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Archaistische Erklärungsversuche der Hexenverfolgungen während der Frühen Neuzeit

Title: Archaistische Erklärungsversuche der Hexenverfolgungen während der Frühen Neuzeit

Seminar Paper , 2004 , 12 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Stephanie Guillen Niubo (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Zwischen 1384 und 1390 wurden in Mailand zwei Frauen aus der höheren Gesellschaft verhaftet, die gestanden einem Kult um eine ominöse „Madonna Oriente“ anzugehören. Sie sagten aus, dass sie sich jeden Donnerstagabend um Madonna Oriente versammelten. Sie seien Teil ihrer Gesellschaft, die sich sowohl aus Lebenden, als auch aus Toten zusammensetzt. Es waren jedoch Gehängte oder Geköpfte von der Teilnahme ausgeschlossen, da es ihnen durch das gebrochene Genick oder den fehlenden Kopf nicht mehr möglich war sich zu verneigen. Während den Treffen war es verboten den Namen von Jesus auszusprechen, da sich Madonna Oriente innerhalb ihrer Gefolgschaft in derselben Rolle sah, wie Jesus auf Erden. Ein Verstoß gegen dieses Gebot hätte den Zorn der Göttin heraufbeschworen. Bei den Zusammenkünften wurden alle Arten von Tieren geschlachtet und von den Anwesenden zusammen verspeist. Hierbei wurde jedoch darauf geachtet, dass die Knochen und die Haut der Tiere nicht beschädigt wurden. Am Ende der Treffen ging Madonna Oriente umher und berührte die Knochen, wodurch die Tiere wieder zum Leben erwachten. Zwei Tiere durften jedoch nicht verspeist werden: der Esel, wegen seiner engen Verbindung zu Christus, und der Fuchs, über den jedoch nichts Näheres bekannt ist. Würde man gegen dieses Verbot verstoßen, würde dies das Ende der Welt bedeuten. 2 Madonna Oriente unterwies ihre Gefolgschaft im Umgang mit heilenden Kräutern, in der Kunst die Zukunft vorauszusagen und böse Flüche auszusprechen. Sie erlaubte ihnen ebenfalls ihre Künste auch anderen Menschen beizubringen, unter der Voraussetzung, dass sie nichts über die Gefolgschaft sagten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Theorien zu archaistischen Erklärungsansätzen

1. Der Kult um „Madonna Oriente“ in Mailand

2. Der Dianakult nach Margaret Murray

3. Der Benandanti-Kult im Friaul

C. Allgemeine Kritik an den Theorien

D. Resumée

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die bekanntesten historischen Theorien, die Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit als Resultat einer geheimen Ausübung archaischer Kulte zu deuten versuchen. Dabei steht die kritische Prüfung dieser Thesen sowie deren Übertragbarkeit auf den süddeutschen Raum im Fokus, um zu klären, ob diese Erklärungsansätze historisch fundiert oder lediglich Konstrukte einer späteren Rezeption sind.

  • Analyse archaischer Kultmodelle (Madonna Oriente, Dianakult, Benandanti)
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Quellengrundlage und der Rolle der Folter
  • Untersuchung der Übereinstimmung zwischen Kultdarstellungen und inquisitorischen Vorstellungen
  • Historische Einordnung der regionalen Begrenztheit dieser Phänomene
  • Gegenüberstellung von moderner Esoterikbewegung und frühneuzeitlicher Hexenverfolgung

Auszug aus dem Buch

3. Der Benandanti-Kult im Friaul

Der italienische Historiker Carlo Ginzburg veröffentlichte 1980 das von ihm verfasste Buch ‚Die Benandanti: Feldkulte und Hexenwesen im 16. und 17. Jahrhundert’. In diesem Werk beschreibt er seine Forschungsarbeit über einen im italienischen Friaul existenten archaischen Kult, der in der Frühen Neuzeit von den Inquisitoren verfolgt wurde. Seine Schilderungen basieren auf den Geständnissen und Berichten von angeblichen Benandanti.

