6. Politisches Interesse und Engagement 39
6.1 Institutionenvertrauen 42
6.2 Demokratieverständnis 43
6.3 Wahlbeteiligung 44
6.4 Verschiedene Erklärungsmodelle für Wahlverhalten 45
6.4.1 Erklärung der geringen Wahlbeteiligung. 47
6.4.2 Erklärungsversuch der geringen Wahlbeteiligung der 21-
25jährigen........................................................................... 48
6.5 Politische Positionierung. 49
7. Voraussetzungen für jugendliches Engagement 51
8. Fazit 53
Quellenverzeichnis 55
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Hauptprobleme der Jugendlichen
Abbildung 2: Hauptprobleme der 12-14jährigen.
Abbildung 3: Hauptprobleme der jungen Erwachsenen
Abbildung 4: Würdest du dich eher als Jugendliche(r) oder als
Erwachsene (r) bezeichnen?
Abbildung 5: Persönliche und gesellschaftliche Zukunftsprobleme.
Abbildung 6: Freiwilliges Engagement in verschiedenen Alters-.
gruppen
Abbildung 7: Tätigkeitsfelder jugendlichen Engagements.
Abbildung 8: Zusammenhangsanalyse: Interesse an Politik nach
signifikanten sozialen und persönlichen Merkmalen
Abbildung 9: Inhalte des Wesens der Demokratie
Abbildung 10: Wahlbeteiligung bei deutschen Bundestagswahlen
Abbildung 11: Stimmabgabe bei deutschen Bundestagswahlen.
IV
1. Einleitung
„Ja, ja, die Jugend von heute...“
„Das hätten wir uns damals erlauben sollen!“ „Ich wurde noch ganz anders erzogen!“
Solche oder ähnliche Aussagen sind sicher jedem bekannt. Die Jugend gibt in den Augen der älteren Generationen schon immer Grund zur Sorge und Skepsis. Mit ihren neuen eigenen Ideen, Vorstellungen und Ansichten bringen die Nachwachsenden das etablierte und erprobte Gerüst von Kultur und Gesellschaft ins Wanken. Verständlicherweise entstehen bei den Älteren Ängste und Vorbehalte, wenn die ihnen vertrauten Strukturen aufzuweichen drohen. Zwischen den Generationen scheint eine Entfremdung stattzufinden. Kinder und Jugendliche werden nicht selten als die Schuldigen für unsere schnelllebige Ellenbogengesellschaft dargestellt. Ihnen wird der Verlust von Werten und zunehmende Egozentrik vorgeworfen.
Die Situation heutiger Kinder und Jugendlicher ist nicht mehr eindeutig. Die Älteren können die nachfolgende Generation nicht mehr verstehen, aber auch die Jugendlichen selbst haben Probleme sich zurechtzufinden. Ellen Key bezeichnet das 20. Jahrhundert als das „Jahrhundert des Kindes“. (Key, 1991) Genauso können wir es als das „Jahrhundert der Jugend“ betrachten. Zu keinem früheren Zeitpunkt wurde Jugend so ausführlich diskutiert und untersucht wie in den letzten Jahren. Trotz aller Warnungen vor den unsozialen, egoistischen und oberflächlichen Heranwachsenden hat sich das Konstrukt „Jugend“ auch in der Erwachsenenwelt durchgesetzt. Man strebt danach, sich seine Jugendlichkeit zu bewahren, denn Jugendlichkeit wird gleichgesetzt mit Attraktivität und Agilität. Wem ist der Kult um junges Aussehen und jugendliche Fitness nicht allgegenwärtig?
Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, ob die heutige junge Generation tatsächlich so negativ eingestellt ist, wie allgemein behauptet wird. Haben wir es wirklich mit jungen Menschen zu tun, die jegliches Interesse an
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sozialem und politischen Engagement verloren haben und nur noch an sich selbst und ihr eigenes Wohlergehen denken? Erleben wir tatsächlich einen Werteverfall oder muss man vielmehr von einem Wertewandel sprechen?
Engagieren junge Bürger sich gar nicht mehr oder nur in anderen als den traditionellen Formen?
