Bibliographische Beschreibung
Mehnert, Grit:
„Catch me if you can!“: Die Bedeutung Jugendlicher als Zielmarkt für die Wirtschaft und Handlungsoptionen für eine werbliche Ansprache. - 2004. -159 S. Mittweida, Hochschule Mittweida (FH), Fachbereich Medien, Diplomarbeit, 2004
Referat
Ziel der Diplomarbeit ist es zu untersuchen, welche Bedeutung Jugendliche zwischen 13 und 29 Jahren als Teilnehmer am deutschen
Konsumentenmarkt für eine zielgruppenspezifische Bearbeitung durch Marketingmaßnahmen haben. Dazu wird zunächst das Jugendsegment als eigener Teilmarkt innerhalb eines nach Lebensphasen segmentierten Gesamtmarkts begründet. Anschließend werden die durch jugendliche Kunden zu erzielenden direkten, indirekten und potentiellen
Umsatzpotenziale analysiert und bewertet. Mit Blick auf jugendspezifische Besonderheiten hinsichtlich Lebenssituation, Lebensweise und
Konsumverhalten sowie angesichts der speziellen Anforderungen, die Jugendliche an eine an sie gerichtete werbliche Kommunikation stellen, werden u.a. anhand aktueller Praxisbeispiele schließlich Handlungsoptionen für ein adäquates Jugendmarketing aufgezeigt. Nicht unberücksichtigt wird dabei die kritische Diskussion zur allgemeinen Thematik des Marketing für junge Zielgruppen bleiben.
II
Inhaltsverzeichnis
Seite
Bibliographische Beschreibung II
Referat II
Inhaltsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VI
Abk ürzungsverzeichnis. VII
Einleitung 1
Teil I
1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente. 4
1.1 „Jugend“ und „Jugendmarkt“ 4
1.1.1 Differenzierung des Jugendbegriffs. 4
1.1.2 Arbeitsdefinition 5
1.2 Der deutsche Konsumentenmarkt und die Notwendigkeit der
Marktsegmentierung 8
1.2.1 Marktsegmentierung nach Lebensphasen 11
1.2.2 Marktsegmentierung nach Lebensstilen. 20
1.3 Nach Lebensphasen segmentierte Zielmärkte - eine Analyse. 23
1.3.1 Der Zielmarkt der Kinder 24
1.3.1.1 Konsumentenprofil 24
1.3.1.2 Kommunikationspolitische Besonderheiten 28
1.3.2 Der Zielmarkt der Jugendlichen 29
1.3.2.1 Konsumentenprofil 30
1.3.2.2 Kommunikationspolitische Besonderheiten 34
1.3.3 Der Zielmarkt der Erwachsenen: „DINKs“ 36
1.3.3.1 Konsumentenprofil 37
1.3.3.2 Kommunikationspolitische Besonderheiten 40
1.3.4 Der Zielmarkt der Ruheständler 41
1.3.4.1 Konsumentenprofil 42
1.3.4.2 Kommunikationspolitische Besonderheiten 46
III
1.3.5 Zusammenfassende Betrachtung der nach Lebensphasen
segmentierten Zielmärkte 47
2 Jugendliche in ihrer Bedeutung als Zielmarkt für die Wirtschaft 51
2.1 Jugendliche als direkte Marktteilnehmer:
Die Rolle der aktiven Käufer 51
2.1.1 Kaufkraft. 51
2.1.2 Kaufbedürfnisse 54
2.1.3 Zusammenfassende Beurteilung von Jugendlichen als aktive Käufer 61
2.2 Jugendliche als indirekte Marktteilnehmer:
Die Rolle der „Beeinflusser“ von Kaufentscheidungen in Familien. 63
2.2.1 Einfluss jugendlicher Kinder im Familienhaushalt. 64
2.2.2 Empirischer Befund zu Einflussbereichen Jugendlicher auf die elterliche
Einkommensverwendung 67
2.2.3 Zusammenfassende Beurteilung von Jugendlichen als indirekte Käufer. 68
2.3 Jugendliche als potentielle Marktteilnehmer:
Die Rolle der Konsumenten von morgen 69
2.3.1 Entstehung von Markentreue bei den jugendlichen Nachwuchskunden. 70
2.3.2 Empirischer Befund zur Konstanz jugendlicher Markenpräferenzen. 73
2.3.3 Zusammenfassende Beurteilung von Jugendlichen als zukünftige
K äufer 74
2.4 Zusammenfassende Bewertung der jugendlichen Zielgruppe und
Schlussfolgerungen für das Marketing. 75
Teil II
3 Jugendmarketing - „Catch me if you can “ 79
3.1 Jugendliche - eine schwierige Zielgruppe? 79
3.1.1 Entwicklungsaufgaben im Jugendalter 80
3.1.2 Selbstverständnis von Jugendlichen heute. 84
3.1.2.1 Bedeutung für das Konsumverhalten 86
3.2 Jugendliche Lebenswelten. 89
IV
3.2.1 Freizeit- und Medienverhalten 89
3.2.2 Die Bedeutung von Musik, Mode und Sport. 96
3.3 Handlungsoptionen für ein spezifisches Jugendmarketing 100
3.3.1 Grundsätze für die Ansprache Jugendlicher 102
3.3.2 Beispiele für kommunikationspolitische Maßnahmen im
Jugendsegment. 105
3.3.2.1 „Edgar“ - Die Gratispostkarte. 113
3.3.2.2 Mobile Marketing per SMS. 115
4 Abschließende kritische Auseinandersetzung mit der Thematik des
Marketing für junge Zielgruppen 118
4.1 Ethische Besonderheiten 118
4.1.1 Intendierte Wirkungen des Marketing 118
4.1.2 Nicht intendierte Wirkungen des Marketing. 119
4.1.3 Verantwortlichkeit des Marketing 122
4.2 Rechtlicher Handlungsspielraum 124
4.3 Fazit 125
Anhang 127
Literaturverzeichnis. 131
V
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abb. 1-1: Typische Struktur des menschlichen Lebenslaufs um 1990 12
Abb. 1-2: Bevölkerungsverteilung in Deutschland nach Alter (April 2001) 16
Abb. 1-3: Altersstruktur der deutschen Marktteilnehmer (April 2001) 18
Abb. 2-1: Jugendliche „Jobber“ 52
Abb. 2-2: Jugendliche Kaufentscheider 67
Abb. 2-3: „Wearable Key“-Serie von „Philips 78
Abb. 3-1: Jugendliches Freizeitverhalten 89
Abb. 3-2: „Does“ und „Dont’s“ im Jugendmarketing. 104
Abb. 3-3: Lieblings-Werbemedien 11- bis 29-Jähriger 106
Abb. 3-4: Gratispostkarten-Halter und „Freecard“-Beispiel. 113
Abb. 3-5: Mobile Marketing - Beispiele für Werbung per SMS. 116
Tabellenverzeichnis
Tab. 1-2: Chronologie der Lebensphasen 14
Tab. 1-3: Marktsegmentierung nach Lebensphasen 15
Tab. 1-5: Konsumentenprofil: 6- bis 12-jährige Kinder. 26
Tab. 1-6: Konsumentenprofil: 13- bis 29-jährige Jugendliche. 32
Tab. 1-7: Konsumentenprofil: 30- bis 64-jährige „DINKs“ 40
Tab. 1-8: Konsumentenprofil: Ruheständler ab 65 Jahre 45
Tab. 1-1: Erwerbsbeteiligung Jugendlicher in Deutschland 127
Tab. 1-4: Deutsche Bevölkerung nach Altersgruppen 1991 bis 2001 128
Tab. 1-9: Marktdaten: Kinder, Jugendliche, „DINKs“, Ruheständler. 129
Tab. 1-10: Deutsche Bevölkerung nach Altersgruppen 2000 bis 2050. 130
VI
