1. Einleitung - 1 -
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1. Einleitung
In meiner Hausarbeit zum Thema „Kind und Pflanzen“ soll es darum gehen, auf welche Art und Weise dieses Thema im Grundschulunterricht behandelt und eingesetzt werden soll.
Ich beginne zuerst mit dem allgemeinen Thema „Kind und Natur“. Da das Thema ein rein naturwissenschaftliches Thema ist, möchte ich mich hier zunächst mit dem naturwissenschaftlichen Lernen in der Grundschule befassen, bevor ich dann in das eigentlich Thema der Hausarbeit einsteige.
Im 3.Kapitel m öchte ich mich dann mit dem Thema „Kind und Pflanzen“ beschäftigen. Zunächst werde ich kurz darüber sprechen, welche Aktualität dieses Thema im heutigen Sachunterricht einnimmt und wie es im Gegensatz zu anderen Themen wie zum Beispiel „Kind und Tiere“ angesehen ist. Außerdem möchte ich mit Hilfe des Buches „Kind und Natur“ von Ulrich Gebhard darauf eingehen, wie die Schüler mit diesem Thema im Unterricht umgehen. Dabei werde ich dann auch einige Untersuchungsergebnisse von empirischen Studien aufgreifen. Anschließend soll dann kurz an einem Unterrichtsbeispiel gezeigt werden, wie das Thema „Kind und Pflanzen“ unter anderem im Sachunterricht behandelt werden kann. Des weiteren werde ich mich dann damit beschäftigen, wie das Thema „Kind und Natur“ bzw. das T hema „Kind und Pflanzen“ in den Rahmenrichtlinien Niedersachsens eingebunden ist.
Im folgenden 4.Kapitel werde ich dann auf die didaktischen Hintergründe des Themas „Kind und Pflanze“ eingehen. Den Anfang macht hier eine didaktische Analyse über eine mögliche Unterrichtseinheit mit dem Thema „Kind und Pflanzen“. Das Ende meiner Hausarbeit soll dann das Teilkapitel 4.2. einnehmen, in dem ich verschiedene Beispiele für eine mögliche Unterrichtseinheit geben möchte.
___________________________________________________________________ Nicole Stüwe
2. Kind und Natur - 2 -
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2. Kind und Natur
2.1. Naturwissenschaftliches Lernen in der Grundschule 1
Die Zeit bzw. unsere Zeit ist durch Naturwissenschaft und Technik bestimmt. Allerdings hat es sehr lange gedauert, bis die Naturwissenschaften Einzug in die Schulen erhielten.
Erst Mitte des 17.Jahrhunderts wurde den Naturwissenschaften eine bedeutendere Rolle zugesprochen und sie wurden zu einem Teil des Unterrichts. (vgl. Bauer/Köhnlein, Seite 11)
Aufgabe der Lehrer, die diesen Unterricht vermittelten, war es allerdings, nur das Nötigste der Naturwissenschaften an die Schüler weiterzugeben, damit der Aberglaube der Menschen in Bezug auf manche Naturphänomene bekämpft werden sollte. Ein Beispiel hierfür sind Blitz und Donner. Die Schüler sollten die Entstehung beider Phänomene vermittelt bekommen, damit sie nicht weiterhin davon ausgingen, dass diese Phänomene als eine Art Bestrafung durch die Götter auf die Erde gelangen.
Im Mittelpunkt des Unterrichts stand aber hauptsächlich die Übermittlung von religiösen Inhalten.
Erst im Laufe des 20.Jharhunderts wurde der Sachunterricht bzw. das naturwissenschaftliche Lernen mit in den Lehrplan aufgenommen. „Im Jahre 1957 ist es der Sowjetunion gelungen zwei Raumflugkörper in die Erdumlaufbahn zu bringen. Dieser Sputnik-Schock führte zu einer mehr naturwissenschaftlichen Umorientierung der Lehrpläne in den westlichen Ländern.“ (vgl. Lauterbach, Seite 87)
Aufgrund der Bildungsreformbewegung im Jahre 1969, „die eine Angleichung des gesamten Schulwesens (Organisation, Inhalte und Methoden) an die gesellschaftlichen Entwicklungen, wirtschaftlichen Ziele und ein gewandeltes politisches Bewusstsein versuchte“ (vgl. Bauer/Köhnlein, Seite 23), kam es zur Einführung von naturwissenschaftlichem Sachunterricht in deutschen Grundschulen.
Der Sachunterricht wurde in sieben Bereiche eingeteilt. In: Soziale Studien, Geographie, Physik, Chemie, Wetterkunde, Technik, Biologie, Sexualerziehung und Verkehrserziehung. (vgl. Bauer/Köhnlein, S.28)
Wie hier deutlich wird, hat man neben den naturwissenschaftlichen Inhalten auch sozialwissenschaftliche Inhalte mit in den Sachunterricht aufgenommen, wobei jedoch die naturwissenschaftlichen Bereiche als Unterrichtsinhalte im Vordergrund standen, was sich im Laufe der Zeit allerdings geändert hat.
