium geschaffen, welches die Größe einer Region unberücksichtigt lässt, um auf diese Weise regionale Disparitäten 12 messbar machen zu können.
Die Regionale Strukturanalyse ist eine weit verbreitete Methode zur Messung regionaler Ungleichheiten bestimmter ökonomischer Tatbestände. Sie setzt jene Tatbestände in ein räumliches Verhältnis zwischen Teil- und Gesamtraum.
Der Standortquotient (SQ) vergleicht den Anteil einer ökonomischen Aktivität j in einer Region i mit dem Anteil, den diese Aktivität im Gesamtraum hat. Er setzt dazu den Anteil der ökonomischen Aktivität eines Wirtschaftsbereiches, den ein Teilraum am Gesamtraum hat, in Beziehung zum Anteil der ökonomischen Aktivität aller 13 Wirtschaftsbereiche des betreffenden Teilraumes an denen des Gesamtraumes.
SQ ij
wobei:
Y ij = Ökonomische Aktivität des Wirtschaftsbereiches j im Teilraum i
n ∑ = Yij Ökonomische Aktivität des Wirtschaftsbereiches j im Gesamtraum = i 1
m ∑ = Ökonomische Aktivität aller Wirtschaftsbereiche im Teilraum i ij Y = 1 j
12 Vgl.: Bathelt, H., Glückler, J. [2002], S. 85
13 Vgl.: Schätzl, L. [2000], S. 63f.
8
n m ∑ ∑ = Ökonomische Aktivität aller Wirtschaftsbereiche im Gesamtraum Yij = = i 1 j 1
Auf diese Untersuchung übertragen bedeutet dies, dass der Anteil einer Indikatorvariablen, den eine Region am Gesamtaufkommen der Unternehmen dieser Variablen in ganz Irland hat, in Beziehung gesetzt wird zum Anteil aller in der Region existierenden ausländischen Unternehmen am gesamten Aufkommen in ganz Irland. So wird beispielsweise der Anteil einer Branche wie der Pharmazie, den die irische Grafschaft Kerry auf sich vereinigen kann in Beziehung gesetzt zu dem Anteil, den diese Grafschaft an allen 641 Unternehmen besitzt.
Der SQ ist größer oder gleich 0 und kann theoretisch unendlich groß werden. Ein SQ von 1 besagt, dass in einer Region der Anteil des Aufkommens an ausländischen Unternehmen dieser Branche (dieses Herkunftslandes) genau dem des Gesamtraumes entspricht. Ist er kleiner (größer) als 1, so ist dieser Industriezweig oder das Herkunftsland unterproportional (überproportional) in der Region vertreten.
Der Koeffizient der Lokalisierung (KL) „[...] misst den Grad der Konzentration einer ökonomischen Aktivität eines Wirtschaftsbereiches innerhalb aller Teilräume, verglichen mit der Konzentration einer allgemeinen Bezugsgröße innerhalb derselben 14 Teilräume“ .
In dieser Untersuchung gilt als allgemeine Bezugsgröße die Anzahl der in der Datenbank aufgeführten Unternehmen. Diese lässt sich nach den oben genannten Indikatoren „Branche“ und „Herkunftsland“ differenzieren, so dass der KL einmal im Bezug auf die Branchenzugehörigkeit und einmal im Bezug auf die Herkunftsländer der Unternehmungen berechnet wird. Der KL setzt sich wie folgt zusammen: Die Summe der Beträge aus der Differenz zwischen dem Unternehmensanteil einer Region am Gesamtaufkommen der jeweiligen Indikatorvariablen und dem Anteil dieser Region am Gesamtaufkommen aller 641ausländischen Unternehmen dividiert durch 2.
15 Der KL wertet die SQ einer Indikatorvariablen über alle Regionen Irlands hinweg aus. Die Grenzen des KL sind 0 und 1. Der Wert 0 verrät eine Gleichverteilung des Indikators über alle Regionen Irlands. Je größer der Wert, desto mehr konzentriert sich die Variablen dieses Verteilungsindikators auf eine Region. Eine Wert nahe 1 würde
14 Schätzl, L. [2000], S.64
15 Vgl.: Bathelt H. ; Glücker, J. [2002], S. 86
9
bedeuten, dass die betreffende Branche bzw. das betreffende Herkunftsland nur in einer Region vertreten ist.
