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Deutsch-jüdische Selbstbilder am Beginn des 20. Jahrhunderts

Title: Deutsch-jüdische Selbstbilder am Beginn des 20. Jahrhunderts

Examination Thesis , 2001 , 106 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Astrid Kayser (Author)

History of Germany - 1848, Empire, Imperialism
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Summary Excerpt Details

Zum Gegenstand dieser Arbeit

Im Rahmen einer Untersuchung deutsch-jüdischer Selbstbilder und der Entfaltung jüdischer Identität muß notwendigerweise die Frage nach dem Empfinden der eigenen Identität unter deutschen Juden gestellt werden.

Wie die Zusammensetzung des Wortes „Selbstbild“ bereits ausdrückt, zieht die Ermittlung eines solchen eine Analyse der Turnvereine, Jugendgruppen und Studentenverbindungen von innen heraus nach sich. Das bedeutet, daß sich die Untersuchung hinsichtlich des Quellenmaterials vor allem auf das von den jüdischen Vereinen selbst produzierte Material stützt. Würden beispielsweise Zeugnisse der „Deutschen Turnerschaft“, des „Wandervogels“ oder des „Vereins Deutscher Studenten“ in gleichem Maße berücksichtigt, ergäbe sich kein ausdrückliches Selbstbild. Das bedeutet jedoch nicht, daß diese Materialien grundsätzlich unberücksichtigt bleiben können. Es besteht die Notwendigkeit, deutsch-jüdische Selbstbilder im Kontext ihrer Umwelt zu betrachten.

Gegenstand der Untersuchung bilden drei Arten von Organisationen: Turnvereine, Jugendgruppen und Studentenverbindungen. Der begrenzte Umfang dieser Arbeit macht es notwendig, sich teilweise auf eine exemplarische Untersuchung der genannten Gruppen zu beschränken. Innerhalb der Turnerschaft, der Jugendorganisationen und der Studentenschaft konzentriere ich mich daher auf jeweils einen Verein. Wie sich zeigen wird, ist dies jedoch nicht für alle genannten Gruppen in gleichem Maße möglich.

Innerhalb der „Jüdischen Turnerschaft“ wird der Berliner Turnverein „Bar Kochba“ genauer betrachtet. Da sich die einzelnen Vereine der „Jüdischen Turnerschaft“ ideologisch jedoch nicht stark voneinander unterschieden – alle waren national-jüdisch bzw. zionistisch orientiert –, wird die Untersuchung zum Teil auf die „Jüdische Turnerschaft“ in ihrer Gesamtheit ausgeweitet. Anders stellt sich die Situation für die jüdische Jugend dar. Unter die Bezeichnung „Jüdische Jugendbewegung“ fielen zahlreiche Gruppen, die in ihrer ideologischen Ausrichtung völlig verschieden waren. Das Spektrum der sogenannten „Jugendbewegung“ umfaßte deutsch-nationale, religiöse und zionistische Gruppen. In der vorliegenden Arbeit beschränke ich mich daher auf die Untersuchung einer einzigen Gruppe, nämlich des zionistisch orientierten „Jüdischen Wanderbundes Blau-Weiss“.
...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Zum Gegenstand dieser Arbeit

