Inhaltsangabe
I. Einleitung 4
II. Georg Simmel - Zur Person. 5
III. Der Krieg und die geistigen Entscheidungen - Zusammenfassung. 7
III.1. Deutschlands innere Wandlung 7
III.2. Die Dialektik des deutschen Geistes 11
III.3. Die Krisis der Kultur 13
III.4. Die Idee Europa. 16
IV. Diskussion 18
IV.1. Die Einstellung zum Krieg. 18
IV.2. Das „überflüssige Wissen“ 20
IV.3. Simmel als „Europäer“ 21
IV.4. Anlehnung an den Nationalismus? 22
V. Quellen 23
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I. Einleitung
Die vorliegende Arbeit behandelt die Schriften und Vorträge von Georg Simmel, die unter dem Titel „Der Krieg und die geistigen Entscheidungen“ erschienen sind. Anfangs, also in Kapitel II, wird kurz biographische Information zur Person Georg Simmels erläutert, was dem besseren Verständnis und Beurteilung der Texte dienlich sein soll. Abstammung, Religionsbekenntnis und Universitäts-Karriere Georg Simmels sind nämlich nicht unwichtig und sollten beim Lesen seiner Lektüre im Hinterkopf behalten werden. In Kapitel III wird „Der Krieg und die geistigen Entscheidungen“ zusammengefasst. Das Werk besteht aus vier Teilen: „Deutschlands innere Wandlung“, eine Rede vom November 1914, steht am Anfang. Der Aufsatz „Die Dialektik des deutschen Geistes“ und der Vortrag „Die Krisis der Kultur“, beide aus dem Jahr 1916, folgen. Den Abschluss bildet der kurze Aufsatz „Die Idee Europa“ aus dem Jahr 1915.
Nach der Zusammenfassung werden in Kapitel IV die Texte erläutert und diskutiert. Was sind die Grundzüge? Inwieweit haben sich die Ideen und Einstellungen Simmels im Laufe des Ersten Weltkrieges verändert? Wo sieht Simmel die Vorteile des Krieges? Ist er ein Kriegsbefürworter? Gibt es eine Nähe zum Nationalismus? Und wie steht Simmel zum Internationalismus? Ich habe versucht diese und weitere Fragen zu beantworten.
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II. Georg Simmel - Zur Person
Georg Simmel kam am 1. März 1859 als jüngstes von sieben Geschwistern in Berlin zur Welt. Edward Simmel, der Vater von Georg, wurde 1810 in Breslau geboren. Der Kaufmann heiratete 1838 Flora Bodstein (ebenfalls aus Breslau) und gründete nach der Übersiedlung nach Berlin die Schokoladenfabrik „Felix und Sarotti“. Simmels Eltern waren jüdischer Herkunft, konvertierten aber beide zum Christentum. Er selbst war evangelisch getauft und erzogen, allerdings trat er während des Ersten Weltkrieges aus der Kirche aus. 1 Simmels Vater verstarb früh, woraufhin die Familie den Begründer und Inhaber der Musikedition Peters, Julius Friedländer, zum Vormund bestimmte. „Friedländer, zu dem Simmel ein väterliches Verhältnis hatte, vermachte ihm später einen Grossteil seines Vermögens. Dieses sicherte Simmel in seiner Zeit als Privatdozent das Überleben.“ 2 Im Jahr 1876 begann Simmel das Studium der Geschichte und der Philosophie an der Universität Berlin. Im Jahre 1885 habilitierte er mit der Schrift „Kantische Studien“ im Fach Philosophie und wurde zum Privatdozenten ernannt. Seine Lehrveranstaltungen avancierten aufgrund der überragenden rethorischen Fähigkeiten Simmels schnell zu einem gesellschaftlichen Ereignis, das auch zahlreiche nichtakademische Zuhörer anzog - zum Missfallen vieler Kollegen. 1890 heiratete Georg Simmel Gertrud Kinel. Mittlerweile war Simmels Haus ein Treffpunkt des Berliner Kulturlebens geworden, zum Freundeskreis zählten unter anderem die Dichter Rainer Maria Rilke und Stefan George. Mit der im selben Jahr erschienenen Schrift „Über soziale Differenzierung. Soziologische und psychologische Untersuchungen“ begründete Simmel die Sozialpsychologie. Ein Jahr nach der Heirat, also 1891, wurde Georg Simmels Sohn, Hans, geboren. Die uneheliche Tochter Angela, die aus der Verbindung zu seiner Studentin Gertrud Kantorowicz entstammt, hatte Simmel aus Liebe zu seiner Frau nie gesehen. 3
1 Vgl. Bürgi, Mirjam: Die Moderne im Verständnis von Georg Simmel, Soziologisches Institut der Universität
Zürich, online: http://socio.ch/sim/index_sim.htm, letzter Zugriff: 30. Juni 2004.
