Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Moisei Ostrogorski
2.1. Ansichten und Fragestellungen Ostrogorskis
2.2. Die Entstehung der Massenparteien
2.3. Die Massenpartei als politische Maschine
2.4. Die Gründe für die Etablierung der Massenparteien
2.4.1. Der Schutz vor individuellen Angriffen
2.4.2. Die Befriedigung von gesellschaftlichen Bedürfnisse
2.4.3. Die Gleichgültigkeit der Masse
2.5. Fazit
3. Robert Michels und das eherne Gesetz der Oligarchie
3.1. Das Bedürfnis nach einer Organisation
3.2. Massenpsychologische Phänomene
3.3. Individualpsychologische Gründe
3.4. Fazit
4. Kritische Auseinandersetzung mit dem Text „Moderne Parteistruktur
als Voraussetzung für strategische Mehrheitsfähigkeit
5. Schlußwort
6. Literaturverzeichnis
3
1. Einleitung:
1 . Mit diesem Aufruf wendete sich der Russe „Nieder mit den Parteien, hoch die Ligen“
Moisei Ostrogorski am Anfang des 20. Jahrhunderts gegen die aufkeimenden Massenparteien. Mit seinen Analysen leistete er Pioniersarbeit auf dem Gebiet der Parteienforschung und kritisierte sehr scharf jene neu entstandenen Parteien, die nach außen hin versuchten sich durch die errungenen Rechte und Freiheiten der Bürger neu demokratisch zu legitimieren. Der Kern und das innere Gerüst dieser politischen Maschine beschrieb er als ein scheindemokratisches Gebilde, dessen höchste Priorität der Wahlerfolg zur Errichtung und Erhaltung der Machtposition innerhalb und außerhalb des Parlaments sei. Interessant ist aber, dass nicht nur aus dem elitären Honoratiorenlager die Massenparteien kritisiert wurden, sondern auch aus dem Lager 2 , ein der Sozialisten. So beschrieb Robert Michels das „eherne Gesetz der Oligarchie“ zwanghaftes Verhalten jeder Partei, auch jene mit großen demokratischen, dezentralen Ansätzen, früher oder später oligarchische Tendenzen zu entwickeln. Dazu beobachtete er ausschließlich die SPD.
Zuerst beschreibe ich die Beobachtungen und Analysen Moisei Ostrogorskis. Weiterhin werde ich nicht nur auf die politischen Studien eingehen, sondern auch auf die sozialpsychologische Relevanz seiner Analyse herausarbeiten, insbesondere durch das Unterkapitel ´die Gründe zur Etablierung der Massenparteien´. Anschließend wird im dritten Kapitel auf Michels Theorie eingegangen. Seine These des „ehernen Gesetzes der Oligarchie“ basiert auf drei Hauptsäulen: Erstens dem Bedürfnis nach einer Organisation, zweitens einem massenpsychologischen Phänomen und drittens individualpsychologische Gründe, die ich im Folgenden beschreiben werde. Da beide Wissenschaftler am Anfang des 20. Jahrhunderts lebten, basieren ihre Annahmen auf den damaligen gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten. Aber die allgemeinen Beobachtungen und die weit angelegten Untersuchungen beider Männer, auch auf der nicht-politischen Ebene, beschränken ihre Ergebnisse nicht nur auf die vergangene Zeit. Dies ist vor allem daran zu sehen, dass sich zum einen die
1 Vgl. von Beyme, Klaus: Parteien im Wandel, Wiesbaden 2000, S.14
4
gegenwärtige Parteienforschung zum Teil noch immer auf diese Werke stützt. Zum anderen kann man durchaus sagen, dass die heutigen „professionellen 3 ein bisheriges Ergebnis einer Weiterentwicklung Wählerparteien“ und „Volksparteien“
aus den Massenparteien sind und dementsprechend noch urtümliche Muster der Massenorganisation aufweisen. Im vierten Kapitel werde ich, unter Beachtung der Analysen von Michels und vor allem der von Ostrogorski, eine kritische Auseinandersetzung des Modernisierungstextes „Moderne Parteistrukturen als 4 des Bundesgeschäftsführers der Voraussetzung für strategische Mehrheitsfähigkeit“
SPD, Matthias Machnig, erarbeiten. Ich möchte mit dieser kritischen Betrachtung keine Bewertung der inneren Demokratisierung der Parteien vornehmen, da bei solcher eine Definition des Demokratisierungsprozesses vorausgehen müßte. Weiterhin wäre eine normative Gewichtung des Demokratiebegriffs notwendig. Vielmehr möchte ich, durch die Anwendung der Analyseergebnisse von Michels und Ostrogorski auf den Text von Machning, die Aktualität dieser Forschungen herausarbeiten. Besonders werde ich die Studien von Ostrogorski berücksichtigen, da er im Laufe der Geschichte nahezu in Vergessenheit geraten ist.
2. Moisei Ostrogorski:
2.1. Ansichten und Fragestellungen Ostrogorskis:
5 . Mit diesem „Il faut une science politique nouvelle à un monde tout nouveau“ Kommentar von Tocqueville wird deutlich, dass in der damaligen Zeit aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen eine neue Richtung der Politikwissenschaft nötig wurde, was auch Ostrogorski erkannte und sich auf ein völlig neues Terrain der politischen Studien, die Analyse der Parteiensysteme, begab. Eine Art Pioniersarbeit
