2 Kurzfassung des Dramas Henry V hat nach dem Tod seines Vaters Henry IV den englischen Thron bestiegen und sich gleichsam über Nacht nach einer turbulenten, ausschweifenden Jugend in einen nachdenklichen, einsichtsvollen und strebsamen Mann verwandelt. (I,1,Z26 ff) Er macht Ansprüche an die französische Krone geltend, die auf seinen Urgroßvater Edward III (1312 – 1327 – 1377) zurückgehen, die aber von Frankreich aufgrund der salischen Gesetze abgelehnt werden, die besagen, dass Frauen von der Thronfolge ausgeschlossen sind. Der französische Hof ist völlig unbesorgt. Man hält den jungen englischen König für leichtfertig und oberflächlich und sieht in ihm keinen ernst zu nehmenden Gegner (II,4,Z26 ff).
Als Antwort auf seine Forderungen schickt der Dauphin ihm eine Tonne (ein Faß) Tennisbälle (I,2,Z254 ff).
Henry V vergewissert sich der Unterstützung seiner Getreuen und Edelleute und lässt die Rechtmäßigkeit seiner Ansprüche durch den gelehrten Erzbischof von Canterbury bestätigen. Nun will er mit Gottes Hilfe für die gerechte Sache kämpfen (I,2,Z222ff). Er rüstet ein Heer und macht den Hof in Frankreich verantwortlich für Tod, Verwüstung, Elend und Hungersnöte, die die französischen Menschen durch den Krieg erleiden müssen (I,2,Z283-288). Die entscheidende große Schlacht findet 1415 bei Agincourt statt.
In der Nacht zuvor besucht Henry V inkognito und allein seine Soldaten, vergewissert sich, dass alles in Ordnung ist und spricht ihnen Mut zu (IV,1,Z35 ff). Vom Feldzug bereits zerschunden und erschöpft sitzen sie still und diszipliniert an ihren Lagerfeuern. Ganz in der Nähe hört man die zahlenmäßig überlegenen Franzosen lachen und reden (IV,Chor 17 - 19).
Am Morgen vor der Schlacht erscheint der französische Gesandte bei Henry V und lässt fragen, ob er angesichts der gesicherten Niederlage jetzt zu einem Lösegeld bereit sei. Der König lehnt entschieden ab: „Heiße sie, mich zu erledigen und dann meine Knochen zu verkaufen.“ (Akt IV, Szene 3, Zeile 91) Die Franzosen werden vernichtend geschlagen.
Man spricht von zehntausend getöteten Franzosen, darunter 126 Fürsten und wappenführende Adlige. Auch der Dauphin ist unter den Toten (IV,8,Z97). Die Zahl der gefallenen Engländer ist dagegen geringfügig, drei Edelleute mit Knappen und 25 weitere Männer (IV,8,Z105-108).
Nach der triumphalen Rückkehr nach England muss Henry V mit seinem Tross bald
wieder zurück nach Frankreich zu den Friedensverhandlungen in Troyes. Er verlangt
die Zustimmung zu allen seinen gerechten Forderungen (V,2,Z71-73) und wirbt
inständig um Katharina, die Tochter des franz. Königs. Er ist richtig verliebt und tut
alles, um ihr Herz zu gewinnen. Letzten Endes ist er auch hier erfolgreich (V,2,Z95ff).
3 Charakterisierung von Personen und Personengruppen in Henry V:
Henry V:
Stärke und Macht, Klugheit, Umsicht, Entschlossenheit, Glaube (I ,1, Z22 - 65)
Karl VI:
Schwäche und Misswirtschaft, unfähiger Herrscher (Nachwort „HenryV“, Reclam S.252 letzter Absatz)
Chor:
Verbindendes Element der episodenhaften Strukturen Preist Tugenden des Königs, glorifiziert den Krieg (Prolog, S.11)
Erzbischof von Canterbury:
Ratgeber von Henry V segnet Krieg ab Verfolgt persönliches Interesse (Eigentum der Kirche) (Akt I, Szene 1, Zeile 7 ff, 75 ff) (Akt I, Szene 2, Zeile 9 ff)
Katharina:
Tochter Karls VI Heirat mit Henry V ermöglicht friedliche Vereinigung Englands und Frankreichs. (V ,2 ,Z366-373, 380 – 386)
Dauphin:
Bruder der Katharina, Überheblich, unbesorgt, geht mit Naivität in den Krieg und ist vom Sieg Frankreichs überzeugt.
(Akt II, Szene 4, Zeile 24 - 29)
Konnetabel:
Erkennt die Gefahr durch England, kann sich bei Hof nicht durchsetzen (Akt II,Szene 4, Zeile 23 – 29)
Frz. Heer:
Zahlenmäßig überlegen, gut ausgestattet, nicht auf Krieg eingestellt, strategisch unterlegen (Akt IV, Chor, Zeile 17 - 19)
Engl. Heer: Vom Feldzug bereits zerschunden, zahlenmäßig unterlegen, diszipliniert, kampfbereit (Akt IV, Chor, Z22 – 29)
Engl. Edelleute:
Ernsthaft, ergeben, treu und tapfer (nachdem drei Verräter hingerichtet worden waren) (Akt IV,Szene 3, Zeile 5 – 16)
Frz. Edelleute:
Überheblich, leichtlebig, degeneriert (Akt III, Szene 7, Zeile 1 ff)
4 Patriotismus
Der Chor im Eingangsprolog versetzt uns in das dramatische Geschehen der glorreichen Schlacht von Agincourt, wo Henry V als tapferer und mächtiger Kriegsherr mit Mars verglichen wird (Prolog, Zeile 5 + 6). Er lässt uns wissen, dass allein der Versuch, dieses große patriotische Ereignis auf der Bühne darzustellen, ein unmögliches Wagnis ist (Prolog, Zeile 9 – 11). Er spricht von zwei mächtigen Monarchien und verstärkt damit die ruhmvolle Bedeutung der siegreichen Schlacht von Agincourt für England. (Prolog Zeile 20)
Nach einer turbulenten, ausschweifenden Jugend hat sich Henry V nach dem Tod seines Vaters gleichsam über Nacht in einen nachdenklichen, einsichtsvollen, klugen, strebsamen und gelehrten Menschen verwandelt. Er verkörpert die traditionellen Herschertugenden.
(Akt I, Szene 1, Zeile 26 ff) (Uwe Baumann, Shakespeare und seine Zeit, Kapitel 5, S.64)
Für Kirche und Adel scheint der bevorstehende geplante Krieg durch die Erbansprüche englischer Könige, die auf den königlichen Urgroßvater Edward III (1312 – 1327 – 1377) zurückgehen, mehr als gerechtfertigt. Nur der verantwortungsbewusste, gerechte König bittet den Erzbischof von Canterbury als Gelehrten und Mann Gottes zweimal die Legitimität des Krieges zu bestätigen. Der Erzbischof rechtfertiget zweimal den Krieg. Henry V kämpft um gerechte Ansprüche an den frz. Thron, die von Frankreich abgewiesen werden mit dem Hinweis auf das salische Gesetz, welches die Frauen von
Arbeit zitieren:
Vera Steinmetz, 2004, Patriotismus in "Henry V", München, GRIN Verlag GmbH
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