Inhalt
Inhaltsverzeichnis 3
I Einleitung 4
II Die Folgen des Vertrags von Shimonoseki bis hin zur deutschen Besetzung
Kiautschous (1895-1898) 6
II.1. Die Ermordung deutscher Missionare als Vorwand für die geplante Land-
nahme 7
II.2. Die militärische Besetzung und der offizielle Pachtvertrag 9
III Die Entwicklung des Boxeraufstandes um 1899/1900 bis hin zum „Boxerpro-
tokoll “ 1901 11
III.1. Beginn der Boxerunruhen in Shandong und deutsche Strafexpeditionen 11
III.2. Wertung der „Hunnenrede“ Kaiser Wilhelms II. im Kontext der deutschen
Intervention 14
III.3. Der Friedensschluss und die Regelungen des Boxerprotokolls 15
III.4. Die Ursachen des Boxeraufstandes im Forschungsstreit 17
III.5. Der Einfall Japans in Kiautschou 1914 18
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anderen großen europäischen Kolonialnationen. Dies dürfte auch der Grund sein, warum hierzulande eine Diskussion über die imperialistische Vergangenheit E uropas keine politische Breitenwirkung erzeugte, selbst nicht in den 60er und 70er Jahren, als in der Endphase des Entkolonialisierungsprozesses gerade in Afrika die Tragweite der Probleme zwischen ehemaligen Kolonialnationen und den nach Freiheit und Eigenverantwortung strebenden Koloniegebieten sichtbar wurden. Ohnehin sind die Beziehungen Deutschlands zu seinen ehemaligen Kolonialgebieten nahezu frei von Belastung durch die Kolonialvergangenheit, im Spektrum der Öffentlichkeit dürfte der breiten Mehrheit die koloniale Vergangenheit Deutsch-lands eher verborgen geblieben sein. Die Einwanderung aus ehemaligen Kolonialgebieten blieb auf ein Minimum beschränkt, und selbst nach intensiverem Nachdenken fallen einem keine Größen in Politik, Wirtschaft, Kultur oder Sport ein, deren Herkunft in einem dieser Gebiete liegt. 1
In dem folgenden Kapiteln dieser Arbeit will ich mich in erster Linie den deutschen Gebieten zu Zeiten des Kaiserreichs insbesondere in Asien widmen und hierbei richtet sich das besondere Augenmerk auf das „Pachtgebiet“ Kiautschou an der chinesischen Küste und welche Entwicklungen dieser vertraglich festgehaltenen Verpachtung voraus gingen. Der Verlauf der Boxerunruhen - ein Aufstand der sich gegen die Anwesenheit westlicher Kolonialmächte in China richtetesoll ebenso zur Sprache gebracht werden wie deren Ursachen, über die sich die Forscher erst jüngst gestritten haben. Im Kontext des Eingreifens deutscher Truppen in China 1900 soll auch die sogenannte Hunnenrede Kaiser Wilhelms II. einer kritischeren Betrachtung unterzogen werden. Daneben soll kurz der Friedensvertrag beleuchtet werden und der Anspruch der deutschen Administration mit dem Schritt nach Ostasien auch gleichzeitig einen selbigen in eine deutsche Weltpolitik machen zu können. Daneben soll es auch um die Entwicklung des Gebiets mit Eisenbahnlinien und Bergwerken gehen bzw. den Standort Kiautschous unter dem Gesichtspunkt militärischer Strategie. Am Ende will ich versuchen, in einem kurzen Abriss die deutschen Koloniegebiete im Südsee- und pazifischen Raum und deren Entwicklung zu beleuchten.
1 Vgl. Horst Gründer, Geschichte der deutschen Kolonien, Paderborn 1985, S. 9.
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II. Die Folgen des Vertrags von Shimonoseki bis hin zur deut-schen Besetzung Kiautschous (1895-1898)
Spätestens 1894/95 war der ostasiatische Raum und dabei in erster Linie China zum Brennpunkt der Interessen aller Großmächte geworden. Die europäischen Nationen England, Frankreich, Russland wie auch die USA und Japan und nicht zuletzt Deutschland wetteiferten um Flotten- und Handelsstützpunkte. Im Zuge des chinesisch-japanischen Krieges, der in eben jenen beiden Jahren stattfand, forderte die chinesische Regierung die europäischen Mächte zur Vermittlung und zu mehr Engagement bei den Friedensverhandlungen auf, da sich die militärische Lage für China zusehends verschlechterte. 2 In Deutschland hatte dies zur Folge, dass die bisher eher pro-japanisch orientierte Ostasienpolitik überdacht wurde und von Seiten des Kaisers im November des Jahres 1894 die Forderung erhoben wurde, dass im Falle von Gebietserwerbung fremder Mächte in China auch Deutschland nicht außen vor bleiben dürfte. Dabei äußerte der deutsche Gesandte in P eking, Schenk zu Schweinsberg, erstmals den Gedanken, man könne die Kiautschou-Bucht 3 in Besitz nehmen.
