Michael Reichel
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Eigenständigkeitserklärung
Hiermit erkläre ich, diese Projektarbeit selbständig verfasst zu haben. Ich habe keine anderen
Quellen als die aufgeführten benutzt und Zitate daraus kenntlich gemacht.
Konstanz, den 21.06.2002
Unterschrift:
Michael Reichel
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Michael Reichel
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Übersicht der verwendeten Formelsymbole,
Kurzzeichen und Einheiten
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Michael Reichel
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Technologie der Fertigungsverfahren 1
Gesenkschmieden von Stahl
Michael Reichel
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 8
1.1 Geschichtliche Entwicklung 8
1.2 Technische und wirtschaftliche Bedeutung 9
2 Grundlagen 12
3 Werkstoffe 14
3.1 Definition 14
3.2 Vergleich des Umformverhaltens der Werkstoffe 14
3.3 Werkstoffarten 18
3.3.1 Unlegierte und legierte Baustähle 18
3.3.2 Nichtrostende Stähle 26
4 Unterteilung und Anwendung des Verfahrens 28
4.1 Übersicht über die Verfahren 28
4.2 Gesenkschmieden von der Stange (mit teilweise umschlossenem Werkstück) 29
4.2.1 Definition 29
4.2.2 Formrecken 30
4.2.3 Reckstauchen 30
4.2.4 Formrundkneten 31
4.2.5 Schließen im Gesenk 32
4.2.6 Formstauchen 33
4.3 Gesenkschmieden vom Stück (mit ganz umschlossenem Werkstück) 33
4.3.1 Definition 33
4.3.2 Anstauchen im Gesenk 35
4.3.3 Formpressen ohne Grat 36
4.3.4 Formpressen mit Grat 37
4.3.5 Gesenkdrücken 38
4.4 Gesenkschmieden vom Spaltstück 38
5 Arbeitsgänge und Arbeitsberechnungen 39
5.1 Arbeitsablauf beim Gesenkschmieden 39
5.2 Vorgänge im Gesenk 40
5.2.1 Definition 40
5.2.2 Stauchen 41
5.2.3 Breiten 42
5.2.4 Steigen 42
5.3 Materialeinsatzmasse m A 43
5.4 Berechnung des Grateinflusses 45
5.5 Kraft und Arbeitsberechnung 47
5.5.1 Umformgeschwindigkeit w 0 zu Beginn 47
5.5.2 Mittlere Umformgeschwindigkeit w m 47
5
Technologie der Fertigungsverfahren 1
Gesenkschmieden von Stahl
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5.5.3 Formänderungswiderstand k wa zu Beginn der Umformung 48
5.5.4 Formänderungswiderstand k we am Ende der Umformung 48
5.5.5 Maximale Presskraft F 49
5.5.6 Formänderungsarbeit W 49
6 Werkzeuge zum Gesenkschmieden 51
6.1 Prozessspezifische Unterscheidung 51
6.1.1 Vorformen 51
6.1.2 Zwischenformen 51
6.1.3 Entgraten 51
6.1.4 Endformen 52
6.2 Arten und Benennungen 52
6.3 Belastungen der Gesenke 53
6.3.1 Thermische Beanspruchung 54
6.3.2 Mechanische Beanspruchung 54
6.3.3 Tribologische Beanspruchung 54
6.3.4 Chemische Beanspruchung 54
6.4 Gesenkschäden 55
6.5 Schmieren von Gesenken 56
6.5.1 Aufgaben der Schmierung 56
6.5.2 Anforderungen der Schmierstoffe 56
6.6 Kühlen von Gesenken 56
6.7 Treibmittel 57
6.8 Herstellung von Gesenken 57
7 Gesenkschmiedemaschinen 57
7.1 Hauptunterschiede der Gesenkschmiedemaschinen 58
7.1.1 Weggebunden 58
7.1.1.1 Senkrechte Arbeitsbewegung 58
7.1.1.2 Waagrechte Arbeitsbewegung 58
7.1.1.3 Rotatorische Arbeitsbewegung 58
7.1.2 Kraftgebunden 58
7.1.2.1 Senkrechte Arbeitsbewegung 58
7.1.3 Arbeit bzw Energiegebunden 59
7.1.3.1 Senkrechte Arbeitsbewegung 59
7.1.3.2 Waagrechte Arbeitsbewegung 59
7.2 Bauarten 59
7.2.1 Exzenterschmiedepressen (Maximapressen) 61
7.2.2 Keilpressen 62
7.2.3 Spindelpressen 63
7.2.3.1 Funktionsweise der Spindelpressen 64
7.2.3.2 Funktionsweise der Kupplungs-Spindelpressen 66
