[...] Sie hatten diese Praxis jahrelang kritisiert, nach
erfolglosem Kampf setzten sie aber auf Gleichberechtigung und riefen über einige Umwege
die Heinrich-Böll-Stiftung ins Leben. Die Gründung der Rosa-Luxemburg-Stiftung (PDS)
verlief einige Jahre darauf nach ähnlichem Muster und hat bis heute ihren
Entwicklungsprozess zur ebenbürtigen Stiftung noch nicht vollständig abgeschlossen. All
diese Institutionen prägen unverwechselbar die politische Kultur in Deutschland und sind in
dieser Form ein weltweit einzigartiges Phänomen. In dieser Arbeit geht es jedoch nicht nur um die Politischen Stiftungen selbst, sondern
um eine spezielle von ihnen ausgeübte Funktion: Die Politikberatung. Trotzdem werden
zunächst die Politischen Stiftungen näher betrachtet, um ihren Aufbau zu verstehen und auch
die problematischen Seiten kennen zu lernen. Dazu werden zunächst Organisationsform,
Aufgabenbereiche und Ziele abgeklärt, um schließlich das Thema Finanzen etwas genauer zu
betrachten. Denn gerade an dieser Stelle zeigt sich, dass die Politischen Stiftungen durchaus
kontrovers diskutiert werden und dass ihre Arbeit auf einigen fragwürdigen Grundlagen
basiert. Die Frage nach der Finanzierung ist wiederum eng verbunden mit der Frage nach der
Parteinähe der Stiftungen und auch hier sind einige kritische Anmerkungen zu machen.
Ähnlich wie die Politischen Stiftungen im ersten Teil, wird im zweiten Abschnitt die
Politikberatung als eigenständiges Gebiet betrachtet. Dabei soll deutlich werden, wo die
Chancen und Risiken der Politikberatung liegen und wie die unterschiedlichen
wissenschaftlichen Modelle dazu aussehen. In einem letzten großen Abschnitt werden die
beiden Themenbereiche schließlich zusammengeführt und gemeinsam betrachtet. Dabei wird
die Arbeit innerhalb Deutschlands von der im Ausland unterschieden, da dort jeweils sehr
unterschiedliche Funktionen wahrgenommen werden. Die vorliegende Arbeit hat sich gezielt um einen breiten Überblick bemüht und geht deshalb
im Gegensatz zu der meisten Literatur, die bisher zu diesem Thema vorliegt, nicht auf
einzelne Stiftungen ein, sondern betrachtet sie in ihrer Gesamtheit. Die konkreten Projekte der
Stiftungen kommen dabei etwas kurz, doch über sie erfährt man problemlos etwas auf den
Homepages der Stiftungen. Wichtiger war an dieser Stelle die Betrachtung ihrer Rolle
insgesamt, da dies auch von längerer Aktualität sein wird als die einzelnen Aktivitäten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Politische Stiftungen
2.1 Organisationsformen
2.2 Aufgabenbereiche
2.3 Ziele
2.4 Finanzierung
2.5 Parteinähe oder –ferne
3. Politikberatung
3.1 Das dezisionistische Modell
3.2 Das technokratische Modell
3.3 Das pragmatistische Modell
3.4 Bewertung der Modellvorstellungen
4. Politikberatung durch Politische Stiftungen
4.1 Politikberatung im Inland
4.2 Politikberatung und Entwicklungshilfe im Ausland
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle politischer Stiftungen als Akteure der Politikberatung, analysiert deren Organisationsstrukturen und Finanzierung sowie die theoretischen Modelle, die ihrer Beratungstätigkeit zugrunde liegen. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie diese Stiftungen sowohl im inländischen als auch im internationalen Kontext agieren und in welchem Spannungsfeld zwischen Parteinähe und wissenschaftlicher Unabhängigkeit sie sich bewegen.
- Strukturelle Analyse und Finanzierung der politischen Stiftungen in Deutschland.
- Untersuchung der Politikberatung als zentrale Funktion der Stiftungsarbeit.
- Gegenüberstellung theoretisch-normativer Modelle der Politikberatung (dezisionistisch, technokratisch, pragmatistisch).
- Bewertung der Rolle von Stiftungen bei der Demokratieförderung und Entwicklungspolitik im Ausland.
