Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Darstellungsverzeichnis. VI
Abk ürzungsverzeichnis. VII
A Allgemeine Darstellung und theoretische Grundlagen
1 Abgrenzung des Themas und themenbezogene Definitionen. 1
1.1 Ausgangslage und Thematik 1
1.2 Begriffsdefinitionen 2
1.2.1 Tourismus. 2
1.2.2 Tourismusbarometer 4
1.2.3 Monitoring. 5
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus 6
2.1 Tourismus als Querschnittsbranche 6
2.2 Wirtschaftsfaktor Tourismus in Deutschland. 7
2.2.1 Touristisches Angebot. 7
2.2.2 Touristische Nachfrage 9
2.3 Touristische Wertschöpfung 11
2.3.1 Berechnung der Wertschöpfung. 11
2.3.2 Induzierte touristische Wertschöpfung 13
2.3.3 Multiplikatoreffekt 14
2.3.4 Wertschöpfungskette und Erhebungsmethoden. 14
2.4 Satellitenkonto Tourismus 16
2.4.1 Grundlagen. 16
2.4.2 Satellitenkonto Tourismus für Deutschland 17
3 Marktbeobachtung im Tourismus 20
3.1 Die amtliche Tourismusstatistik in Deutschland. 20
3.1.1 Methodik. 22
3.1.2 Gliederungsebenen 23
3.1.3 Bewertung der amtlichen Tourismusstatistik 24
Inhaltsverzeichnis III
3.2 Erhebungen von Verbänden und sonstigen Institutionen 26
3.2.1 DIHK - Saisonumfrage Tourismus 26
3.2.2 Deutscher Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) 27
3.2.3 Hotelverband Deutschland (IHA) -
Hotelmarkt Deutschland. 28
3.2.4 Nachfrageseitige Erhebungen 29
4 Zweck und Grundlage eines Tourismusbarometers 31
5 Darstellung nationaler und internationaler Konzepte 33
5.1 Inhalte und Aufbau. 33
5.1.1 Tourismusbarometer aus Deutschland. 33
5.1.1.1 S - Tourismusbarometer 33
5.1.1.2 IHK - Freizeitbarometer
Baden -Württemberg 37
5.1.1.3 Tourismusbarometer Ostbayern 38
5.1.2 Europäische Tourismusbarometer 39
5.1.2.1 FIF - Tourismusbarometer (Schweiz) 39
5.1.2.2 WIFO - Tourismusbarometer (Südtirol) 41
5.1.2.3 Vorarlberger Tourismusbarometer. 42
5.1.2.4 Tiroler Tourismusbarometer 42
5.1.2.5 Le Baromètre Tourisme (Côte d Azur) 46
5.1.3 Tourismusbarometer - weltweit. 46
5.1.3.1 World Tourism Barometer (WTO) 47
5.1.3.2 Arizona Tourism Barometer. 48
5.2 Vergleich der Instrumente. 48
5.3 Beurteilung der einzelnen Konzepte 52
6 Auswahl von Partnern für das Tourismusbarometer sowie die
Integration derer Wünsche, Vorstellungen und Ziele. 56
7 Finanzierungsmöglichkeiten von Tourismusbarometern 57
Inhaltsverzeichnis IV
B Tourismusbarometer Allgäu als Modell
1 Notwendigkeit eines Tourismusbarometers für das Allgäu 59
1.1 Struktur der Tourismusdestination Allgäu 59
1.2 Argumentationsgrundlagen für ein Tourismus-
barometer im Allgäu. 61
2 Ausgestaltung und Aufbau des Allgäuer Tourismusbarometers. 63
2.1 Räumliche Abgrenzung 63
2.2 Inhalte und modularer Aufbau 63
2.2.1 Basismodul. 64
2.2.1.1 Nachfrageanalyse. 65
2.2.1.2 Angebotsanalyse 68
2.2.1.3 Integration bestehender Erhebungen 70
2.2.1.4 Touristische Wetterstationen 70
2.2.1.5 Einbezug der Gastronomie. 71
2.2.2 Mögliche Themen im Rahmen des Spezialmoduls. 72
2.2.3 Kurzresümee zur modularen Gestaltung. 73
3 Bestimmung und Gruppierung touristisch relevanter Freizeitein-
richtungen im Allgäu (Wetterstationen) 75
3.1 Aufbau einer Datenbank 76
3.2 Akquisition von Einrichtungen als Wetterstationen 76
3.3 Arten der Datensammlung 77
4 Monetäre Bewertung des Tourismus im Allgäu als
qualitative Komponente 79
5 Weitere qualitative Untersuchungen als Benchmarking -
Instrument im Rahmen des Tourismusbarometers 82
Inhaltsverzeichnis V
6 Maßnahmen zur Realisation des Projektes 84
6.1 Rechtliche Maßnahmen. 84
6.2 Technische Maßnahmen 85
6.3 Sonstige Maßnahmen. 86
7 Empfehlungen für das Tourismusbarometer und Fazit 87
Anhang I: Modell Tourismus-Tableau. 89
Anhang II: Ergebnistabelle Tourismus-Tableau für
Deutschland 1995 90
Anhang III: Anschreiben Wetterstationen und Betriebserfassungsbogen. 91
Anhang IV: Datenerfassungsbogen 94
Literaturverzeichnis 96
Quellenverzeichnis 105
Bearbeitete Gliederungspunkte:
von Ellen Csizmadia bearbeitete Gliederungspunkte:
Teil A: 1.2.2 / 1.2.3 / 2.2 / 2.4 / 3.2.1 - 3.2.3 / 5.1.1 / 5.1.3 / 7
Teil B: 1.2 / 2.1 / 2.2 / 2.2.2 / 2.2.3 / 5
von Timo Zebisch bearbeitete Gliederungspunkte:
Teil A: 1.2.1 / 2.3 / 3.1.1 - 3.1.3 / 5.1.2 / 6
Teil B: 1.1 / 2.2.1 / 6
gemeinsam bearbeitete Gliederungspunkte:
Teil A: 1.1 / 2 / 2.1 / 3.1 / 3.2.4 / 4 / 5.2 / 5.3
Teil B: 3 / 4 / 7
Darstellungsverzeichnis
Darstellung 1: Anteil der Reisearten am BIP in % (1995) ........................... 10 Darstellung 2: Gesamtunternehmensleistung, Bruttowertschöpfung und Nettowertschöpfung .................... 13 Darstellung 3: Wertschöpfungskette des Tourismus
