GLIEDERUNG
1. Einleitung
Einstieg und Begriffsdefinition
2. Utopien im Allgemeinen
2.1 Wann ersinnt man Utopien?
2.2 Illusionäre und konkrete Utopien
2.3 Utopie und Antiutopie
3. Interdisziplinärer Utopismus
3.1 Utopien aus stadtplanerisch-technologischer Sicht
3.2 Utopien aus soziologischer Sicht
3.3 Die Utopie der Utopie - Verschmelzung von sozialen und technologischen
Aspekten
4. Utopisches Denken im Städtebau
4.1 Funktion utopisch-urbaner Modelle
4.2 Die Stadt als Utopie schlechthin
4.2 Themenfelder moderner Stadtutopien
5. Historische Stadtutopien
5.1 Der utopische Sozialismus
5.1.1 Robert Owen - “Villages of New Harmony
5.1.2 François Marie Charles Fourier - die „Phalanstères“
5.2 Postindustrielle Utopien
5.2.1 Le Corbusier - Utopie des Plans
5.2.2 Bruno Taut - Utopie der Gemeinschaft
5.3 Exkurs: Filmutopien - „Metropolis“
5.4 Nationalsozialistische Utopien
6. Schluss:
Ausblick und kritische Reflexion
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1. Einleitung
Die Popularität von Zukunftsprojektionen ist kein spezifisches Phänomen u nserer Zeit. Schon immer waren Menschen von der Vorstellung fasziniert, sich mit der Suche nach möglichen neuen Zukunftsmodellen auseinander zu setzten. Diese Arbeit versteht sich daher auch nicht als chronologische Zusammenfassung historischer Utopien, sondern möchte vielmehr versuchen, eine Antwort auf die Frage nach den Ursprungsaxiomen utopischen Denkens zu geben. Besteht sein Hauptimpuls letztlich in der Überlebensfrage gesellschaftlicher Existenz? Oder heißt Utopist sein lediglich sich in romantisierte Wunschträume zu verlieren? Das inhaltliche Substrat befindet sich wohl in der Mitte dieser beiden Extremata . Um den Blick auf das Wesentliche nicht zu trüben, werde ich mich im Folgenden auf die Analyse der Charakteristika verschiedener utopischer Denkmodelle konzentrieren und sie dann an Hand historischer Beispiele belegen.
2. Utopien im Allgemeinen 2.1 Wann ersinnt man Utopien?
Flechtheim definiert den Begriff Utopie als Versuch des Menschen, die Macht der Grundwerte Frieden, Gerechtigkeit, Freiheit, Wahrheit zu maximieren. Die Utopie lässt sich in ihrer Grundform nun wie folgt erklären: Voraussetzung ist zunächst der Versuch des Individuums, etwas gegen seine Unzufriedenheit zu unternehmen. Zielt dieses Denken nur auf die eigene Person ab, so handelt es sich lediglich um einen Plan, nicht aber um eine Utopie. Voraussetzung für die Utopie ist stets das Vorhandensein einer kollektiven Unzufriedenheit. Die Vorstellung, dass eine Veränderung des Verhaltens der anderen eine Verbesserung der Lebensumstände für alle bezwecken würde, und die Erkenntnis, dass diese Veränderung alleine kaum zu realisieren ist und man sie daher auch nicht herbeizuführen versucht, bezeichnet man als regelechte Utopie. Wichtig ist also weniger die Frage nach der technologisch oder gesellschaftlich bedingten Realisierbarkeit, als vielmehr das individuelle vorab Resignieren. In allen anderen Fällen handelt es sich um mehr oder weniger konkretisierte Pläne. Signifikant für die Utopie ist außerdem ein übergewichtiges Herausstellen einzelner Aspekte unter Vernachlässigung der übrigen (z.B. technischer, funktionaler, sozialer oder organisatorischer). Meist handelt es sich um totalsichtige simplifizierte Modelle einer idealen (oder apokalyptischen) Zukunft. Diese Zukunft kann aus Sicht des
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Utopisten nur dann Wirklichkeit werden, wenn eine kollektive Zustimmung hergestellt wird. Wenn dies erreicht ist, verwandelt sich die Utopie in einen Plan.
2.2 Illusionäre und konkrete Utopien
Innerhalb von Utopien unterscheidet man zwischen illusionären und konkreten Utopien. Die illusionäre, „(…)die echte Utopie entsteht ursächlich aus der Sehnsucht nach Flucht aus der ihr bedrohlich erscheinenden Realität in die ideale Zukunft, in das Leben im Schlaraffenland. Ihre Planungsmittel und Methoden sind irrational, d.h. die projezierte ideale Zukunft nimmt die Form einer phantastischen Spekulation, eines mythischen Wunschbildes an.“ (Lang Leoni: 1972, S.8) Im Gegensatz dazu erscheint die konkrete Utopie weitaus weniger emotionsgeladen. Sie ist der normativ-analytische Gegenpol zum aktuellen Zeitgeschehen. Meist stützt sie sich in ihren Grundwerten auf Trends und Prognosen futurologischer Forschungsergebnisse. Ausgangspunkt ist stets der Wunsch nach einer rational gesteuerten Zukunft, einer geplanten Freiheit. Wer eine konkrete Utopie ersinnt, denkt immer auch über eine Strategie nach, die es ihm ermöglicht, das gewünschte Ziel tatsächlich herbeizuführen.
