Gliederung
1 Einleitung
2 Evolutionäre Sozialpsychologie nach Archer
2.1 Kurzer Überblick über die Grundannahmen
2.2Erklärung altruistischen Verhaltens und Xenophobie
2.3 Anmerkungen
3 Sozialbiologie nach Irenäus Eibl-Eibesfeldt
3.1 Kulturelle und stammesgeschichtliche Evolution
3.2 Altruismus
3.3 Xenophobie und Eigengruppe
3.4 Anmerkungen
4 Etablierte und Außenseiter- nach Norbert Elias /John L. Scotson
4.1 Anmerkungen
5 Literaturverzeichnis
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1 Einleitung
Im Rahmen des Themas Rassismus aus sozialpsychologischer Perspektive behandelten wir auc h die evolutionäre Sozialpsychologie nach Archer. Diese Thematik fand ich aus zweierlei Gründen interessant : Zum einen ermöglicht dieser Ansatz neue Perspektiven auf gesellschaftliche Problematiken und im Bereich der Sozialpsychologie zu verortende Thematiken. Zum andern scheint diese Perspektive aber auch verengt, da die Erklärung menschlichen Verhalten mit Verzicht der Berücksichtung sozialer, erzieherischer, kultureller und politischer Aspekte auskommt. Archer entwirft ein Modell, nach dem der Mensch, vo n seinen archaischen Genen getrieben, überall gleich “funktionieren“ müsste, unabhängig in welchem gesellschaftlichem System er lebt. Die Zurückführung der Bedeutung von etwa pro-und asozialem, fremdenfeindliche m und tolerantem, misanthropische m und
philanthropische m Verhalten auf Reproduktionsbegrifflichkeiten scheint, wenn die Annahme nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch andere „Mechanismen“ als angeborene (die Möglichkeiten sind unzweifelhaft angeboren) greifen, nicht hinreichend entwickelt. Da Archers Argumentationen keine Stellungsnahmen und Lösungsmöglichkeiten (die es aus seiner Perspektive auch nicht gebe kann, es sei denn über Genmanipulation) für die Szenarien, die er beschreibt, enthalten, könnte man seine Annahmen auch als Legitimation zur Fremdenfeindlichkeit bis hin zur Massenvernichtung, da diese als Handlungsmuster genetisch fixiert sind, (falsch?) interpretieren.
Die Aufgabe in dieser Arbeit ist im Wesentlichen eingegrenzt auf die Thematiken Altruismus, Eigen und Fremdgruppenidentifizierung und damit zusammenhängender Xenophobie. Aspekte wie die Herkunft des Urmenschen (aus Afrika) und der damit zusammenhängenden „wirklichen“ genetischen Verwandtschaft, Völkerwanderungen und „rassische“ Vermischungen (außer kurzes Beispiel, s.u. bei E lias/Scotson), Untersuchungen zur Identifikation mit der Eigen- bzw. Fremdgruppe nach recht „willkürlichen“ geschichtlichen (z.B. als Kriegsergebnisse oder Unionen) Verschiebungen von Nationalgrenzen (z.B. Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands) oder auch der die natürliche Auslese verlassenden Sozialstaat (da „Schwache“ und „Kranke“ mit versorgt werden) müssen aus Gründen des Umfanges außen vor bleiben.
Zuerst werde ich versuchen, Archers Annahmen (grober Überblick, Altruismus, Xenophobie) kurz vorzus tellen. Die entwickelten Problematiken werden aus einer nicht so radikalen
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Position, der Sozialbiologie, überarbeitet. Abschließend wird die Eigen und Fremdgr uppendebatte unter Berücksichtung der erarbeiteten Problemfelder näher beleuchten.
2 Evolutionäre Sozialpsychologie nach Archer
2.1 Kurzer Überblick über die Grundannahmen
Archer und die Evolutionspsychologie gehen von der Theorie der natürlichen Auslese (Mutation und Selektion) aus. Über diese Grundgedanken, mit entsprechenden Theorien und Hypothesen angereichert, wird versucht die menschliche (besonders seine soziale) Natur zu erklären. Es werden also soziale Erlebens- und Verhaltensweisen in den heutigen Gesellschaftsformen generalisierend (naturgesetzlich) aus der phylogenetischen Anpassung des M enschen (des Urmenschen bis zu unseren Ahnen) an die Umwelt a bgeleitet. Im Vordergrund steht die Verbreitung des eigenen genetischen Materials und daran richtet sich menschliches und tierisches Verhalten aus. Das Verhalten, das die „besten“ Reproduktionsvo rteile bringt, setzt sich durch, da aus diesem die meisten Nachkommen hervorgehen. Dasjenige Gen, welches diese Verhaltensweisen hervorruft, verbreitet sich so über Generationen am weitesten in der entsprechenden Gattung.