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung Abt. Abteilung AG Aktiengesellschaft Art. Artikel Aufl. Auflage ASID Studie Alterssicherung in Deutschland AWA Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse Azubi Auszubildende BaföG Ausbildungsförderung auf Grund des Bundesausbildungsförderungsgesetzes Bd. Band bearb. bearbeitete BGB Bürgerliches Gesetzbuch bzw. beziehungsweise ca. circa CD Compact Disk d.h. das heißt DIA Deutsches Institut für Altersvorsorge DJ Disk Jockey durchges. durchgesehene DVD Digital Versatile Disk ebd. ebenda erg. ergänzte erw. erweiterte et al. et alii (und andere) etc. et cetera (und so weiter) f. folgende FES Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. ff. fortfolgende FN Fußnote G+J Gruner + Jahr AG & Co KG GG Grundgesetz ggf. gegebenenfalls H. Heft Hrsg. Herausgeber i. A. in Anlehnung
VII
i. d. R. in der Regel IJF Institut für Jugendforschung IP Information et Publicité i. S. v. im Sinne von Jg. Jahrgang JGG Jugendgerichtsgesetz JIM Jugend, Information, (Multi-)Media JMStV Jugendmedienschutz-Staatsvertrag JÖSchG Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit Kfz Kraftfahrzeug KVA Kids-Verbraucher-Analyse MA Media-Analyse m. A. n. meiner Ansicht nach MDStV Mediendienste-Staatsvertrag Mia. Milliarde(n) Mio. Million(en) Min. Minute(n) MPFS Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest Nr. Nummer o. O. ohne Ort o. S. ohne Seite PKW Personenkraftwagen PoS Point of Sale QSI Qualifizierte Special Interest RfStV Rundfunkstaatsvertrag S. Seite SMS Short Message Service sic (wirklich) so sog. so genannt Tab. Tabelle taz die tageszeitung TDG Teledienstegesetz TDDSG Teledienstedatenschutzgesetz TdWI Typologie der Wünsche Intermedia TV Television u. und u.a. unter anderem überarb. überarbeitete
VIII
unveränd. unveränderte usw. und so weiter VA Verbraucher-Analyse v.a. vor allem v. Chr. vor Christus VEB volkseigener Betrieb Verl. Verlag vgl. vergleiche WAP Wireless Application Protocol w&v Werben und Verkaufen www World Wide Web z.B. zum Beispiel z.T. zum Teil zzgl. zuzüglich
IX
Einleitung
jungen Menschen von heute. Ein Blick auf die Straßen einer beliebigen Stadt genügt, um die junge Generation als ein „buntes, extrem heterogenes Gemisch aus zig Szenen und Teilöffentlichkeiten“ 4 zu erkennen. Zum anderen gilt „die Jugend“ von jeher als rebellisch, unbegreiflich und unberechenbar. 5 In Literatur der Soziologie und Pädagogik ist stets von einer Problemphase, einem „schwierigen Alter“ die Rede. So überrascht es kaum, dass sich, was die „richtige“ Kommunikation mit Jugendlichen betrifft, zum Teil eine große Unsicherheit zeigt - selbst bei marktführenden Unternehmen. 6
Für die Konzeption von geeigneten werblichen Ansprachestrategien für Jugendliche ist daher ein grundlegendes Verständnis ihrer sensiblen Persönlichkeiten Voraussetzung. Denn nur „wer sich wirklich die Mühe macht, Zusammenhänge und Hintergründe zu verstehen, wird bei dieser Zielgruppe auch langfristige Erfolge … realisieren können.“ 7 Aufgrund ihrer Besonderheiten in Hinblick auf die Entwicklung von Identität, Bedürfnissen und Wertpräferenzen, das konsumrelevante Verhalten und den Umgang mit Medien und Werbung bedarf es einer eingehenden Auseinandersetzung mit Jugendlichen als Zielgruppe der Werbung. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang, dass es für die medienversierte junge Generation heute alltäglich ist, umworben zu werden, und ihr Verhältnis zur Werbung mittlerweile als souverän bezeichnet werden kann: Gegen überdrehte Konzepte und bemühte Jugendsprache ist die „ohnehin megakritische Zielgruppe“ 8 gewissermaßen „immun“, blickt allenfalls mit einem „müden Lächeln“ auf Kampagnen, die sich jugendtypischer Klischees bedienen.
„Catch me if you can!“ - „Fang mich doch, wenn du es kannst!“ -Grundsätze für ein spezifisches Jugendmarketing zu entwickeln, wird ein Ziel der vorliegenden Arbeit sein.
4 Jaekel (1995), in Deese et al. (1995), S. 161.
5 Man denke nur an den zeitlosen Spruch von Wilhelm Busch: „Ja so ist die Jugend heute, schrecklich sind die jungen Leute.“
6 Vgl. Mienert/Scherer (1998), S. 5.
7 Mienert/Scherer (1998), S. 5.
8 Jaekel (1995), in Deese et al. (1995), S. 163.
2
Einleitung
Zunächst gilt es jedoch im ersten Teil der Arbeit, den Jugendmarkt als eigenständiges Marktsegment zu begründen. Der vorab zu definierende Jugendbegriff wird die Basis des ersten Kapitels bilden, das sich mit der Abgrenzung der jugendlichen Zielgruppe von anderen Kundengruppen im deutschen Konsumentenmarkt auseinandersetzen wird. Im Rahmen einer grundlegenden Marktsegmentierung nach Lebensphasen wird die
Marktstellung des Jugendsegments untersucht, wobei für jeden erfassten Teilmarkt - Kinder, Jugendliche, Erwachsene 9 und Ruheständlermarktwirtschaftliche und kommunikationspolitische Besonderheiten
herausgearbeitet werden. Ziel dieser Analyse ist es in erster Linie, eine Grundlage zur Bewertung des Jugendmarkts als wirtschaftliche Zielgruppe zu schaffen und gleichzeitig einen informativen Einblick in vergleichbare Märkte zu vermitteln. Die ausführliche Diskussion der verschiedenen Bedeutungsdimensionen junger Konsumenten wird anschließend Gegenstand von Kapitel 2 sein.
Nachdem sich der erste Teil der Arbeit ausführlich mit der Fragestellung um das wirtschaftliche Potential des Jugendsegments beschäftigt hat, wird sich der zweite Teil eingehend mit seiner Erschließung befassen. Um das für ein unternehmerisches Jugendmarketing unentbehrliche grundlegende Verständnis der spezifischen Lebenscharakteristik im jugendlichen Alter zu gewinnen, erfolgt in Kapitel 3 zunächst ein kurzer Abriss über die allgemein von Jugendlichen zu bewältigenden Entwicklungsaufgaben. Anschließend werden typische Lebenswelten von Jugendlichen untersucht, wobei der Schwerpunkt auf das heutige Selbstverständnis der jungen Generation sowie auf deren Freizeit- und Mediennutzungsverhalten gelegt wird. Auf Basis der dabei gewonnenen Erkenntnisse und anhand der Analyse gegenwärtiger Praxisbeispiele werden darauf aufbauend grundlegende Handlungsoptionen für das Jugendmarketing formuliert.