Die Grenzen des Koeffizienten der Spezialisierung (KS) sind ebenfalls 0 und 1. Mit ihm lassen sich Aussagen über die strukturelle Einseitigkeit einer Region treffen. Ein KS-Wert von 0 besagt, dass die Verteilung einer Indikatorvariablen genau seiner Verteilung in ganz Irland entspricht. Je mehr er sich dem Wert 1 nähert, desto mehr weicht seine Verteilung, die in dieser Region vorzufinden ist, von der des ganzen Landes ab.
Der KS berechnet sich aus der Summe der Beträge aus der Differenz zwischen dem Anteil einer Indikatorvariablen in einer Region am gesamten Aufkommen ausländischer Unternehmen dieser Region und dem Anteil dieser Variablen am Gesamtaufkommen in
ganz Irland (n=641).
Der KS wertet die SQ einer Region über alle Branchen bzw. Herkunftsländer hinweg 16 aus.
Für die Ermittlung des KS der Grafschaft Kerry bezüglich der relativen Verteilung der Branchenzugehörigkeit hieße das folgendes:
Zuerst wird der Anteil der in der Grafschaft ansässigen, ausländischen Unternehmen für jeden einzelnen Industriezweig an allen 641 Unternehmen ermittelt. Dieser wird dann von dem jeweiligen Anteil desjenigen Industriezweiges an den 641 Unternehmen abgezogen, der untersucht werden soll. So entsteht für jede Variable bzw. Branche, die in Kerry angesiedelt ist, eine Zahl. Diese werden dann mit Hilfe der Betragstriche vorzeichenbereinigt und aufsummiert. Diese Summe wird dann anschließend halbiert.
2.2.2 Kritik
An der Methodik der Regionalen Strukturanalyse wird kritisiert, dass ihre Aussagekraft zu sehr vom Aggregationsniveau der Raumeinheiten und der Wirtschaftsbereiche 17 abhängt: Wird eine kleinräumige Aufteilung gewählt, so kommt es zu einer Überbewertung der festgestellten Konzentrationstendenzen. Umgekehrt werden Spezialisierungstendenzen unterbewertet, wenn die Raumeinheiten bzw. Wirtschaftsbereiche hoch aggregiert werden. In diesem Zusammenhang tritt dann ein Problem auf, wenn das
16 Vgl.: Bathelt H. ; Glücker, J. [2002], S. 86
17 Vgl.: Bathelt H. ; Glücker, J. [2002], S. 86
10
statistische Material nicht in der Gliederungstiefe vorhanden ist, wie sie für eine optimale Analyse auf dem aussagekräftigsten Aggregationsniveau nötig wäre.
In dieser Arbeit von besonderer Relevanz ist die Tatsache, dass die Datengrundlage zwar in der ausreichenden Gliederungstiefe vorliegt, um nicht zwangsläufig auf ein höheres Aggregationsniveau ausweichen zu müssen. Doch bestehen gewisse Zwänge bei der Wahl des räumlichen Aggregationsnivaus, die durch dass Datenmaterial hervorgerufen werden. Dies beeinflusst die Wahl der räumlichen Einteilung Irlands bei der Durchführung einer Regionalen Strukturanalyse. Erläuterungen hierzu werden im nun kommenden Abschnitt gegeben.
2.3 Räumlich-administrative Gliederung Irlands
In Irland existieren eine Vielzahl von räumlichen Gliederungen. Die gängigste ist die Einteilung in 26 historisch gewachsene Grafschaften, auch Counties genannt (Singular: 18 County). Die fünf größten Städte Irlands bilden zudem eigene Stadtbezirke (Boroughs): Dublin, Cork, Galway, Limerick und Waterford. Sie sind zugleich Namensgeber der Counties, die sie umgeben.
Daneben gibt es die Aufteilung der EU, die so genannte „Nomenclature des Unités Territoriales Statistiques (NUTS)“. Sie gilt EU-weit und ist in vier regionale Ebenen 19 unterteilt (siehe Tabelle 2.1). Die oberste Ebene ist die der 15 Mitgliedsstaaten. Die 20 Grundlage der weiteren Untergliederung variiert von Staat zu Staat.
Tab. 2.1: Regionale Gliederung der EU
Quelle: eigene Darstellung; verändert nach Schätzl [2000], S.258
18 Nachfolgend werden die Begriffe „County“ und „Grafschaft“ synonym verwendet. County wird zudem
„Co.“ Abgekürzt.