2 Vgl. Michels, Robert: Zur Soziologie des Parteienwesens in der modernen Demokratie, Frankfurt a.M.
1925, S. 342
3 Vgl. von Beyme, Klaus: a.a.O., S. 41
4 Vgl. Machning, Matthias: Moderne Parteistrukturen als Voraussetzung für strategische
Mehrheitsfähigkeit, unter: www.spd.de/servlet/PB/menu/1010770/index.html
5 Vgl. Tocqueville: De la Démocratie en Amérique, in: Lipset, Seymour Martin: Moisei Ostrogorski -Democracy and the organization of political parties, Chicago 1964, S.lxxvii
5
entstand, „the classical study of the histories of Parties is that by Ostrogorski, taking an 6 so E. G. Catlin. early step outside concentration on the field of `legal government”, Ostrogorski bemängelte, dass bisher ausschließlich die politischen Formen, wie z.B. Institutionen und Verfassungen, wissenschaftlich untersucht wurden. Versäumt wurde die Untersuchung der politischen Kräfte „the very idea of political forces as distinct from 7 , obwohl diese besonders political forms was not sufficiently clear to men´s mind“ durch das Aufkommen des allgemeinen Wahlrecht in den Vordergrund gerückt wurden. Wie sollte jedoch das Wissen über die politischen Kräfte erlangt werden? Ostrogorski gibt eine recht triviale Lösung, nämlich durch die Beobachtung ihrer Bewegungen, vergleichbar mit der Erkenntnisgewinnung über die Naturkräfte. Auf die politischen Kräfte bezogen bedeutet dies, die Beobachtung ihrer Aktionen und Methoden. Weiterhin müssen diese Analysen, um den wirklichen Charakter der Methoden heraus zu filtern, zum einen im Zusammenhang mit den politischen Akteuren gesehen werden, da durch sie der Wille geformt und manifestiert wird und zum anderen in bezug auf die politischen Konditionen, in denen dieser Wille existiert. Um zu einem Ziel zu gelangen, ist es wichtig ein Feld im politischen Leben zu finden, in dem die Methoden und Aktionen in einer gebündelten und systematischen Form auftreten. Ein relativ übersichtliches Feld, das einen günstigen Ausgangspunkt bietet, sind die politischen Parteien „wherever this life of parties is developed, it focusses the political feelings and the active wills of the citizens; it is essentially the continuous application of the methods of action of political society. The material organization of parties appeard to 8 . Die Untersuchung der Parteien fand in me to offer the required post of observation“
England und den USA statt, da hier, nach Ostrogorskis Ansicht, die Freiheit, und dadurch die Entwicklung der Parteien, am weitesten vorangeschritten war. Jedoch betonte er ausdrücklich, dass die Ergebnisse seiner Nachforschungen ebenfalls auf die europäischen Staaten übertragbar seien, da „...where political institutions are nearly everywhere framed on the same model, where the social conditions produced by the economic evolution are the same, and where, ..., men are subjected to similar 9 . influences and move on parallel lines“
6 Vgl. Lipset, S. M.: a.a.O., S. xi
7 Vgl. Ostrogorski, Moisei, in: Lipset, S. M.: a.a.O., S. lxxvii
8 Vgl. Ostrogorski, Moisei, in: Lipset, S. M.: a.a.O., S. lxxix
9 Vgl. Ostrogorski, Moisei, in: Lipset, S. M.: a.a.O., S. lxxx
6
2.2. Die Entstehungen der Massenparteien:
Durch die neuen, gesellschaftlichen Freiheiten und Rechte gab es einen Bruch mit dem ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Monopol der alten Aristokratie. Die bestehende Gesellschaftshierarchie, die jedem einzelnen Individuum einen bestimmten, für ihn vorgesehen Platz zuwies, wurde zerstört. Das Individuum wurde somit seine feste gesellschaftliche Rolle entrissen und durch die Gleichheit der Bürger isoliert. Die Folgen waren unter anderem, dass vor allem Honoratiorenparteien durch Massenparteien ersetzt wurden, da sich zum einen neue Gruppierungen durch das allgemeine Wahlrecht organisieren mußten und zum anderen das isolierte Individuum einen Weg suchte, um eine neue gesellschaftliche Identifikation und einen neuen Daseinszweck zu finden. Diese fand es in den Massenparteien.
Ostrogorski schreibt der Armut hierbei eine besondere gesellschaftliche Rolle zu. Durch die Armut wurden durch die gesamte Gesellschaft Furchen bzw. Schichten gezogen. Jede Person gehörte aufgrund ihrer Besitztümer einer gesellschaftlichen Schicht an „the leaders of society were the leaders of the state, and to a considerable degree authority 10 . Somit besaß das and status were sustained by direct personal social relationships“ Individuum eine Bestimmung, einen Sinn in seiner Existenz. Ohne die Armut und durch sie entstehenden Furchen wurde das Individuum isoliert.
2.3. Die Massenpartei als politische Maschine:
Um eine Wahl erfolgreich zu bestehen, muss die Partei die Masse für sich gewinnen und dadurch in jeder kleinsten Wahleinheit, dem Distrikt bzw. dem Wahlbezirk, eine direkte Präsenz aufweisen können. Das Ziel ist, die Masse optimal ansprechen zu können. Diese Präsenz in den Wahlbezirken stellen die ´Gangs´ dar, die von einem lokalen Führer geleitet werden. Der Führer der ´Gang´ stammt meist aus der sozialen Unterschicht. Er erkennt jedoch seine persönlichen Möglichkeiten durch die Partei und beginnt eine Art der Politik zu studieren, die keiner akademischen Ausbildung bedarf, aber „...a knowledge of the machinery of the party organization, with all ist wheels within
10 Vgl. Ostrogorski, Moisei, in: Lipset, S. M.: a.a.O., S. xxv
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Arbeit zitieren:
Dirk Tritsch, 2003, Beschreibung und Anwendung der Studien von Moisei Ostrogorski und Robert Michels, München, GRIN Verlag GmbH
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Das "eherne Gesetz der Oligarchie" von Robert Michels
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