und Erhebungsmethoden..................................................... 15 Darstellung 4: Bewertungskriterien der amtlichen Tourismusstatistik ......... 25 Darstellung 5: Übersicht Marktbeobachtungsinstrumente (Auswahl).......... 30 Darstellung 6: Aufbau des S-Tourismusbarometers ................................... 34 Darstellung 7: Untersuchungen im Rahmen des
S-Tourismusbarometers ...................................................... 36 Darstellung 8: Systematik des Tiroler Tourismusbarometers...................... 45 Darstellung 9: Komponenten des Arizona Tourism Barometer ................... 48 Darstellung 10: Tourismusbarometer im Vergleich ....................................... 51 Darstellung 11: Verteilung der gewerblichen Übernachtungen im Allgäu in % (2002)............................................................59 Darstellung 12: Aufbau des Tourismusbarometers Allgäu ............................ 64 Darstellung 13: Erhebungen zum „Grauen Beherbergungsmarkt“ im Vergleich der Barometer ................................................. 67 Darstellung 14: Mustermatrix für das Tourismusbarometer Allgäu ............... 69 Darstellung 15: Screenshot Musterhomepage Eingabeformular................... 78 Darstellung 16: Screenshot „monetäre Modellrechnung“.............................. 81 Darstellung 17: Modell Tourismus-Tableau .................................................. 89 Darstellung 18: Tourismus-Tableau für Deutschland 1995 ........................... 90
Abk ürzungsverzeichnis
US -Dollar
Euro
Abl. Amtsblatt
ADAC. Allgemeiner Deutscher Automobil-Club
AHGZ. Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung
ATB Allgäuer Tourismusbarometer
BGBl. Bundesgesetzblatt
BIP. Bruttoinlandsprodukt
BWS Bruttowertschöpfung
DEHOGA Deutscher Hotel- und Gaststättenverband
DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag
DIW Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (Berlin)
dwif Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut
f ür Fremdenverkehr an der Universität München e. V.
DM Deutsche Mark
EDV elektronische Datenverarbeitung
EG Europäische Gemeinschaft
EU Europäische Union
EUROSTAT Statistisches Amt der Europäischen Gemeinschaften
e.V. eingetragener Verein
FAA Federal Aviation Administration
FIF Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus (Bern)
F..UR. Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V.
GE Geldeinheiten
GVBl. Gesetz- und Verordnungsblatt
IHA Hotelverband Deutschland e.V.
IHK Industrie- und Handelskammer
IOTEA.................. Input-Output based Tourism Economic Account
ITB....................... Internationale Tourismus-Börse
Abk ürzungsverzeichnis VIII
IUOTO International Union of Official Travel Organizations
Mio. Million
Mrd. Milliarde
MwSt. Mehrwertsteuer
NABZ nichtabziehbare Umsatzsteuer
NACE. Nomenclature statistique des Activités économiques dans la
Communaut é Européenne
NSGV Niedersächsischer Sparkassen- und Giroverband
OECD Organization for Economic Co-operation and Development
OSGV Ostdeutscher Sparkassen- und Giroverband
PDF Portable Document Format
PTT. Post und Telekom (Schweiz)
SARS. Severe Acute Respiratory Syndrome
SFr. Schweizer Franken
SGVSH Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein
TPI. Tourismus Performance Index
TRIX Touristischer Regionalentwicklungsindex
VGR..................... Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
WIFO Wirtschaftsforschungsinstitut der Handelskammer Bozen
WM Weltmeisterschaft
WTO World Tourism Organization
WTTC World Travel Tourism Council
A Allgemeine Darstellung und theoretische Grundlagen
1 Abgrenzung des Themas und themenbezogene Definitionen
1.1 Ausgangslage und Thematik
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (Berlin) ermittelte erstmals 1999 in einem sogenannten Tourismus-Satellitenkonto den Anteil der Tourismuswirtschaft an der Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik Deutschland. Demnach kommt der Tourismus auf einen Anteil von ca. 8 % am BIP 1 . Dieses Instrument in Anlehnung an die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung erlaubt zwar aufgrund mittlerweile erfolgter Harmonisierungsbestrebungen internationaler Organisationen wie zum Beispiel WTO, OECD und EUROSTAT, Vergleiche auf zwischenstaatlicher Ebene, jedoch wurde eine entsprechende Datengrundlage für Entscheidungsträger auf regionaler Ebene bislang in größerem Umfang nicht realisiert. Solche Daten sind aber essentiell für eine zielgerichtete und effiziente Vermarktung von touristischen Regionen, vor allem vor dem Hintergrund einer stetig wachsenden Konkurrenz im In- und Ausland. Auch sich ständig ändernde Rahmenbedingungen, der internationale Terrorismus und globale Epidemien machen schnell verfügbare und aktuelle Daten zur angemessenen Reaktion notwendig.
