Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Das KZ Theresienstadt 2
2.1 Funktionen des Konzentrationslagers 2
2.2 Kinder im KZ Theresienstadt 4
3. Strukturen und versteckte soziale Organisationsformen 4
3.1 Die jüdische Selbstverwaltung 4
3.2 Die Jugendfürsorge und ihre Aufgaben 5
4. Das Schulverbot 6
4.1 Der illegale Schulunterricht im KZ Theresienstadt 7
4.2 Schulunterricht als eine Form von Widerstand 8
4.3 Die Aufhebung des Schulverbots 9
5. Autobiographische Quelle 9
5.1 Selbstzeugnis von Ruth Klüger 9
5.2 Interpretation von Quellenausschnitten über den illegalen
Unterricht in Theresienstadt aus dem autobiografischen Roman
Ruth Klügers „Weiter leben. Eine Jugend“ 10
6. Schlussbetrachtung 12
7. Literaturverzeichnis 14
1
1. Einleitung
Am 30. Juni 1942 wurden im gesamten Deutschen Reich alle jüdischen Schulen geschlossen. Auch im KZ Theresienstadt, gelegen im Protektorat Böhmen - Mähren, durfte kein Schulunterricht erteilt werden.
An dieses Schulverbot erinnerte aktuell der Studienkreis Deutscher Widerstand an der Universität Hamburg mit der Ausstellung “Kinder im KZ Theresienstadt-Zeichnungen, Gedichte, Texte”. Im Mittelpunkt dieser Ausstellung standen in Theresienstadt angefertigte Kinderzeichnungen, Gedichte und Aussagen von Kindern über ihr Leben im KZ.
Diese Zeichnungen, Texte und Gedichte sind vor allem in einem illegalen Unterricht entstanden, der eine der vielen Maßnahmen der Jugendfürsorge in Theresienstadt war um die erschwerten Lebensbedingungen der Kinder zu erleichtern. Animiert durch diese Ausstellung begann ich mich zu fragen: Wie konnte in einem KZ überhaupt so etwas wie der illegale Unterricht stattfinden? Und was bedeutete der Unterricht für die Kinder?
In meiner Hausarbeit beschreibe ich zunächst das Konzentrationslager Theresienstadt und die dortigen Lebensumstände. Ich gehe näher auf die Strukturen und versteckten sozialen Organisationsformen, insbesondere die jüdische Selbstverwaltung ein. Darauf aufbauend folgen die Aufzeichnungen über die Jugendfürsorge. Welche Aufgaben hatte die Jugendfürsorge und welche Ziele verfolgte sie? In diesem Kapitel stütze ich mich vor allem auf die Aussagen von Egon Redlich, des damaligen Leiters der Jugendfürsorge. Im Weiteren werde ich den illegalen Unterricht vorstellen.
Bezugnehmend auf die Thematik des Seminars „Geschichte studieren in der Postmoderne. Der Nationalsozialismus in autobiographischen Quellen" werde ich weiterhin aus dem autobiografischen Roman „Weiter leben. Eine Jugend“ von Ruth Klüger Ausschnitte über den illegal praktizierten Unterricht der Jugendfürsorge vorstellen und auswerten.
Dieses Selbstzeugnis stellt das Erleben des illegalen Unterrichts aus der Perspektive eines einzelnen Kindes dar. Ruth Klüger war 11 Jahre alt, als sie 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert wurde.
2
Das KZ Theresienstadt
Theresienstadt, tschechisch Térezin, ist eine Festung im Nordböhmischen Gebiet der Tschechischen Republik. Sie wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Kaiser Joseph II. als Garnisonsstadt gegründet und nach seiner Mutter, der Kaiserin Maria Theresia, benannt. Im Zweiten Weltkrieg funktionierten die Nationalsozialisten die Stadt in ein Ghetto um, in dem sie Tausende Juden internierten. Die Mehrzahl waren assimilierte Juden, aber es gab auch orthodoxe Juden und Zionisten sowie Gruppen von Protestanten und Katholiken, die nach den "Rassengesetzen" als jüdisch klassifiziert worden waren. Die Aufsicht über das Ghetto hatte die Zentralstelle für Jüdische Auswanderung 1 im Protektorat Böhmen und Mähren, die ihrerseits dem Reichssicherheitshauptamt (RSHA) unterstand.
