Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS 1
1 EINLEITUNG 2
2 DAS MEDIUM PREDIGT IN DER REFORMATIONSZEIT 5
2.1 Theologische Aspekte der Predigt. 5
2.1.1 Neue Theologie rückt Predigt und Prediger ins Zentrum 5
2.1.2 Standardisierung der reformatorischen Predigt 5
2.2 Auswirkungen von Predigt auf den Alltag 6
2.3 Predigt - eine Konkurrenz zur Flugschrift? 6
2.4 Predigt als historische Quelle 7
2.4.1 „Zündstoff“ Predigt 7
2.4.2 Überlieferungsformen der Predigt. 8
2.4.3 Diskursanalyse als historischer Zugang zur Predigt 8
2.4.4 Grenzen des Zugangs 9
3 BEISPIEL: BILDERSTREIT IN PREDIGTEN 10
3.1 Karlstadts Predigt. 10
3.1.1 Situatative Kontextanalyse 10
3.1.2 Analyse der Aussagen 10
3.1.3 Skizze einer Diskursanalyse 11
3.2 Luthers Predigten 14
3.2.1 Situative Kontextanalyse 14
3.2.2 Analyse der Aussagen 15
3.3.3 Skizze einer Diskursanalyse 15
4 SCHLUSS 17
5 ABKÜRZUNGEN 19
6 LITERATURVERZEICHNIS. 20
6.1 Gedruckte Quellen und Quellensammlungen 20
6.2 Literatur 20
6.3 Internet 23
6.4 Filme. 23
6.5 Gemälde 23
1
1 Einleitung
Das gesamte vorreformatorische Leben war zutiefst religiös durchdrungen. Eine zentrale Frage für alle Menschen zu Beginn des 16. Jahrhunderts war das Erlangen ihres Seelenheils.
Von Rom aus betrieb man ein gutes Geschäft mit dieser religiösen Grundstimmung. Leo X. wälzte die Kosten für die Fertigstellung der neuen Peterskirche in Rom, seine Kunstsammlung und seinen luxuriösen Herrschaftsstil auf in der Hierarchie niedriger stehende Geistliche ab. Diese wiederum lagerten die Finanzierung auf die Gläubigen ihrer Gemeinde um. Durch den Ablasshandel wurde die Sündenvergebung oder Verkürzung des Aufenthalts im zukünftigen Fegefeuer zum lukrativen Geschäft. 1 Die Volksfrömmigkeit setzte ihre Erlösungshoffnung auf sichtbare und tastbare Kunstgebilde. Gebet und Kniefall, Kerzen und Geldspenden sollten die Bilder und Heiltümer gewogen machen und Wunder bewirken. 2
Luthers Botschaft eines liebenden Gottes, der Seelenheil aus Gnade an aufrichtig zur Buße Bereite verschenkt, verbreitete sich daher rasant im Reich. Von den Menschen, die unter den gängigen Praktika der katholischen Kirche litten, wurde Luthers Gnadentheologie aufgesogen, während die katholische Kirche in Luther schnell eine große Gefahr erkannte: Rom lud den Augustiner-Mönch zum Ketzerprozess ein. Ein Kampf gegen eine „Großmacht“ der damaligen Zeit war eröffnet, in der Luther nicht allein stand. Andreas von Bodenstein, genannt Karlstadt, war in der frühen Zeit der Reformation einer der Unterstützer Luthers. Bereits ab 1518 stand der Theologieprofessor zusammen mit Philipp Melanchthon, zum Beispiel bei der Disputation auf der Leipziger Pleißenburg (1519) gegen Johannes Eck, auf der Seite Luthers. Sehr bald wurde die „causa Lutheri“ zu einer politischen Frage. Noch unter freiem Geleit erschien 1521 Luther auf dem Reichstag zu Worms. Dort berief sich der Reformator weiter auf die Heilige Schrift und wurde vom Kaiser Karl V. im Wormser Edikt geächtet. Friedrich der Weise ließ ihn daraufhin auf die Wartburg in Schutzhaft bringen. 3
Während Luther als „Junker Jörg“ auf der Wartburg weilte, stellte sich Karlstadt - zunächst noch in Übereinstimmung mit Luther - an die Spitze der re-formatorischen Bewegung.
Unter Karlstadt nahm die Reformationsbewegung radikale Formen an. In Predigten und Gesprächen mit dem Rat in Wittenberg forderte er unter anderem ein rigoroses Bilderverbot für die Kirchen. Luther war gegen diese Radikalisierung der Reformationsbewegung, hielt es schließlich nicht mehr auf der Wartburg aus und versuchte in seinen Invokavitpredigten die radikalen Tendenzen zu besänftigen.