Einen Vorstoß in diese Richtung unternahm 1981 das österreichische Bundesland Vorarlberg mit dem sogenannten Vorarlberger Tourismusbarometer. Seitdem gab es zahlreiche Ansätze in mehreren Staaten, die alle das Ziel verfolgten, ein über die Beherbergungsstatistik hinausgehendes Datenset zu ermitteln und kontinuierlich fortzuschreiben. Problematisch hierbei ist jedoch die Tatsache, dass fast alle als Tourismusbarometer bezeichneten Projekte eine unterschiedliche
Herangehensweise aufweisen, verschiedene Daten erheben und voneinander abweichende Zielvorstellungen haben.
Nach einer eingehenden Betrachtung der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus sowie der Darstellung der touristischen Datenlage in Deutschland (Teil A),
1 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Tourismuspolitischer Bericht, 2003, S. 15.
1 Abgrenzung des Themas und themenbezogene Definitionen 2
ist es das Ziel unserer Arbeit, aufbauend auf einer Analyse bestehender Tourismusbarometer, ein entsprechendes Modell - Barometer für das Allgäu (Teil B) zu entwickeln.
1.2 Begriffsdefinitionen
In diesem Abschnitt möchten wir einige Begriffe abgrenzen und definieren, die wir für die weiteren Ausführungen als wichtig erachten.
1.2.1 Tourismus
Bereits im Jahre 1937 empfahl der Rat des Völkerbunds eine einheitliche Definition des „internationalen Touristen“ für statistische Zwecke. Dieser Begriff wurde im Jahr 1950 von der IUOTO leicht überarbeitet und so gelangte die Statistikkommission der Vereinten Nationen schließlich 1953 zum Konzept des „internationalen Besuchers“. Zehn Jahre später wurden, wieder auf Anraten der IUOTO auf der United Nations Conference on International Travel and Tourism in Rom, einheitliche Definitionen für die Schlagworte „Besucher“, „Tourist“ und „Ausflügler“ vorgeschlagen, die in den nachfolgenden vier Jahren von einer Expertengruppe für internationale Reisestatistik der Vereinten Nationen untersucht und schlussendlich 1968 von der Statistikkommission der Vereinten Nationen gebilligt wurden. 1 Heutzutage wird der Begriff Tourismus „... üblicherweise identisch verwendet mit den Bezeichnungen ‚Touristik’, ‚Fremdenverkehr’ und ‚Reiseverkehr’.“ 2 So beschreibt Kaspar den „Fremdenverkehr oder Tourismus als Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist.“ 3 Dass diese Definition inzwischen international zu den geläufigsten und meistzitierten gehört sowie von der Internationalen Vereinigung
1 Vgl. World Tourism Organization / United Nations, Recommendations, 1994, S. 3.
2 Freyer, W., Tourismus, 1998, S. 1.
3 Kaspar, C., Tourismuslehre, 1991, S. 18.
1 Abgrenzung des Themas und themenbezogene Definitionen 3
wissenschaftlicher Fremdenverkehrsexperten 1 verwendet wird, liegt daran, dass Kaspars „Begriffsumschreibung .. eine umfassende Betrachtung des Phänomens Tourismus, d. h. den Einbezug aller relevanter [!] Problem-Dimensionen (insbesondere der Bereiche Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt) und Blickrichtungen (insbesondere der angebots- bzw. nachfrageseitige [!]
Betrachtungsweise) [erlaubt].“ 2
Freyer hingegen unterscheidet anhand der Kriterien Ort, Zeit und Motiv zwischen verschiedenen Tourismusarten und gelangt so zu folgender Definition: „Tourismus ist der vorübergehende Ortswechsel von Personen, wobei eine unterschiedlich weite Abgrenzung des Begriffes, je nach Entfernung erfolgt [!] (Ort), Dauer (Zeit), Grund oder Anlass (Motiv) des Reisens.“ 3
Diese Definitionen verdeutlichen, dass es unterschiedliche Tourismusarten und Tourismusbegriffe gibt. Für ein Tourismusbarometer, das nicht nur zum Ziel hat, Zahlen für eigene Zwecke zu erheben, sondern vor allem eine optimale Vergleichbarkeit mit Partnern als auch mit Konkurrenten gewährleisten soll, ist es essentiell, einen international anerkannten und standardisierten Tourismusbegriff als Grundlage für das eigene Projekt zu wählen. Nur so wird sichergestellt, dass auch wirklich gleiche Daten für die Berechnungen verwendet werden. Daher formulierte die WTO in ihren Empfehlungen zur Tourismusstatistik im Jahr 1993 eine mittlerweile in den meisten Staaten gültige Version des Tourismusbegriffs, wonach „Tourismus .. die Aktivitäten von Personen [umfasst], die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit- , Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten.“ 4 Diese Empfehlungen wurden in den folgenden Jahren in zahlreichen internationalen Vereinbarungen konkretisiert, mit dem Zweck, die Tourismusnachfrage operationalisierbar zu machen. 5 Schmid weist zurecht darauf hin, dass diese Konkretisierungen teilweise nicht viel Sinn machen, da sie beispielsweise bei dem
1 Vgl. Müller, H., Freizeit und Tourismus, 1997, S. 63.
2 Müller, H., Freizeit und Tourismus, 1997, S. 63.
3 Freyer, W., Tourismus-Marketing, 1999, S. 4.
4 World Tourism Organization / United Nations, Recommendations, 1994, S. 5.
Originaltext: “Tourism comprises the activities of persons travelling to and staying in places outside
their usual environment for not more than one consecutive year for leisure, business and other
purposes.”