Den Abschluss der Arbeit bildet eine kritische Auseinandersetzung mit der allgemeinen Thematik „Marketing für junge Zielgruppen“ in Kapitel 4.
9 Für den Teilmarkt der Erwachsenen wird aufgrund der in dieser Gruppe noch stärker ausgeprägten Heterogenität hinsichtlich der Lebensstile (vgl. Abschnitt 1.2.1) exemplarisch ein Untersegment behandelt.
3
1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
1.1.2 Arbeitsdefinition
Um einen geeigneten theoretischen Zugriff für eine Untersuchung des Jugendmarkts hinsichtlich seiner Bedeutung für den Konsumentenmarkt 17 zu wählen, knüpft die vorliegende Arbeit an den Vorschlag von Klaus Hurrelmann (1995) an, „Jugend“ aus sozialisationstheoretischer 18 Perspektive als eigenständige Lebensphase zu begreifen 19 :
Das biologische Kriterium der einsetzenden Geschlechtsreife erweist sich zur unteren Begrenzung der Jugendphase als geeignet, „da die körperlichen Reifungsvorgänge gewissermaßen den Anstoß für alle folgenden Wandlungen geben.“ 22 Die pubertäre Phase tritt durchschnittlich in einem Alter von etwa 13 Jahren ein und ist i . d . R . i m A l t e r v o n 1 8 J a h r e n beendet. 23 Die Bewältigung der mit der körperlichen Reife einhergehenden sozialen und emotionalen Folgen für den Heranwachsenden ist zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht abgeschlossen. 24 So kennzeichnet die Phase der sog. „Nach-Jugend“ die Gruppe der „jungen Erwachsenen, die aber ihrem sozialen Status und ihrem Verhalten nach noch als Jugendliche anzusehen
17 Zur Definition des Konsumentenmarkts vgl. Abschnitt 1.2.
18 „Sozialisation“ meint im Allgemeinen „jenen natürlichen oder gesteuerten Prozess, während dessen ein Individuum offene oder verdeckte Normen, Werte, Rollen und Verhaltensweisen einer Gesellschaft ... lernt bzw. übernimmt und erwirbt.“; Pürer (1998), S. 86.
19 Vgl. auch Abschnitt 1.2.1 zur typischen Struktur des menschlichen Lebenslaufs nach Hurrelmann (1995).
20 Hurrelmann (1995), S. 31.
21 Vgl. dazu auch Lange (1997), S. 19. So betrug etwa das durchschnittliche Hochzeitsalter im Jahr 2001 bei ledigen Frauen 28,8 Jahre und bei ledigen Männern 31,6 Jahre; vgl. Statistisches Bundesamt (2003f), http://www.destatis.de/basis/d/bevoe/bevoetab1.htm.
22 Diekhof (1999), S. 12, u.a. i. A. an Remschmidt (1992a). Vgl. auch Baacke (1994), S. 95 - 97; Hurrelmann (1995), S. 31 - 34.
23 Vgl. Baacke (1994), S. 36f.
24 ebd.
5
1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
sind.“ 25 In diesem Zusammenhang stellt Hurrelmann fest, dass die Abgrenzung der Jugendphase zur Erwachsenenphase nur schwer altersmäßig festgelegt werden kann: „Sie ist in einem erheblichen Ausmaß von den jeweiligen gesellschaftlich bedingten Lebenslagen und
Chancenstrukturen abhängig.“ 26 Auch Wilfried Ferchhoff (1999) weist im Rahmen der Thematisierung von „Jugend“ auf das Problem einer genauen kalendarischen Begrenzung der Jugendphase hin, v.a. aufgrund von „nach hinten ausgedehnten, unscharfen Rändern“ 27 .
In dieser Arbeit wird der entscheidende Schritt von der Jugendphase in Richtung Erwachsenenstatus im Verlassen der schulischen und
anschließenden beruflichen Ausbildungsverhältnisse mit dem Übertritt in den Berufs- und Erwerbstätigensektor gesehen. Denn mit der ersten Vollerwerbstätigkeit gehen i. d. R. weitere Kriterien einher, die bei der Abgrenzung vom Jugendlichen zum Erwachsenen herangezogen werden können: Die finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern ist dann z.B. als Zeichen für Selbständigkeit und als Voraussetzung für die Gründung einer eigenen Familie von Bedeutung 28 und führt erfahrungsgemäß zu wesentlichen Veränderungen des Konsumverhaltens. 29 Dem Problem des fließenden Übergangs zum Erwachsenstatus wird daher mit der Begrenzung der zeitlichen Perspektive der Jugendphase bis zum 29. Lebensjahr entsprochen - auch wenn Individuen bis zu diesem Alter i. d. R. durchaus bereits Kriterien erfüllen, die den erwachsenen Menschen kennzeichnen. Zieht man etwa eine differenzierte soziale Reife als obere Grenze der Jugendphase heran, so endet der Jugendstatus im Rahmen der familiären, beruflichen, rechtlichen und kulturellen Autonomie mit der Vollmitgliedschaft in der Gesellschaft der Erwachsenen. 30 Hierbei ergibt sich nun die Frage, welche und wie viele Kriterien erfüllt sein müssen, um die Jugendphase als beendet anzusehen und den Erwachsenenstatus zu erhalten. Zum politisch mündigen Bürger zählt in Deutschland beispiels-
25 Hurrelmann(1995), S. 50.
26 ebd.
27 Ferchhoff (1999), S. 68.
28 Vgl. Diekhof (1999), S. 23f.
29 Vgl. dazu Abschnitt 1.2.1.
30 Vgl. Hurrelmann (1995), S. 42, i. A. an Schäfers (1982); Diekhof (1999), S. 22, u.a. i. A. an Reimann (1987) in Reimann/Reimann (1987).
6
1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
weise bereits, wer im Alter von 18 Jahren volljährig wird (§ 2 BGB), das aktive und passive Wahlrecht erlangt (Art. 38 GG) sowie, im Zuge des Zuspruchs von Geschäftsfähigkeit (§ 106ff. BGB) und (wenn auch eingeschränkt) Strafmündigkeit (§ 105 I JGG), rechtliche Autonomie erfährt. Unter marketingrelevanten Gesichtspunkten ist aber in erster Linie die ökonomische Unabhängigkeit von Bedeutung, die ein Großteil der geschlechtsreifen Heranwachsenden im Alter von 18 Jahren noch nicht erreicht hat. 31
Daneben spielt auch die subjektive Selbsteinschätzung des Einzelnen eine Rolle, da „das Selbstbild eine hohe Relevanz für das eigene Verhaltenauch das Kaufverhalten - besitzt.“ 32 In diesem Zusammenhang ist zu beobachten, dass es jungen Menschen zunehmend schwer fällt, erwachsen zu werden: So gaben bei einer aktuellen Befragung von 519 Personen zwischen 18 und 25 Jahren 60 Prozent der interviewten jungen Frauen und Männer an, sich nicht in jeder Beziehung wirklich erwachsen zu fühlen. 33 V.a. veränderte gesellschaftliche Bedingungen, wie ein im Vergleich zu früher viel späterer Abschluss der Berufsausbildung und eine nach hinten verschobene Familienplanung, werden dafür verantwortlich gemacht. 34
Im Folgenden wird ein Individuum, das sich in einem Lebensalter zwischen 13 und 29 Jahren befindet, als Jugendlicher bezeichnet. Unter „Teenagern“ sind in diesem Zusammenhang jene Jugendlichen zu verstehen, die sich im Alter von 13 bis 19 Jahren vornehmlich in der pubertären Phase befinden. 35
Mit „junge Erwachsene“ werden die 20- bis 29-Jährigen gekennzeichnet, die die Geschlechtsreife bereits erlangt, aber aufgrund ihres noch stark
31 So belegen Ergebnisse des Mikrozensus, dass im Jahr 2002 erst 28% der 15- bis unter 20-Jährigen, dagegen 64% der 20- bis unter 25-Jährigen und 74% der 25bis unter 30-Jährigen am Erwerbsprozess beteiligt waren; eigene Berechnungen i. A. an Statistisches Bundesamt (2003d),
http://www.destatis.de/presse/deutsch/pk/2003/Mikrozensus2002_neu_Tabellenan hang.pdf, Tabelle 20; Tab. 1-1 im Anhang.