- Reflexion des Spannungsverhältnisses zwischen parteipolitischer Einflussnahme und gemeinwohlorientierter Beratung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Das dezisionistische Modell
Dem Dezisionismus, häufig übersetzt als Entscheidungsdenken, liegt das strenge Prinzip der Werturteilsfreiheit von Wissenschaft zugrunde. Politische Werte und Ziele sollen streng getrennt werden von Sachfragen. Die Politik formuliert die Zielvorgaben, die einer wissenschaftlichen Begründung oder Kritik prinzipiell nicht zugänglich sind und lässt sich die gewünschten Ergebnisse liefern. Die Experten dagegen stellen technisches wertneutrales Sachwissen zur Verfügung, das die erfolgreiche Durchsetzung dieser Ziele ermöglichen soll. Die Rolle des Politikers ist also streng von der des Wissenschaftlers getrennt, Akteur und Berater nehmen völlig unterschiedliche Aufgaben wahr.
Dezisionismus bedeutet auch, dass die Entscheidung bereits einen Wert an sich darstellt und dadurch eine hinreichende Legitimation für eine Handlungsweise bietet. Die Frage nach einer guten oder schlechten Entscheidung tritt in den Hintergrund. Entscheidend ist vor allem, dass sie überhaupt gefällt wurde und dadurch nicht mehr im Hinblick auf vorausgegangene Gründe zu kritisieren ist. Das Entscheidungsmonopol liegt allein beim Politiker, der seine Entscheidungen nicht mehr diskutieren muss. Politische Entscheidungen werden nicht rational begründet, sondern an undiskutierten Werten und Normen entwickelt. Die Entscheidung des Politikers bleibt letztendlich also doch weltanschaulichen Werten und Glaubensmustern verhaftet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen der deutschen politischen Stiftungen ein und skizziert das Forschungsinteresse an deren Funktion als Akteure der Politikberatung.
2. Politische Stiftungen: Dieses Kapitel behandelt den Aufbau, die Ziele, die Finanzierung sowie die problematische Parteinähe der politischen Stiftungen.
3. Politikberatung: Hier werden theoretische Grundlagen der Politikberatung sowie drei spezifische Modelle (dezisionistisch, technokratisch, pragmatistisch) analysiert.
4. Politikberatung durch Politische Stiftungen: Dieses Kapitel konkretisiert die Beratungstätigkeit der Stiftungen sowohl im nationalen Kontext als auch in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert das Spannungsfeld der Stiftungsarbeit und betont deren trotz mancher Kontroversen bedeutende Rolle für die internationale Diplomatie und Demokratieförderung.
Schlüsselwörter
Politische Stiftungen, Politikberatung, Parteienfinanzierung, Dezisionismus, Technokratie, Pragmatismus, Demokratieförderung, Entwicklungshilfe, NGOs, Politikwissenschaft, Interessenvertretung, staatliche Förderung, Wissenschaft und Politik, Soft Power, Politische Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Funktion und Rolle deutscher politischer Stiftungen im Bereich der Politikberatung innerhalb Deutschlands und im internationalen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Organisationsform, der Finanzierung der Stiftungen, der kritischen Auseinandersetzung mit ihrer Parteinähe sowie den theoretischen Modellen der Politikberatung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den Beitrag der politischen Stiftungen zur Politikberatung zu bewerten und aufzuzeigen, wie sie zwischen parteipolitischen Interessen und wissenschaftlicher Beratung agieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Perspektive und stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie den Vergleich normativer Politikberatungsmodelle nach Jürgen Habermas.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Stiftungsstrukturen, eine Erörterung der Beratungsmodelle und eine Analyse der konkreten Praxis der Stiftungen im In- und Ausland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Politische Stiftungen, Politikberatung, Demokratieförderung, Parteinähe und Soft Power.
Wie unterscheidet sich die Beratung im Inland von der im Ausland?
Während im Inland wissenschaftliche Grundlagen für die aktuelle Politik erarbeitet werden, fungieren Stiftungen im Ausland häufig als Akteure der Demokratieförderung, die auch bei sensiblen politischen Transformationen unterstützend eingreifen.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Parteinähe?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das Verhältnis zwischen Parteien und Stiftungen von einem systemimmanenten Spannungsfeld zwischen notwendiger ideologischer Nähe und dem Anspruch auf Unabhängigkeit geprägt ist.
- Quote paper
- Carolin Salvamoser (Author), 2002, Politikberatung durch Politische Stiftungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29187