Hausarbeit vom 31.03.2004 Dirk Tritsch
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 1
1.1 PROBLEMSTELLUNG. 4
1.2 ZIEL DER HAUSARBEIT 4
2 GRÜNDE FÜR EINE UNIP OLARE WELTORDNUNG. 5
2.1 MILITÄRISCHE MACHT. 5
2.2 ÖKONOMISCHE MACHT. 6
2.3 „WEICHE MACHT“ 7
3 DIE VERHALTENSABSICHTEN DER VEREINIGEN STAATEN ALS BESTÄTIGUNG DER
REALISTISCHEN SICHTWEISE. 8
3.1 DIE NATIONALE SICHERHEITSSTRATEGIE DER USA UNTER PRÄSIDENT WILLIAM J. CLINTON (CLINTO-N
DOKTRIN ) 8
3.2 DIE NATIONALE SICHERHEITSSTRATEGIE DER USA UNTER PRÄSIDENT GEORGE W. BUSH (BUSH-
DOKTRIN ) 10
3.3 VERGLEICH DER NATIONALEN SICHERHEITSSTRATEGIEN. 12
4 ERFOLGE DES UNILATERALEN VERHALTENS DER VEREINIGTEN STAATEN IM KAMPF
GEGEN DEN INTERNATIONALEN TERRORISMUS 14
4.1 DER IRAK-KONFLIKT. 15
4.1.1 Erfolgsanalyse amerikanischer Interventionen 15
4.1.2 Befriedung und Demokratisierung des Mittleren Ostens. 18
4.2 DIE ZERSCHLAGUNG WELTWEIT AGIERENDER TERRORISTISCHER ORGANISATIONEN. 20
4.3 DIE GLOBALE BEKÄMPFUNG DER URSACHE DES TERRORISMUS. 21
4.4 ZUSAMMENFASSUNG 23
5 SCHLUßWORT. 24
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Hausarbeit vom 31.03.2004 Dirk Tritsch
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Beendigung des Kalten Krieges in der letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts stellte sich heraus, dass diese Ereignisse die gesamte Konfiguration des internationalen Systems veränderten. Seit dem Ende des Ost-West-Konflikts besteht in der wissenschaftlichen Diskussion eine weitgehende Einigkeit darüber, dass die bipolare Struktur des internationalen Systems nicht mehr existent ist. Wie sieht jedoch das neue System am Anfang des 21. Jahrhunderts aus ? Hierüber herrscht im weiten Teilen Uneinigkeit, ob es einen Wandel hin zu einem unipolaren oder zu einem multipolaren System gegeben hat. Bei einer logischen Betrachtung könnte man annehmen, dass der Wandel zu einem unipolaren System geführt hat, gemäß der Rechnung zwei minus eins gleich eins, wobei die Vereinigten Staaten als einzige verbleibende Großmacht aus dem bipolaren System die hegemoniale Stellung übernommen haben. 1 Doch entspricht diese rein logische Betrachtung auch der Realität?
1.2 Ziel der Hausarbeit
Ziel dieser Hausarbeit ist es zu untersuchen, inwieweit das internationale System unipolar strukturiert ist und ob die Vereinigten Staaten darin als Hegemon bezeichnet werden können. Hierzu werden im zweiten Kapital Gründe herausgearbeitet, die das derzeitige System als ein unipolar-strukturiertes System erscheinen lassen, in welchem die USA die zentrale, hegemoniale Stellung im Weltgefüge einnimmt. Als systemtheoretische Grundlage für diese Behauptung dient der (Neo-) Realismus.
Im dritten Abschnitt wird untersucht, ob das Verhalten der USA die (neo-)realistische Sichtweiße bestätigt, d.h. ob ein kontinuierliches, unilaterales Verhaltensmuster in der amerikanischen Sicherheits- und Außenpolitik existiert oder ob eine Diskrepanz zwischen dem außenpolitischen und sicherheitspolitischen Verhalten des vermeintlichen Hegemons und den (neo-) realistischen Annahmen besteht.
Der tatsächliche Erfolg des amerikanischen Verhaltens wird im vierten Kapitel analysiert. Hierbei wird der Erfolg unter zwei verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet. Zum einen
1 Vgl. Wolforth, William C. 1999: The Stability of a Unipolar World, in: International Security 24: 1, S. 10
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Hausarbeit vom 31.03.2004 Dirk Tritsch
wird er anhand der Interessen untersucht, die die Vereinigten Staaten entweder in internationalen Regimen oder außerhalb von internationalen Regimen durchsetzen konnten. Zum anderen wird herausgearbeitet, ob die USA bei der realen Umsetzung ihrer Ziele erfolgreich war. Beide Gesichtspunkte werden unter der Betrachtung des Irak-Konfliktes im Jahr 2003 und des Krieges gegen den internationalen Terrorismus heraus gearbeitet.