7.2.3.3 Betriebsvorgänge bei Kupplungs-Spindelpressen 66
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Technologie der Fertigungsverfahren 1
Gesenkschmieden von Stahl
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7.2.3.4 Der grundsätzliche Unterschied 68
7.2.3.5 Eigenschaften der Kupplungs-Spindelpressen 69
7.2.3.6 Spindelpressentypische Eigenschaften 71
7.2.3.7 Gesenkschmieden in Reihe 72
7.2.3.8 Das Verhältnis zu Schmiedepressen mit Kurbeltrieb 73
7.2.4 Hydraulische Pressen 73
7.2.5 Hämmer 74
7.2.6 Reckwalzen 75
7.2.7 Elektro-Stauchmaschinen 75
8 Wärmen von Gesenkschmieden 75
9 Gestaltung von Gesenkschmiedeteilen 76
10 Fertigungsbeispiele von Gesenkschmiedeteilen 76
11 Zusammenfassung auf Deutsch 78
12 Zusammenfassung auf Englisch 81
13 Literaturverzeichnis 83
13.1 Bücher 83
13.2 Zeitschriften 83
13.3 Internetrecherche 84
14 Abbildungsverzeichnis 85
15 Tabellenverzeichnis 87
7
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1 Einleitung
1.1 Geschichtliche Entwicklung
Die Wurzeln des Gesenkschmiedens reichen mehrere Jahrtausende zurück. Die erste Wurzel
ist das Schmieden von Eisen schlechthin; sie lässt sich bis auf die Anfänge der
Eisengewinnung in Rennfeuern mit dem Ausschmieden der Luppen zu Stäben und deren
Weiterverarbeitung zu Waffen, Schmuck und Gerät zurückführen. Dafür wurde die ganze
Kraft und Geschicklichkeit des Schmiedens eingesetzt. Dieses wurde damals hoch
angesehen. In der griechischen Mythologie ist der Schmied zum Gott Hephaistos 1 geworden;
aus der germanischen ist der mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattete Wieland
bekannt. Eine weitere Grundlage geht auf die Münztechnik zurück. Erste Vorläufer unserer
heutigen Gesenke sind die antiken einseitigen Steinhohlformen zum Prägen von Gold- und
Silberblechen für die Schmuckherstellung (Mykene und Kreta ab 1600 v. Chr.). Ab 800 v.
Chr. werden die Münzen mit einseitiger Prägung in ähnlichen Formen gefertigt, und ab 600
v. Chr. sind die ersten Bronzewerkzeuge überliefert. Um 200 n. Chr. verwandte man in Rom
bereits ein geschlossenes Münzgesenk zur Doppelprägung mit quadratischer Führung des
Oberstempels. Im Mittelalter handhabte man sich einseitiger, flacher Gesenke zum
Schmieden ornamentaler Eisenteile (etwa 1250 n. Chr.). Rollgesenke zum Schmieden von
Perldraht wurden schon früher (980 n. Chr.) von Theophilus Presbyter 2 beschrieben. Im
ausgehenden Mittelalter dienten Rollgesenke häufig zum Schmieden von Kanonen- und
Arkebusenkugeln von der Stange oder zum Überschmieden geschweißter Läufe. Die
Gesenke in heutiger Form sind allerdings erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu finden. Sie
waren für das Gesenkschmieden im modernen Sinne erst zu dieser Zeit zu verwenden,
nachdem geeignete Maschinen, Fallhämmer mit geführtem Bären (etwa um 1750), zur
Verfügung standen. Diese Gesenke gehen auf die Pfahlrammen zurück. Im Mittelalter waren
auch schon Fallhammerbauarten zum Prägen von Münzen bekannt (Leonardo Da Vinci 3 ).
Sämtliche Grundlagen des Schmiedens von Stahl wuchsen im Wesentlichen erst im Laufe
des 19. Jahrhunderts zusammen und begründeten das Arbeitsverfahren des
Gesenkschmiedens.
1
Hephaistos (röm. Vulcanus) ist der griechische Gott des Feuers und der Schmiedekunst.
2
Theophilus Presbyter verfasste sein Werk über das mittelalterliche Kunsthandwerk zu Anfang des 12.
Jahrhunderts wahrscheinlich in einem Kloster im Bistum Paderborn oder Hildesheim.