Unter welchen Bedingungen sind Jugendliche bereit, Arbeit und Zeit für soziale oder politische Belange außerhalb ihres privaten Umfeldes aufzuwenden?
Diesen Fragen soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden. Um einen Ausgangspunkt zu schaffen, werden im zweiten Kapitel zunächst verschiednen Begriffserklärungen vorgestellt. Im dritten Kapitel werden die Vorurteile aufgezeigt, die es bezüglich der Kinder und Jugendlichen gibt. Der Generationenkonflikt wird kurz erläutert. Um ein genaueres Bild zu zeichnen, stellt das vierte Kapitel die Entstehung, Entwicklung und Veränderung des Konstruktes „Jugend“ dar. Weiterhin gehe ich auf die veränderte Lebenslage von Jugendlichen und den angeblichen Werteverfall ein.
Das fünfte Kapitel befasst sich mit ehrenamtlichem Engagement. Hier soll ein genaueres Bild der freiwilligen Aktivitäten Jugendlicher entstehen. Im darauf folgenden sechsten Kapitel wird das politische Engagement näher betrachtet. Es soll über Demokratieverständnis, Wahlbeteiligung und Parteipräferenzen Auskunft geben.
Die Bedingungen unter denen Jugendliche bereit sind, sich freiwillig einzusetzen, stellt das siebte Kapitel dar. Als Abschluss folgt ein Fazit, in dem ich meine Haltung darlege und begründe.
Es gestaltete sich recht schwierig konkrete Zahlenreihen, vor allem für das Kapitel „Ehrenamtliches Engagement“ zu beschaffen. Die vorhandenen Datensätze haben zumeist verschiedene Basen, so dass ein Vergleich nur unter Vorbehalt möglich ist.
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Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, ein aktuelles Bild der heutigen Jugend zu zeichnen und darzustellen, dass sie im Grunde nicht viel anders ist, als die Jugendlichen der früheren Generationen.
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2. Erklärung des Begriffs „Jugend“
Die Zeit der Jugend ist eine Übergangsphase zwischen Kindheit und Erwachsensein. Um zu verdeutlichen, was im vorliegenden Text unter dem Begriff „Jugend“ zu verstehen ist, sollen zu Beginn verschiedene Definitionen vorgestellt werden.
Im Brockhaus (Bd.11 1996) wird Jugend definiert als „...ein bestimmter Lebensabschnitt oder ein gruppenspezifisches Verhaltensmuster dieser Phase, auch die jeweilige Generation in diesem Lebensalter; im Rahmen einer genaueren Begriffsbestimmung ist Jugend eine komplexe Erscheinung, die sowohl auf historisch, sozial und kulturell (auch religiös und ökonomisch) geprägt als auch in ihrer Existenz selbst an bestimmte Formen sozialer Evolution gebunden ist; insofern ist Jugend keineswegs anthropologisch gegeben oder universal anzutreffen...“. Dieser Definition zufolge ist Jugend also dem Wandel der Zeit unterlegen und ändert sich von Generation zu Generation. Im Gesetzestext werden alle Bürger im Alter von 14-18 Jahren als „Jugendliche“ bezeichnet. Hier ist der Begriff „Jugend“ eindeutig über das Alter definiert und besondere Lebensumstände finden nur in Ausnahmefällen Beachtung.
Der Beginn des Jugendalters wird biologisch durch das Einsetzen der Pubertät festgelegt. Das Ende ist gekennzeichnet durch das Erreichen der ökonomischen und soziokulturellen Unabhängigkeit . Es ist daher mehr eine Definitionsfrage wann das Jugendalter endet. Helmut Remschmidt (1986, S.18) unterscheidet fünf Komponenten der Jugend- oder Adoleszenzzeit: 1. biologische Komponente (körperliche Veränderungen) 2. psychologische Komponente (individuelle psychische Vorgänge) 3. psycho-soziale Komponente (intergruppales Verhalten) 4. transkulturelle Komponente (Wahrnehmung der Jugendphase in Abhängigkeit von soziokulturellen Verbindungen)
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5. rechtliche Komponente (Sicherung einer rechtlich gesicherten Position)
„Jugend“ ist semantisch unklar belegt, es kann die biologische Alterspanne gemeint sein oder die nachfolgende jüngere Generation. Ebenso wird Jugend als Reifungsphase unter psychologischen, als soziokulturelle Entwicklung unter historischen oder als Erziehungsaufgabe unter pädagogischen Gesichtspunkten betrachtet.
