Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die Fluchthelfer der Naziverbrecher 2
3. Verstrickung katholischer Würdenträger in die Fluchthilfe von 3
Naziverbrechern
3.1 Bischof Alois Hudal und die katholische Kirche 3
3.2 Pius XII. - kritisch beleuchtet 5
4. Die „Vatikanische Hilfslinie“ 9
4.1 Aufbau und Struktur der “Vatikanischen Hilfslinie“ 9
4.2 Nutznießer der Fluchthilfe 14
5. Warum half der Vatikan Naziverbrechern? 16
6. Selbstwahrnehmung und Stellungsnahme des Vatikans 17
7. Schlussbetrachtung 18
8. Literaturverzeichnis 19
1
1. Einleitung
Seit dem Kriegsende 1945 sind immer wieder Vermutungen und Verdächtigungen über eine unrühmliche Rolle der Katholischen Kirche im Nationalsozialismus und eine Beteiligung des Vatikans bei der Fluchthilfe von Naziverbrechern aufgekommen.
Ernst Klee schreibt in seinem Buch „Was sie taten - was sie wurden“ 1 , dass sich die Flucht der NS- Verbrecher ins Ausland nach 1945 oft unter der schützenden Hand höchster Kirchenvertreter abspielte. In der Fachliteratur zu dem Thema Fluchthilfe für Nazikriegsverbrecher stößt man derweil auf unterschiedliche Begriffe, die das Thema zumeist über den Fluchtwegbegriff erschließen. Darunter sind zu finden: “ratline“, “Klosterroute“, “römischer Weg“ und “Vatikanische Hilfslinie“. Generell kann man sagen, dass sie alle einen Fluchtweg der Nazis bezeichnen, sich jedoch insofern unterscheiden, als sie im Begriff selber schon darstellen, wer an der Fluchthilfe beteiligt war.
Für die vom Vatikan organisierte Fluchthilfe werden demzufolge synonym die Begriffe “Vatikanische Hilfslinie“, “Klosterroute“, sowie“ römischer Weg“ benutzt 2 , während hingegen der Begriff “ratline“ im Zusammenhang mit der Fluchthilfe des amerikanischen Geheimdienstes verwendet wird.
Die für diese Arbeit relevante so genannte “Vatikanische Hilfslinie 3 “ soll angeblich 1949 stillgelegt worden sein, obwohl Klaus Barbie noch 1951 mit dieser nach Bolivien entkommen sein soll. Eine ähnliche Organisation, wie die „Vatikanische Fluchthilfe“, die „Stille Hilfe“ ,widmete sich auch unter der Leitung einer Prinzessin Helene von Isenburg, die sich selbst als „Mutter Elisabeth“ bezeichnete, der Rehabilitierung und Unterstützung verurteilter NS-Täter, von denen etliche mit Todesurteil in der Festung Landsberg am Lech einsaßen. Noch bis 1950 sollen diese beiden “Organisationen“ Klees zufolge eng miteinander verwoben gewesen sein.
1 Klee, Ernst: Was sie taten - was sie wurden. Ärzte, Juristen u. a. Beteiligte am Kranken- oder
Judenmord. Frankfurt am Main 1987.
2 In der vorliegenden Arbeit soll folgend im Zusammenhang mit der katholischen Kirche und
der Fluchthilfe dieser Begriff benutzt werden.
3 Die “Vatikanische Hilfslinie“ wurde durch den Verfassungsschutz ausgemacht.
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Diesen Verbindungen sowie den Fragen, wie genau die vatikanische Fluchthilfe organisiert war, wer daran beteiligt war und vor allem, wie es zu diesen schrecklichen Verstrickungen kommen konnte, sollen im Folgenden nachgegangen werden.
2. Die Fluchthelfer der Naziverbrecher
Die Vorstellung einer Welt umfassenden straff strukturierten Fluchthilfeorganisation ist eher unwahrscheinlich und trägt „in der Regel romanhafte Züge 4 “.
Sicher ist jedoch, dass einigen Naziverbechern nach1945 zur Flucht ins Ausland verholfen wurde. Vermutet wird in diesem Zusammenhang, dass es zu Beginn des Kalten Krieges eine Reihe von Institutionen und Regierungen gegeben hat, die ein Interesse daran hatten, diesen Naziverbrechern zu helfen. Dazu gehörten wahrscheinlich, um die Wichtigsten zu nennen: Der amerikanische Geheimdienst, die Katholische Kirche, das Rote Kreuz und andere zumeist katholische Hilfsorganisationen, welche teilweise Hand in Hand zusammen gearbeitet haben.
Im Folgenden soll erarbeitet werden, inwieweit die Katholische Kirche an der Fluchthilfe der Nazikriegsverbrecher beteiligt war, wie die Flucht organisiert wurde, und wem geholfen wurde. Jedoch muss zugleich auf die geringe oder oft sehr spekulative, wenn nicht gar medienwirksam aufbereitete Literatur in diesem Zusammenhang hingewiesen werden, die ein Ergebnis rein auf Fakten gestützt erschwert. Auch Gitta Sereny schreibt in ihrer „Gewissensforschung“ 5 : „ Es stellt sich heraus, daß die wahren Fakten... [nicht] eindeutig sind. Sie sind..., doppeldeutig und beweisen erneut, daß Geschichte zu guter Letzt nicht von Organisationen gemacht wird, sondern von einzelnen Menschen- mit ihren eigenen Schwächen und ihren eigenen Verantwortlichkeiten.“ Ergänzend zu der schmalen Beweislage schreibt Ernst Klee, dass die „Justiz-und Sicherheitsbehörden nur wenig zur Klärung beitragen können oder-
4 Klee,Ernst: Was sie taten - was sie wurden. Ärzte, Juristen u. a. Beteiligte am Kranken-
oder Judenmord. Frankfurt am Main 1987, S. 229
5 Sereny, Gitta: Am Abgrund. Eine Gewissensforschung. 1979, S. 304.
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wollen. 6 “ Erschwerend kommt aber m. E. auch hinzu, dass die Aussagen der Naziverbrecher und gefassten -flüchtlinge nicht unbedingt als glaubwürdig eingestuft werden können.