5 Vgl. Schmid, F., Tourismusbarometer, 2003, S. 36.
1 Abgrenzung des Themas und themenbezogene Definitionen 4
Punkt „gewohnte Umgebung“ erheblichen Interpretationsspielraum zulassen, indem keine Minimaldistanz genannt wird, innerhalb derer jemand als Einheimischer gilt. Hinzu kommt, dass in der Tourismusstatistik überhaupt nicht erfasst wird, ob sich der Tourist in seiner gewohnten Umgebung befindet oder nicht. 1 Wie obige Ausführungen zeigen, wird schon seit fast 70 Jahren von verschiedensten Organisationen und Autoren am Begriff des „Tourismus“ oder des „Touristen“ gefeilt. Dennoch haben diese Bestrebungen noch nicht dazu geführt, dass unter den vorgenannten Ausdrücken überall das gleiche verstanden wird. Bestes Beispiel hierfür ist die Tatsache, dass in einigen Staaten die Privatvermieter (Beherbergungsbetriebe acht Betten) in die offizielle Tourismusstatistik mit einbezogen werden, in anderen jedoch nicht.
1.2.2 Tourismusbarometer
Der Begriff Tourismusbarometer hat bislang noch keinen Einzug in die Standardwerke der Tourismusliteratur genommen. Man findet ihn deshalb auch nur in Publikationen, die sich speziell mit dieser Thematik auseinandersetzen, also vor allem in Dokumentationen zu bereits verwirklichten Tourismusbarometern. Der Ursprung dieses Begriffes ist nicht geklärt, doch bereits vor der Einführung des Vorarlberger Tourismusbarometers im Jahr 1981 existierten im Feld der Wirtschafts-und Konjunkturforschung sogenannte Stimmungs- und Konjunkturbarometer, die ein Indikator für die aktuelle sowie die zukünftige Situation sind, weshalb wir davon ausgehen, dass die Bezeichnung Tourismusbarometer in Anlehnung an diese Konjunkturforschungsinstrumente gewählt wurde. „Ein Barometer ist ein Gerät zur Messung des Luftdrucks“ 2 und zeigt somit stets den aktuellen Wert an. Dieser ursprünglich aus der Meteorologie stammende Begriff verdeutlicht die angestrebte Aktualität und Messgenauigkeit, welche man sich für ein touristisches Konjunkturforschungsinstrument wünscht. Dabei ist diese Namensgebung unserer Meinung nach nicht unbedingt richtig, da ein Barometer zwar den aktuellen Wert anzeigt, diesen jedoch nicht dokumentiert. Treffender wäre daher die weniger gebräuchliche Bezeichnung „Barograph“, der die Veränderungen der Werte im
1 Vgl. Schmid, F., Tourismusbarometer, 2003, S. 36-37.
2 Brockhaus, Enzyklopädie, 1996, S. 619.
1 Abgrenzung des Themas und themenbezogene Definitionen 5
Zeitverlauf aufzeichnet. 1 Abschließend möchten wir hier erwähnen, dass es eine Vielzahl an verschiedenen Tourismusbarometern gibt, wie zum Beispiel das World Tourism Barometer der WTO oder unterschiedliche regionale Tourismusbarometer weltweit. Erstgenanntes arbeitet jedoch nur die nationalen Statistiken aller Staaten auf und auch die letzteren haben voneinander abweichende Inhalte und Ziele. Der einzige Punkt, der allen gemein ist, ist der Name. Eine der wenigen auf das Projekt „Tourismusbarometer Allgäu“ zutreffenden Definitionen stammt von Schmid, der „das ‚Tourismusbarometer’ [als] .. ein Instrument [bezeichnet], welches eine umfassende und zeitnahe Beschreibung der Nachfrage in den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Tourismusbranche ermöglicht und deren Veränderung zu analysieren vermag.“ 2 Ein Tourismusbarometer soll letztendlich ein Instrument sein, welches vollständige und vergleichbare Daten zur Verfügung stellt, um eine verlässliche Grundlage für Marketing-, Investitions- und Förderentscheidungen zu erhalten.
1.2.3 Monitoring
Monitoring ist ein Begriff der strategischen Frühaufklärung im Rahmen des strategischen Managements. Es bildet hier zusammen mit dem „scanning“ die „environmental analysis“, also die Umweltanalyse, mit dem Ziel, neue Erfolgspotentiale frühzeitig aufzuspüren bzw. als Frühwarninstrument zu fungieren. 3 „Beim Beobachten bereits bekannter Phänomene spricht man vom ‚monitoring’, beim Suchen nach neuen Phänomenen (auch außerhalb der bestehenden Domänen) vom ‚scanning’.“ 4 Nach dieser Definition enthält ein Tourismusbarometer sowohl „monitoring“ - als auch „scanning“ - Bestandteile, da bereits bekannte Größen wie die Beherbergungsstatistik in die Bearbeitungen einfließen, aber auch bislang völlig unbekannte Untersuchungsgebiete des Tourismus wie zum Beispiel der „Graue Beherbergungsmarkt“ 5 berücksichtigt werden.