32 Diekhof (1999), S. 29f, u.a. i. A. an Schlenker (1980).
33 Vgl. 3sat.de (2003), mit Bezug auf „Psychologie Heute“ (Weinheim, Ausgabe April 2003), http://www.3sat.de/nano/news/16701/index.html.
34 ebd.
35 Vgl. auch Duden.
7
1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
jugendlich betonten Charakters 36 noch nicht als Erwachsene angesehen werden.
Ein Jugendlicher, der als Abnehmer von unternehmerischen Leistungen auftritt bzw. als potentieller Käufer in Frage kommt, wird im Folgenden als „jugendlicher Kunde“ bzw. „jugendlicher Marktteilnehmer“ bezeichnet. Die Gesamtheit der jugendlichen Kunden bzw. jugendlichen Marktteilnehmer bildet den „Jugendmarkt“.
Mit „Jugendmarketing“ ist im Sinne von Marketing als „koordinierte[r] Einsatz marktbeeinflussender Instrumente zur Schaffung dauerhafter Präferenzen und Wettbewerbsvorteile“ 37 das Ergreifen entsprechender Maßnahmen im Jugendmarkt gemeint.
1.2 Der deutsche Konsumentenmarkt und die
Notwendigkeit der Marktsegmentierung
In Deutschland leben derzeit rund 82,5 Millionen Menschen. 38 Sie bilden die Konsumenten 39 Menge aktueller und potentieller im deutschen Konsumentenmarkt.
„Der K-Markt [Konsumentenmarkt] ist der Markt für Produkte und Dienstleistungen, die von Einzelpersonen und Haushalten für den eigenen (nicht-gewerblichen) Ge- oder Verbrauch gekauft oder in Anspruch genommen werden.“ 40 Dabei steht die Befriedigung persönlicher Bedürfnisse oder Ziele im Vordergrund. 41
Da sich die Konsumenten in ihren Bedürfnissen bezüglich der relevanten Produkte unterscheiden, „besteht die Möglichkeit, mittels bestimmter Merkmale der Konsumenten den Gesamtmarkt in ... Teilmärkte aufzuteilen, das heißt zu segmentieren.“ 42
36 Vgl. auch Kavsek (2002), http://www.psychologie.uni-bonn.de/Download/e2folst.doc, S. 6.
37 Meffert (1998), S. 4. Mit diesem Ansatz wird „Marketing“ als Mittel interpretiert.
38 Vgl. Statistisches Bundesamt (2003), http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2003/p2300022.htm.
39 Im Allgemeinen wird „Konsument“ verstanden als „Letztverbraucher“ von materiellen und immateriellen Gütern; vgl. Kroeber-Riel (1992), S. 3.
40 Meffert (1998), S. 43, i. A. an Kotler (1982).
41 Vgl. ebd.
42 Meffert (1998), S. 174.
8
1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
Durch eine Marktsegmentierung entstehen für das Marketing bedeutsame Zielgruppen als „abgegrenzte Kunden mit spezifischen Problemen und Bedürfnissen, die eine Unternehmung oder Institution differenziert, selektiv und rentabel bearbeiten oder managen will“ 43 : Erst auf Grundlage der Identifikation und Aufteilung in „intern homogene und untereinander heterogene“ 44 Marktsegmente ist - im Sinne des „Marketing als markt-orientierte Unternehmensführung“ 45 - die Entwicklung segmentgerechter Marketingstrategien möglich. 46
Eine Marketingstrategie bezeichnet einen „Verhaltensplan zur Erreichung der Unternehmens- und Marketingziele“ 47 .
Unternehmens- und Marketingziele sind „zukunftsbezogene Vorgaben für das Unternehmen“ 48 und betreffen neben Rentabilität und Sicherung von Gewinn und Wachstum 49 ferner den Marktanteil des Unternehmens als „Grad der Ausschöpfung des Marktvolumens“ 50 . Im Prozess der strategischen Marketingplanung werden die Marktsegmente bzw. die potentiellen Zielmärkte und Kundengruppen „planmäßig und systematisch auf ihr gegenwärtiges und zukünftiges Marktpotential hin analysiert und bewertet.“ 51 Die im Rahmen der Marktanalyse gewonnenen Informationen liefern damit Anhaltspunkte zur Beurteilung der künftigen Absatzchancen eines Unternehmens 52 und sind bei der Auswahl der zu bearbeitenden Marktsegmente und der Wahl der grundlegenden Marktbearbeitungsstrategien von Bedeutung. 53 Zur Segmentierung eines Marktes existiert eine Vielzahl von
Segmentierungskriterien, „die eine sinnvolle Abgrenzung, Beschreibung sowie Bearbeitung von Marktsegmenten ermöglichen.“ 54
43 Belz (1995), zitiert nach Mienert/Scherer (1998), S. 9.
44 Meffert (1998), S. 174.
45 Meffert (1998), S. 3.
46 Vgl. Koschnick (2003),
http://medialine.focus.de/PM1D/PM1DB/PM1DBD/PM1DBDA/PM1DBDAA/pm1dbdaa .htm?buchst=M&snr=2034.
47 Meffert (1980), zitiert nach Meffert (1998), S. 60.
48 Meffert (1998), S. 59.
49 Zum Zielsystem einer Unternehmung vgl. Meffert (1998), S. 67 - 79.
50 Meffert (1998), S. 74.
51 Diekhof (1999), S. 3, i. A. an Hörschgen et al. (1993).
52 Vgl. Diekhof (1999), S. 3, mit Bezug auf Köhler (1993).
53 Vgl. Diekhof (1999), S. 3.
54 Meffert (1998), S. 178.
9
1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
Die Bildung der Marktsegmente muss dabei generell unter der Forderung geschehen, „dass die Konsumenten innerhalb eines Segmentes gleiche oder zumindest ähnliche Reaktionen auf den Einsatz der Marketinginstrumente aufweisen.“ 55
Als „Marketinginstrumente“ werden in diesem Zusammenhang jene operativen absatzpolitischen Maßnahmen verstanden, mit denen das Unternehmen im Rahmen des sog. „Marketing-Mix“ 56 die Beziehungen mit seiner Umwelt gestaltet. 57
Man unterscheidet zwei Verfahren, die bei der Identifikation von Marktsegmenten zur Verfügung stehen 58 :
Zur Prognostizierung eines bestimmten Kauf- bzw. Konsumverhaltens ist eine psychologische Untersuchung hinsichtlich der Konsum- und Produktpräferenzen das sensiblere und aussagekräftigere Instrument zur Marktsegmentierung. 59 Demographische Segmentierungskriterien, wie z.B. das Alter, haben demgegenüber den Vorteil, dass sie meist sehr leicht zu
55 ebd.