Vor dieser Bildungsreformbewegung, also bis in die späten 60er Jahre war der Sachunterricht noch kein eigenständiger Bereich. Man hat diese Art Unterricht zuvor als Heimatkunde bezeichnet und mit in den übrigen Gesamtunterricht einbezogen. Typisch für die Heimatkunde war zum Beispiel unter anderem die Anthropomorphisierung - die Beseelung der Natur.
Die „eigentliche Sache“ war häufig nicht der „eigentliche Unterrichtsgegenstand“.
1 Dieses Kapitel habe ich aus meiner Examensarbeit zum Thema „Wetter“ übernommen.
___________________________________________________________________ Nicole Stüwe
2. Kind und Natur - 3 -
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Durch die Einführung des Sachunterrichts als eigenständigen Bereich, war es „die Aufgabe der Schule, vornehmlich der Grundschule und hier in erster Linie des naturwissenschaftlichen Aspekts des Sachunterrichts, das magische, animistische, anthropomorphisierende Denken der Kinder langsam abzubauen“. (vgl. Gebhard, Seite 64)
Wagenschein betont jedoch in seinem Buch „Kinder auf dem Weg zur Physik“, dass das animistische Denken - das Beleben der Natur - auch als ein wichtiger Zugang zur Wissenschaft angesehen werden kann. (Wagenschein, „Kinder auf dem Weg zur Physik“, S.4)
„Unsere Sprache belebt die Natur, auch die unbelebte - anders können wir nicht sprechen und verstehen.“ (Wagenschein, „Kinder auf dem Weg zur Physik“, S.4) Das animistische Denken, das gerade Kinder im Grundschulalter aufgebaut haben, ist für Wagenschein eine ebenso „nicht größere Gefahr“ als das vorzeitige Formellernen. (vgl. Wagenschein, „Kinder auf dem Weg zur Physik“, S.4)
Es ist sehr wichtig, dass die Kinder ihre eigenen Erfahrungen an und mit den jeweiligen Naturphänomenen machen. Formelsprache muss zwar auch gelernt werden, aber es ist doch eben auch genauso wichtig, dass die Kinder den Vorgang eines physikalischen Phänomens mit eigenen Worten beschreiben und erklären können.
Für Wagenschein steht also die Begegnung mit den eigentlichen Naturphänomenen, also die sinnlich-wahrnehmbare Welt, das Fassen können der Phänomene im Vordergrund. (vgl. Wagenschein, „Kinder auf dem Weg zur Physik“, S.4) Wagenschein spricht hier vom phänomenologischen Denken. Darunter ist ein Aufstellen von Beobachtungen und Sammeln von Daten in der Realität und die Suche nach Ordnungsprinzipien, Regeln und Gesetzen gemeint. Gerade die phänomenologische Betrachtung macht den Anfang in Schulen. (vgl. Wagenschein, „Natur physikalisch gesehen“, S.18)
Durch genaues Hinschauen, Experimentieren und Denken kommen die Kinder auf den eigenen Weg zur Erkenntnis. (vgl. Wagenschein, „Kinder auf dem Weg zur Physik“, S.4)
Das naturwissenschaftliche Lernen nimmt im Sachunterricht eine sehr wichtige Rolle ein. Die Schüler können hier auf bereits außerschulisches Wissen oder auf jeweilige Interessen zurückgreifen.
Sie sollen auf ihre Umwelt und deren Phänomene aufmerksam gemacht werden und versuchen, nach Zusammenhängen und Erklärungen zu suchen. Dies kann mit Hilfe von einfachem Beobachten der Phänomene, bis hin zum eigenhändigen Experimentieren und Nachvollziehen dieser Phänomene geschehen. Der naturwissenschaftliche Unterricht soll den Kindern einen umgänglicheren Weg mit ihrer Umwelt verschaffen. Die Schüler lernen von Beginn an, verschiedene Phänomene zu benennen und zu beschreiben.
Anhand verschiedener Versuche, die die Schüler selbständig durchführen, sollen sich ihnen Vorgänge langsam aber sicher eröffnen. Sie lernen, Vermutungen aufzustellen bzw. Fragen zu formulieren, auf die sie dann, teilweise bereits durch eigenes Handeln, Antworten zur Erklärung erhalten.
Auch der Transfer, also die Anwendung bereits gelernten Wissens auf neue Problemstellungen, soll so ermöglicht werden.