2 Bürgi, Mirjam: Die Moderne im Verständnis von Georg Simmel, Soziologisches Institut der Universität Zürich,
online: http://socio.ch/sim/index_sim.htm, letzter Zugriff: 30. Juni 2004.
3 Vgl. Deutsches Historisches Museum Berlin, online: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SimmelGeorg/,
letzter Z ugriff 30. Juni 2004; vgl. auch: Soziologisches Institut der Universität Zürich, online:
http://socio.ch/sim/bio.htm, letzter Zugriff: 30. Juni 2004; vgl. auch: Bürgi, Mirjam: Die Moderne im
Verständnis von Georg Simmel, Soziologisches Institut der Universität Zürich, online:
http://socio.ch/sim/index_sim.htm, letzter Zugriff: 30. Juni 2004.
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1894 erschien der Aufsatz „Das Problem der Soziologie.“ Darin entwarf Simmel das Programm der Soziologie als selbständiger Wissenschaft. 1898 wurde ein Antrag der Philosophischen Fakultät auf Erteilung eines Extraordinariats eingebracht. Der Antrag scheiterte am Widerstand des Kultusministeriums - neben antisemitischen Motiven spielte wohl auch Simmels Außenseiterposition an der Universität eine Rolle. Zwei Jahr e später wurde ein neuerlicher Antrag dann angenommen. Nicht nur deswegen war das Jahr 1900 außerordentlich wichtig für Georg Simmel. Sein Hauptwerk „Philosophie des Geldes“ erschien im selben Jahr, darin thematisierte er die Vervielfachung unpersönlicher Beziehungen in modernen Gesellschaften und die Konsequenzen für das Individuum. Trotz diesem Werk hatte Simmel auch später immer wieder mit Anfeindungen zu kämpfen. So wollte die Philosophische Fakultät der Heidelberger Universität eine vakante Professur mit ihm besetzen, was wiederum am Widerstand gegen seine Person scheiterte - und wiederum war der Widerstand vor allem antisemitisch bergründet. 4
Im Jahr 1908 verfasste Simmel die Schrift „Soziologie : Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung.“ Darin etablierte er die Mikrosoziologie, mit der erstmals auch Objekte des Alltagslebens wissenschaftlich erörtert werden konnten. 1911 verlieh die Fakultät für Staatswissenschaften der Freiburger Universität Simmel die Ehrendoktorwürde, und 1914 erhielt er einen Lehrstuhl an der Straßburger Universität. Im Ersten Weltkrieg näherte sich Simmel teilweise nationalistischen Positionen an und verlieh dem weit verbreiteten Unbehagen an der Kultur Ausdruck. 5
Am 26. September 1918 starb Georg Simmel in Straßburg an Leberkrebs.
4 Vgl. Deutsches Historisches Museum Berlin, online: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SimmelGeorg/,
letzter Zugriff 30. Juni 2004.
5 Vgl. Deutsches Historisches Museum Berlin, online: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SimmelGeorg/,
letzter Zugriff 30. Juni 2004.
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III. Der Krieg und die geistigen Entscheidungen - Zusammenfassung
„Der Krieg und die geistigen Entscheidungen“ besteht - wie oben erwähnt - aus vier Hauptteilen: „Deutschlands innere Wandlung“, „Die Dialektik des deutschen Geistes“, „Die Krisis der Kultur“ und „Die Idee Europa.“
Die Schriften und Reden entstanden von 1914 - 1916, also in einer höchst prekären machtpolitischen Situation. Im Jahre 1914 hatte der Erste Weltkrieg begonnen, Deutschland war schnell in einen Zwei-Fronten Krieg verstrickt. In dieser politisch angespannten Lage entstanden diese Reden und Aufsätze Simmels. Im Folgenden sollen diese inhaltlich zusammengefasst und erläutert werden.
III.1. Deutschlands innere Wandlung
Hierbei handelt es sich um eine Rede, gehalten in Straßburg im November 1914. Im Juli desselben Jahres hatte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärt, und im August erklärte Deutschland Frankreich und Russland den Krieg.
Gleich am Anfang der Rede geht Simmel darauf ein und beschreibt die Erschütterung, die mit der Erklärung dieses Krieges „über jede Seele in Deutschland“ gekommen ist. Ebenso thematisiert er die Tatsache, dass Probleme und menschliche Schicksale im Angesicht dieser neuen Ereignisse plötzlich ganz „dünn und schmal“ geworden sind. Der Krieg überschattet alles. Simmel stellt klar, dass es das Deutschland, das er und seine Zeitgenossen gewohnt waren, nicht mehr gibt und nie mehr geben wird. Simmel zeigt sich sicher, dass sich alles fundamental ändern wird, weiß aber nicht wie oder in welche Richtung.
6 Simmel, Gesamtausgabe Band 16, S. 13.
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Arbeit zitieren:
Bernhard Hagen, 2004, Georg Simmel: Der Krieg und die geistigen Entscheidungen, München, GRIN Verlag GmbH
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