1.2 Quellen- und Literaturlage

1.2.1 Quellenlage

1.2.2 Literaturlage

1.3 Erläuterungen zur Schreib- und Zitierweise

2. Definitionen

2.1 „Identität“

2.2 „Nationaljudentum“ und „Zionismus“

2.3 „Assimilation“

3. Juden im wilhelminischen Deutschland – Probleme der Integration

3.1 Die „Judenfrage“ als Frage der Emanzipation – Juden als Träger der bürgerlichen Kultur

3.2 Die „Judenfrage“ als Frage der Diskriminierung – der neu aufflammende Judenhaß

4. Der „Jüdische Turnverein Bar Kochba“

4.1 Gründe für die Entstehung jüdischer Turnvereine

4.1.1 Antisemitismus in der „Deutschen Turnerschaft“

4.1.2 Das neue jüdische Menschenbild

4.2 Die Entwicklung des „Bar Kochba“

4.3 Ziele jüdischen Turnens und Mittel zur Umsetzung dieser Ziele

4.3.1 Ziele des „Bar Kochba“

4.3.2 Mittel zur Umsetzung der Ziele des „Bar Kochba“

4.4 Selbstbild und Identität der jüdischen Turner

5. Der „Jüdische Wanderbund Blau-Weiss“

5.1 Gründe für die Entstehung des „Blau-Weiss“

5.1.1. Die Identitätskrise der jüdischen Jugend

5.1.2 Der Antisemitismus im deutschen „Wandervogel“

5.2 Die Entwicklung des „Blau-Weiss“

5.3 Ziele des „Blau-Weiss“ und Mittel zur Umsetzung dieser Ziele

5.3.1 Die Ziele des „Blau-Weiss“

5.3.2 Mittel zur Umsetzung der Ziele des „Blau Weiss“

5.4 Selbstbild und Identität der jüdischen Jugend

6. Das „Kartell Jüdischer Verbindungen“und seine Vorgänger

6.1 Gründe für die Entstehung jüdischer Studentenverbindungen

6.1.1 Der studentische Antisemitismus

6.1.2 Der jüdische Nationalismus

6.2 Die Entwicklung der ersten jüdischen Studentenverbindungen zum „Kartell Jüdischer Verbindungen“

6.3 Ziele jüdischer Studentenverbindungen und Mittel zur Umsetzung dieser Ziele

6.3.1 Ziele jüdischer Studentenverbindungen

6.3.2 Mittel zur Umsetzung der Ziele jüdischer Studentenverbindungen

6.4 Selbstbild und Identität der jüdischen Studenten

7. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Entfaltung deutsch-jüdischer Identität am Beginn des 20. Jahrhunderts durch eine exemplarische Analyse spezifischer jüdischer Organisationen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie jüdische Turnvereine, Jugendgruppen und Studentenverbindungen als Antwort auf Antisemitismus und zur Ausbildung eines neuen Selbstverständnisses zur Entfaltung jüdischer Identität beitrugen.

  • Analyse der Rolle von jüdischen Turnvereinen, insbesondere des „Bar Kochba“
  • Untersuchung des „Jüdischen Wanderbundes Blau-Weiss“ und seiner Identitätsbildung
  • Evaluierung der Bedeutung des „Kartells Jüdischer Verbindungen“ für jüdische Studenten
  • Erforschung der Bedeutung des Zionismus und des Konzepts des „Muskeljudentums“
  • Diskussion des Einflusses von Antisemitismus auf Integrationsbemühungen und jüdisches Selbstbild

Auszug aus dem Buch

4.1.2 Das neue jüdische Menschenbild

Der Versuch, ein neues jüdisches Menschenbild zu schaffen, ging nur teilweise von der jüdischen Turnbewegung aus. Vielmehr übernahm sie dieses Element aus den Zielen der zionistischen Bewegung. Der Delegierte Max Nordau verkündete auf dem vierten Zionistenkongreß, es müsse ein neues „Muskeljudentum“ geschaffen werden.

Ein „Muskeljudentum“ sollte einen Gegensatz zu dem Bild des Juden der nichtjüdischen Umwelt, die die Juden jahrhundertelang in ihrer Freiheit beschnitten hatte, darstellen:

Die anderen haben Fleischabtötung an uns geübt, mit dem reichsten Erfolge, den Hunderttausenden von Judenleichen in den Ghettos. [...] Alle Elemente der aristotelischen Physik waren uns knickrig zugemessen: Licht und Luft, Wasser und Boden. In der Enge der Judenstrasse verlernten unsere Glieder sich fröhlich zu regen, im Dämmer ihrer sonnenlosen Häuser gewöhnten unsere Augen sich ein scheues Blinzeln an, in der Angst der beständigen Verfolgung erlosch die Kraft unserer Stimme zu einem bangen Flüstern. [...] Aber jetzt ist ja der Zwang gebrochen, man gönnt uns den Raum, uns wenigstens körperlich auszuleben. Knüpfen wir wieder an unseren ältesten Überlieferungen an: werden wir wieder tiefbrüstige, strammgliedrige und kühnblickende Männer.

Die Schaffung des neuen jüdischen Menschenbildes ist nicht allein auf Nordaus Mahnruf und die zionistische Bewegung zurückzuführen. Die Wurzeln solcher Ansichten liegen auch in den damaligen allgemeinen Bestrebungen, ein Bild ausgeprägter Männlichkeit zu erschaffen. Es heißt daher: „Tatsächlich war das männliche Ideal seit Anfang des 19. Jahrhunderts so fest verankert, daß jede westeuropäische Bewegung sich ihm stellen mußte [...]“ Somit konnte sich weder die deutsche noch die jüdische Turnbewegung diesem Einfluß entziehen. Es erscheint daher sinnvoll, auf dieses Bild der Männlichkeit kurz einzugehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der jüdischen Identität im Kaiserreich und Vorstellung der untersuchten Organisationen.