___________________________________________________________________ Nicole Stüwe
2. Kind und Natur - 4 -
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In den ersten beiden Schuljahren der Grundschule ist es wichtig, dass die Schüler zunächst einmal Grundkenntnisse erlernen. Hierunter fallen z um Beispiel „Betrachten, Beobachten, Bestimmen, Sammeln und Ordnen, Untersuchen und Prüfen, Vergleichen und Messen, Pflegen und Gestalten, einfache Versuche ausdenken, durchführen und auswerten“. (vgl. GDSU, S.17) Im 3./4. Schuljahr sollen diese Fähig- und Fertigkeiten dann ausgebaut und vertiefend weiterbearbeitet werden.
In den Rahmenlichtlinien Niedersachsen sind im Bereich des naturwissenschaftlichen Lernens folgende Rahmenthemen vorgeschlagen:
Ø Umgang mit Pflanzen und Tieren
Ø Pflanzen und Tiere in unserer Umwelt Ø Lebewesen verändern sich Ø Wettererscheinungen Ø Veränderungsvorgänge in unserer Umwelt Ø Wirkungen und Nutzung von Kräften Ø Wirkungen und Nutzung des elektrischen Stromes Ø Gebrauchsgegenstände Ø Bauen
___________________________________________________________________ Nicole Stüwe
3. Kind und Pflanzen - 5 -
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3. Kind und Pflanzen
Das Thema Pflanzen ist laut G ebhardt für die meisten Kinder ein sehr uninteressantes und unbeliebtes Thema. Die Schüler/innen können sich nicht mit den Pflanzen identifizieren und haben so kaum Bezug zu de Pflanzen. Für sie sind Tiere, mit denen die etwas unternehmen können und die ständig um sie herum sind, einfach bedeutsamer. Aber dennoch oder gerade aus diesem Grund wurden Untersuchungen aufgestellt, die aufzeigen sollen, dass man genau dieses Vorurteil bezüglich „dem Desinteresse der Kinder an Pflanzen differenzierter betrachten muss“ (vgl. Gebhardt, S. 190)
Rousseau ist sogar der Auffassung, dass Pflanzen „Geist, Seele und Sinne des Menschen beleben“ (vgl. Gebhardt, S. 190) können.
Zitat:
„Die Bäume, die Sträucher, die Pflanzen sind der Schmuck und das Kleid der Erde. Nichts ist so traurig wie der Anblick eines nackten, kahlen Feldes, das dem Auge nichts als Steine, Lehm und Sand zeigt. Doch belebt von der Natur [...] bietet die Erde [...] den Menschen ein Schauspiel voller Leben und Zauber, welches den Geist fesselt, das einzige Schauspiel auf der Welt, das sein Auge und sein Herz nie ermüden (Rousseau 1783, S. 117)“. (siehe Gebhardt, S. 190f)
Bunte Blumen, grüne Wiesen und schöne, blühende Felder erwecken also in dem Menschen eine Art neue Lebensfreude. So ist zum Beispiel im Frühjahr/Sommer zu beobachten, wie die Menschen fröhlicher durchs Leben gehen und sich mehr öffnen. In den kalten Jahreszeiten hingegen lässt sich laut verschiedener Presseberichte beobachten, wie immer mehr Menschen unter dem schlechten Wetter und der kahlen Natur zu Depressionen sowie sogar in manchen Fällen zu Selbstmord neigen.
3.1. Die Aktualität des Themas „Kind und Pflanzen“ in der Grundschule
In diesem Kapitel soll es allgemein darum gehen, welchen Stellenwert das Thema „Pflanzen“ heute in der Grundschule einnimmt. Hierzu beziehe ich mich in erster Linie auf das Buch „Kind und Natur“ von Ulrich Gebhardt, in dem unter anderem verschiedene empirische Untersuchungen zum Thema beschrieben werden, die ich dann aufgreifen möchte.
Die Aktualität des Themas „Kind und Pflanzen“ in der Grundschule
Das Thema Pflanzen nimmt in der heutigen Schulzeit einen eher nebengeordneten Stellenwert ein. Das Interesse der Kinder liegt eher bei den Tieren, mit denen sie sich mehr und intensiver beschäftigen und auseinandersetzen können. Laut einer empirischen Untersuchung von Danneel aus dem Jahre 1977 ist der Bereich der Zoologie in der Grundschule der beliebteste Bereich. Die Zoologie nimmt einen Prozentsatz von 31% ein. Ihr folgen die Bereiche Geschichte mit 24%, Erdkunde mit 23% und die Technik mit 25%. Die Botanik ist hier nur mit 7%, als der unbeliebteste Bereich, aufgeführt. (vgl. Gebhard, S. 191)
___________________________________________________________________ Nicole Stüwe
Quote paper:
Nicole Stüwe, 2002, Kind und Pflanzen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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