In den letzten Jahrzehnten ist die Jugend immer stärker als Problemfeld in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten.
In der sozialwissenschaftlichen und pädagogischen Literatur herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass „jugendlich sein“ kein naturgegebener Zustand ist. Zu jeder Zeit wurde und wird diese Phase des Heranwachsens und Hineinwachsens in eine Gesellschaft durch jene formal bestimmt.
Sollte das Alter nicht ausdrücklich erwähnt werden, werden im Folgenden unter den Begriff „Jugendliche oder junge Erwachsene“ alle 12-30jährigen gefasst. Eine Ausnahme stellt das fünfte Kapitel dar, hier sind nur die 18-25jährigen gemeint.
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3. Werden Kinder zu Egoisten erzogen?
In diesem Kapitel sollen Voraussetzungen und Bedingungen von Erziehung in und durch Schule, Medien und Familie erläutert werden. Jugend scheint immer mehr zu verkommen, alte Werte haben keine Gültigkeit mehr und neue sind nicht in Sicht. Gleichgültig, rücksichtslos und ichbezogen leben Kinder und Jugendliche ihr Leben, ohne sich um das Gemeinwohl zu kümmern. Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man das Buch „Der Erziehungsnotstand“ (2001) von Petra Gerster und Christian Nürnberger liest. „Viele Kinder sind heute nur noch bedingt gesellschaftsfähig“ konstatieren sie (ebd., S.50) und machen damit auf Vorurteile aufmerksam, die wohl jedem bekannt sein dürften. Ungeduldig und nicht mehr in der Lage zurückzustecken, fordern Kinder ein, was sie haben möchten. Sie sind zunehmend sprachlich und motorisch gestört, die Gewaltbereitschaft nimmt zu und in den Schulen tummeln sich verhaltensauffällige Schüler, die nicht mehr in der Lage sind, sich an Regeln zu halten. Gerster/Nürnberger wollen mit ihrem Buch darauf aufmerksam machen, dass die Debatte um Erziehung und deren notwendige Reformen öffentlich geführt werden muss. Erziehung ist keine Privatsache, sondern betrifft die ganze Gesellschaft.
3.1 Die Situation in der Schule
Gerster/Nürnberger halten die Struktur der Schulbildung für problematisch, da unser Bildungssystem zu sehr auf die Interessen und Ansprüche der Wirtschaft ausgerichtet ist. Die Politik reagiert nicht auf die Hilferufe der Lehrer und Eltern. In den Schulen findet man überforderte und ausgebrannte Lehrer, zu große Klassen und zu wenig unterstützendes Personal. Insbesondere die Lehrer haben einen schweren Stand, da sie oftmals ohne reglementierende Handhabe dastehen. Die Eltern stellen
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sich auf die Seite ihres Schützlings und können sich gar nicht vorstellen können, dass ihr Kind in der Schule aus dem Rahmen fällt. Wo die Abstimmung zwischen Eltern und Lehrern jedoch nicht klappt oder sogar gegeneinander gearbeitet wird, kann Erziehung nur im Chaos enden.
Mittlerweile wird Schule mit Aufgaben betraut, die sie nicht zu leisten vermag. Statt Kinder an Regeln zu gewöhnen und sie zu deren Einhaltung zu erziehen, werden die Regeln geändert, um den Kindern das Leben zu erleichtern, bemängelt auch Susanne Gaschke (2001). Als Beispiel führt sie die Rechtschreibreform ins Feld. Früher waren die Schüler auch in der Lage, die deutsche Rechtschreibung und Grammatik zu erlernen. Sie stellt sich deshalb die Frage, wieso das heute so große Probleme bereitet, dass man kurzerhand die altbekannten Regeln abschafft und durch neue (leichtere?) ersetzt.