Indes steigerte Japan seine Forderungen an China, Russland sah seine Position in Ostasien gefährdet, als Japan auf der Abtretung der Liaotung-Halbinsel beharrte, da sich das russische Macht- und Handelsinteresse auf Korea und die Mandschurei bezog. Der Hinweis der deutschen Regierung, dass territoriale Annexionen in China unvermeidlich zu einer Intervention der europäischen Mächte führen würden, wurde von Japan anfangs ignoriert. Als im März 1895 Details aus dem Friedensvertrag von Shimonoseki, der den chinesisch-japanischen Krieg formell b eenden sollte, inoffiziell bereits vorher durchsickerten, sah Russland seine Machtstellung in der Region von japanischer Seite gefährdet. Das Abkommen enthielt auch jene umstrittene Abtretung der Liaotung-Halbinsel. China und Japan unterzeichneten das Abkommen am 17. April 1895 trotz internationaler Bedenken, Russland würde sich gegen die Unterzeichnung zur Not militärisch zur Wehr setzen. Gleichzeitig fürchtete man in Berlin die Überwindung der englischrussischen Gegensätze, die wiederum durch ein gemeinsames Interesse beider
2 Vgl. Jung, Sang Su,, Deutschland und das Gelbe Meer. Die deutsche Weltpolitik in Ostasien
1897-1902, Frankfurt am Main 1996, S. 25.
3 In der Bezeichnung und orthographischen Umsetzung chinesischer Orts- und Gebietsnamen
beziehe ich mich auf die in der Sekundärliteratur vorgefundenen Schreibweise. Dabei bemühe ich
mich um Einheitlichkeit, auch wenn in den verschiedenen Werken der Sekundärliteratur die Be-
zeichnungen teilweise sehr stark differieren.
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Staaten am Verhindern einer allzu großen Machtsphäre Japans in der Region begründet läge, wodurch der deutsche Weltmachtsanspruch in seine Schranken hätte verwiesen werden können. Wenige Tage vor Unterzeichnung des Shimonoseki-Abkommens hatte England angedeutet, keinen Protest gegen das Vertragswerk einzulegen und die Umsetzung des Inhalts zu akzeptieren, da sich das englische Interesse bereits zu jener Zeit speziell auf Shanghai und den unteren Yangtse konzentrierte. Deutschland, Frankreich und Russland hingegen protestierten scharf gegen das Abkommen und verlangten von Japan unverzüglich die Rückgabe der Halbinsel Liaotung. Die Protestnote der drei europäischen Nationen wurde der japanischen Regierung am 23. April formell übergeben, am 5. Mai erklärte sich Japan offiziell bereit im Streit um die Halbinsel einzulenken und auf die Inbesitznahme des Gebietes verzichten zu wollen. Deutschlands anschließende Forderung gegenüber China, quasi als Gegenleistung für die Vermittlung und die Bewahrung der Einheit Chinas Deutschland einen Hafen an der chinesischen Küste zu überlassen, blieb vorerst unerfüllt. Mit dem Hinweis, eine solche Geste würde automatisch andere europäische Nationen auf den Plan rufen, um ebenfalls derartige Forderungen zu stellen, wurde der diplomatische Vorstoß Deutschlands abgeschmettert. Tatsächlich aber konnten Russland, das seine Transsibirische Eisenbahn auch durch das Gebiet der Mandschurei bauen konnte, und Frankreich, das infolge seines hartnäckigen Auftretens gegenüber den japanischen Positionen Eisenbahn-und Bergbaukonzessionen im Süden Chinas erworben hatte, durchaus politischwirtschaftliche Vorteile aus den Wirren des chinesisch-japanischen Krieges ziehen. 4
II.1. Die Ermordung deutscher Missionare als Vorwand für die
geplante Landnahme
In Berlin waren 1897 die letzten Zweifel an der Ortswahl, einem Plan, der die Besetzung ermöglichen sollte, und nicht zuletzt an den möglichen diplomatischen und außenpolitischen Konsequenzen bereinigt. Daher galt es, einen geeigneten Anlass zur Inbesitznahme der ausgewählten Kiautschou-Bucht abzuwarten. Die Vorbereitung dieses Vorhabens oblag Otto von Diederichs, der seit Juni 1897 die Stelle des Chefs des Ostasiatischen Geschwaders innehatte. Noch zur selben Zeit
4 Vgl. Leutner, Mechthild, „Musterkolonie Kiautschou“. Die Expansion des deutschen Reiches in
China. Deutsch-chinesische Beziehungen 1897 bis 1914, Berlin 1997, S. 61-63.
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Arbeit zitieren:
Holger Hufer, 2003, Deutsche Kolonialpolitik in der Ära des Wilhelminismus: Asien und der Boxeraufstand, München, GRIN Verlag GmbH
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