Die Benandanti („Gut-Gänger“) bestanden sowohl aus Männern als auch aus Frauen. Ein Mitglied dieser Gemeinschaft konnte man nicht einfach werden, sondern man wurde als Benandante geboren. All jene, die mit dem ‚Hemd’ – der Fruchtblase – geboren wurden, waren dazu bestimmt im Erwachsenenalter von ca. zwanzig bis dreißig Jahren der Gemeinschaft beizuwohnen. Der Glaube, dass die Geburt mit der Fruchtblase einen Menschen zu besonderen spirituellen Eigenschaften befähigte, herrschte in vielen Teilen Europas. So nahm man zum Beispiel in Dänemark an, dass diese Kinder in der Lage waren die Toten zu sehen. Auch bewahrten die Mütter die Fruchtblase oft auf und ließen sie zusammen mit dem Säugling taufen und Messen darüber lesen. Sobald sie reif genug waren, überreichten die Mütter den zukünftigen Benandante das ‚Hemd’.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Philosophie der modernen Wicca-Bewegung und hinterfragt den Wunsch, Hexenverfolgungen durch den Rekurs auf archaische Kulte zu erklären.

B. Theorien zu archaistischen Erklärungsansätzen: Dieses Kapitel stellt drei spezifische Fälle – den Kult um Madonna Oriente, den Dianakult nach Murray und den Benandanti-Kult – vor und beschreibt deren rituelle Praktiken.

C. Allgemeine Kritik an den Theorien: Die Kritik setzt bei der regionalen Begrenztheit der Kulte sowie bei der methodisch zweifelhaften Quellenarbeit an, die häufig die Rolle der Folter vernachlässigt.

D. Resumée: Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass sich diese archaistischen Theorien nicht als allgemeine historische Grundlage für Hexenverfolgungen in Bayern und Schwaben eignen.

Schlüsselwörter

Hexenverfolgung, Frühe Neuzeit, Benandanti, Madonna Oriente, Dianakult, Margaret Murray, Carlo Ginzburg, Inquisitoren, Archaische Kulte, Hexensabbat, Folter, Aberglaube, Wicca, Historische Analyse, Fruchtbarkeitsriten

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Bewertung von Theorien, die behaupten, dass die Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit auf das Überleben archaischer, heidnischer Kulte zurückzuführen seien.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Analyse dreier bekannter Kultmodelle, die Quellenkritik an der Hexenforschung des 20. Jahrhunderts und die Frage nach der historischen Evidenz dieser Erklärungsansätze.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu prüfen, inwieweit diese Theorien historisch haltbar sind und ob sie auf den Raum Bayern und Schwaben übertragen werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Forschungsbeiträge und eine kritische Revision der primären Prozessberichte, wie sie von Historikern wie Ginzburg verwendet wurden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kulte um Madonna Oriente, den Dianakult nach Margaret Murray und den Benandanti-Kult, gefolgt von einer allgemeinen Kritik an deren methodischer Herleitung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Hexenverfolgung, Benandanti, archaische Kulte, Inquisitoren, Quellenkritik und der Übergang von der Vormoderne zur modernen Esoterik.

Inwiefern beeinflusst die Folter die Glaubwürdigkeit der untersuchten Geständnisse?

Die Autorin argumentiert, dass die große Deckungsgleichheit der Aussagen mit den Vorstellungen der Inquisitoren stark darauf hindeutet, dass diese unter der Anwendung von Folter zustande kamen.

Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit zum Benandanti-Kult?

Der Benandanti-Kult war ein lokales Phänomen im Friaul, dessen Mitglieder sich im Geiste gegen sogenannte Stregoni kämpfend sahen; für eine weitergehende Verallgemeinerung als Erklärung für Hexenprozesse gibt es keine Grundlage.

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Details

Title
Archaistische Erklärungsversuche der Hexenverfolgungen während der Frühen Neuzeit
College
University of Augsburg
Grade
1,7
Author
Stephanie Guillen Niubo (Author)
Publication Year
2004
Pages
12
Catalog Number
V29565
ISBN (eBook)
9783638310437
Language
German
Tags
Archaistische Erklärungsversuche Hexenverfolgungen Frühen Neuzeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephanie Guillen Niubo (Author), 2004, Archaistische Erklärungsversuche der Hexenverfolgungen während der Frühen Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29565
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