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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Verhältnis des Schriftstellers zur Welt
2.1 Das soziale Umfeld
2.2 Die Beziehung zur Natur
3. „Der Schriftsteller als Ich“
4. Das Verhältnis zu anderen Schriftstellern
4.1 Der Poet
4.2 Der Übersetzer
5. Das Verhältnis des Schriftstellers zu seinem Material
5.1 Die Bedeutung des Schreibens
5.2 Der Umgang mit seinem Material
5.3 Die Angst vor dem Verlust der Sprache
6. Der Schriftsteller Peter Handke
7. Schluss
8. Literaturangaben
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1. Einleitung
Was ist ein Schriftsteller?
Ein Mensch, der Bücher schreibt, um Geschichten zu erzählen, um sich frei zu schreiben oder lediglich, um damit Geld zu verdienen. So ähnlich würde man den Normalfall beschreiben. Man erfährt als Leser zwar aus Biographien, wie ein Schriftsteller lebt, wo er geboren ist und wie sein Leben verlief, aber was tut er Nachmittags, wenn er den Stift niederlegt und nun Zeit für sich hat? Peter Handke beschreibt in „Nachmittag eines Schriftstellers“ autobiographisch genau das. Zeitraum: Genau ein Nachmittag. D er Leser erlebt den Spaziergang mit, den der Schriftsteller nach getaner Arbeit unternimmt. Auf den ersten Blick, lediglich Beschreibungen der Umwelt, der Wege, die er einschlägt, und Personen, denen er begegnet. Jedoch ist es bei genauem Ansehen ganz und gar nicht so einfach.
Denn man erfährt schnell, dass der Schriftsteller selbst nach der Arbeit nicht abschalten kann. „Also nicht: >>Ich als Schriftsteller<<, vielmehr: >>Der Schriftsteller als Ich<<.“ 1
Der Leser bekommt den Eindruck, als sei ein Schriftsteller immer Schriftsteller, wo er auch ist, oder was er tut.
In meinen Ausführungen soll nun die Schriftstellerexistenz in Peter Handkes Werk „Nachmittag eines Schriftstellers“ erläutert werden. Inwiefern ist ein normales Leben für den „Schriftsteller als Ich“ möglich?
1 Nachmittag eines Schriftstellers (NeS) S. 6
4
2. Das Verhältnis des Schriftstellers zur Welt
2.1 Das soziale Umfeld
Das Verhältnis des Schriftstellers zu seinem sozialen Umfeld ist im üblichen Sinne schlichtweg gestört. Er hat weder Freunde, noch nimmt er seine Mitmenschen so wahr, als dass sie für ihn Kommunikationspartner sein könnten. Ja, er fürchtet sich in gewisser Weise sogar vor ihnen, denn der Literat sieht in jedem den potentiellen Autogrammjäger und Beobachter, der ihn bis auf die Knochen ausziehen möchte, oder aber einen Menschen, der ihn und seine Bücher nicht versteht bzw. verstehen will und ihn deshalb verabscheut: „der Schriftsteller wurde nicht übersehen. Gleich zwischen den ersten Häusern, kurz nach der Verengung, traf ihn aus einem Haufen von Jugendlichen ein gemeinsamer Blick, nicht etwa des Erkennens, sondern der Verständnislosigkeit oder gar Feindschaft.“ 2
Also wandelt der Schriftsteller meist für sich, macht sein Umfeld zu beobachtbaren Objekten, die in einer anderen Welt leben als er selbst. Und zieht seinen Schluss daraus: Der Schriftsteller als Randexistenz. Ein Außenseiter, der sich zwingend selbst zu diesem gemacht hat, als er den Entschluss fasste zu schreiben. „Schon indem ich, vor wie vielen Jahren nun?, mich absonderte und beiseiteging, um zu schreiben, habe ich meine Niederlage als Gesellschaftsmensch einbekannt; habe mich ausgeschlossen von den anderen auf Lebenszeit.“ 3 Er hat erkannt, dass diese Position notwendig ist, denn nur durch die Distanz sieht er mehr als andere, kann seine Umwelt nur objektiv wahrnehmen, wenn er sich nicht einfühlt und ihn nichts berührt, so dass er sozusagen als Beobachter fungiert und nicht am Geschehen teil hat.