Er war gebildeter Theologe, ein vielseitig interessierter Handwerker und arbeitete selbst als
Goldschmied.
3
Leonardo da Vinci (1452 – 1519) war nicht nur ein herausragender Künstler, sondern verband als
Universalgenie das Wissen der Renaissance über Wissenschaft und Technik in seiner Person.
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Mitte vorigen Jahrhunderts entstanden z. B. die ersten Messerschlägereien in Solingen.
Zunächst auf handwerklicher Tradition beruhend, hat sich das Gesenkschmieden sodann
etwa ab 1870 zu einem industriellen Arbeitsverfahren entwickelt, das zum größten Teil in
einem eigenen Industriezweig, der Gesenkschmiedeindustrie, zum Teil jedoch auch in
Schmiedeabteilungen größerer Werke ausgeübt wird. Hierbei ist ein unmittelbarer
Zusammenhang zwischen dem Gesenkschmieden und dem Austauschbau, insbesondere bei
Kraftfahrzeugen, festzustellen. [1]
Abbildung 1.1 Blick in eine Produktionshalle (um 1910) [24]
Zugleich nahm die Genauigkeit der Gesenkschmiedestücke laufend zu. Diese Entwicklung
wurde durch Aufstellung von Toleranznormen und Lieferbedingungen in verschiedenen
Ländern ab 1937 beträchtlich gefördert. Mit dem stets steigenden Massenbedarf der ebenso
laufend wachsenden Weltbevölkerung wird das Gesenkschmieden, dessen Natur die
Massenfertigung ist, seine Bedeutung noch vermehren. Als Arbeitsverfahren der
Umformtechnik erspart es Zeit und Stoff und erfüllt gleichzeitig hohe Ansprüche an die
technischen Eigenschaften der Werkstücke. [1]
1.2 Technische und wirtschaftliche Bedeutung
Das Gesenkschmieden zählt zu den Verfahren der Massenproduktion einzelner Werkstücke.
Die Gesenkschmiedestücke können eine Masse von wenigen Gramm oder mehreren Tonnen
haben. Des weiteren können die Abmessungen der Bauteile mehrere Meter betragen. Die
Seriengrößen liegen zwischen einigen Stück bis zu mehreren Millionen.
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Gesenkschmiedestücke werden im wesentlichen als Konstruktionsteile für Maschinen,
insbesondere Fahrzeuge verwendet, daneben dienen sie der Herstellung von Werkzeugen wie
Hämmer, Zangen, Schraubenschlüssel und von Befestigungsmitteln wie Schrauben, Bolzen,
Nieten, Muttern. Die Verteilung auf verschiedene Abnehmergruppen entsprechend Tabelle 1.1
zeigt einerseits deutlich die Schwerpunkte, andererseits aber auch die Breite der Anwendung von
Gesenkschmiedestücken. [6], [19]
Tabelle 1.1 Anteile verschiedener Abnehmergruppen an den Gesamtlieferungen der Gesenkschmiedeindustrie im Jahre 1999 [6]
Die Bedeutung des Gesenkschmiedestücks für den modernen Maschinen- und Fahrzeugbau lässt
sich in den folgenden 6 Punkten zusammenfassen:
1. Gesenkschmiedestücke sind innerhalb jeder Metallgruppe Konstruktionsteile, deren Stoff
entsprechend den Formgebungsmöglichkeiten des Gesenkschmiedens optimal ausgenutzt wird.
Das günstige Festigkeits-Gewichtsverhältnis von Gesenkschmiedestücken erlaubt die Fertigung
von hochbeanspruchbaren und dennoch verhältnismäßig leichten Bauteilen.
2. Um hohe wirtschaftliche und konstruktive Vorteile zu erzielen, wird das Gesenkschmiedestück
mit anderen Fertigungsverfahren wie z.B. Kaltprägen, Fließpressen und Schweißen kombiniert.
3. Die nahezu unbegrenzte Werkstoffauswahl bei Stählen und Nichteisenmetallen gestattet in
Verbindung mit den verfügbaren modernen Wärmebehandlungsverfahren optimale Anpassung
der Schmiedestückeigenschaften an den Verwendungszweck. Gebrauchseigenschaften und
Bearbeitungseigenschaften lassen sich optimal einstellen.
4. Durch die vorgegebenen Toleranzen und Genauigkeitsstufen der Abmessungen und der Form,
kann ein Gesenkschmiedestück als Rohteil oder Endteil weiter verarbeitet werden.