56 Zum „Marketing-Mix“, der die konkrete Ausgestaltung und Kombination der vom Unternehmen zur Marktbearbeitung ausgewählten Instrumente im Rahmen der Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik beschreibt, vgl. Meffert (1998), S. 317 - 783; Peters et al. (1998), S. 136 - 151.
57 Vgl. Peters et al. (1998), S. 136; Meffert (1998), S. 59f.
58 Vgl. Koschnick (2003),
http://medialine.focus.de/PM1D/PM1DB/PM1DBD/PM1DBDA/PM1DBDAA/pm1dbdaa .htm?buchst=M&snr=2034.
59 Vgl. Koschnick (2003),
http://medialine.focus.de/PM1D/PM1DB/PM1DBD/PM1DBDA/PM1DBDAA/pm1dbdaa .htm?buchst=D&snr=585.
10
1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
erfassen und messbar sind. 60 Zudem lassen sich - zieht man weiterhin das Alter als Kriterium heran - auch mit einer Unterscheidung nach verschiedenen Altersgruppen „für bestimmte Personengruppen spezifische Konsummuster“ 61 finden. Der bevorzugte Kauf von Cola-Getränken bei Jugendlichen und der gesteigerte Konsum von Arzneitees im Seniorenalter können an dieser Stelle als Beispiele für das eigenständige und charakteristische Konsumverhalten in einer bestimmten Altersgruppe herangezogen werden. 62 Weitere Beispiele hierfür liefern insbesondere der Freizeitmarkt oder Produktsparten wie Möbel oder Kleidung. 63
1.2.1 Marktsegmentierung nach Lebensphasen
„Die Lebensphase, in der sich ein Konsument gerade befindet, hat erhebliche Auswirkungen auf das Konsumentenverhalten, z.T. direkt bedingt durch die sozioökonomische Situation, die sich über ein Leben hinweg systematisch verändert.“ 64
Ob ein anderer Wohnort, eine neue Erwerbstätigkeit oder sich ändernde Einkommensverhältnisse - der Mensch ist im Laufe seines Lebens mit sich kontinuierlich ändernden Lebensbedingungen konfrontiert, die sein Konsumverhalten maßgeblich prägen. Überdies beeinflussen die mit dem Wechsel der Lebensphasen einhergehenden Veränderungen von
persönlichen Konstrukten indirekt das individuelle Konsumentenverhalten eines Menschen. 65
Im vorangegangenen Abschnitt wurde bereits auf das Alter als demographisches Kriterium für die Segmentierung eines Gesamtmarkts in Teilmärkte hingewiesen. Der Terminus „Lebensphase“ ist dem Begriff der Altersstufe verwandt. Er bezeichnet „einen abgrenzbaren Abschnitt im Lebenslauf.“ 66 In jedem Lebensalter hat sich ein Individuum mit ganz
60 ebd.
61 Görtler (2000), in Rosenkranz/Schneider (2000), S. 307.
62 Vgl. Kroeber-Riel (1992), S. 584f.
63 Vgl. Meffert (1998), S. 184.
64 Trommsdorff (2002), S. 212.
65 Vgl. ebd. Beispiele hierfür sind z.B. eine mit steigendem Alter zunehmende Reife, ein umfassenderes Wissen und konservativere Wertvorstellungen.
66 Kavsek (2002), http://www.psychologie.uni-bonn.de/Download/e2folst.doc, S. 3.
11
1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
spezifischen Lebenssituationen auseinander zu setzen, die seine Verhaltens-und Erlebnisweisen verändern und damit Entwicklung bewirken. 67
Um den Ansatz der Marktsegmentierung nach dem Alters- bzw. Lebensphasenkriterium genauer zu verfolgen, gilt es zunächst, die gemäß einer chronologischen Abfolge des menschlichen Lebenslaufs stattfindenden Lebensphasen zu unterscheiden.
Abb. 1-1 veranschaulicht den für die heutige Zeit 68 typischen Zyklus der menschlichen Lebensphasen nach Klaus Hurrelmann (1995).
Am Anfang des menschlichen Lebenslaufs steht die Phase der Kindheit, die in ein frühes und spätes Kindheitsalter gegliedert ist. Die frühe Kindheit, in der v.a. der Aufbau von seelischem Vertrauen, die Entwicklung des vorbegrifflichen Denkens und grundlegender motorischer Fertigkeiten im Mittelpunkt stehen 69 , endet für einen Menschen i. d. R. im Alter von etwa sechs bis sieben Jahren mit dessen Eintritt in „die Rolle des selbständig Leistung Erbringenden“ 70 , folglich mit seiner Aufnahme in das allgemein bildende Schulsystem. Die nun beginnende Phase der späten Kindheit ist somit gekennzeichnet durch die Entwicklung von Wissen und Wertorientierungen sowie durch den Aufbau von Denkschemata. 71
67 Vgl. ebd.
68 Es wurde der historische Stichpunkt 1990 zu Grunde gelegt. Ein typischer Lebenslauf um 1910 war vergleichsweise einfach strukturiert: Damals wurde lediglich zwischen der Lebensphase der Kindheit und der des Erwachsenenalters unterschieden. Für die Zukunft ist im Vergleich zu heute eine noch stärkere Differenzierung der Lebensphasen wahrscheinlich; vgl. Hurrelmann (1995), S. 23.
69 Vgl. Hurrelmann (1995), S. 33, i. A. an Oerter (1985).
70 Hurrelmann (1995), S. 41.
71 Vgl. Hurrelmann (1995), S. 33, i. A. an Oerter (1985).
12
1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
Mit dem Eintritt der Pubertät im Alter von durchschnittlich 13 Jahren schließt die Phase der Jugend als zweite eigenständige, mit charakteristischem Stellenwert versehene Lebensphase an das späte Kindheitsalter an. Nach der Geschlechtsreife im Alter von etwa 18 Jahren erfolgen im Rahmen der individuellen Weiterentwicklung die ersten Schritte in eine familiäre, berufliche, rechtliche und kulturelle Autonomie und damit in Richtung Erwachsenstatus. 72
Die Phase des Erwachsenenalters erlebt der Mensch etwa ab einem Alter von 30 Jahren 73 zunächst im „prime of life“ 74 - in der „Blüte seiner Jahre“. In dieser Zeit der höchsten Produktivität 75 festigt er seinen Platz in Familie und Beruf und erfährt die „psychische Reife“, welche das zentrale Merkmal des Erwachsenseins darstellt. 76 Im späten Erwachsenenalter tritt schließlich eine Lebenswende ein, die bis zum Alter anhält und mit dem Erleben erster körperlicher Abbauprozesse sowie der sog. „Selbstbesinnung“ verbunden ist. 77
Den Übergang von der Erwachsenenphase in die Phase des Ruhestands kennzeichnet Hurrelmann mit dem Austritt des Menschen aus dem Berufsleben und dem ersten Empfang des Ruhegehalts. In Deutschland geschieht dies i. d. R. in einem Alter von etwa 65 Jahren. 78 In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die in den vergangenen Jahrzehnten allgemein gestiegene Lebenserwartung und die damit verbundene Verlängerung der Lebensspanne zur Ausprägung der Lebensphase der älteren Menschen geführt hat. Hurrelmann beschreibt sie demzufolge als „‚neue’ Lebensphase, die frühere Generationen nicht als kollektive, sondern nur als vereinzelte Erfahrung kannten.“ 79
72 Vgl. dazu auch Abschnitt 1.1.2.
73 So markiert das 30. Lebensjahr etwa den endgültigen Zeitpunkt des Studienabschlusses für eine Minderheit der entsprechenden Jahrgänge; vgl. Hurrelmann (1995), S. 50.
