Inhaltsverzeichnis:
1. EINLEITUNG: 3
2. ERGEBNISSE DER KULTURVERGLEICHENDEN FORSCHUNG. 4
2.1. MARGARET MEAD. 4
2.2 ECKERT UND LÖFFLER. 6
3. ERGEBNISSE DER PS YCHOLOGISCHEN FORSCHUNG. 8
3.1. INTELLEKTUELLE FÄHIGKEITEN 9
3.2. EMOTIONALE DISPOSITIONEN 11
4. ERGEBNISSE DER BIOLOGISCHE FORSCHUNG. 13
5. FAZIT. 16
6. ANHANG: LITERATURVERZEICHNIS: 18
2
1. Einleitung:
„ Man kann einen Mann bedrängen, soviel man will, doch bei einer Frau darf man nicht zu weit gehen. Denn dem Herzen der Frau entspringt die Sehnsucht nach der Wahrheit. Wie viele Gatten, die ihre Frau betrogen, werden zu Grabe getragen und nehmen ihr Geheimnis mit! Wie viele Frauen, die ihre Männer hintergingen, zerstörten ihr Leben dadurch, daß sie diesen selben Männern die Wahrheit ins Gesicht schleudern. Sie waren zu stark bedrängt worden.“ 1
Auch wenn dieser Ausspruch Hercules Poirots in dem Kriminalroman „ Alibi“ auf den ersten Blick nichts mit geschlechtsspezifischer Sozialisation zu tun haben scheint, spiegelt er doch eine wichtige Einstellung bezüglich der „typischen“ Verhaltensweisen von Mann und Frau und deren Erwerb wieder.
Der vorliegende Ausschnitt stellt nämlich ein Musterbeispiel für eine Theorie dar, die sehr viele vertraten und bis heute immer noch vertreten. Die Sprache ist von der These des „genetisch angelegten Geschlechtstypus“.
Hier geht man davon aus, dass bestimmte Eigenschaften, wie Durchsetzungsvermögen, Ausdauer und Konkurrenzdenken beim Mann und Sanftheit, Liebe zur Wahrheit und der Mutterinstinkt bei der Frau auf biologischen Unterschiede zurückzuführen sind. Sollte diese Annahme stimmen, würde das aber enorme Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung und die Sozialisation mit sich bringen: die Persönlichkeitsentwicklung würde für Jungen und Mädchen in unterschiedlichen, biologisch vorgeprägten Bahnen verlaufen, die man durch Erziehung und Sozialisation praktisch nicht mehr verändern könnte. Die Persönlichkeit eines Menschen wäre dementsprechend von Geburt an durch die Biologie unveränderbar vorbestimmt.
Genau so gut vorstellbar ist jedoch, dass lediglich die körperlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau durch die Gene determiniert sind. Und alles andere, also auch die „typischen“ Eigenschaften und Handlungsweisen, erst durch die Gesellschaft und Erziehung dem Menschen mehr oder weniger „angeheftet“ wird.
Dadurch ergäbe sich die Möglichkeit die eigenen geschlechtstypischen Eigenschaften im Laufe des Lebens auch wieder zu verändern oder sogar ins Gegenteil umzukehren.
1 Agatha Christie: Alibi, Goldmann rote KRIMI , München, o. J. , S. 126
3
Genau diese Frage, ob die geschlechtsspezifische Persönlichkeit genetisch vorbestimmt ist, oder nicht, möchte ich im Folgenden behandeln.
Dazu werde ich die Forschungsergebnisse der Kulturanthropologie, der Psychologie und der Biologie verwenden.
2. Ergebnisse der kulturvergleichenden Forschung
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand in den USA die kulturvergleichende Forschung. Um Erkenntnisse über die Rolle der Geschlechter und die Kindererziehung zu erhalten, suchten die Wissenschaftler hauptsächlich Kulturen auf, die so wenig wie möglich von der modernen Industriegesellschaft beeinflusst worden waren. Solche Völker waren hauptsächlich primitivere Völker in der Südsee, Eskimos oder Indianer. Beobachtet wurden unter anderem die vorherrschende Arbeitsteilung, geschlechtstypische Verhaltensweisen und vorhandene Macht- und Einflussstrukturen. Bei der Auswertung der Daten orientierte man sich nach dem Grundsatz: „Je weniger Gemeinsamkeiten sich zwischen den verschiedenen Kulturen finden, desto unwahrscheinlicher wird die These vom biologisch vorgeprägten Geschlechtscharakter.“ 2 .
