Inhalt:
Deckblatt 1
Inhaltsverzeichnis 2
I Einleitung 3
II Tiberius´ Werdegang bis hin zur Übernahme des Prinzipats 4
II.1. Die Jugend bis hin zur Scheidung von Agrippina 4
II.2. Die unglückliche Ehe mit Iulia und das freiwillige Selbstexil auf Rhodos 5
II.3. Die Rückkehr nach Rom und die anschließende Adoption durch Augustus 5
II.4. Die Amtsübernahme nach dem Tod des Augustus 6
III Augustus´ Einfluss durch die erzwungene Eheschließung mit Iulia 7
IV Eine Wertung der Persönlichkeit des zweiten Prinzeps 9
V Tiberius´ Regentschaft im Vergleich mit Augustus 10
VI Die Quellenlage 12
VII Zusammenfassung 13
Quellenverzeichnis 14
Literaturverzeichnis 14
2
I. Einleitung
Bei einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Charaktereigenschaften des Tiberius, seinem Wirken als zweiter Prinzeps und Nachfolger des Augustus und nicht zuletzt mit der Art und Weise, wie er von seinem Stiefvater als Nachfolger bestimmt und verstanden wurde, ist nicht zu übersehen, dass sich das Tiberius-Bild in der Wissenschaft in den letzten hundert Jahren gewandelt hat. Die Zeiten der Schwarz-Weiß-Malerei, was seine politische Rolle und seine Psyche anbelangt, sind längst vorüber. Tiberius wurde, dies sei angemerkt, zumeist als heuchlerischer und böswilliger Despot hingestellt 1 , Hermann Schiller und Theo-dor Mommsen hingegen kommen zu einer äußerst positiven Beurteilung seiner Person 2 . Die neuere Forschungsliteratur, an dieser Stelle sei insbesondere auf Ernst Kornemanns Tiberius-Biographie und eine weitere Biographie des israelischen Historikers Zvi Yavetz hingewiesen, differenziert auf der einen Seite zwischen dem Bild des Tiberius als Opfer einer augusteischen Nachfolgepolitik, die ihn unwillkürlich als Notlösung aus Gründen der Staatsraison verstand, einem zutiefst gespaltenen Charakter und seinen unzweifelhaft vorhandenen Talenten im Bereich der Diplomatie, der militärischen Führung und der Administration. In der vorliegenden Arbeit will ich versuchen, Fragen zum jahrelangen Ausschauhalten des Augustus nach einem geeigneten Nachfolger, zur Art und Weise, wie diese Nachfolgepolitik in Bezug auf Zwangsvermählungen und -adoptionen betrieben wurde, und nicht zuletzt zum widerspenstigen, bisweilen grotesk anmutenden t iberischen Charakters aufzuwerfen, und diese anhand von Quellen und Sekundärliteratur zu beantworten. Mein Hauptaugenmerk gilt dabei ebenso dem Verhältnis des Tiberius zu seinen Anverwandten und zu Augustus selber, auch sollen seine charakterlichen Merkmale, die in der modernen Forschung immer mehr Bedeutung finden, zur Sprache kommen. Weniger im Mittelpunkt soll dabei die eigentliche Regierungszeit stehen, geprägt von der Affäre um den Prätorianerpräfekten Seian, der d urch Intrigen zum zweiten Mann im Staat aufstieg, sowie durch Majestätsprozesse und die Nesiarchie des Regenten von Capri aus. Zur Quellenlage, auf die ich im Laufe der Arbeit in einem eigenen Kapitel noch näher eingehen werde, ist zu sagen, dass Leben und Eigenheiten des Tiberius insbesondere in den Kaiserbiographien des Sueton und in den Annalen des Tacitus beschrieben werden, in der Ausführung oft überzogen, gehässig und gekennzeichnet von politi-
1 Vgl.Zvi Yavetz, Tiberius, S.169.
2 Vgl. Ernst Kornemann, Tiberius, S.5.
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schen oder persönlichen Animositäten 3 , während Velleius Paterculus, selbst Offizier unter Tiberius, in seinem Geschichtswerk in seiner Ergebenheit und Anbiederung ein wohl weit übertrieben positives Tiberius-Bild projiziert.