74 Kavsek (2002), http://www.psychologie.uni-bonn.de/Download/e2folst.doc, S. 6.
75 Vgl. Kavsek (2002), http://www.psychologie.uni-bonn.de/Download/e2folst.doc, S. 6.
76 ebd.
77 ebd.
78 Das Alter von 65 Jahren entspricht der gesetzlichen Altersgrenze für die Regelsaltersrente in Deutschland; vgl. Europäische Kommission (2002), http://europa.eu.int/comm/employment_social/missoc/2002/missoc_123_de.htm.
79 Hurrelmann (1995), S. 22.
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1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
Der eben dargelegte idealtypische Verlauf des menschlichen Lebens bringt die vier aufeinander folgenden und voneinander abgrenzbaren
Lebensabschnitte zum Ausdruck: die Kindheit, die Jugend nebst Nachjugendphase, das Erwachsenenalter einschließlich dem späten Erwachsenenalter sowie die Phase des Ruhestands. Tab. 1-2 veranschaulicht die in Abb. 1-1 angedeutete und anschließend diskutierte Zuordnung der Lebensphasen zu den entsprechenden kalendarischen Altersstufen:
Jedem der vier Lebensabschnitte Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter und Ruhestand kann eine eigenständige Bedeutung im menschlichen Lebenslauf zugesprochen werden, welche die für jeden Altersabschnitt charakteristische Lebensthematik 80 und entsprechende Persönlichkeitsdynamik betrifft: Für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen wird der Wechsel in die verschiedenen Lebensphasen als besonders bedeutsam angesehen, da er „häufig zu einer Veränderung von Einstellungen, zur Aneignung neuer Normen und damit zum Aufbau einer geänderten Identität“ 81 führt.
Das Alter bzw. die Lebensphase steht demzufolge in einer engen Beziehung mit den Faktoren, die das (Kauf-)Verhalten eines Menschen beeinflussen. Es handelt sich daher auch um keine unabhängige Variable zur Beschreibung relevanter Veränderungen, sondern um „eine handliche
80 Vgl. Buchwald (2002), http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/ew/eb_veranstaltungen/buchwald/ss02/PS25_04_02.ppt.
81 Buchwald (2002), http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/ew/eb_veranstaltungen/buchwald/ss02/PS25_04_02.ppt.
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1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
Abkürzung für die Summe aller Faktoren, die bisher im Medium Zeit gewirkt haben“ 82 und damit um einen Indikator für theoretische Konstrukte. 83
Eine demographische Marktsegmentierung auf Grundlage des
kalendarischen Alters führt unter Bezugnahme des oben diskutierten idealtypischen Lebenslaufs zu einer Aufteilung der im Gesamtmarkt auftretenden aktuellen und potentiellen Nachfragern in vier, den Lebensabschnitten des Menschen entsprechenden Zielmärkte. Es sind dies: der Zielmarkt der Kinder, der Zielmarkt der Jugendlichen, der Zielmarkt der Erwachsenen sowie der Zielmarkt der Ruheständler. In Hinblick auf die in den Teilmärkten jeweils angepeilte Zielgruppe -Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder Ruheständler - können auf Grundlage der jeweils charakteristischen altersbedingten Verhaltensmuster
segmentspezifische Marketing- und Marktbearbeitungsstrategien entwickelt werden.
Tab. 1-3 verdeutlicht die Marktsegmentierung nach Lebensphasen:
Einen allgemeinen Überblick über die entsprechende Verteilung der (aktuellen und potentiellen) deutschen Marktteilnehmer auf die durch die vier aufeinander folgenden Lebensabschnitte definierten Zielmärkte gibt zunächst die Betrachtung der Verteilung der deutschen Bevölkerung nach Altersgruppen in Abb. 1-2 auf der folgenden Seite (vgl. dazu auch Tab. 1-4 im Anhang).
82 Diekhof (1999), S. 10, i. A. an Trautner (1992).
83 Vgl. Trommsdorff (2002), S. 211.
15
Wie das Diagramm in Abb. 1-2 zeigt, war zu Beginn des Jahres 2001 die Altersgruppe der 30- bis unter 65-Jährigen mit insgesamt rund 41,6 Millionen Einwohnern 84 vorherrschend. Bei der damaligen Gesamtbevölkerung von 82,3 Millionen Menschen entspricht dies einem Anteil von 50,5 Prozent. Ein Abgleich mit der in Tab. 1-3 dargestellten Relation zwischen Alter, Lebensphase und Zielmarkt macht deutlich, dass sich in dieser Altersgruppe der gesamte Zielmarkt der Erwachsenen positioniert. Zu diesem gehörte im Jahr 2001 somit gut die Hälfte aller bundesdeutschen Einwohner.
Die Altersgruppe der bis unter 15-Jährigen stellte im Jahr 2001 eine Einwohnerzahl von insgesamt rund 12,5 Millionen Menschen, was einem Anteil von 15,2 Prozent an der Gesamtbevölkerung entspricht. Innerhalb dieser Altersgruppe erstrecken sich der Zielmarkt der Kinder sowie jener Teil
84 Alle Daten in den folgenden Absätzen vgl. Statistisches Bundesamt (2002), http://www.destatis.de/download/d/veroe/d_erwerbsl.pdf, S. 8; Tab. 1-4 im Anhang. Ergebnisse aus den darauf basierenden eigenen Berechnungen sind auf eine Stelle nach dem Komma gerundet.
16
1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
der jugendlichen Marktteilnehmer, die das 13. Lebensjahr erreicht, das 15. Lebensjahr aber noch nicht überschritten haben. Zu den 15- bis unter 30-Jährigen, die gemeinsam mit der eben erwähnten Altersgruppe der 13- bis unter 15-Jährigen den Zielmarkt der Jugendlichen bilden, zählten im April des Jahres 2001 mit einem Bevölkerungsanteil von 16,6 Prozent rund 13,7 Millionen Einwohner.
Etwa 14,5 Millionen Menschen waren damals 65 Jahre alt und älter. Diese Einwohnerzahl, die einem Anteil von 17,6 Prozent an der
Gesamtbevölkerung entspricht, stellt in idealtypischer Betrachtungsweise 85 die Anzahl der pensionierten Marktteilnehmer dar, die den Zielmarkt der Ruheständler bilden.
Zur Verdeutlichung des eben beschriebenen Sachverhalts gibt Abb. 1-3 auf der folgenden Seite einen zusammenfassenden Überblick über die Altersstruktur der aktuellen und potentiellen deutschen Marktteilnehmer.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich das zahlenmäßige Verhältnis zwischen älteren und jüngeren Menschen in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland noch erheblich zu Ungunsten der jungen Bevölkerung verschieben wird. Nach einer Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird im Jahr 2050 bereits die Hälfte der bundesdeutschen Bevölkerung älter als 48 Jahre und ein Drittel 60 Jahre oder älter sein. 86
Davon ausgehend, dass sich die Bevölkerungsverteilung nach Altersgruppen in Deutschland vom Jahr 2001 bis zum heutigen Zeitpunkt nicht wesentlich verändert hat, bleibt jedoch vorerst festzuhalten, dass die 30- bis unter 65jährigen erwachsenen Personen mit über 50 Prozent momentan den größten Anteil an der Gesamtbevölkerung halten.