19 Vgl.: Schätzl, L. [2000], S.258
20 Für Deutschland ist dies die sich anbietende, föderale Unterteilung in Bundesländer, Regierungsbezirke
und Landkreise, vgl.: ebd.
11
Grundlegend für die Raumeinteilung Irlands ist die dritte Ebene dieser Nomenklatur. 21 Sie gliedert sich wie folgt:
Tab. 2.2: Die NUTS 3-Regionen Irlands
Eigene Darstellung, verändert nach: O.V. [2003b] http://www.cordis.lu/de/src/d_023_de.htm
Wie Tabelle 2.2 veranschaulicht, ist Irland in insgesamt acht der EU-weiten 1031 NUTS 3-Regionen aufgeteilt. Sie reichen von Border im Norden, welche die an Nordirland angrenzenden Counties umfasst, über den Großraum Dublin (City und Co.) bis hin zu den zwei südlichen Raumeinheiten South-East und South-West. Diese 22 Systematik der Raumeinteilung wird u.a. vom „Central Statistics Office“ (CSO) , genutzt.
Die Wirtschaftsförderung Irlands (IDA) wiederum benutzt eine geringfügig abgewandelte Version der NUTS-3-Einteilung, wie in Tabelle 2.2 deutlich wird. Allen gemeinsam ist, dass die Grafschaftsebene den anderen Raumeinteilungen mehr oder weniger als Grundlage dient.
Tab. 2.3: Aufteilung der IDA-Regionen auf die Grafschaften
Eigene Darstellung; Quelle: www.idaireland.com
21 Vgl.: O.V. (2003a): http://www.cordis.lu/de/src/d_023_de.htm
12
Die Region East umfasst die Hauptstadt Dublin, das sie umgebende County Dublin und alle benachbarten Counties: Co. Meath, Co. Kildare und Co. Wicklow. Southwest besteht aus dem südlichen Teil der Grafschaft Kerry mit den Städten Killarney; Killorglin, Rathmore und Kenmare. Die Region West setzt sich aus den beiden westlichsten Counties Galway und Mayo zusammen. Midwest umfasst die Counties Clare und Limerick vollständig sowie die jeweils nördlichen Teile der Grafschaften Tipperary mit den Städten Nenagh und Thurles und Kerry mit den Städten Tralee und Listowel. Southeast wird von den vier Grafschaften Kilkenny, Carlow, Wexford und Waterford sowie vom südlichen Teil vom Co. Tipperary gebildet. Wichtige Städte dieses Teils von Co. Tipperary sind Clonmel, Tipperary und Cashel. Longford, Westmeath, Offaly und Laois sind die Grafschaften, die die Region Midlands bilden. Drei der insgesamt fünf an Nordirland grenzenden Counties beinhalten die IDA-Region Northeast: Cavan, Monaghan und Louth.
Co. Sligo und Roscommon bilden zusammen mit dem vierten Nachbar Großbritanniens, der Grafschaft Leitrim, die IDA-Region Northwest, während der nördlichste Teil der irischen Republik - das County Donegal - zugleich als IDA-Region gilt.
Die Wahl des für die Darstellung des Datenmaterials aussagekräftigsten Aggregationsniveaus ist aus in Kapitel 2.2.2 dargestellten Gründen problematisch. So wird im Falle der in Abbildung 5.1 dargestellten absoluten Verteilung der Grundgesamtheit von n=641 auf die Ebene der Grafschaften zurückgegriffen. Zusätzlich wurde der Stadtbezirk der irischen Hauptstadt Dublin mit einbezogen, so dass insgesamt 27 Raumeinheiten existieren. Die Datengrundlage lässt diese Aggregationsebene gerade noch zu, während die Durchführung der Regionalen Strukturanalyse nur auf einer höheren Aggregationsebene stattfinden kann (siehe Kapitel 5.3 und 5.4). Dies ist darauf zurückzuführen, dass in Grafschaften mit sehr geringen Besatz an ausländischen Unternehmen viele der insgesamt sechs Branchen bzw. 20 Herkunftsländer überhaupt nicht vorkommen und somit in der geostatistischmathematischen Analyse als „Null“-Werte einfließen. Leider können jene Null-Werte 23 bei der Auswertung und Interpretation zu erheblichen Schwierigkeiten führen. Zudem ist die Aussagekraft der statistischen Kennzahlen insofern problematisch, als in Regionen mit geringem Besatz (z.B. Donegal) die Bedeutung der einzelnen Unternehmen ungleich höher ausfällt. Dies gilt es bei der Interpretation der Ergebnisse im sechsten Kapitel zu beachten.
