Die Westverschiebung Polens
von: Matthias Storm
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 1
II. Die Westverschiebung Polens in den diplomatischen Verhandlungen während des Zweiten Weltkrieges 2
II.a Die Entwicklung der Idee der Westverschiebung Polens in den Nachkriegsplänen der Westalliierten 2
1. Atlantikcharta 2
2. Der Beginn der britischen Beschwichtigungspolitik gegenüber der Sowjetunion 4
3. Kurwechsel in der amerikanischen Außenpolitik 6
II.b Die Westverschiebung Polens auf den Konferenzen der „großen Drei“ Alliierten und in den Plänen der offiziellen polnischen Regierungen- und Gegenregierungen 7
1. Grenzpläne für Nachkriegs- Polen von den polnischen Exilregierungen und von den Alliierten bis zur Jalta- Konferenz 7
2. Die Entstehung der „Polnischen Regierung der Nationalen Einheit“ und die polnische Grenzfrage auf der Potsdamer Konferenz 10
III Ergebnisse 14
Exkurs: Churchills Einfluss auf die britische Nachkriegsplanung 16
IV Anhang 18
1. Abkürzungsverzeichnis 18
2. Quellenverzeichnis 18
3. Literaturverzeichnis 19
I. Einleitung
Die Bundesrepublik Deutschland erkannte die Oder- Neiße- Linie als deutsch- polnische Grenze erst 1990 im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung völkerrechtlich an. Die Entstehungsgeschichte dieser Grenzlinie rückte hierdurch in den Blick der Öffentlichkeit und wurde somit, wie bereits i n den Nachkriegsjahren, Gegenstand historischer Forschung. Die Frage, wie es zu der Westverschiebung Polens kam, spielt in dieser Forschung eine zentrale Rolle. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Westverschiebung Polens in den diplomatischen Verhandlungen während des Zweiten Weltkrieges. Es soll untersucht werden, wie im Laufe des Krieges die Idee der Westverschiebung Polens unter den Westalliierten (Großbritannien und USA) Unterstützung fand. Auf die ablehnende Reaktion der polnischen Exilregierung bezüglich dieser von den Alliierten geforderten Kompensationslösung soll ebenfalls eingegangen werden. Im weiteren wird die Bildung der neuen „Polnischen Regierung der Nationalen Einheit“ (Abkürzung: PRZN) und die damit verbundene polnische Anerkennung d er Westverschiebung Polens bis zur Oder- Neiße dargelegt.
Das Thema wird in dem Sinne behandelt, dass eine zeitliche Eingrenzung vom August 1941 (Atlantikcharta) bis zum Juli/ August 1945 (Potsdamer Konferenz) erfolgt. Literatur, die sich auf die oben erwähnte Thematik bezieht, ist in großer Menge vorhanden. Es gibt viele Monographien, die sich mit der Westverschiebung Polens beschäftigen (zu erwähnen ist hier das Standardwerk „Kriegsende im Osten. Die Rote Armee und die Besetzung Deutschlands östlich von Oder und Neiße 1944/45“ von Manfred Zeidler). Das Thema ist bisher gut erforscht worden. Die Arbeit ist thematisch aufgebaut. Im zweiten Kapitel wird die Westverschiebung Polens in den diplomatischen Verhandlungen während des Zweiten Weltkrieges (Die Entwicklung der Idee einer Kompensationslösung bezüglich Polen in den Nachkriegsplänen der Westalliierten; Die Westverschiebung Polens auf den Konferenzen der „großen Drei“ Alliierten und in den Plänen der offiziellen polnischen Regierungen- und Gegenregierungen) untersucht. Der Schlussteil (3. Kapitel) stellt die Ergebnisse der Untersuchung dar. Nach dem Schlusswort ist ein Exkurs über den Einfluss Churchills auf die britische Nachkriegsplanung vorzufinden. Das vierte Kapitel gibt Anmerkungen, Quellen- und Literaturverzeichnis.
II. Die Westverschiebung Polens in den diplomatischen Verhandlungen während des Zweiten Weltkrieges
II.a Die Entwicklung der Idee der Westverschiebung Polens in den Nachkriegsplänen der Westalliierten
1. Atlantikcharta
Am 12. August 1941 einigten sich der britische Premierminister Churchill1 und der amerikanische Präsident Roosevelt2 auf eine gemeinsame Erklärung (die sogenannte Atlantikcharta 3), die als gemeinsame politische Leitlinie für die Dauer des Krieges gelten sollte 4. In der Atlantikcharta gaben die beiden Länder an weder eine Vergrößerung ihrer Staatsgebiete noch ihrer Einflusssphären anzustreben5. In Punkt 2 wurde festgelegt: „Sie wünschen keine Gebietsveränderungen, die nicht mit den frei zum Ausdruck gebrachten Wünschen der betreffenden Völker übereinstimmen“6. Grenzen sollten also grundsätzlich erst nach Kriegsende festgelegt werden7.