2.1 Funktionen des Konzentrationslagers
Das Theresienstädter Ghetto sollte als das “Vorzeigeghetto“ und “Altersghetto” einen besonderen Stellenwert unter den Konzentrationslagern haben. Seine Funktion für die Nationalsozialisten lag darin der Weltöffentlichkeit ein normales städtisches Gemeinwesen vorzutäuschen, welches die systematische Ausrottung des jüdischen Volkes verdecken sollte. Bereits in einer Besprechung am 10.Oktober 1941 zwischen dem Reichsprotektor Reinhard Heydrich, Adolf Eichmann und anderen Offizieren der SS war bei dem Beschluss in Theresienstadt ein Ghetto zu errichten , die Möglichkeit erwogen worden „das gesamte Gebäude zu einer vorbildlichen deutschen Siedlung aus[zubauen].“ 2
Als Ende 1943 in der Welt bekannt wurde, was in den Todeslagern geschah, erlaubte die NS-Führung einer Delegation des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) den Besuch Theresienstadts. In Vorbereitung auf den Besuch wurden Häftlinge nach Auschwitz deportiert, um die Überbelegung des Ghettos zu reduzieren.
1 Ab 1943 Zentralamt für die Regelung der Judenfrage.
2 Dokumentationen zur Errichtung des Theresienstädter Ghettos 1941. - In: Theresienstädter Studien
und Dokumente. S. 270
3
Eine Stadtverschönerung fand statt: Scheinläden wurden eingerichtet, desgleichen ein Café, eine Bank, Kindergärten, eine Schule, sogar Blumengärten wurden angelegt.
Das KZ in Theresienstadt sollte als Beweis dienen „wie die... umgesiedelten Juden lebten und arbeiteten, wie für ihre Familien, besonders für ihre Kinder gesorgt würde.“ 3
Der erste Besuch 4 der Rot- Kreuz- Delegation fand am 23. Juli 1944 statt. Im Anschluss an die "Inspektion" drehten die Nationalsozialisten einen Film mit dem Titel "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“.
„Wer sich nicht freiwillig für die Dreharbeiten zur Verfügung stellte, wurde mit Drohungen dazu gezwungen. Der Film sollte ein besonders infames Propagandastück werden und Theresienstadt als 'Judenparadies' vorführen, in dem Juden frei von Sorgen flanierten , tanzten und Theater besuchten, während die 'Arier' im Krieg ihr Leben lassen mußten.“ 5
Nach Fertigstellung des Films wurden die meisten seiner "Darsteller", einschließlich der ghettointernen Führungsgruppe und fast aller Kinder, nach Auschwitz deportiert und in den Gaskammern ermordet.
„Abgesehen von [seiner]spezifischen Aufgabe [als Vorzeigeghetto] war [Theresienstadt] allerdings...wie jedes Konzentrationslager zur 'Endlösung' vorgesehen. Die sogenannte natürliche Sterblichkeit, Selbstmorde und Osttransporte hatten zur Folge, daß Theresienstadt ... im ganzen System der 'Endlösung der Judenfrage' vollkommen ausreichend war.“ 6
Von 1941 bis 1945 kamen 141.162 Menschen ins Ghetto Theresienstadt. 88.196 Personen wurden von dort aus weiter in die Vernichtungslager, überwiegend nach Auschwitz- Birkenau, deportiert. 33.456 starben vor dem 9. Mai 1945 im Ghetto. 16.832 Häftlinge erlebten in Theresienstadt die Befreiung. 7 Von den nach Osten Deportierten haben nur etwa 3.500 Menschen überlebt. 8 Neben seiner Funktion als
3 Kárn´y, Miroslav: Theresienstadt 1941-1945- In: Theresienstädter Gedenkbuch, S. 30
4 Es folgten auf diesen Besuch noch weitere.
5 Dettmer, Frauke: Theresienstadt - In: KZ Transit Theresienstadt, S.27
6 Kárn´y, Miroslav: Theresienstadt 1941-1945 - In: Theresienstädter Gedenkbuch, S. 17
7 Vgl. Adler, Hans Günther: Theresienstadt 1941-1945, 2. Aufl., S. 48
8 Ebd. S. 59
Arbeit zitieren:
2002, Der illegale Schulunterricht im KZ Theresienstadt - Die Jugendfürsorge und ihr Einfluss auf das kindliche Erleben des KZ-Alltags, München, GRIN Verlag GmbH
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