1 Vgl. Schlaglichter der Weltgeschichte, Meyers Lexikonredaktion (hg.), Bonn 1996, S. 216. 2 Vgl. Hofman, Werner (hg.), Luther und die Folgen für die Kunst, München 1983 (Ausstellungskatalog), S. 33;
Holbein, Hans d. J., Verehrung der Marienstatue, 1515, in: Hofman, W., 1983, S.32 (Vgl. Kat.4); Hofman spricht von einer metaphorisch-mettamorphen Anschauungsgläubigkeit des Mittelalters. Vgl. Hofman, W., Die Geburt der Moderne aus dem Geist der Religion, in: Ders., 1983, S. 40f. 3 Vgl. Klueting, Harm, Das Konfessionelle Zeitalter 1525-1648, Stuttgart 1989, S. 106ff.
2
Nicht nur die Inhalte der Reformation waren etwas umwälzend Neues für das Reich, sondern auch die Medien, die diese Inhalte transportierten. Die neuen Erkenntnisse wurden am einzelnen Ort durch die Medien Predigt und Flugschrift verbreitet. Der reformatorische Meinungsbildungsprozess wurde allerdings weitgehend von den Kanzeln aus in Gang gesetzt. Auch die weiteren Aktivitäten hatten auf den Kanzeln einen Konzentrationspunkt und wurden von hier aus gesteuert. Diese Art der Kommunikation war eine Neuerung: Nie zuvor in der Kirchengeschichte hatte die Predigt und die Prediger eine solche Bedeutung. Da die ganze Gesellschaft zutiefst religiös geprägt war, spielte dieses Medium für alle eine wichtige Rolle: 4 […] preaching was the ‚mass media‘ of the day. 5
Dementsprechend groß ist die Zahl ihrer Überlieferungen. Durch alle Predigten ziehen sich die reformatorischen Hauptgedanken, während sie sich in Aufbau, Argumentationsweise, Einzelheiten der Interpunktion und Orthographie unterscheiden. 6
In meiner Arbeit werde ich in einem ersten Teil Predigt als Medium mit seinen spezifischen Charakteristika der frühen Reformationsbewegung (1517-1525) vorstellen. In einem zweiten Teil werde ich beispielhaft die Predigt Andreas Bodensteins, genannt Karlstadt, „Vom Abtuung der Bilder (1522)“, und Martin Luthers „ Invokavitpredigten Nr. 3 und 4“ (1522) analysieren. Durch meine Analyse soll die Funktion der Predigt als Massenmedium während der Reformationszeit deutlich werden. Der Bilderstreit eignet sich sehr gut als Beispiel, da der Ikonoklasmus ein zentrales reformatorisches Thema ist. Der Umgang mit den Bildern war eng verbunden mit Luthers Kritik an der altgläubigen Kirche.
Meine Ausgangsthese ist: Predigt ist das entscheidende Kommunikationsmittel der Reformationszeit. An dem Medium kann eindrücklich abgelesen werden, wie Predigt einerseits als „Arbeitsinstrument“ der Kirche genutzt wurde um Glaubensinhalte zu vermitteln und andererseits als Manipulationsinstrument missbraucht wurde um Machtinteressen durchzusetzen. Bislang stellte die Reformationsforschung vielfach die Problematik der früh-modernen Staatsentwicklung und des gesellschaftlichen Wandels in der Re-formationsepoche in den Vordergrund. Seit der „kulturalistischen Wende“ 7 der 1980er Jahre interessieren sich immer mehr Historiker für Probleme der Interpretation des Alltagslebens und der Denk- und Mentalitätsstrukturen. Damit werden zum Beispiel Fragestellungen untersucht wie die der wechselseitige Beeinflussung von Medienentwicklung und reformatorischen Ideen und Zielen. 8
Einem Urteil von Bernd Moeller zufolge hat diese aktuelle Forschungsrichtung, die das ganze Zeitalter mit seiner neuen Art der Kommunikationszusammenhänge beleuchtet, bereits beachtliche Resultate erzielt.
4 Vgl. Stackmann, Karl/Moeller, Bernd (hgg.), Städtische Predigt in der Frühzeit der Reformation. Eine Untersuchung deutscher Flugschriften der Jahre 1522 bis 1529, Göttingen 1996, S. 9ff. 5 Thayer, Anne T., Penitence, preaching, and the coming of the Reformation, Burlington [u.a.] 2002, S. 5.
6 Vgl. Stackmann, K./Moeller, B., 1996, S. 9ff.
7 Die so genannte „kulturalistischer Wende“ hat politik- und sozialgeschichtliche Erklärungsmodelle als ungenügend kritisiert um gesellschaftliche Veränderungen in ihrer Gesamtheit und ihren Antriebskräften zu erfassen.
8 Vgl. Ehrenpreis, Stefan/Lotz-Heumann, Ute, Reformation und konfessionelles Zeitalter. Darmstadt 2002 (Kontroversen um die Geschichte), S. 80ff.
