Die Städte stehen in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft untereinander in globaler Konkurrenz um Investitionen. Nicht zuletzt aufgrund immer knapper werdender kommunaler Finanzressourcen sind Stadtpolitiker bemüht, ihre Stadt im globalen Wettbewerb so zu positionieren, dass Unternehmenszentralen und Touristen angelockt, die Einnahmesituation verbessert und das Wachstum angekurbelt wird. Hierbei haben sich eine Reihe von global übertragbaren Strategien im Wettbewerb der Dienstleistungsmetropolen herauskristallisiert, deren Anwendung in allen großen Städten der postfordistischen Welt zu beobachten ist und bei denen der städtischen Kultur eine zentrale Rolle zukommt.
In dieser Arbeit möchte ich untersuchen, was in Anbetracht der oben skizzierten Entwicklung Kultur in der Stadt heute bedeutet, welchen Veränderungen ihre Rahmenbedingungen ausgesetzt sind und welche Funktionen Stadtkultur in einer sich zunehmend in zahllose unterschiedliche Lebensstile ausdifferenzierenden, polarisierenden und räumlich wie sozial segregierenden Stadtgesellschaft erfüllt.
Die Beschäftigung mit Stadtkultur bzw. Kultur in der Stadt erfordert zur besseren Unterscheidung zunächst eine Begriffsbestimmung von Kultur und Stadtkultur, außerdem ist eine Unterscheidung zwischen Kultur und Kulturwirtschaft zu machen und ihr Zusammenhang zu verdeutlichen.
In den beiden folgenden Kapiteln werden die allgemeinen Auswirkungen der Globalisierung und Tertiärisierung auf die kommunale Ebene behandelt und gezeigt, welche Rolle der Kultur im Zusammenhang mit diesen Entwicklungen im städtischen Kontext zukommt.
Anschließend werden die wesentlichen im Zuge dieser globalen Entwicklung entstandenen kommunalen Strategien mit ihren Folgen erläutert. Dazu gehören die Gentrification, die Auswirkungen der Tertiärisierung, Festivalisierung, die Ökonomie der Symbole und die Segregation. Im Fordergrund steht dabei ihr Zusammenhang zur städtischen Kultur und ihre Folgen für diese.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Kultur
2.2 Stadtkultur
2.3 Kultur und Kulturökonomie
3 Auswirkungen von Tertiärisierung und Globalisierung auf die Kommunen
4 Die Rolle von Kultur in der Stadtentwicklungspolitik
5 Kommunale wirtschaftliche und politische Strategien
5.1 Die Ökonomie der Symbole
5.2 Gentrification
5.3 Die Festivalisierung von Stadtkultur
6 Fazit
7 Conclusion
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, welche Funktionen Stadtkultur in der heutigen, durch Globalisierung und Tertiärisierung geprägten Dienstleistungsgesellschaft erfüllt. Dabei wird analysiert, wie städtische Kultur als strategisches Instrument der Wirtschaftsförderung, der Stadtentwicklung und der sozialen Separierung eingesetzt wird.
- Rolle der Kultur in der globalen Standortkonkurrenz
- Instrumentalisierung von Kultur durch die Wachstumskoalition
- Zusammenhang zwischen Kultur, Gentrification und Segregation
- Bedeutung der „kleinen“ Kultur für urbane Vielfalt
- Kritische Analyse kommunaler Wachstumsstrategien
Auszug aus dem Buch
5.1 Die Ökonomie der Symbole
Um finanzkräftige Personengruppen an einen zu vermarktenden Ort zu ziehen, ist es wichtig, den Gebrauchswert dieses Ortes zu erhöhen und zum wirtschaftlichen Erfolg der städtischen Nachbarschaft und kommerzieller Großprojekte beizutragen. Zu diesem Zweck wird auf die „Ökonomie der Symbole“ zurückgegriffen, die Kirchberg als eine Weiterentwicklung des Dienstleistungssektors hin zu einer Wirtschaftsgesellschaft beschreibt, die Informationen und abstrakte kulturelle Symbole zum Zweck Ökonomischer Wertsteigerung von Gütern, Dienstleistungen und Orten einsetzt (vgl. Kirchberg 1998).
Es handelt sich dabei um die ökonomische Materialisierung des kulturellen Kapitals in Form der Produktion und Distribution und Konsumption von Bildern (kollektivem Image, Aura) als bedeutendste Quelle von Wertschöpfung. Kulturelle Attributierung schafft eine Wertsteigerung von Boden und Immobilien und ist gleichzeitig in ihrer Symbolik zielgruppengenau, so dass ausschließlich die erwünschten marktfähigen Konsumentenschichten angesprochen werden können.
