Einführung in die Entwicklungspsychopathologie und
Substanzenmissbrauch in der Adoleszens
von: Konstanze Wolter
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Worte 3
2. Einführung in die Entwicklungspsychopathologie 4
2.1. Definition 4
2.2. Entwicklungseinflüsse 4
2.3. Forschungsfrage 5
3. Substanzenmissbrauch bei Jugendlichen 7
3.1. Begriffsklärung 7
3.2. Kleine Substanzkunde 8
3.3. Entwicklungspsychologische Perspektive des Problemverhaltens 11
4. Überlegungen zur Prävention 14
4.1. Einflüsse 15
4.2. Lebenskompetenzprogramme 18
5. Schlußwort 22
Anhang 23
Literaturverzeichnis 27
1. Einleitende Worte
Der Absatz von Alcopops im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist von 4,2 Mio. Flaschen im Jahr 2001 auf 35 Mio. Flaschen zu je 0,7 Liter gestiegen. Bekanntlich sind dabei die Hauptkäufer dieser alkoholischen Modegetränke die 14- bis 17-Jährigen. Auch im Bereich der illegalen Drogen ist ein rapides Anwachsen der Konsumentenzahl in dieser Altersgruppe zu verzeichnen. Insgesamt kann von einer alarmierenden Situation gesprochen werden, die sich erst langsam ins Bewusstsein der Öffentlichkeit drängt. Weshalb nehmen unsere Kinder Drogen? Wozu brauchen Sie das? Was versuchen Sie zu erreichen? Die folgende Arbeit widmet sich solchen Fragen von besorgten Müttern und Vätern, von Lehrern und Erziehern aus entwicklungspsychologischer Perspektive und möchte einführend auf die Teildisziplin der Entwicklungspsychopathologie eingehen, um die Blickrichtung dieser Arbeit besser verdeutlichen zu können. Hauptsächlich basiert der Inhalt dieser Ausführungen auf dem Lehrbuch von Oerter & von Hagen, Röper & Noam,1999: Klinische Entwicklungspsychologie. Das Thema der psychoaktiven Substanzen und Drogen umfasst eine Fülle an wissenschaftlichen Arbeiten und wird von zahlreichen geistes- und naturwissenschaftlichen Strömungen beachtet, was eine Selektion der Literatur notwendig werden ließ. Letztendlich konnte nur eine kleine Auswahl die Recherche zu dem vorliegenden entwicklungspsychologischen Standpunkt ermöglichen.
2. Einführung in die Entwicklungspsychopathologie
2.1. Definition
Die Entwicklungspsychopathologie, im folgenden EPP genannt, beschäftigt sich mit „dem Ziel, Ursprung, der Entfaltung und Veränderung von Mustern gelingender und misslingender Lebensbewältigung“ (Cicchetti & Sroufe, 2000). Folglich befasst sich diese junge Disziplin der Psychologie mit der entwicklungsangemessenen Beschreibung psychischer Störungen und deren Auftretenswahrscheinlichkeit, sowie der Betrachtung normaler Entwicklungsverläufe. Die EPP stellt somit im weitesten Sinne die Integration von Entwicklungspsychologie und Klinischer Psychologie dar. Im Vordergrund der EPP steht die Erforschung normativen und abweichenden Verhaltens unter Berücksichtigung der zeitlichen Komponente im Lebenslauf und den damit verbundenen Entwicklungsaufgaben (Havighurst ,1928). „Da jede Pathologie als Störung, Verformung oder Degeneration normaler Funktionen gesehen werden kann, folgt daraus, dass man „normales Verhalten“ verstehen muß, um das Auffällige in Abgrenzung dazu zu definieren.“1 Die psychopathologische Störung wird hierbei als ein multimodales und multikausales Geschehen interpretiert (Resch et al., 1999).
