INHALT:
Seite 03: 1 Einleitung
Seite 04: 2 Daten
3. Inhalt
Seite 05: 4 Konstruktion der Kadrierung
Seite 09: 5 Ästhetik und Inhalt Personen
5.1. Der Krieger
Seite 10: 5 2 Die Kaiserin
Seite 11: 5 3 Märchenhaft oder unrealistisch
Seite 12: 6 Sprache
Seite 13: 7 Farbkomposition
Seite 14: 8 Kamera
8.1. Stehende Kamera
8.2. Kreisfahrten
Seite 15: 8 3 Detailaufnahmen
Seite 16: 8 4 Anthropomorphe und technomorphe Kamera
Seite 17: 8 5 Hineinversetzen verfolgen oder nur zeigen
Seite 19: 9 Das Ende des Films
Seite 20: 10 Schluss
Seite 22: 11 Literaturverzeichnis
11.1. Zeitschriftenquellen
Seite 23: 11 2 Internetquellen
11.2. Bildquellen
12. Autor
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Seitenzahlen gekommen
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1. Einleitung
Tom Tykwer 1 will seine Filme als Sprachrohr nutzen, mit denen er seine Botschaften vermittelt. Er gesteht selbst, dass er sich dabei oft am Rande des Eklektizismus 2 bewegt, was ihm häufig Kritik einbringt. Tykwer ist es wichtig, nichts dem Zufall zu überlassen; jede Einstellung ist geplant. Und schon zu Beginn seiner Filme soll der Zuschauer gefesselt werden: „Ich habe ja auch die These, dass man dem Zuschauer ganz früh klarmachen muss, mit welcher Sprache man spricht. (...) Ich versuche, die Vehemenz meiner filmischen Mittel (...) immer sehr früh deutlich zu machen“ 3 . Die Gefahr, die dabei von etlichen Filmkritikern gesehen wird, ist, dass Tykwer in ein Spiel inhaltsleerer Ästhetik verfällt. In dieser Arbeit gehe ich der Sprache Tykwers (und der Kameraarbeit Frank Griebes) ausgehend von der ersten Sequenz 4 im Film `Der Krieger und die Kaiserin´ nach und versuche, eine Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von Ästhetik und Inhalt zu finden.
1 Weniger (2002): „Tom Tykwer, *Wuppertal 23.5.1965. Hochtalentierter deutscher Filmregisseur mit beachtlichem Karrierestart in den 90er Jahren. Tykwer hatte von Kind auf eine große Liebe zum Kino entwickelt. (...) Ohne je eine Filmhochschule besucht zu haben, versuchte sich Tykwer mit dem Geld von Freunden (...) als Regisseur zweier Kurzfilme. (...) Kurz zuvor [vor seinem Film `Heaven´; d.V.] hatte er eine weitere Inszenierung mit seiner Lebensgefährtin Franka Potente, >Der Krieger und die Kaiserin<, in die Kinos gebracht. Trotz unzweifelhafter Meriten fand dieser Film nicht die gleiche positive Rezeption wie >Lola rennt<.“ S. 87/88.
2 Eklektiker suchen sich aus verschiedenen Lehren ihnen Zusagendes aus und erstellen daraus ihre eigene, scheinbar neue Philosophie.
3 Schäffler (2002): S. 246.
4 Eine Sequenz ist eine Einheit von Einstellungen, die nach Bildgehalt und Aussageabsicht eng zusammenhängt.
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2. Daten
3. Inhalt
Sissi arbeitet als Krankenschwester in der psychiatrischen Anstalt Birkenhof. Als sie einen Brief von ihrer in Frankreich lebenden Freundin erhält, in dem sie gebeten wird, zur Bank zu gehen und das Erbe abzuholen, das ihre Mutter dort in einem Schließfach verschlossen hat, wird Sissi von einem Tanklastzug überfahren. Der Fahrer des Lastwagens hatte seine Aufmerksamkeit einen Moment zu lange auf Bodo gelenkt, der – nach einem nicht näher beschriebenen und von ihm begangenen Verbrechen (vermutlich ein Überfall auf eine Tankstelle 5 ) vor einigen Männern flüchtend – auf seinen Wagen aufgesprungen war. Bodo nutzt den zum Stehen gekommenen Tanklastzug, um sich unter ihm zu verstecken. Unter dem Laster liegend sieht er zum ersten Mal Sissi, die keine Luft bekommt. Mit seinem Armeemesser schneidet Bodo Sissi kurzentschlossen die Kehle auf und benutzt einen 5 Vgl. Walters Aussage später im Film: „Du hörst jetzt jedenfalls auf mit dem Tankstellenmist!“ [0:27:48].
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Plastikstrohhalm, um ihr durch den Luftröhrenschnitt beim Atmen zu helfen. Er begleitet Sissi bis ins Krankenhaus und verlässt sie noch auf dem Weg in den Operationsraum. Sissi kann ihren Retter nicht vergessen, sucht und findet ihn. Doch Bodo will Sissi nicht sehen; er beschimpft sie – vermutlich, um den Plan von seinem Bruder und ihm, demnächst eine Bank auszurauben, geheim zu halten, oder auch, weil er Angst davor hat, er könnte Zuneigung oder gar Liebe für eine Frau empfinden, nachdem seine Frau bei einer Tankstellenexplosion gestorben war. Als Sissi schließlich das Erbe der Mutter ihrer Freundin abholen will, kommt sie in gerade jene Bank, die von Bodo und seinem Bruder zur gleichen Zeit überfallen wird. Einer der Angestellten schießt auf Bodos Bruder, der Überfall scheint zu misslingen. Aber Sissi überwältigt den Bankangestellten und flieht gemeinsam mit Bodo und dessen Bruder, den sie schwerverletzt in ein Krankenhaus bringen. Sissi versteckt Bodo in der psychiatrischen Anstalt, in der sie arbeitet, bis das Versteck von einem Patienten der Polizei verraten wird. Nach einem gemeinsamen Sprung vom Dach (Vom Zuschauer wird in diesem Moment bereits der gemeinsame Selbstmord vermutet.) und der glücklichen Landung in einem Teich vor der Anstalt gelingt dem Paar die Flucht. Sie halten an gerade jener Tankstelle an, an der (vor nicht näher bestimmter Zeit) Bodos Frau nach einem Streit gestorben war.