So macht er sich nach getaner Arbeit auf, und spaziert in die Stadt, um der ständigen Ruhe in seinem Haus zu entfliehen, die er zwar zum Arbeiten benötigt, ihn aber von der Außenwelt komplett abschneidet. Sein Haus ist die Welt in der er schreiben kann, in der er Ruhe spürt, spüren muss, um seine Welt auf dem Papier zu verfassen. „Eine Fliege im Raum störte ihn jedenfalls mehr als eine Dampframme im Freien.“ 4 Denn Geräusche der Außenwelt tragen dazu bei, sich nicht ganz allein auf der Welt zu
2 NeS S. 41
3 NeS S. 73
4 NeS S. 13
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fühlen, wenigstens passiv an ihr teilzuhaben, zu wissen dass da noch etwas ist, nach der Arbeit.
Er entschließt sich also den Schritt aus dem Schatten zu wagen und ein Stück in Richtung Freiheit zu marschieren.
Auf seinem Weg durch die Stadt „ (...) werden die Stilleben aufgesprengt durch Menschen“ 5 , die im folgenden näher beschrieben werden sollen. Seinen ersten Wortwechsel an diesem Tag geht er mit einem Straßenkehrer ein, indem er ihn grüßt. Dieser verkörpert für den Schriftsteller „einen wirklichen, gesunden Menschen“ 6 , da er sich aufmacht den Feierabend zu genießen und seine Arbeit hinter sich lassen kann. Er fühlt sich von den lebenslustigen, lebendigen Augen verstanden und freut sich einen Menschen zu sehen, der ihn etwas mehr mit der Welt verbindet.
Auf seinem weiteren Weg beobachtet er Menschen und Arbeiter in ihren Räumen: „die vielen, die da heimisch waren“ 7 u nd sieht Leben, Dynamik von der er nur träumen kann. Er der ständig den selben Tagesablauf hat und es nicht vermag sich zu distanzieren. Es hat den „Anschein von Wohnlichkeit durch die gelockerte Krawatte des einen, die offenen Haare der anderen, die in d er Flasche aufgeblühten Dezemberzweige. Es war auch, als sei es hier in der Nähe der Behausungen von Absatz zu Absatz wärmer geworden.“ 7
All das ist für den Schriftsteller faszinierend und er beäugt es ganz genau, denn er kann beobachten, wie andere Menschen ihren Tagesablauf gestalten und sich wohlfühlen. Im Gegensatz dazu, hat er dieses Gefühl ausschließlich nachts in seinem Sessel, wenn alles schläft und ihn Ruhe umgibt. Er muss nicht mehr denken, alles fällt für einen kurzen Moment von ihm ab.
Aus dem Bedürfnis heraus an einem öffentlichen Ort zu sitzen, begibt der Beobachtende sich in ein Restaurant, wo er zu seinem Glück nicht beachtet wird. Hier wird deutlich, wie er seine Umgebung betrachtet und Menschen in sich aufnimmt. „Von den Leuten, die mehr u nd mehr wurden, zeigten sich ihm nur die Beine und Rümpfe; kein einziges Gesicht.“ 8 Diese selektive Wahrnehmung ist kennzeichnend für den Schriftsteller. Durch seine genauen Beobachtungen merkt er
5 Der Nachmittagskünstler
6 NeS S. 20
7 NeS S. 24
8 NeS S. 38
Arbeit zitieren:
Ellen Becker, 2002, Die Schriftstellerexistenz in Peter Handkes "Nachmittag eine Schriftstellers", München, GRIN Verlag GmbH
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