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Parteibindungen und Wahlverhalten in den neuen Bundesländern

Title: Parteibindungen und Wahlverhalten in den neuen Bundesländern

Seminar Paper , 2004 , 16 Pages , Grade: 2

Autor:in: Daniel Schüler (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Summary Excerpt Details

Die hier vorliegende Arbeit wird sich mit einer beinahe einmaligen Umbruchssituation
in der politischen Landschaft und deren Auswirkungen beschäftigen. Mit dem
Zusammenbruch der sozialistischen Systeme im Ostblock sehen sich zwar alle
betroffenen Länder großen Umbrüchen gegenüber, die Situation der ehemaligen DDR
unterscheidet sich von allen anderen aber durch den Zusammenschluss mit der
Bundesrepublik Deutschland; es muss also nicht wie in den anderen Ländern erst das
passende bzw. ein passendes politisches System gefunden werden, sondern die Bürger
der DDR finden sich „von heute auf morgen“ in einem demokratischen System mit
freien Wahlen wieder1. Die Situation der ehemaligen DDR entscheidet sich ebenfalls
insofern, dass aufgrund der Teilung Deutschlands und dem somit direkten
kapitalistischen und demokratischen Nachbarn eine gewisse Nähe zum Westen durch
die in einem großen Teil der DDR empfangbaren Medien (Fernsehen/Radio) gegeben
war2.
Wie würden die neuen Bundesbürger also wählen? Waren sie in ihrer Wahrnehmung
der westlichen Parteien durch die Indoktrination der DDR-Bürokratie beeinflusst oder
doch eher doch durch die Rezeption der Westmedien? Besitzen sie womöglich so etwas
wie Parteibindungen, obwohl sie diese nicht durch praktiziertes Wählen erhalten haben
konnten und wie sehen die erwünschten bzw. verfolgten Werte der Bürger aus?
Um diese Fragen zu klären, werden zunächst die Wahlen nach dem Zusammenbruch
des DDR-Regimes und die damit verbunden zeitgenössischen soziologischen
Überlegungen zum Wahlverhalten zu betrachten sein. Danach wird die Frage nach der
Entwicklung des Wahlverhaltens der Ostwähler bis heute und die Unterschiede zum
Wähler in den alten Bundesländern zu bearbeiten sein.
Natürlich können diese Fragen in der hier vorliegenden Arbeit nur überblicksartig
behandelt werden.
1 Im Gegensatz zu anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks, in denen sich eher autokratische Systeme
entwickelten
2 Besonders ist hier die Stellung Westberlins als Sendeplatz der TV- und Radioanstalten im Herzen der
DDR hervorzuheben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Wahlverhalten der ostdeutschen Wähler 1990

1.1 Die Kontinuitätsthese

1.2 Die Tabula-Rasa-These

1.3 Die Konvergenzthese

1.4 Die Kristallistationsthese

2. Die Entwicklung des Wahlverhaltens im Osten seit 1990

2.1 Die Wahlergebnisse in Gesamtdeutschland zum Vergleich

2.2 Erklärungsversuche der Entwicklung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das spezifische Wahlverhalten der Bürger in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung, um zu klären, wie sich die politische Prägung aus der DDR-Zeit und der abrupte Systemwechsel auf die demokratischen Wahlentscheidungen ausgewirkt haben. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Entstehung von Parteibindungen und die Wirksamkeit soziologischer Hypothesen unter den Bedingungen einer beinahe einmaligen Umbruchssituation.

  • Analyse theoretischer Ansätze zur Erklärung des Wahlverhaltens 1990
  • Untersuchung der Entwicklung des ostdeutschen Wahlverhaltens im Zeitverlauf
  • Vergleich der Wahlergebnisse zwischen Ost und Gesamtdeutschland
  • Diskussion von Wertorientierungen und deren Einfluss auf die Parteipräferenz
  • Bewertung der Rolle von Issues und politischen Akteuren im Transformationsprozess

Auszug aus dem Buch

1.2 Die Tabula-Rasa-These.

Diese Hypothese stellt quasi die extreme Gegenposition zur Kontinuitätsthese dar. Da während der etwa ein halbes Jahrhundert dauernden Existenz der DDR und auch im Dritten Reich keine demokratischen Wahlen stattfanden gibt es also eine lange Unterbrechung der demokratischen Tradition. Aus der Generation, die zuletzt an freien Wahlen teilgenommen hat, ist kaum noch jemand da und die junge Generation hat keinerlei Erfahrungen mit Demokratie. Somit existieren keine langfristig wirkenden Bestimmungsgründe für das Wahlverhalten und die ehemals existierenden Parteibindungen seinen zerstört, womit hier ein reines Issue-Voting durch einen rational-choice-Wähler zu beobachten wäre.

Diese Vermutung deckt sich mit dem Wahlergebnis 1990, wodurch ein längerfristig unstabiles Wählerverhalten mit hoher Reagibilität zu erwarten wäre, was auch zu den Ergebnissen der Landtagswahlen 1990 und 1994 passt. Dagegen ist einzuwenden, dass doch Gleichförmigkeiten im Wahlverhalten erkennbar sind, die auf eine elektorale Grundorientierung der Wählerschaft hindeuten. Das Wahlergebnis 1990 wurde eher von dem Issue der Wiedervereinigung so dominiert, dass alle anderen Einflussfaktoren auf die Wahlentscheidung in den Hintergrund getreten sind.