2.1. Margaret Mead
Eine der bekanntesten Forschern auf diesem Gebiet war Margaret Mead (1901- 1978). Sie prägte die psychologische bzw. ethnologische Anthropologie und trug sehr viel zur Forschung über die Geschlechterrollen bei. 3 In den 20er und 30er Jahren erforschte Mead damals noch unbekannte Völker in der Südsee. Besonders interessant sind dabei die Berichte über die Tschambuli vom See, die nicht - so wie die meisten Stämme - patriarchalisch organisiert waren.
Die Tschambuli sind ein kleiner Stamm mit etwa 500 Leuten, die auf 3 Dörfer verteilt leben. Während die Frauen die häuslichen Arbeiten in den Wohnhäusern, auch „Häuser der Frauen“ genannt, verrichten, verbringen die Männer sehr viel Zeit in den Kult- oder Männerhäusern.
2 K.J. Tillmann: Sozialisationstheorien. Eine Einführung in den Zusammenhang von Gesellschaft, Institution und
Subjektwerdung, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1995, S. 43
3 vgl. http://www.medicine-worldwide.de/persoenlichkeiten/mead.html am 18.06.2001
4
Es ist zwar so, dass die Frauen typische Arbeiten wie kochen und flechten übernehmen, viele Tätigkeiten unterscheiden sich aber stark von „unserem“ Frauenbild. So ist man für die Nahrung „von der Fischerei der Frauen abhängig. Männer fischen niemals. [...] Das wichtigste Gewerbe, die Herstellung der Moskitosäcke - für zwei von ihnen kann schon ein gewöhnliches Kanu eingehandelt werden - betreiben ebenfalls nur die Frauen.“ 4 . Auch was die Kultur und den Schmuck angeht, berichtet Mead überraschende Beobachtungen: „Jeder Mann ist ein Künstler, und viele verstehen sich auf mehrere Künste: Tanz, Malerei, Schnitzerei, Flechterei. Jeder Mann ist hauptsächlich mit seiner Rolle auf der Bühne seiner Gesellschaft beschäftigt: mit der Ausarbeitung der Kostüme, der Schönheit seiner Masken, der Geschicklichkeit seines Flötenspiels, der Vollendung und dem Elan seiner zeremoniellen Darbietungen; [...] Das Interesse der Frauen an der Kunst beschränkt sich darauf, innerhalb ihres Kreises eine anmutige Rolle zu spielen; [..] für die Männer ist aber die Kunst das einzig Wichtige im Leben.“ 5 .Die Frauen bei den Tschambuli sind i m Gegensatz zu
den Männern meist überhaupt nicht geschmückt. Es wird auch berichtet, dass die Männer zwar für die Tauschgeschäfte und das dazugehörige Verhandeln zuständig sind, die Frauen jedoch die Macht über das dadurch verdiente Geld besitzen. Auch das Verhältnis der Geschlechter untereinander hat eine andere Qualität. Während die Frauen gemeinschaftlich arbeiten und Solidarität untereinander herrscht, gelten die Beziehungen der Männer zueinander als heikel, schwierig und von Misstrauen geprägt. Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Frauen der Tschambuli in unserem Verständnis „typisch männliche“ Aufgaben, wie das Beschaffen von Nahrung und Macht über das Geld besitzen, umgekehrt die Männer jedoch auch „typisch weibliche“ Eigenschaften, wie Empfindsamkeit, Sensibilität, kulturelle Tätigkeiten und das Tragen von Schmuck aufweisen.
Bei einem anderen von Mead erforschten Stamm, den Manus in Neu- Guinea, kann man ebenfalls eine andere Rollenaufteilung nachweisen. Zwar sind die Männer für den Erwerb, nämlich Fischen und Handeln zuständig, in der Kindererziehung spielen sie jedoch eine wichtige Rolle. Die Mütter versorgen das neu geborene Kind nur das erste Lebensjahr, danach wird es vom Vater gefüttert, gebadet und er spielt mit ihm. „Der Vater ist der zärtliche,
4 Margaret Mead: Leben in der Südsee. Jugend und Sexualität in primitiven Gesellschaften, Szczesny Verlag,
München, 1965, S. 516
5 Margaret Mead: Leben in der Südsee. Jugend und Sexualität in primitiven Gesellschaften, Szczesny Verlag,
München, 1965, S. 510
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Arbeit zitieren:
Julia Koller, 2001, Biologie als Schicksal? Über die Grenzen der geschlechtsspezifischen Sozialisation, München, GRIN Verlag GmbH
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