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5. Gesenkschmiedestücke sind frei von Poren und anderen Hohlräumen; sie haben ein dichtes,
homogenes Gefüge, das mit modernen Verfahren Stück für Stück prüfbar ist.
Gesenkgeschmiedete Bauteile werden deshalb überall dort verwendet, wo es auf ein hohes Maß
an Sicherheit ankommt.
6. Gesenkschmiedestücke haben denkbar geringe und in engen Grenzen gleichmäßige
Stoffzugaben. Damit entfällt unnötige Bearbeitungszeit und unnötige Beförderung nutzloser
Abfälle. In Verbindung mit den anfallenden großen Mengen ist der Einsatz leistungsfähiger
Bearbeitungsverfahren, z. B. des Räumens möglich, mit dem das Bearbeitungsideal erreicht wird.
Man kann von der Schmiedefläche in einem Arbeitsgang eine einzige Spanschicht so abheben,
dass das Fertigmaß bei guter Oberfläche erreicht wird. [6], [19]
Die Weltproduktion von Gesenkschmiedestücken aus Stahl wird auf über 10 Mill. Tonnen
jährlich geschätzt. Der Gesamtwert aller in Ländern der westlichen Welt produzierten
Gesenkschmiedestücke betrug 1999 weit über 7,5 Mrd. €. Die im Industrie-Verband Deutscher
Schmieden zusammengeschlossenen Unternehmen produzieren mit 25000 Beschäftigten
gegenwärtig etwa l Mill. t Gesenkschmiedestücke bei einem Stahleinsatz von etwa 1,2 Mill. t im
Jahr. Daneben werden etwa 25000 t Gesenkschmiedestücke aus Kupfer- und 10000 t aus
Aluminiumlegierungen produziert. Bei den Unternehmen der amerikanischen Forging Industry
Association hat die Produktion von Gesenkschmiedestücken aus Nichteisenmetallen,
insbesondere hochbeanspruchten Bauteilen für die Luft- und Raumfahrt nach 1970 die
Produktion an Gesenkschmiedestücken aus Stahl wertmäßig stark überschritten. [6]
Abbildung 1.2 Produktionsvolumen in der EU: 1 990 500 t (1997) [16]
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2 Grundlagen
Gesenkschmieden ist ein Warm-Massivumformverfahren. Nach DIN 8583 gehört es zu den
Druckumformverfahren mit gegeneinander bewegten Formwerkzeugen, wobei der Werkstoff
in eine bestimmte Richtung gedrängt wird und die Form der im Gesenk vorhandenen
Gravuren annimmt. Dabei wird das Rohteil auf ca. 1200 °C erwärmt und über mehrere
Zwischenformen zum fertigen Werkstück umgeformt, Der Arbeitsablauf besteht aus
Massenverteilung, Querschnittsvorbildung (oft durch Freiformschmieden) und Formpressen
Abbildung 2.1, das aus den Grundvorgängen Stauchen, Breiten und Steigen besteht
Abbildung 2.2. [3], [5]
Abbildung 2.1 Arbeitsablauf beim Schmieden im Mehrstufengesenk [1]
Abbildung 2.2 Grundtypen von Vorgängen beim Füllen von Schmiedegravuren: Stauchen; Breiten; Steigen [1] __________________________________________________________________________________________
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Das Rohteil und die Zwischenformen sind so auf das Fertigteil abzustimmen, dass der
günstigste Faserverlauf erzielt wird Abbildung 2.3.
Abbildung 2.3 a-c Rohteilwahl, Verfahren und Faserverlauf bei Schmiedeteilen. a) Recken; b) Recken und Stauchen; c) Stauchen [1]
Beim Formpressen mit Grat wird der den Vorgang stark beeinflussende Grat im letzten
Arbeitsgang durch Abgraten entfernt. Für das Genauschmieden ist mindestens ein
Arbeitsgang im Geschlossenen Gesenk nötig. Es werden dadurch Schmiedestücke mit einer
Maßgenauigkeit von IT9 bis IT11 gegenüber IT12 und IT16 erreicht. Außerdem wird eine
genauere Oberflächenqualität erzielt. Präzisionsschmieden (z.B. unter Schutzgas, mit genauer
Temperaturführung) erzeugt bei ausgewählten Maschinenteilen (z.B. Turbinenschaufeln,
Kegelräder) einbaufertige Werkstücke noch höherer Genauigkeit. Die hauptsächlichen
Schmiedegesenkarten sind bei den Gesenken mit Gratspalt das Vollgesenk. Dies können
Einfachgesenke als Einsatzgesenk oder Mehrfachgesenke als Mehrstufengesenk sein.