Die stärke der CDU bei den Arbeitern lässt sich vielleicht mit einem „cross class voting“ erklären: der Klassencleavage (sozial-ökonomischer Konflikt) zwischen den ausführenden Arbeitern und der leitenden Klasse der SED-Elite brachte der CDU stimmen, da sie als stärkster Gegner der alten Ordnung auftrat. Da dieser Konflikt aber verschwunden ist, ist eine langsame Abnahme des CDU-Wähleranteils bei der Arbeiterschaft zu erwarten, die Stärke der CDU im Arbeitermilieu wäre also nicht dauerhaft.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Umreißt die besondere Umbruchssituation der DDR-Bürger beim Übergang in ein demokratisches System und definiert die Kernfragen nach Parteibindungen und Werteorientierungen.

1. Das Wahlverhalten der ostdeutschen Wähler 1990: Analysiert die erste gesamtdeutsche Bundestagswahl unter Berücksichtigung von vier zentralen Hypothesen (Kontinuität, Tabula Rasa, Konvergenz, Kristallisation).

1.1 Die Kontinuitätsthese: Prüft die Annahme, dass traditionelle Konfliktlinien (Cleavages) aus der Weimarer Republik die Zeit der DDR überdauert haben.

1.2 Die Tabula-Rasa-These: Untersucht die Hypothese, dass durch die lange Unterbrechung demokratischer Traditionen keine langfristigen Bindungen existieren und Wähler rein rational auf aktuelle Themen reagieren.

1.3 Die Konvergenzthese: Diskutiert die Annahme eines Angleichungsprozesses an westdeutsche Wahlmuster durch den Einfluss von Westmedien und eine geistige Identifikation mit dem Westen.

1.4 Die Kristallistationsthese: Erläutert die Entstehung eines ostdeutschen Eigensinns und die Herausbildung spezifischer, durch DDR-Sozialisationsbedingungen geprägter Wertemuster.

2. Die Entwicklung des Wahlverhaltens im Osten seit 1990: Vergleicht die Wahlergebnisse der Bundestagswahlen von 1990 bis 2002 und identifiziert Trends wie den Aufstieg der SPD und die Sonderrolle der PDS.

2.1 Die Wahlergebnisse in Gesamtdeutschland zum Vergleich: Stellt das ostdeutsche Wahlverhalten dem Bundesdurchschnitt gegenüber, um Phänomene wie die Stärke der PDS zu kontextualisieren.

2.2 Erklärungsversuche der Entwicklung: Reflektiert die Stabilität und Veränderung der Wertorientierungen ostdeutscher Bürger als maßgebliche Faktoren für langfristige Wahlentscheidungen.

Schlüsselwörter

Wahlverhalten, DDR, Wiedervereinigung, Parteibindung, Cleavage-Theorie, Transformationsprozess, Bundestagswahl, PDS, Ostdeutschland, Wertewandel, Issue-Voting, Sozialisation, politische Kultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Wahlverhalten der Bürger in den neuen Bundesländern in der Phase nach der Wiedervereinigung bis zum Jahr 2002.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Auswirkungen der politischen und gesellschaftlichen Transformation, die Bedeutung von Parteibindungen sowie der Einfluss soziologischer Prägungen auf die Wahlentscheidungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Unterschiede zwischen dem ost- und westdeutschen Wahlverhalten zu verstehen und zu prüfen, welche theoretischen Modelle (z.B. Kontinuitäts- oder Konvergenzthese) das tatsächliche Verhalten der Wähler im Osten am besten erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung verschiedener wahlsoziologischer Hypothesen und einer vergleichenden Analyse empirischer Wahlergebnisse der Bundestagswahlen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Wahlverhaltens von 1990 unter verschiedenen Thesen sowie die Beobachtung der langfristigen Entwicklung bis 2002 im Vergleich zum gesamtdeutschen Durchschnitt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Wahlverhalten, Parteibindung, Transformation, Wiedervereinigung sowie die spezifischen sozialisationstheoretischen Konzepte wie die Tabula-Rasa- oder Konvergenzthese.

Warum spielt die PDS in dieser Arbeit eine besondere Rolle?

Die PDS wird als "ostdeutsches Phänomen" identifiziert, das sich als dritte Kraft im Osten etablieren konnte, während sie im Westen politisch kaum eine Rolle spielt.

Welche Bedeutung hat das "Issue-Voting" für die erste Wahl 1990?

Der Autor argumentiert, dass das Thema der Geschwindigkeit der Wiedervereinigung 1990 so dominant war, dass es andere Faktoren überlagerte und somit das Wahlergebnis maßgeblich bestimmte.

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Details

Title
Parteibindungen und Wahlverhalten in den neuen Bundesländern
College
University of Frankfurt (Main)
Course
Warum wählen Menschen, wie sie wählen?
Grade
2
Author
Daniel Schüler (Author)
Publication Year
2004
Pages
16
Catalog Number
V29599
ISBN (eBook)
9783638310697
Language
German
Tags
Parteibindungen Wahlverhalten Bundesländern Warum Menschen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Schüler (Author), 2004, Parteibindungen und Wahlverhalten in den neuen Bundesländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29599
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