4. Konstruktion der Kadrierung
Ein Film ist eine Abfolge von Bildern. Die Zusammenfassung der Bilder einer Einstellung der Kamera (des Dispositivs zum Einfangen der Bilder) ergibt die technisch gesehen kleinste Einheit des Filmwerks. Hieraus folgt – laut Walter Dadek 1968 –, dass eine Filmanalyse auch mit der Betrachtung von Einstellungen als kleinster bedeutungstragender Einheit beginnen muss. Die Einstellung ist also sozusagen das Morphem des Filmes. Das Bild ist demnach das Phonem des Filmes, die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit. Hieraus folgt: Um die Aussage des Films zu untersuchen, ist die Betrachtung des Films in seiner spezifischen
medialen Erscheinung 6 notwendig. Um die Sprache des Films (also den `Stil´ des Filmes 7 ) zu betrachten, ist die Analyse des Bildfeldes, auch einzelner Bilder, eine Grundlage.
Die Analyse des Bildfeldes verlangt die Beachtung zunächst der photographischen Einzelbilder 8 hinsichtlich ihres Aufbaus (Perspektive, Geometrie, Farbe, Ästhetik, Relevanz für den Inhalt) und anschließend ihre Komposition zu bewegten Bildern unter Beachtung von beispielsweise Schnitt, Kamerabewegung, Bewegungen im Bild. Auch das bewegte Bild ist
6 Das bedeutet: Der Faktor `Zeit´ muss berücksichtigt werden, der das Medium Film von der Photographie
abgrenzt
7 Zur Problematik des Begriffs `Stil´ vgl. Prümm (1999): S. 18 ff.
8 Es wird also eine „fotografische Lektüre“ verlangt; vgl. Prümm (1999): S. 18.
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immer ein durch die Wahl des Bildfeldes geschlossenes System, das den Blick des Zuschauers bestimmt. „Das durch das Bildfeld bestimmte geschlossene System kann in Hinsicht auf die Daten, die es den Zuschauern vermittelt, betrachtet werden“ 9 .
Die ersten zwei Minuten des Films `Der Krieger und die Kaiserin´ (und damit die erste Sequenz) sind beispielhaft für die bis ins kleinste Detail geplante Wahl der Bildausschnitte und die damit einhergehende konstruierte Ästhetik des Films. Durch die Konstruktion der Kadrierung 10 wird der Film lesbar. Der Zuschauer fühlt zu jedem Zeitpunkt, dass er etwas sehen soll und seine Aufmerksamkeit gewollt ist. Regisseur Tom Tykwer sagt hierzu selbst: „Ich bin ja immer da. Ich entscheide ja immer den Bildausschnitt. Den unschuldigen Ausschnitt gibt es nicht“ 11 . Das Bildfeld muss demnach als Informationsfläche gewertet werden, die auch autonom interpretiert werden kann – sowohl (laut Lorenz Engell) in Bezug auf Einzelbilder („der Gegenstand unabhängig von seiner Bewegung“ 12 ) als auch in seiner bewegten Gesamtheit.
Das erste Bild des Filmes [0:00:29] 13 zeigt ein französisches Landhaus (Diese Szene wurde in England gedreht, spielt aber im Film in Frankreich.) auf einer Landzunge, zu einem großen Teil vom Meer umgeben. Ein nicht gepflasterter Feldweg, auf dem sich die Kamera offensichtlich befindet, führt gerade auf das Haus zu, das ein wenig links von der exakten Mitte des Bildes platziert ist. Das Bild nimmt verschiedene Motive der Malerei der Romantik wieder auf. Die unendliche Weite der Natur, in der sich der Betrachter verlieren kann, das einsame Haus, das den Naturgewalten in seiner exponierten Stellung trotzt, und der leichte Nebel über dem Wasser, der Meer und Himmel am Horizont nicht mehr deutlich voneinander trennen lässt (was in der Malerei der Romantik als Transzendenz des Göttlichen interpretiert wird). Gehen wir von der Betrachtung dieses ersten Bildes des Films zur Betrachtung der ersten Einstellung über, so fällt auf: Die Kamera bewegt sich nicht. Einziges bewegtes Element im Bild sind die Büsche im Wind am Rande des Feldweges. Die Bewegung des Meeres lässt sich nur aus dem Wissen des Zuschauers erahnen, ist aber nicht zu sehen. Die erste Einstellung soll offenbar auch in der Betrachtung des Filmes als unbewegtes Bild wahrgenommen werden, das gemalt scheint. Die erste Einstellung dient damit als Ruhepol zu Beginn des Filmes; sie gibt dem Film bereits in den ersten Sekunden sein Tempo vor. Schon
9 Deleuze (1989): S. 35.
10 Kadrierung bezeichnet die Wahl des Bildausschnitts.
11 Schäffler (2002): S. 247.
12 Engell (1995): S. 33.
13 Diese Zahlen in eckigen Klammern beziehen sich (auch im Folgenden) auf die Position des gemeinten Bildes / der gemeinten Szene im Film „Der Krieger und die Kaiserin“.
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Arbeit zitieren:
Thorsten Schulte, 2003, Der Krieger und die Kaiserin, München, GRIN Verlag GmbH
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