Im letzten Abschnitt wird zusammenfassend betrachtet, ob tatsächlich eine Verifizierung der Annahme, das internationale System sei unipolar strukturiert und die Vereinigten Staaten hätten eine hegemoniale Stellung inne, erfolgen kann.
2 Gründe für eine unipolare Weltordnung
Durch den Zerfall der Sowjetunion wurde der Ost-West-Konflikt beendet. Die Vereinigten Staaten gingen als Sieger zwischen den beiden Großmächten des Kalten Krieges hervor. Seit dem herrscht eine rege öffentliche und wissenschaftliche Diskussion darüber, ob die USA, als einzige signifikante Weltmacht, in dem neuen Weltgefüge eine hegemoniale Stellung eingenommen haben oder ob sie lediglich eine Großmacht unter „several major powers of comparable strength“ 2 darstellen. Im Folgenden werden die Argumente beschrieben, welche das momentane internationale System aus realistischer Sicht als unipolar erscheinen lassen.
2.1 Militärische Macht
Aus realistischer Sicht ist es das zentrale Ziel eines Staates seine Macht zu erhalten und zu vergrößern. 3 Um die Stellung des Hegemons einnehmen zu können, muss er also u.a. eine militärische Vormachtstellung im internationalen Gefüge inne haben. Die Vereinigten Staaten dominieren deutlich die militärischen Belange im internationalen Gefüge. So lagen die weltweiten Militärausgaben im Jahr 2002 bei circa 900 Milliarden US Dollar, wobei die USA einen Anteil an diesen Militärausgaben von nahezu 40 Prozent hatten. 4 Für das Jahr 2004 bewilligte der amerikanische Kongress einen Verteidigungshaushalt von 400 Milliarden US Dollar. Seit dem Ende des Kalten Krieges wurde ein solch hoher Etat nicht mehr vergeben. 5 Damit wuchsen die Verteidigungsausgaben zwei Jahre in Folge um jeweils über 10 Prozent.
2 Vgl. Huntigton, Samuel P. 1999: The Lonely Superpower, in: Foreign Affairs 78: 2, S. 35-49
3 Vgl. Schieder, Siegfried / Spindler, Manuela 2003: Theorien der Internationalen Beziehungen, Opladen, S. 46
4 Vgl. Internationales Konversionszentrum Bonn (BICC) 2003: Conversion Survey 2003, unter: http://www.cic -
bonn.org/berichte/bicc2003.html, abgerufen am: 01.03.2004
5 Vgl. www.netzeitung.de/ausland/240505.html, abgerufen am 01.03.2004
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Die militärische Dominanz der USA zeigt sich weiterhin darin, dass sie zwei Drittel der weltweiten Forschungsgelder für militärische Entwicklungen aufgewendet hat und einen enormen technologischen Vorsprung gegenüber den anderen Staaten besitzt. Zum anderen sind amerikanische Streitkräfte weltweit permanent präsent. Die USA arbeitet unter der Prämisse, dass sie gleichzeitig in der Lage sein muss, zwei Kriege in verschiedenen Regionen der Welt zu führen und zu gewinnen. Dies ist ihr insbesondere möglich, da das militärische Gegengewicht der Sowjetunion weggefallen ist. 6 Damit besitzt sie eine einmalige militärische Vormachtstellung.
2.2 Ökonomische Macht
Neben der militärischen Vormachtstellung muss aus realistischer Sicht der Hegemon eine führende ökonomische Macht besitzen, damit sich das internationale System als unipolar darstellt. In der Weltwirtschaft besitzen die Vereinigten Staaten eine herausragende Position. Ausdruck findet diese Vormachtstellung der USA insbesondere dadurch, dass sie ein Drittel des Weltsozialproduktes erwirtschaftet und somit die größte Einzelwirtschaft der Welt darstellt. 7 Zugleich ist sie der weltweit größte Importeur und Exporteur kommerzieller Güter. 8
Weiterhin ist festzustellen, dass die Vereinigten Staaten auch innerhalb internationaler Wirtschaftsregime eine führende Position inne haben. So besitzen die USA in der WTO einen Stimmenanteil von sechszehn Prozent und verfügen quasi über ein Vetorecht, um Vorschläge zu blockieren 9 . Innerhalb des Internationalen Währungsfonds (IWF) bestehen ähnliche Stimmenverhältnisse. 10 Aus (neo-)realistischer Sicht ist es nicht verwunderlich, dass die Vereinigten Staaten eine führende Position innerhalb des IWF und der WTO inne haben. Denn unter dieser Betrachtung ist die Entstehung der beiden internationalen Regime nur auf den Willen des Hegemons zurückzuführen. Nur durch seine Macht und sein Befürworten wurden demnach diese Organisationen gegründet. Man spricht daher auch von einer