85 Es wird davon ausgegangen, dass der Rentenstatus im Alter von 65 Jahren wirksam ist. Phänomene wie das vorzeitige Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit (Vorruhestand) bzw. die Fortsetzung der Erwerbstätigkeit im Pensionsalter bleiben an dieser Stelle unberücksichtigt.
86 Vgl. Statistisches Bundesamt (2003),
http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2003/p2300022.htm; Tab. 1-10 im Anhang.
17
In diesem Zusammenhang ist darauf aufmerksam zu machen, dass es sich bei der Gruppe der Erwachsenen als schwierig gestaltet, sie als „eigenständige Konsumgruppe“ 87 zu etablieren. Während Kinder und Jugendliche i. d. R. mit einer für sie typischen „Lebenswelt“ 88 konfrontiert und ihre Lebenssituationen mehr oder weniger vorgezeichnet sind, können die Lebenswege und damit -situationen im Erwachsenenalter beachtlich differenzieren.
Waren die typischen Lebenssituationen in Kindheit und Jugend noch geprägt z.B. durch das Wohnen im elterlichen Heim, die (ökonomische und emotionale) Abhängigkeit von den Eltern, den Besuch pädagogischer Institutionen etc. 89 , steht dem Erwachsenen, der einen „hohen Grad von
87 Kroeber-Riel (1992), S. 585.
88 „Unter Lebenswelt werden … alle relevanten Erlebnisbereiche verstanden, mit denen das Individuum tagtäglich zu tun hat (Arbeit, Familie, Freizeit, Konsum etc.) und die maßgeblich zur Entwicklung und Veränderung von Einstellungen, Werthaltungen und Verhaltensmustern beitragen“; Meffert (1998), S. 192.
89 Vgl. Hurrelmann (1995), S. 46; Diekhof (1999), S. 19.
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1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
Selbständigkeit und Selbstbestimmung“ 90 besitzt, nun eine Vielzahl von Möglichkeiten für die individuelle Lebensgestaltung zur Verfügung. Insbesondere die Entscheidungen, in eine Ehe zu treten oder ein Leben als allein stehende Person zu führen, eine Familie mit Kindern zu gründen oder kinderlos zu bleiben, haben bedeutsame Auswirkungen auf die jeweilige Lebenswelt im Erwachsenenalter.
Da das Alter bzw. die Lebensphase als Indikator für typische Verhaltensweisen in diesem Fall eine relativ geringe prognostische Relevanz besitzt, bietet es sich in diesem Fall an, die Altersvariable mit (einer) weiteren Variable(n) in Beziehung zu setzen bzw. zu kombinieren. 91 So lässt sich z.B. das Verhalten von Konsumenten, die in Familienhaushalten organisiert sind, unter dem Gesichtspunkt der Eingliederung der Familie in den Lebenslauf untersuchen. 92
Das Schema des sog. „Familienzyklus“ berücksichtigt neben dem Alter auch Familienstand sowie Zahl und Alter der im Haushalt lebenden Kinder. 93 Durch die Kombination verschiedener demographischer Merkmale stellt dieses Kriterium gegenüber einfachen Variablen wie dem Alter einen besseren Prediktor für das Konsumentenverhalten dar 94 : „Die Stellung des Konsumenten innerhalb des Familienlebenszyklus weist eine hohe Korrelation mit den Bedürfnissen nach spezifischen Produkten und Dienstleistungen auf.“ 95 So befinden sich z.B. junge Paare 96 mit Kindern in einer Phase des Familienzyklus, in der der Druck zum Geldausgeben besonders groß ist. „Das geht auf den Bedarf zur weiteren Ausstattung des Haushalts sowie auf den durch die Kinder eintretenden Güterbedarf zurück, auch auf das Mieten oder Kaufen von entsprechend großen Wohnungen.“ 97 Der Zielmarkt der Ruheständler kann wiederum als eigenständiges Marktsegment angesehen werden, da sich die Lebenswelten der Menschen im Rentenalter wieder weitgehend ähneln: Der Rückzug aus der
90 Hurrelmann (1995), S. 35.
91 Vgl. Meffert (1998), S. 184 - 187; Kroeber-Riel (1992), S. 453; Trommsdorff (2002), S. 212f.
92 Vgl. Kroeber-Riel (1992), S. 453.
93 Vgl. Kroeber-Riel (1992), S. 454f.
94 Vgl. Kroeber-Riel (1992), S. 457.
95 Meffert (1998), S. 185.
96 Damit sind verheiratete oder unverheiratete Paare unter 40 Jahren gemeint.
97 Kroeber-Riel (1992), S. 460.
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1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
Erwerbstätigkeit ist mit dem Empfang des Ruhegehalts und einem erhöhten Freizeitanteil verbunden. Falls Kinder vorhanden, sind diese nun erwachsen und haben „das Haus verlassen“.
Angesichts der Problematik der im Lebensabschnitt „Erwachsener“ möglichen Vielzahl an spezifischen Konsumverhaltensweisen wird sich die in Abschnitt 1.3 folgende Analyse der in dieser Arbeit auf Grundlage der menschlichen Lebensphasen segmentierten Zielmärkte in Deutschland im Fall des Erwachsenensegments auf ein i. A. an den Familienzyklus gebildetes Untersegment beziehen.
1.2.2 Marktsegmentierung nach Lebensstilen
In Abschnitt 1.2.1 wurde eine Segmentierung des deutschen
Konsumentenmarkts auf Grundlage des demographischen Kriteriums des Alters bzw. der Lebensphase vorgenommen. Dabei wurde davon ausgegangen, dass auf vielen Teilmärkten die Bedürfnisse und das Verhalten der Konsumenten wesentlich mit dem Alter korrelieren. Die anschließende Analyse der entsprechenden Zielmärkte in Abschnitt 1.3 soll diese Hypothese bekräftigen.
Speziell für den Zielmarkt der Erwachsenen wurde jedoch bereits festgestellt, dass das Alter als alleiniges Kriterium aufgrund der Vielzahl möglicher Lebenswelten in dieser Lebensphase eine relativ geringe prognostische Relevanz für ein typisches Konsumentenverhalten innerhalb dieses Teilmarkts besitzt. Hier tauchte das bei soziodemographischen Zielgruppenkriterien typische Problem der Diskrepanz zwischen leichter Messbarkeit einerseits und abnehmbarer Kaufverhaltensrelevanz
andererseits 98 auf. Deshalb wird für die in Abschnitt 1.3 folgende Analyse der nach dem Lebensphasenkriterium segmentierten Zielmärkte in Deutschland im Fall des Erwachsenensegments das Merkmal „Alter“ mit weiteren demographischen Kriterien - dem Familienstand und der Zahl der Kinder - kombiniert, um eine weitere Segmentierung der komplexen Zielgruppe zu ermöglichen. Da durch die Zuordnung eines Menschen in eine
98 Vgl. Mienert/Scherer (1998), S. 11, mit Bezug auf Hamman/Erichson (1994).
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1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
bestimmte Familienzyklusphase das simultane Einwirken mehrerer Einflussgrößen auf sein Konsumverhalten betrachtet werden kann, liefert sie - wenn es darum geht, Verhalten als abhängige Variable zu erklärenmehr Informationen als einzelne demographische Einflussgrößen.
Eine vergleichsweise noch höhere Aussagefähigkeit zur Kaufverhaltensrelevanz ist bei einer Marktsegmentierung auf Grundlage von psychographischen Kriterien möglich.
