Die 70er – ein Jahrzehnt, das in Österreich große Veränderungen mit sich brachte. Sowohl politisch als auch in anderen Bereichen. Keine Person wird in Österreich so sehr mit den 70er Jahren identifiziert wie Bruno Kreisky. Auf umweltpolitischer Ebene stellt die Volksabstimmung um die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks in Zwentendorf das einschneidenste Ereignis dar. Diese Volksabstimmung bedeutete eine Kehrtwendung in der Atompolitik, und gleichzeitig war sie ein herber Rückschlag für den Bundeskanzler Kreisky persönlich und für die SPÖ generell. Dieses Ereignis polarisierte die Massen in einer eindrucksvollen Art und Weise. Welche Geschehnisse führten zu der Volksabstimmung in Zwentendorf? Wie wandelte sich die Meinung der Österreicher und Österreicherinnen? Was war ausschlaggebend für den Ausgang der Abstimmung? Welche Konsequenzen hatte die Abstimmung, welche Auswirkungen sind sogar noch heute feststellbar? Was passierte mit dem etwas weniger bekannten zweiten geplanten Atomkraftwerk St. Pantaleon?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. AKW Zwentendorf
2.1 Die Geschehnisse im Vorfeld der Zwentendorf-Volksabstimmung
2.2 Volksabstimmung - Begriffsklärung
2.3 Die Zwentendorf-BefürworterInnen
2.4 Die Zwentendorf-GegnerInnen
2.5 Am Vorabend der Volksabstimmung
2.6 Das Ergebnis der Volksabstimmung
2.7 West-Ost-Gefälle
3. Gemeinschaftskraftwerk Stein - St. Pantaleon – das zweite AKW
4. Atommüll – Die Gretchenfrage
5. Resümee
6. Anmerkungen
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die historische Volksabstimmung über das Atomkraftwerk Zwentendorf im Jahr 1978 als zentrales Ereignis der österreichischen Umweltpolitik und direkte Demokratie. Dabei werden die politischen Hintergründe, die Polarisierung der Gesellschaft und die Rolle des Bundeskanzlers Bruno Kreisky analysiert.
- Die Entwicklung der Atompolitik in Österreich in den 1970er Jahren.
- Die gegensätzlichen Positionen und Wahlkampfstrategien der Befürworter und Gegner.
- Das "West-Ost-Gefälle" beim Abstimmungsverhalten der Bevölkerung.
- Die Bedeutung der ungeklärten Atommüll-Lagerung als zentrales Argument der Anti-Atom-Bewegung.
- Das Scheitern des zweiten geplanten AKW-Standorts St. Pantaleon.
Auszug aus dem Buch
2.4 Die Zwentendorf-GegnerInnen
Der Widerstand gegen die Atomkraft wuchs in Österreich immer mehr an. Zum einen waren den Menschen die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki noch in klarer Erinnerung. Auch wenn nun die Atomkraft friedlich genutzt werden sollte, für viele blieb ein mehr als bitterer Beigeschmack. Und außerdem schien das Problem der Lagerung des Atommülls immer noch ungelöst zu sein. Solche und ähnlich Bedenken lösten goße Diskussionen und später auch Demonstrationen aus.
So fand am 6. September 1970 eine Sternfahrt mit anschließender Protestkundgebung von 300 TeilnehmerInnen in Zwentendorf statt. Im Jahre 1971 begann in Vorarlberg der Widerstand gegen das in der Schweiz geplante Atomkraftwerk Rüthi. So demonstrierten zum Beispiel in Feldkirch 20.000 (!!!) Atomkraftgegner. Auch in den folgenden Jahren wurden in Vorarlberg Protestmärsche entlang der Schweizer Grenze durchgeführt. 1974 wurden 75.000 Unterschriften gegen das in Enns geplante AKW St. Pantaleon (siehe dazu 3.) gesammelt. Im Juni 1977 schließlich demonstrierten 3000 Personen in Allentsteig gegen eine dort geplante Atommülldeponie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die politische Relevanz der 1970er Jahre in Österreich und stellt die Volksabstimmung über Zwentendorf als Zäsur in der österreichischen Atompolitik vor.
2. AKW Zwentendorf: Dieses Kapitel analysiert den Prozess von der gesetzlichen Grundlage über den Wahlkampf bis hin zum Abstimmungsergebnis und den regionalen Unterschieden.
3. Gemeinschaftskraftwerk Stein - St. Pantaleon – das zweite AKW: Es wird das Scheitern des zweiten geplanten AKW-Projekts in Österreich und die damit verbundenen finanziellen Verluste thematisiert.
4. Atommüll – Die Gretchenfrage: Dieses Kapitel zeigt auf, warum die ungelöste Entsorgungsfrage den entscheidenden Ausschlag gegen die Akzeptanz der Kernkraft in der Bevölkerung gab.
5. Resümee: Der Autor zieht ein Fazit über die Bedeutung der Abstimmung für die Entwicklung der österreichischen Umweltpolitik und die demokratische Kultur.
6. Anmerkungen: In diesem Kapitel werden die im Text verwendeten Quellen und weiterführende Belege aufgelistet.
Schlüsselwörter
Zwentendorf, Volksabstimmung, Atomkraft, Österreich, Bruno Kreisky, Umweltpolitik, Atommüll, Widerstand, Anti-Atom-Bewegung, St. Pantaleon, direkte Demokratie, Energiepolitik, 1970er Jahre, Kernenergie, Wahlergebnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf im Jahr 1978 und deren Auswirkungen auf die österreichische Politik und Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der politische Entscheidungsprozess, die Rollen der Parteien und Verbände, die Formierung der Anti-Atom-Bewegung sowie das Erwachen des Umweltbewusstseins.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Ursachen für den Ausgang der Abstimmung zu ergründen und die langfristigen Folgen für den österreichischen Atom-Ausstieg sowie die Bedeutung für die direkte Demokratie zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Untersuchung unter Einbeziehung von Literatur, zeitgenössischen Argumenten, Dokumenten der Abstimmung und einer Analyse des medialen und politischen Kontextes der Zeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des AKW-Projekts Zwentendorf, die Akteure des Wahlkampfs, den Widerstand der Zivilgesellschaft sowie die regionale Aufschlüsselung der Abstimmungsergebnisse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Zwentendorf, Volksabstimmung, Anti-Atom-Politik, Umweltbewusstsein, Bruno Kreisky und direkte Demokratie.
Warum spielt das "West-Ost-Gefälle" eine so große Rolle?
Das Gefälle ist entscheidend, da das Ergebnis regional stark divergierte – der Westen lehnte das Projekt deutlich stärker ab, was auf parteipolitische, wirtschaftliche und kulturelle Faktoren zurückzuführen ist.
Welche Bedeutung hatte das Projekt St. Pantaleon für das Zwentendorf-Fiasko?
St. Pantaleon gilt als zweites großes finanzielles und politisches Fiasko, da bereits erhebliche Summen investiert wurden, bevor das gesamte Atomprogramm nach der Zwentendorf-Abstimmung gestoppt wurde.
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- Bernhard Hagen (Author), 2001, Zwentendorf und St. Pantaleon - Atomkraft und Umweltbewußtsein in den 70ern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29249