Die Kinder sollen gebildet, erzogen und zu systemintegrierten Mitbürgern gemacht werden. Da die Schule allerdings kein „Reparaturbetrieb“ (Gerster/Nürnberger 2001, S.205) für unsere Gesellschaft sein kann, darfs sie an dieser Stelle nicht alleingelassen werden. Maria Fölling-Albers stellt in ihrem Buch „Schulkinder heute“ (1995) fest, dass Lehrer ihre Schüler anders erleben als früher. Es gibt mehr Kinder, die große Konzentrationsschwierigkeiten haben und die nicht mehr auf gewohnte pädagogische Maßnahmen reagieren. Die weniger strenge, liberalere Umgangsweise in den Schulen trägt hierzu ihren nicht geringen Teil bei. Gerade Grundschullehrer verbringen mehr Zeit mit erzieherischen Tätigkeiten als früher, da die Kinder als ichbezogener und weniger rücksichtsvoll empfunden werden. Deshalb sprechen sich in der Befragung von Fölling-Albers die meisten Lehrer für den Besuch einer vorschulischen Institution wie Kindergarten oder Vorschule aus. Dort soll nicht schulisches Wissen, sondern vor allem soziale Kompetenz gelernt und geübt werden.
Eine markante Veränderung während der letzten 20 Jahre stellt ein Großteil der Lehrer auch bezüglich des Individualisierungsprozesses der Kinder fest. Zwar sind die Schülerzahlen der Klassen gesunken, der Betreuungsaufwand für den einzelnen Schüler im Gegensatz dazu ist
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jedoch gestiegen. Die Schüler fordern verstärkt die ungeteilte Aufmerksamkeit des Lehrers ein. Da sie von zu Hause gewohnt sind, im Mittelpunkt zu stehen, müssen sie in der Schule erst einmal lernen auf die Bedürfnisse ihrer Mitschüler Rücksicht zu nehmen.
3.2 Einfluss der Medien
Einen Grund für die schlechterzogene junge Generation sehen Gerster/Nürnberger unter anderem im Fernsehen. Unter dem Druck möglichst hohe Einschaltquoten zu erzielen, sei es mittlerweile verkommen zu einem „Fernsehen für Debile“ (ebd. 2001, S.116). Außerdem mangelt es einem Kind, das viel vor dem Fernseher sitzt an Bewegung und an Zeit, die es mit seinen Freunden verbringen könnte. Gleiches gelte im Übrigen für alle Arten von Telespielen. Immer häufiger begegnen wir dem Problem ADS („Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom“). Marianne Sorg führt diese “Modediagnose“ ebenfalls auf den zu großen Medienkonsum und mangelnde Erziehung zurück (ebd. S.60).
Da Kinder bis zum 10. Lebensjahr nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden könnten (ebd. S.113), sehen die Autoren eine vom Fernsehen ausgehende Gefahr der Nachahmung von Gewalttaten. Obwohl ein Zusammenhang zwischen Gewaltdarstellung und tatsächlich ausgeführter Gewalt wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden kann, stellen Gerster und Nürnberger die Frage „...was, wenn nicht die Medien, bei Kindern das Interesse an Gewalt weckt.“ (ebd. S.113). Diese Vermutung wurde auch im Fall des Amoklaufes in Littleton (20.04.1999) aufgestellt. Zwei 17 und 18 Jahre alte Schüler töteten 12 ihrer Mitschüler und einen Lehrer. Danach erschossen sie sich selbst. Bei der anschließenden Durchsuchung ihrer Zimmer fand die Polizei Gewaltvideos. Ob diese Videos die Ursache oder den Anlass der Bluttat lieferten, ist jedoch nicht klar. In der sozialwissenschaftlichen Literatur finden sich zwei gegenläufige Thesen: Animieren Gewaltdarstellungen in
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den Medien zu realen Taten oder werden Gewaltdarstellungen nur von Personen konsumiert, die sowieso Gewalt befürworten? Der niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer spricht in gegenüber dem ZDF-Morgenmagazin sogar von einer “Medienverwahrlosung“ (stern.de 2004) Er fordert mehr Ganztagsschulen um den ungehinderten Zugang der Kinder zu Fernsehen, Internet und Videospielen zu unterbinden. Den Eltern wirft er vor, den Jugendschutz zu unterlaufen, indem sie die Mediennutzung ihrer Kinder zu wenig kontrollieren.