Durch die symbolische Raumaneignung wird städtischer Raum nach innen wie nach außen hin abgegrenzt, es kommt zur „marktgerechten Separierung der Nutzergruppen städtischer Räume“ (Kirchberg 1998: 50), die deshalb nicht nur im Interesse der Immobilienwirtschaft ist, weil so eine gezielte Ansprache bestimmter Konsumentengruppen wesentlich erleichtert wird. „Städtische Zeichen haben dabei die Funktion, Raum sozial zu kategorisieren und die städtische Kultur liefert solche Zeichen“ (Kirchberg 1998: 46). Auch wird deutlich, dass sich langfristig stets die (ökonomisch) mächtigsten gesellschaftlichen Gruppen in von unterschiedlichen Interessen und Bevölkerungsschichten begehrten Stadtgebieten durchsetzen und die Zeichensetzung und damit auch die Nutzung im Quartier bestimmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der globalen Konkurrenzsituation der Städte und der Absicht, die Rolle von Kultur in diesem Kontext zu hinterfragen.
2 Begriffsbestimmungen: Abgrenzung zentraler Termini wie Kultur, Stadtkultur sowie der wirtschaftliche Aspekt der Kulturökonomie.
3 Auswirkungen von Tertiärisierung und Globalisierung auf die Kommunen: Analyse der veränderten politischen Rahmenbedingungen durch globalisierte Kapitalströme und die Aufwertung weicher Standortfaktoren.
4 Die Rolle von Kultur in der Stadtentwicklungspolitik: Untersuchung, wie kulturelle Aktivitäten als Standortfaktoren zur Imagebildung und Investitionsförderung eingesetzt werden.
5 Kommunale wirtschaftliche und politische Strategien: Detaillierte Betrachtung der Ökonomie der Symbole, der Gentrification und der Festivalisierung als gezielte Strategien der Stadtentwicklung.
6 Fazit: Zusammenfassung der Problematik einer zunehmenden Instrumentalisierung von Kultur zulasten einer demokratischen, vielfältigen Stadtgesellschaft.
7 Conclusion: Englische Zusammenfassung der zentralen Thesen und Schlussfolgerungen der Arbeit.
Schlüsselwörter
Stadtkultur, Kulturökonomie, Globalisierung, Tertiärisierung, Standortwettbewerb, Stadtentwicklungspolitik, Ökonomie der Symbole, Gentrification, Festivalisierung, Segregation, Imagebildung, Standortfaktor, Stadtmarketing, urbane Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die veränderte Bedeutung von städtischer Kultur in modernen Dienstleistungsmetropolen unter den Bedingungen globaler Konkurrenz.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Rolle von Kultur bei der Stadtentwicklung, die ökonomische Nutzung von Symbolen, Gentrification-Prozesse und die sogenannte Festivalisierung von Kultur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie städtische Kultur zunehmend als Mittel zur Imageverbesserung, zur Ansiedlung kaufkräftiger Zielgruppen und zur Aufwertung von Immobilien instrumentalisiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit stadtsoziologischen Analysen, die anhand relevanter Fachliteratur die Zusammenhänge zwischen ökonomischen Strategien und kulturellen Prozessen in der Stadt beleuchtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Auswirkungen von Globalisierung und Tertiärisierung, die Bedeutung von Kultur für die Stadtentwicklungspolitik sowie spezifische Wachstumsstrategien wie die Ökonomie der Symbole, Gentrification und Festivalisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Stadtkultur, Gentrification, Festivalisierung, Standortwettbewerb und Segregation.
Welche Gefahr sieht der Autor für die „kleine“ Kultur?
Der Autor warnt davor, dass aufgrund knapper Kassen bevorzugt prestigeträchtige Event-Kultur gefördert wird, während Sozio- und Off-Kulturen, die für die urbane Identität essenziell sind, durch Etatkürzungen auszutrocknen drohen.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Kultureinrichtungen und Kulturökonomie?
Kultureinrichtungen sind Orte wie Theater oder Museen, in denen Veranstaltungen stattfinden, während die Kulturökonomie jenen Wirtschaftszweig beschreibt, der Kulturprodukte herstellt, vermarktet und vertreibt.
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- Damian Arikas (Author), 2002, Die Funktionalisierung von städtischer Kultur in den Dienstleistungsmetropolen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29092