1 Vgl. The New Enzyclopdia Britannica, 1992, S. 909.
2 Schmid, F., Tourismusbarometer, 2003, S. 97.
3 Vgl. Gabler Wirtschafts-Lexikon, 1988, S. 1779-1780.
4 Gabler Wirtschafts-Lexikon, 1988, S. 1779-1780.
5 „Grauer Beherbergungsmarkt“: Man versteht darunter alle Übernachtungen (Bekannten-
und Verwandtenbesuche, Privatvermieter, Freizeitwohnsitze, Touristik- und Dauercamping),
die nicht in gewerblichen Betrieben getätigt und somit von der amtlichen Statistik nicht
erfasst werden.
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus
Dem WTTC zufolge ist die Tourismuswirtschaft mittlerweile der wichtigste Wirtschaftszweig weltweit, der im Jahr 2004 ca. 74 Millionen Menschen direkt einen Arbeitsplatz bietet. Zieht man die zwischensektoralen Verbindungen
(Vorleistungsbezüge) in Betracht, so haben ca. 215 Millionen Menschen einen Job, der vom Tourismus abhängt. Dies sind 8,1 % aller Arbeitsplätze weltweit. 1 Wie bereits einleitend erwähnt, leistet die Tourismuswirtschaft in Deutschland einen Beitrag von ca. 8 % zum BIP und liegt damit an sechster Stelle hinter der Maschinenbauindustrie. Ein anderes Bild ergibt sich jedoch, wenn man die Beschäftigten in Betracht zieht, da hier mit ca. 2,6 - 2,8 Millionen Erwerbstätigen dreimal so viele Menschen einen Arbeitsplatz besitzen als in der Automobilindustrie. 2 Diese Arbeitsplätze bezeichnet Luft im Jahr 2001 noch „als sicher und krisenfest“ 3 , was sich in Anbetracht der Ereignisse vom 11. September 2001 sowie noch aktuellerer Geschehnisse wie Irakkrieg oder SARS als Trugschluss erweist. Die aktuelle Veröffentlichung des DIHK „Saisonumfrage Tourismus“ prognostiziert dementsprechend auch „stagnierende Beschäftigungszahlen oder sogar weitere Personalanpassungen“. 4 Folglich kann man davon ausgehen, dass der Tourismus zwar weiterhin wachsen wird, jedoch keineswegs mehr linear und mit zweistelligen Zuwächsen, wie es in der Vergangenheit der Fall war.
2.1 Tourismus als Querschnittsbranche
Es gestaltet sich generell schwierig, Aussagen über die Tourismusbranche als Ganzes zu treffen, da sie sich aus den unterschiedlichsten Teilbereichen wie Hotellerie, Gastronomie, Verkehrsträgern, Reisebüros und Reiseveranstaltern, Freizeiteinrichtungen aber auch aus vom Tourismus profitierenden Bereichen wie dem Einzelhandel, Reiseversicherungen, Reiseandenkenläden, u. a.
zusammensetzt. Selbst wenn es für all diese Bereiche eine gemeinsame Statistik
1 World Travel & Tourism Council, Executive Summary, 2004, S. 6.
2 Vgl. Luft, H., Organisation und Vermarktung, 2001, S. 159.
3 Luft, H., Organisation und Vermarktung, 2001, S. 159.
4 Deutscher Industrie- und Handelskammertag, Saisonumfrage, 2004, S. 2.
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus 7
gäbe, bestünde immer noch das Problem, die touristisch relevanten Umsätze von den übrigen zu separieren. Denn natürlich ist ein Gastronom in einem Tourismusort von den Touristen abhängig, ohne die Nachfrage der einheimischen Bevölkerung könnte er aber kaum existieren. Inwieweit es den einzelnen Anbietern jedoch möglich ist, ihre Umsätze auf die unterschiedlichen Nachfragegruppen aufzuschlüsseln, ist fraglich.
Der Tourismuspolitische Bericht der Bundesregierung beschreibt diese Sachlage treffend folgendermaßen: „Die Tourismuswirtschaft ist keine Branche im üblichen Sinne. Sie definiert sich nicht über die Produktion bestimmter Güter, sondern über den Nachfragezweck: Reisen.“ 1
Der selben Meinung ist auch Filip-Köhn, die „.. die Schwierigkeiten einer gesamtwirtschaftlich ausgerichteten Tourismusberichterstattung ... [darin sieht], daß es keine ‚Tourismusbranche’ im üblichen Sinne einer produktionsseitigen Klassifikation gibt. Einige Bereiche, wie das Hotel- und Gaststättengewerbe oder die Eisenbahnen, können als in besonderem Maße tourismusnah eingestuft werden. Aber schon bei diesen Branchen zeigt sich, daß jeweils nur ein Teil ihres Umsatzes dem Tourismus zugerechnet werden kann.“ 2
Um die gesamten touristisch induzierten Umsätze zu berechnen, wird deshalb meist die Nachfrageseite analysiert. Dies geschieht in Form von Gästebefragungen, also Primärerhebungen, in denen die Gäste zu ihrem Ausgabeverhalten am Urlaubsort befragt werden.
