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I. Einleitung 3
II. Grundlagen und Begriffe der Phonologie
II.1. Die Begründung der Phonologie
II.1.1. Vorläufer in der phonologischen Forschung 3
II.1.2. Die Prager Schule des Strukturalismus 4
II.2. Phonembegriff und Phonemanalyse
II.2.1. Das Phonem als Grundeinheit der Phonologie 5
II.2.2. Varianten eines Phonems 6
II.2.3. Relevante und redundante Merkmale 8
II.2.4. Neutralisation 8
II.2.5. Synchronie und Diachronie 9
II.2.6. Deskriptive und präskriptive Sprachwissenschaft 11
II.2.7. Syntagmatische und paradigmatische Beziehungen 12
III. Die Bedeutung der Phonologie für die Sprachwissenschaft 14
IV. Literatur 15
2
I. Einleitung
Die Phonologie ist, verglichen mit der Phonetik, die jüngere Wissenschaft. Bei der Phonetik handelt es sich um den Teilbereich der Linguistik, der Sprachlaute als konkrete physikalische Erscheinungen untersucht und beschreibt; in der Phonologie dagegen steht die Funktionalität der Laute im Vordergrund. Das bedeutet: Es wird nur das ins Auge gefaßt, was eine festumrissene Funktion in der jeweiligen Sprache erfüllt. Zur Beschreibung der Eigenschaften, die für sie von Bedeutung sind, bedient sich die Phonologie allerdings der physiologisch-naturwissenschaftlichen Kriterien aus der Phonetik.
Im Gegensatz zur Phonetik, der Lautlehre auf der Ebene der Rede und der Norm, ist die Phonologie an ein bestimmtes Sprachsystem gebunden: Sie ist Lautlehre auf der Ebene des Systems 1 .
Entwickelt wurde die Phonologie, deren Verfahrensweisen hier dargestellt werden sollen, im wesentlichen in der Prager Schule des Strukturalismus. Die Theorien, die dieser Schule entstammen und heute als Basis linguistischer Forschungen gelten, sollen im folgenden eingehend berücksichtigt werden.
II. Grundlagen und Begriffe der Phonologie
II.1. Die Begründung der Phonologie
II.1.1. Vorläufer in der phonologischen Forschung
Eine entscheidende Rolle bei der Wegbereitung der Phonologie spielte der polnische Linguist Jan Baudouin de Courtenay. Bereits in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts erkannte er, daß Lautwerte zur Differenzierung der Bedeutung einer sprachlichen Einheit verwendet werden und ,,daß die unendlich verschiedenen
1 Die Einteilung der Sprache in System, Norm und Rede geht zurück auf Eugenio Coseriu, der das vom
Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure entworfene Modell der Zweiteilung zwischen
langue und parole als unzureichend kritisierte. Coseriu unterteilte die langue in das Funktionelle der
Sprache (System) und das in einer Sprache Übliche (Norm).
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tatsächlich geäußerten Laute im Bewußtsein der Sprecher einer Sprache einer genau angebbaren Menge von Lauttypen entsprechen“ (Geckeler/Dietrich 1995: 24). Kruszewski, ein Schüler Courtenays, entwickelte die Thesen seines Lehrers fort und beschrieb das Phonem 1 als phonetische Einheit mit einer besonderen Funktion im Verständigungsprozeß.
Zwar stimmten diese frühen Definitionen nicht mit dem heutigen Phonembegriff überein, dennoch ebneten sie, wie Milka Ivic (1971: 122) feststellt, ,,den Weg für das Eindringen in das Wesen des Phonems“ und damit für die Phonologie als Teilbereich der Sprachwissenschaft.
II.1.2. Die Prager Schule des Strukturalismus
Die Grundgedanken der Phonologie schließlich gehen zurück auf die Prager Schule des Strukturalismus mit Nikolaj Trubetzkoy 2 und Roman Jakobson 3 als ihren wichtigsten Vertretern.