Um dieses spezifische Problem zu lösen, wurde für die Regionale Strukturanalyse eine großräumigere Gebietsaufteilung gewählt als für die Darstellung des absoluten Verteilungsmusters. Es wird auf die Raumeinteilung Irlands zurückgegriffen, die auch
22 Diese amtliche Behörde ist in etwa mit dem deutschen Statistischen Bundesamt in Wiesbaden
vergleichbar.
23 Zur Kritik an den Parametern der Regionalen Strukturanalyse siehe Kapitel 2.2.2
13
die IDA vorgenommen hat und verwendet. Sie stimmt zu großen Teilen mit der NUTS-Einteilung der EU überein.
So bleiben von den ursprünglichen 27 Raumeinheiten (26 Grafschaften und Dublin 24 City) nur noch neun Raumeinheiten - die IDA-Regionen - übrig.
2.4 Profile der untersuchten Industriezweige
Dieser Teilabschnitt soll dazu dienen, näheres über die Industriezweige zu erfahren, deren räumliche Struktur in Irland analysiert werden soll. Wichtig hierbei sind Fragen wie: Welche Produkte werden hergestellt? Welche Firmen gelten als „Zugpferde“ der 25 Branche und wie grenzen sich die Branchen voneinander ab?
Vorab muss erwähnt werden, dass Industrieunternehmen in der heutigen Zeit generell stärker von Dienstleistungstätigkeiten dominiert werden, als das noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Das sprachliche Problem wird zudem noch durch die Tatsache verschärft, dass der englische Begriff „service-industry“ im englischsprachigen Raum 26 des Öfteren als feststehender Begriff im Bankwesen verwendet wird. Diese Unschärfe
in Bezug auf den Begriff des Industrieunternehmens trifft auch für die Republik Irland zu. Obwohl sich seit den 1980er Jahren verstärkt unternehmensorientierte Dienstleistungen in Irland ansiedeln, ist die Bedeutung ausländischer Industriebetriebe 27 nach wie vor ungleich höher. Insbesondere die Softwareindustrie könnte ebenso gut
als Dienstleistungsbranche klassifiziert werden: „In vielen Statistiken gelten Software-Unternehmen als Dienstleister, werden aber als „Internationally Traded Services“ und 28 damit als Zielgruppe der IDA häufig in die Industriestatistiken mit aufgenommen“ .
Dieses Problem wird hinsichtlich der empirischen Untersuchung dadurch gelöst, dass der Klassifizierung streng gefolgt wurde, die die IDA in der ausgewerteten Adressdatenbank nutzt.
2.4.1 Maschinenbau (Engineering)
Die ausländischen Unternehmen dieses Sektors nutzen Irland, um Produkte der Elektromechanik, der Luftfahrt-, Automatisierungs- und der Materialflusstechnik zu entwickeln und zu erstellen. Des weiteren werden noch Teile des Fahrzeugbaus in Irland gefertigt. Das Exportvolumen der Automobilteileproduktion beträgt knapp 1 29 Mrd. US-$.
24 Im weiteren Verlauf der Arbeit wird diese Aggregationsebene als „IDA-Regionen“ bezeichnet. Ihre
Grundlage findet sich im Internet unter: http://www.idaireland.com/locations/locations.asp .Vgl.: IDA
[2003c]
25 Die Informationen stammen von der homepage der IDA: http://www.idaireland.com/industry
26 Vgl.: Roller, A. [1999], S.6
27 Vgl.: Roller, A. [1999], S.6
28 Roller, A. [1999], S, 70
29 Vgl. IDA [2003c], S. 7
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Als wichtige Unternehmen des Maschinenbaus in Irland gelten Honeywell aus den USA, die Komponenten für Turbolader herstellen, Lufthansa Technik, die für Wartungsarbeiten an den Düsentriebwerken vieler Maschinen der Lufthansa zuständig ist und die GEA AG, welche heute Marktführer im Bereich der Automatisierungstechnik in der Getränkeindustrie ist. Diese und eine Reihe anderer Unternehmen besitzen zusätzlich noch eine Abteilung für Softwareentwicklung in Irland.