2.2 Erklärung altruistischen Verhaltens und Xenophobie
Wie kann man sich nun Hilfeverhalten erklären, wenn damit die eigene Existenz und mit dieser das genetische Material gefährdet wird, bzw. man seine eigene „Fitness“ verringert (bei Vergrößerung der „Fitness“ eines anderen Individuums)?
Moderne Darwinisten sehen in den Genen die eigentlichen Selektionseinheiten - statt in den Organismen oder in der ganzen Spezies, wie es die klassische Evolutionstheorie tat (siehe auch Dawkins: Das eigensüchtige Gen). Der Organismus ist nur noch der Träger der genetischen Information und seine Funktion liegt in der Weitergabe dieser Informationen auf die nächste Generation. Aus dieser genetischen Perspektive muss Altruismus auch (genetisch) eigennützlich sein.
Auf Grund dieser Überlegungen kommt Archer zu dem Konzept der Gesamtfitness, und auf den Menschen angewandt, erklärt sich so, warum direkte Blutsverwandtschaft in allen menschlichen Kulturen eine so entscheidende Rolle spielt. Deshalb ist altruistisches Verhalten gerade bei genetisch nahen Verwandten anzutreffen, da damit die Chance erhöht wird, Anteile
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der eigenen genetischen Informationen zu erhalten. Somit erweißt sich der Verwandtschaftsgrad als entscheidende Größe, ob mit altruistischen Verhaltensweisen gerechnet werden kann oder auch nicht. Da der Mensch nicht ausschließlich mehr in kleinen sippenhaften Verbänden lebt, sondern sein Leben oft in größere kulturelle Rahmenbedingungen eingebettet ist, werden nach Archer die altruistischen Angebote durch Eigengruppen- und damit einhergehender Fremdgruppenbildung erweitert (wie in der Kleingruppe). Wichtig ist nun, dass die Wahrscheinlichkeit, mit einem der Gruppenmitglieder verwandt zu sein, in der Eigengruppe höher sein muss, so dass bei Angeboten zur Hilfe die Wahrscheinlichkeit, Anteile der eigenen Erbinformationen zu „retten“ und somit die „Gesamtfitness“ zu steigern, sehr hoch sein muss. Daher ist bei denen nicht zur Eigengruppe gehörenden Individuen (genetische Wahrscheinlichkeit der Verwandtschaft müsste geringer sein) mit weniger altruistischen Handlungen zu rechnen. Nun versucht Archer Feindlichkeiten gegenüber anderen Gruppen und deren Mitgliedern aus genau diesen genetischen Reproduktionsgründen zu erklären.
Danach wird die Eigengruppenbildung (mit notwendigerweise diskriminierter Fremdgruppe) sowie die Xenophobie (nach Archer Fremdenfeindlichkeit) als natürliches, evolutionär begründetes Phänomen vorgestellt. Diese Verhaltensweisen, so die Annahme, haben sich unter den Bedingungen entwickelt, denen die menschlichen Vorfahren ausgeliefert waren (in der Kleingruppe) und die ob sie die Fitness vergrößern oder nicht immer noch präsent sind. Nun werden nach Archer auch geschichtliche und aktuelle Ereignisse wie Massenvernichtungen, Vertreibungen, Folterungen u.s.w. erklärbar, da der Mensch neben Gründen der Gesamtfitness eine sehr starke Tendenz zur Identifikation mit der Eigengruppe und zum negativen (aber auch zum positiven- Anm. des Verfassers) Stereotypisieren der Mitglieder der Fremdgruppe besitzt. Ich habe Archer so verstanden, dass die g enetisch kontrollierte Gruppenidentifizierung das eigentliche Selektionskriterium bei altruistischen Angeboten ist und an die Stelle der Blutsverwandtschaft tritt:
„es gibt ganz unterschiedliche Kriterien dafür, wen man töten und wem man helfen soll. Menschen können in „wir“ und „die“ unterteilt werden auf der Grundlage von Erscheinungsbild, Religion, Sitten und Gebräuchen, Wohnort, Sprache oder Sexualität.“(Archer 1997,S.34 Sozialpsychologie- eine Einführung).
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Arbeit zitieren:
Arndt Keßner, 2001, Evolutionäre Sozialpsychologie und Xenophobie, München, GRIN Verlag GmbH
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