2.2 Wirtschaftsfaktor Tourismus in Deutschland
2.2.1 Touristisches Angebot
Die in Abschnitt 2.1 (S. 6) geschilderte Problematik einer Querschnittsbranche hat zur Folge, dass Aussagen über den Gesamtmarkt nur durch Aggregation von Einzelstatistiken, Hochrechnungen und Schätzungen möglich sind. Dies führt fast
1 Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Tourismuspolitischer Bericht, 2003, S. 15.
2 Filip-Köhn, R./Hopf, R./Kloas, J., Wirtschafsfaktor Tourismus, 1999, S. 136-137.
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus 8
immer zu einer unvermeidbaren Verfälschung der Ergebnisse durch Fehleinschätzungen des Datenmaterials. So erfolgt beispielsweise die Ermittlung der Beschäftigungszahlen im Tourismus durch das DIW über „... eine einzige Informationsgrundlage, [die] als relativ zuverlässige ‚Daumenpeilung’ [bezeichnet wird].“ 1 Dies ist zum einen die Größe „Erwerbstätige je eine Mio. BIP“ und zum anderen „Erwerbstätige je eine Mio. BWS“. Legt man dann die Zahlen von 34,817 Mio. Erwerbstätigen und 3.442,8 Mrd. DM BIP bzw. 3.176,1 Mrd. DM BWS im Jahr 1995 zugrunde, errechnet sich bei einem Anteil des Tourismus am BIP von 7,95 % 2 bzw. an der BWS von 7,5 % eine Spanne von 2,6 - 2,8 Mio. Erwerbstätigen im Tourismus. 3 Hinzu kommen noch rund 104.000 Ausbildungsplätze in zwölf Ausbildungsberufen, wovon sechs gastgewerbliche Berufe sind und mehrere Berufsbilder im Transport- und Verkehrsgewerbe und dem Reisemittlerbereich angesiedelt sind. 4
Geht es um die Frage, welche Wirtschaftszweige dem Tourismus zuzurechnen sind, unterscheidet das DIW in seinem Input-Output based Tourism Economic Account (IOTEA = Satellitenkonto) zwischen tourismusnahen Bereichen und „Nicht-Tourismus-Bereichen“, die in der Regel Vorleistungen an die tourismusnahen Bereiche erbringen. Beispiele hierfür sind Land- und Forstwirtschaft, produzierendes Gewerbe, Handel und Verkehr und Dienstleistungsunternehmen. Die tourismusnahen Bereiche sind in elf Kategorien aufgeteilt: • Hotels, Pensionen • Strassenpersonenverkehr • Sonstige gewerbliche Beherbergung • Reiseveranstalter, Reisebüros • Gaststättengewerbe • Kultur, Verlagswesen, Messewesen • Eisenbahnen • Reiseandenken, -mitbringsel • Schifffahrt, Wasserstrassen, Häfen • Kur- und Bäderwesen • Luftverkehr
Eine besonders herausragende Rolle nimmt neben dem Verkehrswesen das Gastgewerbe ein, das sich in Hotels und Pensionen, sonstiges
Beherbergungsgewerbe sowie das Gaststättengewerbe untergliedert. In allen
1 Filip-Köhn, R./Hopf, R./Kloas, J., Wirtschafsfaktor Tourismus, 1999, S. 123.
2 entspricht 273,7026 Mrd. DM bzw. 139,94 Mrd. €
3 Vgl. Filip-Köhn, R./Hopf, R./Kloas, J., Wirtschafsfaktor Tourismus, 1999, S. 123-124.
4 Vgl. Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft, Jahrbuch 2002/2003, S. 56 und 65-66.
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus 9
Beherbergungsbetrieben ab neun Betten wurden im Jahr 2002 338,696 Mio. Übernachtungen 1 getätigt. Geöffnet waren (Stand Juli 2002) 54.372 Betriebe, die 2,509 Mio. Betten anboten. Die durchschnittliche Bettenauslastung lag bei 36,2 %. 2 Für das restliche Gastgewerbe lassen sich solche Aussagen nicht treffen, da hier keine Kapazitäten von der amtlichen Statistik erhoben werden. Es existieren lediglich unregelmäßig durchgeführte Erhebungen im Rahmen der Handels- und Gaststättenzählung. Diese erfolgte zum fünften und bislang letzten Mal im Jahre 1993 mit der erstmaligen Einbeziehung der neuen Bundesländer. Bei dieser Totalerhebung wurden alle Betriebe erfasst, die einen Mindestumsatz von 25.000 DM erwirtschafteten. Die wirtschaftssystematische Zuordnung der Betriebe wurde erstmals nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige, basierend auf der „Statistischen Systematik der Wirtschaftszweige“ der Europäischen Gemeinschaft, durchgeführt. 3
2.2.2 Touristische Nachfrage
Ebenso wie man bei der Berechnung bzw. der Darstellung des Wirtschaftsfaktors Tourismus von der Angebotsseite her auf Schwierigkeiten stößt, ist auch die Nachfrageseite problematisch zu erfassen. Die Tatsache, dass Touristen während Ihres Aufenthaltes unterschiedlichste Güter nachfragen und konsumieren und diese Nachfrage auch noch von Ort zu Ort verschieden ist, hat zur Folge, dass sie nur durch aufwendige Gästebefragungen in der Destination gemessen werden kann. Auch ist nicht jede Tourismusgemeinde finanziell dazu in der Lage, permanente Gästebefragungen durchzuführen, weshalb auch hier wahrscheinlich die Umsätze oft abgeschätzt werden.