3
Während ältere Forschung sich für Predigt vor allem aus theologischer und kirchengeschichtlicher Perspektive interessierte, beschäftigen sich jüngere Arbeiten mit der Bedeutung der Predigten und der Prediger für die Verbreitung der neuen Ideen in mehreren lehrreichen Untersuchungen. Im Vorder-grund stehen bei diesen Arbeiten die Frage nach Kommunikationsprozessen in der frühen Reformation. 9
Allerdings besteht in diesem Zweig der Reformationsforschung noch viel Forschungsbedarf. Zum Beispiel fehlt eine Geschichte der zeitgenössischen Rezeption der Theologie Luthers und Karlstadts erstaunlicherweise noch. 10 Meine Arbeit ist eingebettet in diesen Bereich der Reformationsforschung.
9 Vgl. Moeller, Bernd, „Die frühe Reformation als Kommunikationsprozess“, in: Boockman, Hartmut (hg.), Kirche und Gesellschaft im Heiligen Römischen Reich des 15. und 16. Jahrhunderts, Göttingen 1994, S. 148-164;
Scribner, R.W.,, „Oral Culture and the Diffusion of Reformation Ideas”, in: History of European Ideas 5 (1984), S. 237-256;
Ders., „Practice and Principle in the German Towns: Preachers and People”, in: Newman, Peter (hg.), Reformation, Principle and Practice, Essays in honor of A.G. Dickens, London 1980, S. 95-117. 10 Vgl. Dülmen, Richard van, Reformation als Revolution: soziale Bewegung und religiöser Radikalismus in der deutschen Reformation, München 1977, S. 230, Anm 18.
4
2 Das Medium Predigt in der Reformationszeit
2.1 Theologische Aspekte der Predigt
2.1.1 Neue Theologie rückt Predigt und Prediger ins Zentrum
Die Predigt und damit auch die Prediger gerieten ins Zentrum der reforma-torischen Lehre. Nach reformatorischem Verständnis war die Predigt das einzige Mittel des Gnadenempfangs, wer sie hörte, empfing nicht bloß Belehrung über das Heil, sondern das Heil selbst (Dialektik zwischen Glaube und Wort). Die Predigt trat damit an die Stelle des Sakraments als maßgebliches Gnadenmittel im Mittelalter. 11
Der Prediger beanspruchte die verbindliche Auslegung der Bibel und bekam damit zwangsläufig eine zentrale Rolle in der Kirche. Durch die Verkündigung des reinen Gotteswortes verbreitete man die Heilsbotschaft. 12
2.1.2 Standardisierung der reformatorischen Predigt
Die sogenannten Postillen-Predigten waren von den Reformatoren als ein Hilfsmittel für ungebildete und ungeübte Prediger gedacht, zugleich aber auch als ein Mittel der Regulierung und Standardisierung. Luther schrieb über die Postillen:
[Sonst] kompts doch endlich dahyn, das ein iglicher predigen wird was er wil, und an stat des Euangelii und seyner auslegunge widderumb von blaw endten gepredigt wird. 13
Luther und die anderen reformatorischen Prediger folgten weithin dem Perikopensystem, einer Auswahl an Bibeltexten, die sich an den jeweiligen aktuellen kirchlichen Feiertagen orientiert.
Die überaus zahlreich erscheinenden Postillen dürften die wichtigste Quelle der reformatorischen Prediger dargestellt haben. Auf diese Weise übte zum Beispiel auch Philipp Melanchthon, ohne selbst jemals in Gottesdiensten gepredigt zu haben, durch seine Erläuterung der Perikopentexte Postilla Melachthonis beträchtlichen Einfluss aus. 14
Johannes Bugenhagen hat ebenfalls mit dem Indices quidam in evangelia dominicalia ein wichtiges Hilfsmittel für unerfahrene Prediger geschaffen. 15 Ab 1524 gab es zumindest im ernestinischen Sachsen erste Visitationen in den Kirchengemeinden, Instrument und Institution des landesherrlichen Kirchenregiments, das die Vereinheitlichung des kirchlichen Lebens zum Ziel hatte. 16
11 Vgl. Beutel, Alfred, „Evangelische Predigt vom 16. bis 18. Jahrhundert“, in: TRE (1997), S. 296; Stackmann, K./Moeller, B. (hgg.), 1996, S. 9ff. 12 Vgl. Stackmann, K./Moeller, B. (hgg.), 1996, S. 9ff. 13 WA 19, 95,12 - 14, in: Beutel, A., 1997, S. 297. 14 Vgl. Beutel, A., 1997, S. 298. 15 Vgl. Beutel, A., 1997, S. 298;
Luther, Martin/Bugenhagen, Johannes, Vermanung an die Pfarrer, Wittenberg 1543, aus: Katalog 562 16 Vgl. Burkhardt, K. A. H., Sächsische Kirchen- und Schulvisitationen von 1524 bis 1545, Aalen 1981. Neudruck der Ausgabe: Geschichte der deutschen Kirchen- und Schulvisitationen im Zeitalter der Reformation, Bd.1, Leipzig 1879.
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Arbeit zitieren:
Nadine Wörner, 2004, Predigt in der Reformationszeit, München, GRIN Verlag GmbH
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