2.2. Entwicklungseinflüsse
Die EPP unterscheidet, unter Betrachtung der gesamten Lebensspanne (Kazdin, 1989), zwei Kategorien von Entwicklungseinflüssen, um die Bedingungen für das Entstehen von psychischen Störungen zu erklären:
1. distale vs. proximale Entwicklungseinflüsse
2. normative vs. nicht-normative Entwicklungseinflüsse
Distale Entwicklungsbedingungen liegen in einem früheren Lebensabschnitt als der Beginn einer psychischen Störung. Sie schaffen die individuelle Vulnerabilität, d.h. die Anfälligkeit eine psychische Störung auszubilden. Dementsprechend sind diese Einflüsse auch Grund für die individuelle Resilienz, d.h. der Widerstandsfähigkeit gegenüber psychischen Störungen. Proximale Entwicklungsbedingungen erleichtern akut die Entstehung einer psychischen Störung bzw. lösen diese aus. Normative Einflüsse betreffen (mit Blick auf die Asdoleszens) die meisten Jugendlichen. Hier wird eine normale Entwicklung als Grundlage der Bedingung herangezogen. Normative Entwicklungseinflüsse können nur mit proximalen Einflüssen gepaart zu einer psychischen Störung führen. So z.B. stellt die Entwicklung des Selbstkonzeptes in der Frühadoleszens einen normativen Einfluss dar, der aber zusammen mit Enttäuschung, wie Nichtversetzung in der Schule als proximalen Faktor, eine Depression herbeiführen kann. Diese Einflüsse erklären die Altersspezifität der Form und Häufigkeit psychischer Störungen. Nicht-normative Entwicklungseinflüsse treten unerwartet bei einer Minderzahl von Personen auf. Diese können distal und/oder proximal zu einer psychischen Störung führen. Nicht-normative distale Einflüsse erklären die individuelle Vulnerabilität bzw. Resilienz für psychische Störungen. Z. B. kann der frühe Tod der Mutter zu einer fundamentalen Verlustangst bei dem Kind führen. Nicht-normative proximale Entwicklungseinflüsse verstärken die individuelle Vulnerabilität aktuell bzw. lösen eine psychische Störung aus. Um am obigen Beispiel der Verlustangst zu bleiben, kann eine aktuelle Beziehungskrise mit der ersten Liebe in der Adoleszens zu panischer Angst führen, die in krankhaftem Verhalten mündet.
2.3.Forschungsfrage
Rolf und Read (1984) verstehen unter EPP vordergründig das Studium abnormen Verhaltens, „im Kontext der Auswirkungen genetischer, ontogenetischer, biochemischer, kognitiver, affektiver oder sozialer Einflüsse auf das Verhalten“. Nur unter starker Betonung der Interdisziplinarität kann die Forschung einer solchen Bedeutung der EPP gerecht werden. Die grundlegene Forschungsfrage ist demnach: Warum entwickeln bestimmte Menschen eine psychische Störung, andere nicht? Um dieser Frage umfassend nachgehen zu können, bedarf es prospektiver Studien, welche schon vor dem Einsetzen der interessierenden psychischen Störung beginnen. Dazu gibt es zwei Wege der Untersuchung. Zum ersten betrachtet man Risikogruppen aus der Mehrgenerationenperspektive. Diese Untersuchungsmethode nutzt den Einfluss der genetischen Dispositionen auf psychopathologische Phänomene vgl. Resch et al., 1999). So werden z.B. bei der Frage nach Bedingungen für Alkoholismus unter Jugendlichen v.a. Kinder aus Elternhäusern beobachtet, in denen mindestens ein Elternteil alkoholabhängig ist. Zum zweiten kann die subklinische Ausprägung einer psychischen Störung untersucht werden. Dies wäre der Fall, wenn man bei der Frage nach Bedingungen für Essstörungen im Jugendalter v.a. Jugendliche beobachtet, die angegeben haben, öfter Diäten zu halten. Der Akzent der EPP liegt auf dem Erkennen von Risiko- und Schutzfaktoren, welche das Fundament für die sinnvolle Prävention psychischer Störungen darstellen. Hierzu werden Entwicklungsprognosen für pathologische Phänomene erstellt (Lewis 1990).
[...]
1 Petermann / Kusch / Niebank. Entwicklungspsychopathologie - Ein Lehrbuch. 1998. BELTZ Psychologie Verlags Union. Weinheim
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Konstanze Wolter, 2004, Einführung in die Entwicklungspsychopathologie und Substanzenmissbrauch in der Adoleszens, Munich, GRIN Publishing GmbH
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