Einen Ansatz die touristische Nachfrage zu quantifizieren, unternahm das DIW im Jahr 1999, indem es die Gesamtumsätze im Tourismus im Rahmen des IOTEA nach neun verschiedenen Reisearten aufschlüsselte, deren Anteil am BIP Darstellung 1 dokumentiert.
1 Quelle: Statistisches Bundesamt, 2003.
2 Quelle: Statistisches Bundesamt, 2003.
3 Vgl. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, Jahrbuch, 1998, S. 401-402.
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus 10
Quelle: In Anlehnung an Filip-Köhn, R./Hopf, R./Kloas, J., Wirtschaftsfaktor Tourismus, 1999, S. 106.
Darst. 1: Anteil der Reisearten am BIP in % (1995)
Wie das Schaubild zeigt, nimmt von allen Reisearten der Tagestourismus und damit die Reiseart, die am schwierigsten zu erfassen ist, den größten Anteil am BIP ein. Unter „Informationsinfrastruktur“ versteht das DIW „tourismusnahe Ausgaben im öffentlichen Verbrauch“. Diese wurden im Rahmen des Gutachtens nicht weiter untersucht. Der Export ist dem Incoming - Tourismus gleichzusetzen. 1 Zuverlässige Daten erhält man, wie bereits erwähnt, vor allem aus dem Beherbergungsbereich, der im Jahr 2002 insgesamt 111.058 Mio. Ankünfte mit 338.696 Mio. Übernachtungen verzeichnen konnte. Hiervon wurden 40,655 Mio. Übernachtungen von Ausländern getätigt, was den oben erwähnten touristischen Export repräsentiert. 2 Weitere Daten möchten wir nicht anführen, da zwar branchenspezifische Zahlen existieren, diese aber nicht zwischen touristisch und nicht-touristisch unterscheiden. Beispiel hierfür ist die Deutsche Bahn, die zwar Passagierzahlen veröffentlicht, jedoch nicht weiß, wer zu welchem Zweck reist (z. B. Pendler).
1 Vgl. Filip-Köhn, R./Hopf, R./Kloas, J., Wirtschaftsfaktor Tourismus, 1999, S. 105.
2 Quelle: Statistisches Bundesamt, 2003.
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus 11
2.3 Touristische Wertschöpfung
Die Wertschöpfung lässt Aussagen über den Beitrag des Tourismus als Wirtschaftssektor zum Volkseinkommen eines beliebigen Gebietes, sei es Stadt, großräumige Destination oder Staat, zu. Rütter definiert sie als „... de[n] von einem Unternehmen in einer bestimmten Periode (z. B. in einem Geschäftsjahr) geschaffenen Wertezuwachs. Sie ist die geeignetste Grösse, um die Leistung eines Unternehmens bzw. einer Branche im volkswirtschaftlichen Sinne zu messen.“ 1 Dennoch sind Wertschöpfungsstudien nicht in der Lage, in die Tiefe gehende Aussagen über den tatsächlichen Erfolg von Destinationen bzw. einzelner touristischer Leistungsträger zu treffen. Wertschöpfungsstudien lassen in der Regel nur Globalaussagen zu. Zudem gibt es bislang keine Destinationen, die regelmäßig Wertschöpfungsstudien durchführen und somit über zuverlässige und aussagekräftige Zeitreihen verfügen. Genau hier sehen wir den Ansatzpunkt eines Tourismusbarometers, da dieses zeitnah Informationen über die touristische Nachfrage in einer Destination mit leistungsträgerspezifischen und auch qualitativen Erkenntnissen liefern kann. Trotzdem dienen Wertschöpfungsstudien als wichtige Argumentationsgrundlage, wenn es darum geht, die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in einer Region herauszustellen.
2.3.1 Berechnung der Wertschöpfung Berechnungsgrundlage für die touristische Wertschöpfung ist der
Jahresgesamtumsatz, von dem die Vorleistungen in Form von Waren und Dienstleistungen fremder Wirtschaftseinheiten subtrahiert werden und man somit zur Bruttowertschöpfung gelangt. Zieht man schließlich von der Bruttowertschöpfung Abschreibungen und indirekte Steuern ab, erhält man die Nettowertschöpfung, also die Größe, die das Einkommen aus unselbständiger Arbeit, selbständiger Arbeit und das Vermögenseinkommen aus dem Tourismus repräsentiert. 2
1 Rütter, H./Guhl, D./Müller, H., Wertschöpfer Tourismus, 1996, S. 10.
2 Vgl. Luft, H., Organisation und Vermarktung, 2001, S. 160.
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus 12
Man unterscheidet zwischen direkter und indirekter touristischer Wertschöpfung. Erstere hat ihren Ursprung in den Ausgaben der Touristen an ihrem Urlaubsort, wobei die Ausgaben sowohl bei touristischen Leistungsträgern wie Hotels, Bergbahnen, Ausflugsgaststätten, etc., als auch in anderen Wirtschaftszweigen wie Einzelhandel, Banken, Post, etc., getätigt werden. Man spricht hier von der direkten touristischen Nachfrage bzw. dem direkten touristischen Umsatz. Zieht man hiervon nun wie oben erwähnt die Vorleistungen ab, gelangt man zur direkten touristischen Wertschöpfung. Der indirekte touristische Umsatz bzw. die indirekte touristische Nachfrage hingegen resultieren einerseits aus den an die touristischen Leistungsträger erbrachten Vorleistungen (vor allem Wareneinsatz für die Gastronomie, Bankdienstleistungen, Wäscherei, u. a.) und andererseits aus der Investitionsnachfrage, wovon vor allem das Baugewerbe profitiert. Subtrahiert man davon wiederum die hierfür erbrachten Vorleistungen, erhält man die indirekte touristische Wertschöpfung. 1 Letztendlich errechnet sich die totale touristische Wertschöpfung durch Addition der zuvor berechneten Werte. Den Gesamtzusammenhang zwischen den einzelnen Größen gibt Darstellung 2 wider.