Diese erfolgt oft auf der Basis allgemeiner Persönlichkeitsmerkmale, wobei sich zwischen Kriterien der Risikoneigung, der sozialen Orientierung und des Lebensstils differenzieren lässt. 99
Die Persönlichkeit eines Menschen kommt in seinen Eigenschaften wie Kontaktfähigkeit, Ehrgeiz oder Fortschrittlichkeit zum Ausdruck. Weil diese schwer messbar sind und zudem einen relativ geringen Bezug zum erwartbaren Kaufverhalten aufweisen, wird bei der psychographischen Abgrenzung von Zielgruppen oft auf eine sog. „Lebensstil-Segmentierung“ zurückgegriffen, die eine Kombination typischer Verhaltensmuster einer Person oder Personengruppen darstellt. 100
„Ein Lebensstil ist ein bestimmtes Format der Lebensführung, das sich über einen mittel- bis langfristigen Zeitraum erstreckt und sich an individuellen sowie gesellschaftlichen, ästhetischen und ideellen aber auch materiellen Werten orientiert und die Funktionen Identitätsvermittlung, Zugehörigkeit, Abgrenzung und Alltagsbewältigung zu erfüllen strebt.“ 101 Den bekanntesten Ansatz dieser, auf gemeinsame „Lifestyles“ 102 beruhenden Marktsegmentierung stellen die Milieus des Sinus-Instituts in Heidelberg dar. 103 „Sinus beansprucht, den Menschen und das gesamte Bezugssystem seiner Lebenswelt ganzheitlich zu beobachten.“ 104 Bei diesem Ansatz sind v.a. die „Grundorientierung“ und „soziale Lage“ von Personen
99 Vgl. Meffert (1998), S. 191.
100 ebd.
101 Meinhold (2001), S. 26f.
102 Auf Selbstverwirklichung zielend ist „Lifestyle“ „ein (oberflächlicher) materielldemonstrativer Stil des Konsums, ein ‚Styling’ oder ein Gestalten von gewissen Augenblicken und Situationen bis hin zu ganzen Lebensabschnitten“; Meinhold (2001), S. 27.
103 Vgl. Meffert (1998), S. 191f.
104 Allgayer (2000a), S. 72.
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1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
als Segmentierungskriterien von Bedeutung: „Die Sinus-Milieus fassen Menschen in Gruppen zusammen, die sich hinsichtlich ihrer
Lebensauffassung und Lebensweise ähneln.“ 105 Neben grundlegenden Wertorientierungen erfasst die Typologie des Sinus-Milieus zudem die Einstellungen von Personen zum Alltagsleben, zu Arbeit, Freizeit, Familie, Konsum und Medien. 106
In der Altersgruppe der Erwachsenen werden auf diese Weise u.a. „Die Etablierten“ als gebildete, gut situierte Elite mit edlen Konsumansprüchen, „Die bürgerliche Mitte“ als statusorientierter Mainstream mit ausgeprägtem Verbraucher-Selbstbewusstsein („Smart Shopper“) und „Die Konsum-Materialisten“ mit beschränkten finanziellen Mitteln aber spontanem und prestigeträchtigem Konsumstil als typische Milieus erkannt. 107
Auch in Zusammenhang mit der für diese Arbeit relevanten Zielgruppe der Jugendlichen kann der Segmentierungsansatz nach Lebensstilen
herangezogen werden. So beschreibt etwa das Sinus-Milieu „Die Hedonisten“ (griechisch „hedone“: „Freude“, „Lust“) 108 eine spaßorientierte Zielgruppe mit einem Altersschwerpunkt unter 30 Jahren 109 : „Hedonisten lassen sich’s gerne gut gehen, sind stylisch und konsumorientiert.“ 110 Auf der Flucht vor allem Traditionellen ist ihr Ziel die Befriedigung der jetzigen Wünsche, wobei sie aufgrund ihrer meist kleineren oder mittleren Einkommen schnell an ihre Grenzen stoßen. 111 Als Folge zeigen sie demonstrative Unangepasstheit, haben „Spaß an der Provokation der ‚Spießer’ und der Identifikation mit ‚krassen’ Szenen, Clubs und Fan-Gemeinden.“ 112
Die „Mindset“-Studie des Musiksenders „MTV“ geht sogar noch einen Schritt weiter, indem sie auf Grundlage einer repräsentativen Befragung von gut 1000 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren innerhalb der demographisch
105 SevenOne Media (2001), S. 4.
106 Vgl. ebd.
107 Zur Kurzbeschreibung der insgesamt zehn, durch das Sinus-Institut definierten Milieus vgl. SevenOne Media (2001), S. 6 - 25.
108 Vgl. Allgayer (2000a), S. 70.
109 Vgl. SevenOne Media (2001), S. 22f.
110 Allgayer (2000a), S. 70.
111 Vgl. Allgayer (2000a), S. 70 - 72.
112 SevenOne Media (2001), S. 22.
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1 Der Jugendmarkt im Gefüge der Marktsegmente
ermittelten Zielgruppe der Jugendlichen zehn sog. „Mindsets“ identifiziert, die sich in ihrem Konsumverhalten und Lebensstil signifikant
unterscheiden. 113 Unter diesen Mindsets befinden sich z.B. die „Gangstars“, die das Kernsegment der Hip-Hop-Bewegung bilden, die eleganten und kommunikativen „Stylees“ oder die etablierten und zurückhaltenden „SettleDowners“. Ansatzpunkt für diese Jugendsegmentierung ist die Erkenntnis, dass sich spezifische Lebensweisen, durch die sich junge Leute definieren, im Wesentlichen durch die drei Bereiche „Musikstile“, „Modestile“ und „Sportstile“ charakterisieren lassen. „Sie bestimmen den Alltag, da sie dem Wunsch nach Identifikation und gleichzeitig Individualisierung Ausdruck verleihen.“ 114
Hervorzuheben ist bei der „MTV“-Studie, dass sie auch explizit die Geschlechterrollen berücksichtigt. So befinden sich unter den ermittelten Mindsets etwa die ritualisierende Männerkultur der „Sixpackers“, zu denen die körperbewussten und Härte zeigenden Jungen und jungen Männer gezählt werden, sowie die typische „Girlie“-Kultur der „Fanatics“, die heranwachsende, idolisierende Mädchen kennzeichnet.
Da es für die Entwicklung von geeigneten Jugendmarktkonzepten zur zielgenauen Ansprache Jugendlicher notwendig wird, über die rein demographische Definition der Zielgruppe hinauszugehen und jugendliche Welten eingehend zu betrachten, wird sich Kapitel 3 dieser Arbeit noch mit der genauen Analyse jugendlicher Lebensstilistik befassen.
1.3 Nach Lebensphasen segmentierte Zielmärkte - eine Analyse
Im Folgenden werden die vier auf Grundlage der Lebensphasen segmentierten Zielmärkte näher betrachtet.
Da für den Zielmarkt der Erwachsenen als eigenständiges Marktsegment eine zu starke Heterogenität in Hinblick auf die Lebenswelten und damit Konsumansprüche seiner Konsumenten festgestellt wurde, wird für diese
113 Vgl. MTV Networks GmbH (2000), S. 10.
114 MTV Networks GmbH (2000), S. 16.
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Grit Mehnert, 2004, „Catch me if you can!“: Die Bedeutung Jugendlicher als Zielmarkt für die Wirtschaft und Handlungsoptionen für eine werbliche Ansprache, München, GRIN Verlag GmbH
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