2.4.2 Elektronik (ICT)
Diese Branche umfasst Firmen der Informations- und Kommunikationsindustrie. Sie exportierte im Jahre 2002 Waren im Wert von über 28 Mrd. Euro und beschäftigt etwa 55.000 Menschen. Von den meisten Unternehmen werden in Irland Aufgaben erfüllt, die im Bereich der Produktion, des technical und marketing support und der Softwareentwicklung liegen. Aber auch für die Forschung und Entwicklung gewinnt der Standort Irland für diese Branche zunehmend an Bedeutung. Bekannte Namen dieser Branche sind u.a. Motorola, IBM, Intel, Hewlett Packard und Dell Computers.
2.4.3 Software
Die ausländischen Unternehmen der Softwarebranche beschäftigen sich überwiegend mit der Produktentwicklung und der Produktanpassung an Kundenwünsche. Erweitert wird das Spektrum zur Zeit um das sogenannte E-Learning. Viele Softwareentwicklungen, die in Irland entstehen, finden Anwendung in den anderen Branchen, sodass im Bereich Software viele Überschneidungen mit beispielsweise der Maschinenbau- und der ICT- Branche entstehen. Daher tauchen einige der Firmen, die in der Adressdatenbank bei den entsprechenden Branchen aufgeführt sind, hier 30 nochmals auf. Doch nicht immer ist der Standort ein und derselbe. Laut Informationen der OECD war Irland im Jahre 1999 größter Softwaregüter -Exporteur der Erde. Fast zwei Drittel aller im Jahr zuvor getätigten Exporte kamen 31 entweder aus den USA oder aus Irland.
2.4.4 Medizintechnik (medical devices)
Der Bereich “medical devices” beinhaltet in Irland folgende Teibereiche:
30 Siehe hierzu auch Kapitel 2.1
31 Vgl.: IDA [2003d]: http://www.idaireland.com/industry/software_industry.asp
32 Vgl.: IDA [2003e]: http://www.idaireland.com/industry/medical_industry.asp
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Amerikanische Unternehmen wie Boston Scientific, Abbott und Tyco Healthcare wählten Irland als Standort, um dort eine breite Palette an medizintechnischen Produkten zu entwickeln, herzustellen und zu verkaufen. Insgesamt exportieren die Firmen dieser Sparte jährlich über vier Mrd. Euro und beschäftigen zusammen mit der Pharmaindustrie mehr als 16.000 Menschen. Pharmazie und Medizintechnik bilden 33 zusammen mit anderen Branchen der „Life-science“ den übergeordneten Sektor „Healthcare“.
2.4.5 Pharmazeutische Industrie (Pharmazeuticals)
International tätige, bekannte Unternehmen wie beispielsweise der französische Aventis-Konzern oder das amerikanisch-deutsche Großunternehmen MSD Sharp & Dohme (MSD) besitzen Tochterunternehmen in Irland. Zumeist errichten sie Produktionsstätten, um Feinchemikalien zu produzieren. Seit jüngster Zeit werden jedoch auch Fertigprodukte hergestellt. Irland konnte insofern von der weltweiten Fusionswelle in diesem Industriezweig profitieren. Dies Branche gilt wie die Chemische Industrie als sehr global ausgerichtet.
2.4.6 Chemische Industrie (Chemicals)
Die meisten Firmen der chemischen Industrie sind an der Produktion von Feinchemikalien speziell für die Pharmaindustrie beteiligt. Insofern verläuft die Grenze zwischen der Pharmazie und der Chemie fließend. Es gibt jedoch euch eine Reihe von ausländischen Unternehmen in Irland, die Produkte wie Klebstoffe, Dichtungsmaterialien oder Farben herstellen. Weitere Produkte sind z.B. Kunstdünger und Kunstharze.
Namhafte Firmen dieser Branche, die sich in Irland niedergelassen haben, sind beispielsweise der britische Farbenhersteller Dulux oder die deutsche Traditionsfirma Henkel.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass insbesondere die Pharmazie und die chemische Industrie, aber auch die Medizintechnik für ähnliche Märkte produzieren. Die ICT-, und die Maschinenbauindustrie verstärken zunehmend ihre Aktivitäten im Bereich der Softwareentwicklung und des F&E, was für die Softwarebranche ohnehin zutrifft.
33 Diese umfasst Unternehmen der Bio- und Nanotechnologie, werden aber nicht in der Adressdatenbank
geführt und demnach nicht in der Regionalen Strukturanalyse berücksichtigt.
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Andreas Marx, 2003, Die räumliche Struktur der Ansiedlung internationaler Unternehmen in der Republik Irland, München, GRIN Verlag GmbH
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