Von kirchlicher Seite liegen auch nur wenige stichhaltige Beweise vor. Dies gilt auch in Bezug auf den katholischen Bischof Alois Hudal und seine Arbeit als „Flüchtlingshelfer“ .Dieser hat seine Beteiligung an der Fluchthilfe selbst zugegeben.
3. Verstrickung katholischer Würdenträger in die Fluchthilfe von Naziverbrechern
3.1 Bischof Alois Hudal und die Katholische Kirche
Der österreichische Bischof Alois Hudal, geboren am 31. Mai 1885 in Graz, gilt als der Hauptdrahtzieher der “Vatikanischen Fluchthilfe“. Nachdem er am 19. Juli 1908 seine Priesterweihe erhielt, trat er von 1908 bis 1911 eine Stelle als Kaplan in Kindberg an.
Danach ging er als promovierter Doktor Theologe zum Studium nach Rom, wo 1913 seine zweite Promotion erfolgte. 1914 habilitierte er in Graz in den alttestamentlichen Bibelwissenschaften und unterrichtete dieses Fach als Privatdozent. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges diente er als Assistenzmilitärkaplan. Im Februar 1923 wurde Hudal schließlich Vizerektor des deutschsprachigen Kollegs S. Maria dell´Anima in Rom. Er war darin bestrebt, das „Kolleg zu einem geistigen Zentrum der Deutschen auszubauen, organisierte Vorträge und kulturelle Veranstaltungen und gründete einen deutschen Kirchenchor“. 7 Bereits zu dieser Zeit „begann Hudal, sich in einer Sprache auszudrücken, die der Führer verstand. Besonders Hudals Tiraden gegen die Juden dürften Hitler verständlich gewesen sein. 8 “ 1933 wurde er durch den vatikanischen Staatssekretär Eugenio Cardinal Pacelli, den späteren Papst Pius XII., zum Bischof gewählt.
6 Ebd. S. 229
7 Lätzel, Martin: Hudal, Alois C. -In: Bautz, Traugott (Hg): Biographisch-bibliographisches
Kirchenlexikon. Nordhausen 2003. Band XXI, Sp. 687 - 692.
8 Godmann, Peter, S. 76
4
„Im Herbst 1934 war in Hudal ein zweigleisiger Plan gereift. auf der einen Seite sollte die Kirche die Verfehlungen der Nazis verurteilen; auf der anderen sollte sie die Bewegung jedoch christianisieren und dadurch eine Annäherung bewirken. 9 “ Die Verfehlungen des Nationalsozialismus lagen Hudal zur Folge nur bei einigen fehlgeleiteten Extremisten, deren Fehler jedoch mithilfe der Katholischen Kirche wieder ins Gleichgewicht gebracht werden könnten. „In diesem Glauben bestärkten ihn die fortdauernden Heucheleien Hitlers, der niemals aufhören sollte, zumindest auf dem Papier ein Katholik zu sein, und der stets abstritt, dass der Nationalsozialismus danach strebe, ein >>mystischer Kult<< zu sein oder zu werden. 10 “ 1937 schrieb Hudal seine Abhandlung „Die Grundlagen des Nationalsozialismus“ 11 , die im selben Jahr veröffentlicht wurde, eben mit dieser Absicht, die Kirche und den Nationalsozialismus einander näher zu bringen. Doch damit traf er auf beiden Seiten auf Abwehr. Hudal strebte in diesen Ausführungen einen „wesenhaft christlichen Nationalsozialismus“ 12 an bei klarer Trennung der Politik und der Weltanschauung, wobei die Weltanschauung der Kirche obliegen sollte und die Politik dem Nationalsozialismus. Der Nationalsozialismus sollte also nicht als Religionsersatz dienen. Überschneidungen sah Hudal in der antikommunistischen Haltung, die sie beide gemein gehabt hätten. Zudem würde zwischen dem Marxismus und den Juden eine Verbindung bestehen, die sie beide bekämpfen müssten.
Die Katholische Kirche wollte aber mit diesem Gedankengut Hudals nicht in Verbindung gebracht werden. Sie hielt sich aber dennoch in ihrer Distanzierung zu diesem Werk in Rücksicht auf die politische Situation in Deutschland, zurück. Auch Papst Pius XI. brach den Dialog zu Hudal ab, und 1945 verlor dieser kurzzeitig auch seine Professur in Graz, die er aber 1947 wiedererlangen konnte.
Noch tiefer begab sich Hudal in nationalsozialistische Abgründe, als er nach 1945 als Fluchthelfer einiger Naziverbrecher fungierte.
9 Ebd. S. 87
10 Ebd. 107
11 Hudal, Alois: Die Grundlagen des Nationalsozialismus. Eine Ideengeschichtliche
Untersuchung von katholischer Warte, Leipzig - Wien 1973.
12 Ebd. Seite 250
Arbeit zitieren:
2003, Die Fluchthilfe des Vatikans und die 'stille Hilfe' für die von den Alliierten verurteilten Naziverbrecher, München, GRIN Verlag GmbH
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