Geschlossene Gesenke sind Gesenke ohne Gratspalt mit einer Teilfuge. Bei
Mehrstufengesenken gibt es dann mehrere Teilfugen. Infolge der hohen thermischen und
mechanischen Beanspruchung (Erwärmung bis auf 700 °C, Spannungen bis 1000 N/mm 2 ) ist
die Lebensdauer der Werkzeuge begrenzt. Die Standart Stähle für Schmiedegesenke sind
niedrig legierte Warmarbeitsstahle wie z.B. 55NiCrMoV6, 56NiCrMoV7, 57NiCrMoV77 für
Vollgesenke und hochlegierte Warmarbeitsstähle wie z.B. X38CrMoV51, X37CrMoW51,
X32CrMoV33 für Gesenkeinsätze. [8], [5]
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3 Werkstoffe
3.1 Definition
Es werden grundsätzlich alle knetbaren Metalle als Werkstoff für Gesenkschmiedestücke
verwendet. Hohe Bedeutung haben heute vor allem unlegierte und legierte Stähle, weiter
Magnesium, Aluminium, Titan, Kupfer, Nickel bzw. ihre Legierungen, daneben in bisher
sehr begrenztem Umfang hochwarmfeste Werkstoffe wie Niob, Tantal, Molybdän, Wolfram
und deren Legierungen. Auch Werkstoffe mit geringem Umformvermögen können durch
Formpressen von gesinterten Zwischenformen im Gesenk umgeformt werden.
Die bedeutsamsten Werkstoffe für Gesenkschmiedestücke werden in den weiteren
Abschnitten beschrieben. Es werden außerdem die allgemeinen Kennzeichnungen des
Werkstoffes, seine Eigenschaften, seine Anwendung und sein Umformverhalten beschrieben.
[6], [20]
3.2 Vergleich des Umformverhaltens der Werkstoffe
Die Werkstoffe lassen sich nach ihrer Schmiedbarkeit, Umformvermögen und Fließspannung
kennzeichnen und wie folgt ordnen: Al-Leg., Cu-Leg., Mg-Leg., unlegierte und legierte
Baustähle, ferritische nicht rostende Stähle, austenitische nicht rostende Stähle, Ti-Leg., Fe-
Basis-Leg., Ni-Basis-Leg., Co-Basis-Leg., Nb-Leg., Ta-Leg., W-Leg., Be-Leg.
Bei zunehmender Temperatur wird das Umformverhalten metallischer Werkstoffe im
generellen besser. Die obere Temperaturgrenze wird vor allem durch die Solidustemperatur
bestimmt, die Temperatur, bei der ein Werkstoff zu schmelzen beginnt. Ferner können auch
Phasenumwandlungen (z. B. bei Titanlegierungen) oder chemische Reaktionen (z. B. starke
Zunderbildung, Entkohlung oder Korngrenzenoxidation) und Grobkornbildung die maximale
Schmiedetemperatur festlegen. Durch die Rekristallisations-Temperatur oder durch die
Phasenumwandlungen (z. B. α-γ-Umwandlung bei Stahl) wird der untere Temperaturbereich
begrenzt. Häufig wird der Bereich der Schmiedetemperatur wegen der mit abnehmender
Temperatur stark ansteigenden Fließspannung oder wegen des ungünstigen Einflusses
niedriger Schmiedetemperaturen auf die Eigenschaften (z. B. Grobkornbildung bei Stahl)
weiter eingeengt.
Die Abbildung 3.1 zeigt die Temperaturbereiche für die verschiedene Werkstoffgruppen.
Diese zeigt den Bereich der Schmiedetemperaturen für jeweils eine Werkstoffklasse. Es kann
jedoch kein direkter Rückschluss auf die Schmiedetemperatur für einen bestimmten
Werkstoff gezogen werden.