1 Vgl. Rütter, H./Guhl, D./Müller, H., Wertschöpfer Tourismus, 1996, S. 11.
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus 13
Quelle: Rütter, H., u. a., Tourismus im Kanton Bern, 1995, S. 19.
2.3.2 Induzierte touristische Wertschöpfung
Ein weiterer Faktor ist die induzierte touristische Nachfrage, die den Einkommenseffekt bezeichnet. Durch die auf der ersten und zweiten Wertschöpfungsstufe erzielten Umsätze und die daraus resultierenden Gewinne der Unternehmer sowie Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer entsteht Kaufkraft, welche zu Konsum in sämtlichen Wirtschaftszweigen führt und somit wiederum Wertschöpfungsprozesse auslöst. „Der induzierten Wertschöpfung liegen im Gegensatz zur indirekten Wertschöpfung keine technischen Verflechtungen über Lieferanten und Investitionsbeziehungen zu Grunde.“ 1
1 Schmid, F., Tourismusbarometer, 2003, S. 50.
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus 14
„Zur Ermittlung des gesamtwirtschaftlichen Effekts des Tourismus müssen also diese drei verschiedenen wirtschaftlichen Wirkungen [direkte, indirekte, induzierte Wertschöpfung] addiert werden.“ 1
2.3.3 Multiplikatoreffekt
Die Beziehung zwischen der gesamten und der direkten Wertschöpfung lässt sich durch den sogenannten Multiplikator darstellen. Dieser berechnet sich, indem man die gesamte touristische Wertschöpfung durch die direkte touristische Wertschöpfung dividiert. Im Ergebnis erhält man den Wert, um den die gesamte touristische Wertschöpfung größer ist, als die direkte. Beträgt also beispielsweise die gesamte Wertschöpfung 1000 GE und die direkte Wertschöpfung 650 GE, dann hat der Multiplikator einen Wert von 1,538, d. h. auf eine GE direkte Wertschöpfung entfällt zusätzlich das 0,538 -fache an indirekter und induzierter Wertschöpfung. „Der Multiplikator beinhaltet [folglich] die Wirkung des Vorleistungseinkaufs, der ausgelösten Investitionen und der induzierten Wertschöpfung (Einkommenseffekt).“ 2 Letztendlich bewirkt der Multiplikatoreffekt, dass der Wert der ursprünglich durch die Touristen getätigten Ausgaben durch das Auslösen einer Nachfragekette um ein Vielfaches größer wird. 3
2.3.4 Wertschöpfungskette und Erhebungsmethoden
Die Erfassung der Wertschöpfung erfolgt sowohl von der Nachfrageseite als auch von der Angebotsseite. Um erstere zu berechnen, muss man die Gästefrequenzen ermitteln und diese schließlich mit den durchschnittlichen Tagesausgaben pro Person multiplizieren. Man erhält dadurch die Gesamtnachfrage der Touristen. Bei der Angebotsseite sind mehrere Arbeitsschritte notwendig. Zuerst erfolgt die Ermittlung der regionalen Wirtschaftsstruktur und -leistung. Anschließend gilt es, die Tourismusanteile am Umsatz der einzelnen Branchen zu bestimmen. Im dritten
1 Mundt, J. W., Einführung, 1998, S. 372.
2 Schmid, F., Tourismusbarometer, 2003, S. 55.
3 Vgl. Mundt, J. W., Einführung, 1998, S. 372.
2 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus 15
Schritt errechnet man den direkten sowie den indirekten touristischen Umsatz der Branchen aus dem letztendlich die direkte bzw. indirekte touristische Wertschöpfung ermittelt wird. Rütter empfiehlt Plausibilitätsprüfungen zwischen der touristischen Gesamtnachfrage und dem direkten touristischen Umsatz der Branchen. Darüberhinaus weist er auch darauf hin, dass die Berechnung einige nicht zu unterschätzende Tücken enthält, da die Basisgrößen nur zum Teil als offizielle Statistiken vorhanden sind und man deshalb Primärerhebungen durchführen und auf verschiedenste andere Datenquellen zurückgreifen muss. 1 Darstellung 3 veranschaulicht die Erhebungsmethoden und die einzelnen Schritte der Wertschöpfungskette.
Erhebungsmethoden Wertschöpfungskette
Quelle: Rütter, H./Guhl, D./Müller, H., Wertschöpfer Tourismus, 1996, S. 12. Darst. 3: Wertschöpfungskette des Tourismus und Erhebungsmethoden
1 Vgl. Rütter, H./Guhl, D./Müller, H., Wertschöpfer Tourismus, 1996, S. 12.
Arbeit zitieren:
Diplom-Betriebswirt (FH) Timo Zebisch, Ellen Csizmadia, 2004, Tourismusbarometer Allgäu als strategisches Monitoring- und Analyseinstrument, München, GRIN Verlag GmbH
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