2. Definitionen: Erläuterung der zentralen Begriffe Identität, Nationaljudentum, Zionismus und Assimilation im Kontext der Arbeit.

3. Juden im wilhelminischen Deutschland – Probleme der Integration: Analyse des gesellschaftlichen Umfelds und des Antisemitismus als Hintergrund für die Gründung jüdischer Vereine.

4. Der „Jüdische Turnverein Bar Kochba“: Untersuchung der Ursprünge, Ziele und Mittel des ersten jüdischen Turnvereins sowie dessen Rolle für die Identitätsbildung.

5. Der „Jüdische Wanderbund Blau-Weiss“: Darstellung der Identitätskrise jüdischer Jugendlicher und der Entwicklung des zionistisch orientierten Wanderbundes.

6. Das „Kartell Jüdischer Verbindungen“ und seine Vorgänger: Untersuchung des studentischen Antisemitismus und der Entwicklung zionistischer Studentenverbindungen.

7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der identitätsstiftenden Funktion jüdischer Vereine und ihrer Reaktion auf das gesellschaftliche Umfeld.

Schlüsselwörter

Jüdische Identität, Zionismus, Antisemitismus, Wilhelminisches Deutschland, Turnbewegung, Blau-Weiss, Jüdische Studentenverbindungen, Muskeljudentum, Emanzipation, Integration, Nationaljudentum, Identitätskrise, Bar Kochba, Kartell Jüdischer Verbindungen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie sich jüdische Identität im ausgehenden deutschen Kaiserreich entwickelte, indem sie drei spezifische Organisationstypen – Turnvereine, Jugendgruppen und Studentenverbindungen – exemplarisch untersucht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit behandelt die Wechselwirkung zwischen der gesellschaftlichen Diskriminierung durch Antisemitismus und der gleichzeitigen Suche nach einem eigenständigen jüdischen Selbstbewusstsein durch nationale oder zionistische Identitätskonzepte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie jüdische Vereine durch die Übernahme deutscher Organisationsstrukturen und deren Adaption auf jüdische Bedürfnisse eine eigene Identität entfalteten und damit auf das Spannungsfeld zwischen Assimilation und Abgrenzung reagierten.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Autorin stützt sich primär auf eine Analyse von Quellen, die von den Vereinen selbst publiziert wurden, wie Vereinszeitungen und Liederbücher, ergänzt durch eine Auswertung historischer Sekundärliteratur zum Thema.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von drei Organisationen: dem Turnverein „Bar Kochba“, dem Wanderbund „Blau-Weiss“ und dem „Kartell Jüdischer Verbindungen“, wobei jeweils die Gründe für die Entstehung, die Ziele und die Mittel der Organisationen dargelegt werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Jüdische Identität, Zionismus, Antisemitismus, Nationaljudentum sowie die spezifischen Namen der untersuchten Organisationen wie „Blau-Weiss“ und „Bar Kochba“.

Wie unterschied sich die Haltung des „Blau-Weiss“ in seiner frühen Phase von der späteren Zeit?

In der ersten Phase verfolgte der „Blau-Weiss“ ein eher unpolitisches Ziel der Identitätsstärkung, während er sich in der zweiten Phase unter dem Einfluss neuer Führungen und der Balfour-Deklaration explizit als zionistischer, auf Palästina ausgerichteter Bund politisierte.

Welche Bedeutung hatte das Konzept des „Muskeljudentums“ für jüdische Vereine?

Das Konzept sollte den jahrhundertelangen Vorurteilen über die physische Schwäche der Juden entgegenwirken und durch körperliche Ertüchtigung sowohl ein neues Selbstbild als auch eine psychologische und soziale Wehrhaftigkeit in einer feindlichen Umwelt schaffen.

Excerpt out of 106 pages  - scroll top

Details

Title
Deutsch-jüdische Selbstbilder am Beginn des 20. Jahrhunderts
College
University of Bonn  (Historisches Seminar)
Grade
1,0
Author
Astrid Kayser (Author)
Publication Year
2001
Pages
106
Catalog Number
V28925
ISBN (eBook)
9783638305709
Language
German
Tags
Deutsch-jüdische Selbstbilder Beginn Jahrhunderts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Astrid Kayser (Author), 2001, Deutsch-jüdische Selbstbilder am Beginn des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/28925
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