1926 bildete sich in Prag eine sprachwissenschaftliche Vereinigung, der sogenannte Cercle Linguistique de Prague. Die ersten Mitglieder gehörten einer Generation von Wissenschaftlern an, die die neuesten Strömungen der Sprachwissenschaft, unter anderem die Ideen de Saussures 4 und Courtenays, aufnahmen und weiterverfolgten. Zwei Jahre nach seiner Gründung erlangte der Prager Zirkel internationale Bekanntheit, als auf dem 1. Internationalen Kongreß der Linguisten in Den Haag ein Programm einiger seiner Mitglieder, darunter auch Jakobson und Trubetzkoy, vorgelegt wurde. Das Publikationsorgan des Prager Zirkels, die achtbändigen
1 kleinste Einheit in der Phonologie; heute allgemein akzeptierte Definition unter II.2.1.
2 Nikolaj Sergejevitsch Trubetzkoy, 1890 in Moskau geboren, verließ Rußland nach der Revolution und
hatte von 1922 bis zu seinem Tod 1938 den Lehrstuhl für Slawistik in Wien inne. Obwohl er seine
wissenschaftliche Laufbahn als Ethnologe begann, wurde die Sprachwissenschaft schon früh zu seinem
Hauptinteressengebiet.
3 Roman Jakobson, 1896 in Moskau geboren, verließ Rußland ebenfalls nach der Revolution und nahm
1920 sein Studium in Prag auf, wo er zehn Jahre später promovierte. 1939 floh er vor den deutschen
Besatzungsmächten nach Stockholm. Wenig später wanderte er in die USA aus, wo er sich als Professor in
Harvard der Weiterentwicklung der Ideen des Prager Zirkels verschrieb. Jakobson starb 1982.
4 Ferdinand de Saussure verstarb 1913. In seinem postum veröffentlichten Cours de linguistique générale
(CLG) sind grundlegende Begriffe und Sachverhalte der Sprachwissenschaft festgehalten. Etliche
Linguisten übernahmen de Saussures Theorien und bauten darauf eigene Prinzipien auf.
4
Travaux du Cercle Linguistique de Prague (TCLP), gilt noch heute als allgemeine Grundlage phonologischer Betrachtungen.
Die Prager Schule war es, die die Sprachwissenschaft erstmals als linguistique structurale et fonctionelle 1 charakterisierte und damit zwei entscheidende Erkenntnisse für die Betrachtung des Funktionierens von Sprache zusammenfaßte. Der Begriff linguistique structurale impliziert, daß jedes Element der Sprache nur als Glied im gesamten Sprachsystem und nicht losgelöst davon betrachtet werden kann. Ein Laut für sich genommen, beispielsweise der Vokal a, erhält erst eine Bedeutung, wenn man ihn innerhalb eines Sprachsystems beziehungsweise im Vergleich zu anderen Lauten dieses Systems betrachtet. Hier wird eine von Ferdinand de Saussure gewonnene Einsicht, die heute Grundlage jeder strukturalistischen Theorie ist, aufgegriffen: Nicht das Wesen der Dinge ist für ihre Definition entscheidend, sondern ihre Position in einem System. Wenn die Sprachwissenschaft als f unktionell bezeichnet wird, spiegelt dies die Erkenntnis wider, daß sprachliche Elemente konkrete Funktionen, in der Regel in bezug auf Kommunikation, besitzen. In der Phonologie wird demnach am Laut nur das als relevant akzeptiert und untersucht, was eine bestimmte Funktion im Sprachgebilde erfüllt. Der Prager Strukturalismus wird, zurückgehend auf diese Erkenntnis, auch als Funktionalismus bezeichnet.
II.2. Phonembegriff und Phonemanalyse
II.2.1. Das Phonem als Grundeinheit der Phonologie
Die Grundeinheit in der Phonologie ist das Phonem, das definiert wird als kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit innerhalb eines Sprachsystems. Phoneme als solche haben keine Bedeutung, wohl aber bedeutungs-unterscheidende Funktion. Sie sind nicht zu verwechseln mit den Phonen: Hierbei handelt es sich um Lautsegmente, deren Status im Sprachsystem noch nicht definiert ist.
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Arbeit zitieren:
Kristin Hammer, 1997, Grundlagen der Phonemanalyse unter eingehender Berücksichtigung des Phonembegriffs der Prager Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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Hallo Kristin,
die Welt ist so klein! Wollte mich nur kurz in puncto "3-Konsonanten-Gesetz" schlau machen und stolpere über Deine Arbeit aus unserem damaligen Erstiseminar in MS. Viele Grüße aus Bremen!
Madame Fröhlisch
am Monday, May 21, 2007-