3.3 Werden Jugendliche zunehmend kriminell?
Gewalt ist ein Thema, mit dem unsere Gesellschaft zunehmend zu kämpfen hat. Christian Peiffer warnt vor einer „Verfestigung krimineller Karrieren“, die nicht mehr als vorübergehende Erscheinung im Jugendalter gewertet werden kann (Gerster/Nürnberger 2001, S.105). Aus dem Statistischen Jahrbuch von 2003 geht hervor, dass zwar in der Zeit von 1980 bis 1990 die Zahl der verurteilten Jugendlichen im Alter von 14-18 Jahren von ca. 80 000 auf weniger als die Hälfte gesunken ist, dann jedoch bis zum Jahr 2001 wieder anstieg auf ca. 50 000. Ob dieser Anstieg tatsächlich auf zunehmend kriminellere Jugendliche
zurückzuführen ist, geht aus den Zahlen nicht hervor. Der Anstieg könnte auch durch ein verändertes Anzeigeverhalten zu erklären sein. Während die Menschen früher viele Dinge unter sich regelten, wird heute schneller bei der Polizei angerufen und Anzeige erstattet.
3.4 Erziehung ohne männlichen Einfluss
Jungen sind besonders gefährdet auf die kriminelle Bahn zu geraten. Laut Gerster/ Nürnberger liegt eine Ursache darin, dass in der frühen kindlichen Erziehung bis etwa zum 10. Lebensjahr Männer nur eine sehr geringe
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Rolle spielen. Der Vater ist als Ernährer der Familie meistens in seinem Beruf stark eingespannt, in Grundschulen findet man fast nur Lehrerinnen, in Kindergärten sind männliche Kindergärtner gar eine Rarität. Den Jungen fehlt die männliche Bezugsperson und somit die Möglichkeit, eine gesunde männliche Identität aufzubauen. Das Autorenpaar ist er Ansicht, dass Jungen deshalb „destruktiver, lauter und aggressiver sind als Mädchen“ (ebd. S.88). Sie profilieren sich durch übertrieben männliches Gehabe, um ihre Dominanz zu beweisen.
3.5 Der Generationenkonflikt
Friedrich H. Tenbruck (in: Remschmidt 1986) sieht das Problem bezüglich der Jugend hauptsächlich in der „Verständniskluft“ (S.29), die sich seiner Ansicht nach in Zukunft noch vertiefen wird. Unterschiedliche, wenn nicht sogar gegensätzliche Vorstellungen von Lebensgestaltung treffen aufeinander und machen den Dialog unmöglich. Tenbruck stellt die Frage: „Ist Jugend das Ergebnis gesellschaftlicher Lagen oder gesellschaftlichen Versagens?“ (ebd. S.30). Sind die Probleme, die auch er festgestellt hat „hausgemacht“ oder Folgen einer nicht zu verhindernden Entwicklung der modernen Gesellschaft? Kritisch äußert er sich zu der Auffassung, dass „Jugend schon immer so gewesen sei.“ Darin sieht er nur die Rechtfertigung, sich nicht weiter um das Verhalten der jungen Generation kümmern zu müssen. An dieser Stelle drängt sich die Frage auf, ob man nicht genauso von egozentrischen Erwachsenen sprechen kann. Entschieden hält der Autor fest, dass es keine „natürliche“ Jugendphase gibt und man sich deshalb sehr wohl mit den jungen Bürgern auseinandersetzen muss.
Durch die Übernahme bestimmter Aufgaben in der Erziehung und Ver-sorgung Jugendlicher durch den Staat, verliert die Elterngeneration gewisse Fürsorgeverpflichtungen. Gleichzeitig haben Mutter und Vater immer weniger Zeit für ihren Nachwuchs, weil nicht selten beide Elternteile arbeiten. Daher verbringen Jugendliche vermehrt Zeit mit Gleichaltrigen.
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Arbeit zitieren:
Andrea Hamann, 2004, Die Jugend von heute - Eine Generation von Ichlingen?, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
Stereotyping as a phenomenon in intercultural communication
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