Die Geburt des Tiberius Claudius Nero ist auf den 16. November 42 v. Chr. 4 in Rom datiert, er entstammt einer Familie aus dem alten Adelsgeschlecht der Claudier, sein Vater und Großvater mütterlicherseits galten als traditionsbewusste A nhänger der Republik . Im Jahre 38 ehelicht die Mutter Livia den Augustus, eine, wie sich herausstellen sollte, entscheidende Begebenheit, die die Zukunft des T iberius nachhaltig beeinflussen sollte. Er selber und sein vier Jahre jüngere Bruder Drusus wachsen derweil im Haus ihres leiblichen Vaters auf, bis dieser im Jahre 33 stirbt. Fortan werden beide im Hause ihres Stiefvaters Augustus aufgenommen und unter dessen Vormundschaft erzogen, die weitere Jugendzeit des Tiberius verläuft weitgehend ereignislos. Kurz nach dem Anlegen der Männertoga im Jahr 27 beginnt seine militärische Ausbildung, ein Jahr später begleitet er A ugustus in den Krieg gegen die Kantabrer, ein Volk im Nordwesten des heutigen Spaniens. In den folgenden Jahren schließen sich weitere militärische, diplomatische und politische Aufgaben an, zu nennen sei etwa die Herbeiführung eines Thronwechsels in Armenien, zur damaligen Zeit der Hauptbrennpunkt an den Grenzen des Reiches, und im Jahre 15 Feldzüge im Gebiet Rätiens, die er zusammen mit seinem Bruder Drusus kommandierte. Zu dieser Zeit war der junge Tiberius bereits mit Vipsania Agrippina verheiratet, , eine für die damalige Zeit überaus glückliche Ehe. Im Jahr 12 beraubt das Schicksal den Augustus zum zweiten Mal seines Nachfolgers i n Person seines Schwiegersohnes Agrippa, was ihn erneut, wie schon nach dem Ableben des Marcellus im Jahr 23, dazu veranlasst, potentielle Nachfolgekandidaten zu mustern. Hierbei trifft er eine Entscheidung, die Wissenschaftler als Schlüsselerlebnis für Tiberius bezeichnen, dieser muss sich auf A ugustus´ Drängen hin von Agrippina scheiden lassen, um die einzige Augustus-Tochter Iulia zur Frau zu nehmen, ein wie sich zeigen sollte, persönliches Opfer, das er dem Staat und der Nachfolgeregelung seines Stiefvaters zu erbringen hatte. 5
3 Vgl. Theodor Mommsen, Römische Kaisergeschichte S.145.
4 fortan beziehen sich Jahresangaben immer auf die Zeit vor Christus.
5 Vgl. Manfred Clauss, Die römischen Kaiser, S.50/51.
4
II.2. Die unglückliche Ehe mit Iulia und das freiwillige Selbstexil auf Rhodos Die erzwungene Eheschließung sollte sich für Tiberius bald als Unglück erweisen, völlig verschiedene Veranlagung der beiden Eheleute, daneben der immense A ltersunterschied und nicht zuletzt die sexuellen Ausschweifungen zugeneigte Iulia ließen beide nicht glücklich werden. Tiberius hatte zusammen mit seinem Bruder Drusus die militärische Führungsstellung von Agrippa geerbt, so dass er in den Folgejahren meist im Felde stand. Bei seiner Ankunft zuhause erwarteten ihn allzu häufig sowohl seine lasterhafte Frau als auch die am Hof des Augustus übertrieben verwöhnten Stiefsöhne Gaius und Lucius Caesar, die Augustus als seine legitimen Nachfolger vorsah. 6
Im Jahr 6 schließlich auf dem bisherigen Karrierehöhepunkt des Tiberius b eschloss dieser überraschend, allen Ansprüchen auf Macht im Staate zu entsagen und stattdessen fernab der römischen Öffentlichkeit auf Rhodos seine philosophische Ausbildung fortzusetzen. Anzumerken sei, dass es ihm hierbei gelang sich gegen allen Widerstand in der eigenen Familie durchzusetzen. In der Begründung für diesen Schritt gibt er an späterer Stelle an, er habe den beiden Enkeln des Augustus nicht im Wege stehen wollen, secundi gradus sponte cessisse 7 . Der Grund, dass er aus Überdruss an den Staatsgeschäften Ruhe benötigte, honorum satietatem ac requiem laborum praetendens 8 , darf wohl eher als Vorwand gelten, kann aber aufgrund der inneren Widersprüchlichkeit dieses Mannes nicht völlig von der Hand gewiesen werden.
Derweil überreichte Augustus seiner Tochter Iulia im Jahre 2 im Namen seines Stiefsohnes den Scheidebrief, im gleichen Jahr lief Tiberius´ tribunicia potestas, die er auch während seines Rhodos-Aufenthaltes noch innehatte, ab, weswegen er sich um eine Rückkehr nach Rom bemühte, die Augustus jedoch vorerst ablehnte. 9
II.3. Die Rückkehr nach Rom und die anschließende Adoption durch Augustus Bereits 4 n.Chr. 10 waren beide Augustus-Enkel verstorben, ein schwerer Schlag für den Prinzeps, der seine und des Staates Hoffnungen in die beiden gesetzt hatte.
6 Vgl. Ernst Kornemann, Tiberius, S.27.
7 Suet. Tib. 10, 1.
8 Suet. Tib. 10, 2.
9 Vgl. Manfred Clauss, Die römischen Kaiser, S.53/54.
10 fortan beziehen sich Jahresangaben immer auf die Zeit nach Christus.
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Arbeit zitieren:
Holger Hufer, 2003, Die Nachfolgepolitik des Augustus am Beispiel des Tiberius, München, GRIN Verlag GmbH
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