Bereits in den Wochen nach Unterzeichnung der Charta zeigten die Exilregierungen Polens, der Tschechoslowakei und Jugoslawiens Vorbehalte gegen die Charta. Die drei Länder forderten eine stärkere Berücksichtigung ihrer Interessen.8 Am 24. September 1941 bekannte sich auch die Sowjetunion unter Vorbehalten formell zu den Richtlinien der Atlantikcharta 9. „Drei Monate später setzte Sowjetbotschafter Litvinov in Washington seine Unterschrift unter die 26-Mächte-Erklärung der Vereinten Nationen vom 1. Januar 1942, die in ihrem Text ausdrücklich auf die Atlantikcharta Bezug nahm“ 10. Da Roosevelt und Churchill in dem von ihnen nicht einmal unterzeichneten Dokument nur gewisse allgemeine Grundsätze der Außenpolitik ihrer beiden Länder kundtun, kommt dem Dokument zumindest der Charakter der moralischen Verbindlichkeit zu.“ Schambeck, Herbert – Widder, Helmut – Bergmann, Marcus (Hrsg.), Dokumente zur Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, Berlin 1993, S. 479.
2. Der Beginn der britischen Beschwichtigungspolitik gegenüber der Sowjetunion
[...]
1 Sir (seit 1953) Winston Leonard Spencer Churchill, britischer Politiker, geboren in Blenheim Palace am 30.11.1874, gestorben in London am 24.1.1965. Nach Ausbruch des 2.Weltkrieges wurde Churchill auf Druck der öffentlichen Meinung zum Ersten Lord der Admiralität und nach dem Scheitern der britischen Norwegenexpedition und dem Beginn des Frankreichfeldzugs zum Premierminister berufen (10.5.1940). In dieser Position sorgte er für Einigkeit im Innern (Kabinett der „Nationalen Konzentration“) und unter den in der „Anti- Hitler- Koalition“ verbündeten Mächten Großbritannien, USA und UdSSR. Mit dem amerikanischen Präsidenten F.ÿD. Roosevelt verkündete Churchill 1941 die Atlantikcharta und vertrat sein Land auf den Konferenzen von Teheran, Casablanca, Kairo und Jalta. Nach der Wahlniederlage der Konservativen im Juli 1945 trat er noch während der Potsdamer Konferenz zurück. Vgl. Artikel „Churchill, Winston“, in: Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden 2, Mannheim19 1987, S. 289.
2 Franklin Delano Roosevelt, 32. Präsident der USA (1933 þ45), geboren in Hyde Park (New York) am 30.1.1882, gestorben in Warm Springs (Georgia) am 12.4.1945, gewann 1932 die Präsidentschaftswahlen, 1936 und (entgegen der amerikanischen Tradition) 1940 und 1944 wieder gewählt. Nach anfänglicher Neutralitätspolitik zu Beginn des Zweiten Weltkrieges verkündete Roosevelt am 14.8.1941 gemeinsam mit W.ÿChurchill die Atlantikcharta und verbündete sich mit der Sowjetunion in der Anti- Hitler - Koalition (Abkommen vom 11.6.1942). Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor (7.12.1941) wurden die USA zu einem entscheidenden Faktor für den Ausgang des Krieges. Roosevelt setzte sich diplomatisch für ein breites Bündnis gegen die Achsenmächte ein (unter anderem auf den Konferenzen 1943 in Casablanca und Teheran sowie 1945 in Jalta). Sein Versuch, dieses Bündnis für die Nachkriegszeit als Kern einer neuen Weltordnung zu institutionalisieren, blieb umstritten. Roosevelt hatte erheblichen Anteil an der Gründung der UNO. Vgl. Artikel „Roosevelt, Franklin“, in: Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden 18, Mannheim19 1992, S. 553.
3 „Die Rechtsnatur der Atlantikcharta wird unterschiedlich beurteilt. Es kann aber davon ausgegangen werden, daß es sich dabei um keinen Vertrag handelt, die Bezeichnung "Charta" ist insofern unzutreffend.
4 Vgl. „Atlantikcharta“, in: Schambeck, Herbert – Widder, Helmut – Bergmann, Marcus (Hrsg.), Dokumente zur Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, Berlin 1993, S. 479.
5 Vgl. ebd. S.480.
6 Ebd. S. 480.
7 Vgl. „Brief Churchills an den britischen Außenminister Eden vom 8. Januar 1942“, in: Churchill, Winston, Amerika im Krieg, Stuttgart/ Hamburg 1951 (Der Zweite Weltkrieg, Bd. III, 2), S. 367 f.
8 Vgl. Zeidler, Manfred, Kriegsende im Osten. Die Rote Armee und die Besetzung Deutschlands östlich von Oder und Neisse 1944/45, München 1996, S. 24.
9 Vgl. Kettenacker, Lothar, Krieg zur Friedenssicherung. Die Deutschlandplanung der britischen Regierung während des Zweiten Weltkrieges, Göttingen/ Zürich 1989 (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London, Bd. 22), S. 111.
10 Zeidler, Manfred, Kriegsende im Osten. Die Rote Armee und die Besetzung Deutschlands östlich von Oder und Neisse 1944/45, München 1996, S. 24.
Arbeit zitieren:
Matthias Storm, 2004, Die Westverschiebung Polens, München, GRIN Verlag GmbH
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