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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. 1
1. Geschichtlicher Überblick. 1
2. Anwerbeverträge und Ausländerbeschäftigung 2
3. Gastarbeiterpolitik zwischen Rotation und Integration 5
4. Zusammenfassung 6
5. Literaturverzeichnis 7
1. Geschichtlicher Überblick
Das Thema Ausländerbeschäftigung ist relativ neu in der Geschichte, weil das
Wort „Ausländer“ erst im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Bildung moder-
ner Nationalstaaten entstand. Bis dahin gab es nur „Fremde“, die keine Rechte be-
sa ßen und auf den Schutz des Königs angewiesen waren. Die wirtschaftlichen Um-
br üche und expandierende Industrie (die ständig neue Arbeitskräfte benötigte) sowie
Entstehung des Deutschen Reiches haben einen Wandel verursacht. So wurden
(laut Art.3 der Reichsverfassung) Angehörige der einzelnen Unterzeichnerstaaten auf
dem ganzen Reichsgebiet als Inländer definiert, um den freien Fluß der Arbeitskräfte
zu ermögliche n (Gün/Damm 1994)
Am Ende des 19. Jahrhunderts haben sich vier große Industriestandorte in Ruhr-
gebiet , Oberschlesien, Mittelsachsen und Berlin herausgebildet. Besonders interes-
sant erscheint in diesem Kontext die Geschichte der Ruhrpolen, die als „Türken von
gestern “ (Gün/Damm 1994, S. 24) bezeichnet werden können. Sie kamen aus dem
preu ßischen Teil des Kongreß-Polens als deutsche Staatsangehörige und genossen
offiziell gleiche Rechte wie alle anderen Deutschen. In der Realität war aber das
Verhältnis zwischen den Einheimischen und den Immigranten sehr stark durch Vor-
urteile geprägt. Diese Vorurteile in Verbindung mit der untergeordneten Stellung auf
dem Arbeitsmarkt sowie einem starken Germanisierungsdruck haben dazu geführt,
dass die Ruhrpolen in Quasi-Gettos als Außenseiter gelebt haben und eine eigene
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Subkultur entwickelt haben. Die dadurch entstehenden Integrations - und Assimilationsprobleme waren im Prinzip auf Vorurteile der einheimischen Bevölkerung zurückzuführen (Braun/Hillebrand 1994). Am Ra nde sollte man vielleicht noch erwähnen, dass auch ostpreußische Landwirtschaft auf polnische Saisonarbeiter stark angewiesen war. Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands und die Entwicklung zur einen Industrienation wäre also ohne Fremdarbeiter (darunter Polen) nicht möglich gewesen. Einige Parallelen zu der heutigen Situation der Türken (oder allgemein der Gastarbeitern) in Deutschland lassen sich also nicht leugnen. Während des ersten Weltkrieges wurden Fremdarbeiter vor allem in der Landwirtschaft und Rüstungsindustrie tätig; sie erhielten den Status der Zivilgefangenen. Nach dem ersten Weltkrieg wurden trotz hoher Arbeitslosigkeit Leute in der Landwirtschaft benötigt; auch in der NS-Zeit wurde der Trend fortgesetzt, wobei wieder waren es vor allem polnische Landarbeiter. Während des zweites Weltkrieges wurden sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft Zwangsarbeiter eingesetzt (Gün/Damm1994). Dieses dunkle Kapitel der deutschen G eschichte ist aber ein Thema für sich und wird aus Platzmangel im Ra hmen meiner Arbeit nicht behandelt.
2. Anwerbeverträge und Ausländerbeschäftigung
Bis zum Jahr 1961 kamen nach BRD insgesamt 13,4 Mio. Heimatvertriebenen und DDR Flüchtlinge; die Arbeitslosigkeit lag im Jahre 1955 bei ca. 5,1%. Trotzdem hat die Bundesregierung in den 50er und 60er Jahren eine Reihe Anwerbeverträge abgeschlossen: 1955 mit Italien, 1960 mit Spanien und Griechenland, 1961 mit der Türkei, 1963 mit Marokko, 1964 mit Portugal, 1965 mit Tunesien und 1968 mit Jugoslawien. Die Begründung war, „...dass der Arbeitsmarkt keine Reserven mehr biete, da der Flüchtlingsstrom zurückgehe, die Arbeitsstrukturen sich verändern und durch die Einberufung zum Wehrdienst deutsche Arbeitskräfte der Wirtschaft entzo- gen werden [...] Die Arbeitslosigkeit (die sogenannte „industrielle Reservearmee“)
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war unter dem vom Kapital erwünschten und von der Politik vertretbaren Grenze.“ (Gün/Damm 1994, S.33).
Außer der Bundesregierung haben in den Beratungen Vertreter der Bundesanstalt für Arbeit, der Arbeitgeber und der Gewerkschaften teilgenommen. Die Gewerkscha ften haben dabei befürchtet, dass die ausländischen Arbeitskräfte sich als Lohndrücker erweisen können - so hat man auch spezielle Regelungen bezüglich der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis getroffen (Mehrländer1978). Es wurde eine Kosten-Nutzen Analyse durchgeführt und Rotationsprinzip als modernisierte Variante der Saisonarbeit dargestellt. Die „Gastarbeiter“ wurden anfangs in Wohnheimen und Lagern in der Nähe des Arbeitsplatzes bzw. direkt auf dem Betriebsgelände untergebracht (Gün/Damm 1994; auch Gebauer u.a. 1993). „Die Zahl der ausländischen Arbeiter in der Bundesrepublik stieg von 95.000 1956 auf 507.000 1961 und dann bis Mitte 1966 auf 1,3 Mio. Die Rezession von 1966-67 führte zu eine m Rückgang der Zahl ausländischer Arbeiter auf 904.000. [...] Nach der Rezession stieg die Zahl der beschäftigten Ausländer steil an und erreichte bis 1970 2 Mio. und 2,6 Mio. bis Mitte 1973.“ (Castles 1987, S. 71). Die Anwesenheit der ausländischen Arbeitnehmer hat eine Statusaufwertung der deutschen Beschäftigten mit sich gebracht, gleichzeitig aber auch Angst vor Überfremdung. Ein Problem bleibt auch die Konkurrenz im Bereich der unteren Lohngruppen (weniger qualifizierte Arbeitnehmer) sowie Wettbewerb um knappe preiswerte Wohnungen. Von dieser Situation profitierte z.B. NPD, die in den Jahren 1966-1968 mit Parolen „Deutschland für Deutsche“ in sieben Landesparlamente eingezogen ist (Gün/Damm 1994).
In den nachfolgenden Jahren ist die Diskussion um den Familiennachzug ausgebrochen; man hat festgestellt, dass die Mobilität der Gastarbeiter abgenommen hat, die Infrastruktur zusätzlich belastet wurde und Modernisierungseffekte abgeschwächt. Eine neue Phase der Ausländerpolitik begann 1973 mit der sog. „Konsolidierung“, mit dem Ziel, die Zahl der Gastarbeiter zu reduzieren (Gün/Damm 1994; auch Gebauer u.a. 1993). Die Anwerbung aus Nicht-EG Staaten wurde verboten, man versuchte aber vor allem zu verhindern, dass die Gastarbeiter seßhaft werden (z.B. durch Familiennachzug). Diese Maßnahmen haben aber das Gegenteil be-
Arbeit zitieren:
Isabella Moch-Trzcinski, 2000, Geschichte der Ausländerbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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