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Das Bild zeigt auch, dass Schmiede-, Werkzeug- und Schmierschichttemperatur bei Al- und
Mg-Legierungen relativ eng beieinander liegen, woraus sich starke Rückwirkungen auf die
bei diesen Werkstoffgruppen angewandte Technologie ergeben. Der Fertigungsablauf und
die Wahl der Maschinenart werden von der Lage der Schmiedestücktemperatur zur
Solidustemperatur mitbestimmt (z. B. wird die Solidustemperatur unter Umständen
überschritten, wenn Aluminiumlegierungen mit großen Umformgraden je Schlag, und
kurzzeitig aufeinanderfolgenden Schlägen im Hammer geschmiedet werden). [6], [20]
Abbildung 3.1 Schmiedestück- und Werkzeugtemperaturbereiche beim Gesenkschmieden [6]
Maßgebend ist auch die Schmiedestücktemperatur. Diese ist für die Grundtemperatur des
Werkzeugs und damit für die Wahl des Werkzeugstoffs wichtig. Das Verhältnis von
Schmiedestücktemperatur zu Werkzeugtemperatur hat schließlich wegen der dadurch
gegebenen Abkühlung des Schmiedestücks bzw. Anwärmung der Werkzeuge
Rückwirkungen auf die mögliche Druckberührzeit und damit auf die Maschinenauswahl
(hydraulische Pressen sind für das Schmieden von Magnesium- und Aluminium-Liegerungen
ohne weiteres anwendbar, für das Schmieden von Stählen dagegen nur bedingt geeignet).
Um den günstigsten Temperaturbereich für das Umformvermögen festzustellen, werden
Verdrehversuche (Anzahl der Umdrehungen bis zum Bruch) durchgeführt. Des weiteren
kann man das Umformvermögen anhand der Bruchdehnung oder Einschnürung bei Zug-
oder Schlagzugversuchen beurteilen. [6], [20]
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Die Abbildung 3.2 zeigt die Fließspannungen einiger häufig verwendeter Werkstoffe bei den
jeweiligen Schmiedetemperaturen. Aus der Größe der k f Werte und dem Kurvenverlauf
erhält man Hinweise über die Schwierigkeiten beim Schmieden (steiler Anstieg der
Fließspannung mit abnehmender Temperatur bedeutet enge Temperaturbereiche beim
Schmieden). Dies ist aber nur bedingt einsetzbar, da sich die Druckspannungen und Kräfte
aus dieser Darstellung nur bedingt ziehen lassen können, da zum Teil verschiedene
Umformbedingungen (z.B. Umformgeschwindigkeit) angewendet werden und
unterschiedliche Reibverhältnisse vorliegen. [6], [20]
Abbildung 3.2 Fließspannungen metallischer Werkstoffe (ϕ = 0,5; ϕ’ = 8 s -1 ) [6]
Einige für das thermische Verhalten wichtige Werkstoff-Kennwerte sind in Tabelle 3.1
angegeben.
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Tabelle 3.1 Eigenschaften von Metallen [6]
Wenn man vor der Aufgabe steht, eine noch wenig bekannte Legierung zu schmieden, wird
man zuerst den Bereich der Schmiedetemperatur (Solidustemperatur, Rekristallisations-
Temperatur, Temperatur von Phasenumwandlungen, Abhängigkeit des
Formänderungsvermögens und der Fließspannung von der Temperatur) feststellen. Aus der
absoluten Höhe der Schmiedetemperatur, der Größe des Temperaturbereiches und seiner
Lage zur Solidustemperatur sowie dem Verhältnis von Schmiedetemperatur zu
Werkzeugtemperatur ergeben sich dann wichtige Hinweise für die Gestaltung des
Fertigungsablaufes, der Werkzeuge und der Maschinenauswahl. [6], [20]
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3.3 Werkstoffarten
3.3.1 Unlegierte und legierte Baustähle
Für das Gesenkschmieden ist der wichtigste Werkstoff Stahl. Er ist deshalb so wichtig, weil
es eine große Anzahl genormter Stahlsorten mit unterschiedlichen Eigenschaften gibt. Er
lässt sich durch Legierungszusätze und Wärmebehandlung unterschiedlichen Anforderungen
an Härte, Streckgrenze, Zugfestigkeit, Bruchdehnung, Zähigkeit, Dauerschwingfestigkeit,
Warmfestigkeit, Zerspanbarkeit und Korrosionsbeständigkeit anpassen. Für
Gesenkschmiedestücke werden je nach Verwendungszweck Werkstoffe aus den übrigen in
Tabelle 3.2 aufgeführten Stahlarten verwendet. [6], [20]
Tabelle 3.2 Stahlarten für Gesenkschmiedestücke [6]
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Quote paper:
B. Eng. (FH) Michael Reichel, 2003, Gesenkschmieden von Stahl, Munich, GRIN Publishing GmbH
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