6 Vgl. Kagan, Robert 2003: Macht und Ohnmacht. Amerika und Europa in der neuen Weltordnung, Berlin, S.
31-32
7 Vgl. Schubert/Klein 2001: Das Politiklexikon, Bonn, unter:
www.bpb.de/popup_lemmata.html?guid=RCGNS8, abgerufen am: 02.03.2004
8 Vgl. International trade statistics 2003, unter: www.wto.org/english/res_e/statis_e/its2003_e/its03_toc_e.htm,
abgerufen am: 02.03.2004
9 Vgl. Erklärung von Bern. Neues Selbstbewusstsein der Entwicklungsländer nach dem Scheitern von Cancún,
unter: www.evb.ch/index.cfm?page_id=2531&archive=none, abgerufen am: 02.03.2004
10 Vgl. Stimmenverteilung im IWF, unter: www.kulturkritik.net/Statistik/stimmenrechte_iwf.html, abgerufen
am: 02.03.2004
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Hausarbeit vom 31.03.2004 Dirk Tritsch
„hegemonial induzierten Kooperation“. 11 Aus realistischer Sicht ist diese starke wirtschaftliche Stellung der USA ein weiteres Indiz für die unipolare Struktur des internationalen Gefüges.
Es wurde deutlich, dass unter (neo-)realistischer Betrachtung die Vereinigten Staaten die führende Position im internationalen System inne haben. Es gibt keine vergleichbare Macht, die ein solches militärisches, technologisches und wirtschaftliches Potential besitzt wie die Vereinigten Staaten. Zusätzlich zur rein (neo-)realistischen Betrachtung, die ausschließlich „hard powers“ zur Analyse hinzuzieht, soll im Kapitel 2.3. kurz auf die Faktoren der „weichen Macht“ 12 eingegangen werden.
2.3 „Weiche Macht“
Neben der realistischen Argumentation existieren noch verschiedene andere Gründe, warum die Vereinigten Staaten als Hegemon angesehen werden können. Als Erstes ist die günstige geologische Lage zu nennen, die es ihnen erlaubte „sich frei und kont inuierlich zu einer Weltmacht zu entwickeln“. 13 Denn im Gegensatz zu den europäischen Großmächten des vergangenen Jahrhunderts, bestand für die USA keine unmittelbare Gefahr an ihren Grenzen, da sie durch den atlantischen Ozean geologisch weitgehend isoliert war. Zweitens wurde die amerikanische Kultur, „the american way of life“, nach dem zweiten Weltkrieg sehr stark in den europäischen Raum expandiert. Diese Entwicklung verstärkte sich nach dem Zerfall der sowjetischen Macht. Weiterhin ist die „jahrhundertealte Erfahrung in weltweiter Diplomatie“ heraus zu stellen, die die USA zur Weltmacht befähigt. 14 Die Vereinigten Staaten nehmen auch in der „soft power“-Dimension demnach eine herausragende Stellung ein.
Zusammenfassend ist daher zu sagen, dass die USA sowohl in der „hard power“-Dimension als auch in der „soft power“-Dimension die führende Position im Weltgefüge inne haben. 15
11 „In diesem Fall zwingt ein besonders mächtiger Hegemon andere Staaten zur funktionalen Differenzierung,
um die gemeinsame Wohlfahrt zu steigern. Dabei übernimmt der Hegemon einen Großteil der Kosten sowie
Schutzfunktionen für die an der Kooperation beteiligten Staaten und bietet ihnen damit Anreize, sich auf die
Kooperation einzulassen (in diesem Sinne könnte beispielsweise die Rolle der USA bei der Errichtung der
Weltwirtschaftsordnung der Nachkriegszeit, i.e. des GATT, IWF usw. gesehen werden)“., Vgl. Schieder,
Siegfried / Spindler, Manuela (Hrsg.) 2003: S. 73
12 Vgl. Kubbig, Bernd W. / Dembinski, Matthias / Kelle, Alexander 2000: Unilateralismus als alleinige
außenpolitische Strategie?, Farnkfurt
13 Vgl. Hacke, Christian 2002: Zur Weltmacht verdammt, München, S. 616
14 Vgl. eben genannten
15 „the United States leads ist competitors by a wide margin in overall military capabilities and the ability to
project ist forces globally.[...] It also remains the world´s dominant power economically....Ist corporations
remain at the cutting edge of nearly every military and consumer technology. The large size of ist domestic
market, ist generous resources endowments, and ist „soft“ power attributes, such as ist ideological and cultural
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Dirk Tritsch, 2003, Ist das Internationale System unipolar struktuiert? Eine Analyse am Beispiel amerikanischer Verhaltensweisen im internationalen Gefüge sowie deren Umsetzung unter dem Einfluss des globalen Terrorismus, München, GRIN Verlag GmbH
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