2.3 Utopie und Antiutopie
Wie schon erwähnt, setzt sich eine Utopie aus den drei Bausteinen Unzufriedenheit, Suche nach möglichen Verfahren zur Beseitigung der Unzufriedenheit und dem Wunsch nach kollektiver Zustimmung zusammen. Bei den möglichen Verfahren zur Beseitigung der Unzufriedenheit bieten sich dem Utopisten nun zwei Möglichkeiten: Entweder wählt er ein Verfahren, das die Ursache der unbefriedigenden Situation beseitigt, oder er entscheidet sich für ein Verfahren, das es ihm ermöglicht, diese Situation für angenehm, wünschenswert und befriedigend zu halten, statt sie als unbefriedigend zu betrachten. Dies könnte zum Beispiel aus einer für ihn völlig ausweglosen und nach objektiven Gesichtspunkten Existenz bedrohenden Situation heraus entstehen. Die Antiutopie kann daher oft als eine Art natürlicher Selbstschutzmechanismus, der das Individuum vor der völligen Resignation und Selbstaufgabe bewahrt, in Erscheinung treten. Oft entsteht sie aber auch aus einer gescheiterten, oder nicht vorstellbaren Utopie. Wohingegen Utopien meist aus modernen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Strömungen heraus entstehen, sind Antiutopien meist religiöser oder moralischer Natur .
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3. Interdisziplinärer Utopismus 3.1 Utopien aus stadtplanerisch-technologischer Sicht
Da Städteplanung eine stark zukunftsbezogene Wissenschaft ist, liegt es nahe, dass sie in ihrem Kern Fragen der Zielsetzungen und künftigen Entwicklungsrichtungen mit einschließt. Folglich ist die Utopie ein probates Instrumentarium, um städtebauliche Szenarien zu entwickeln, vielleicht sogar der einzig mögliche Weg aus einer strukturellen Krise.
Die Utopie zeichnet sich anders als die Prognose, oder Vision durch einen stark ausgeprägten Gemeinschaftsgedanken aus . Ihrem Wesen nach hat sie stets Modellcharakter. Beides ist kennzeichnend und symptomatisch für Stadtplanung im Allgemeinen. Anders formuliert: „…Aus gesellschaftlicher Sicht ist Städteplanung bereits die„konkret werdende Utopie““ (Berndt, Heide: 1968, S.155) Und doch divergieren die Vorstellungen über das, was die Utopie kennzeichnet, bei Stadtplanern und Soziologen seit jeher:
Architekten und Ingenieure formulieren ihre Utopien meist sehr unbefangen und experimentell. Soziale Veränderungen sollen als Folge einer neu überdachten, wohnlichen Umwelt vollzogen werden. Der städtebauliche Utopist geht davon aus, dass eine bessere Architektur immer auch eine Veränderung der Gesellschaft zum Humanen hin bedeutet. Dabei ersinnt er, oft auf der Grundlage neuester technischer Errungenschaften, Zukunftsmodelle, die ein idealtypisches Zusammenleben
ermöglichen sollen und den Bewohnern ein sorgen- und konfliktfreies Leben versprechen. Um den innovativen Entwurfscharakter noch zu unterstreichen, bewegen sich städtebauliche Utopien meist im Rahmen von extremen und superlativen Vorstellungen (z.B. die 3 Millionen Stadt von Le Corbusier oder die französische Revolutionsarchitektur von Ledoux). Es sind universelle Utopien, die sich mit allen Fragen des Verkehrs, der Bodennutzung, der funktionellen Gliederung der Stadt und der Einbeziehung der Natur auseinandersetzten. Die Vorstellung, auf diese Weise eine Veränderung der Gesellschaft hin zum besseren bewirken zu können, scheint angesichts der gewaltigen strukturellen Veränderungen und der damit verbundenen Auswirkungen auf das Individuum nachvollziehbar.
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3.2 Utopien aus soziologischer Sicht
Für den Sozialwissenschaftler lassen sich Utopien einer zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklung einzig durch die Wandlung der sozialen Beziehungen und die Neuorganisation der gesellschaftlichen Institutionen herbeiführen. Bautechnisch- und gestalterisch-planerische Schritte sind in diesem Zusammenhang lediglich ein Indiz für bereits vollzogene Veränderungen innerhalb einer Gesellschaft. Die Gesellschaft, nicht das Bauwerk stellt die unabhängige Variable dieses Denkens dar. „(…) manche der sehr technizistisch gearteten Utopien bzw. Städtebaumodelle von Architekten und Ingenieuren (erscheinen dem Soziologen) allzu streng auf einseitige Bedürfnisse zugeschnitten und nicht selten sogar als Ablenkung von den sozialen Problemen, die am Städtebau hä ngen“ (Berndt Heide: 1968, S.156). Parallel dazu besteht in den Sozialwissenschaften eine Tendenz, den Begriff des Utopischen zu entwerten: so erklärt sich für Karl Mannheim (Mannheim Karl: 1929) die eigentliche Existenz von Utopien aus dem Umstand heraus, dass diese gesellschaftlich untergeordneten oder unterlegenen Gruppen und Klassen die Möglichkeit der Veränderung und des Wandels in Aussicht stellen, während dominierende soziale Schichten im Regelfall von einer eher ideologischen Denkweise geprägt sind, die ihnen Stabilität und Kontinuität garantiert. Die Utopie gleicht vor diesem Hintergrund gewissermaßen einer „ultima ratio“ des unterdrückten Individuums, das sich aus seiner existentiell bedrohten Situation zu befreien sucht. Die Tatsache, dass der Wunsch nach gesellschaftlichen Utopien abnimmt, wird in der Soziologie wie folgt begründet: einstmals unrealistisch-utopische Hoffnungen rücken zunehmend in den Bereich des technisch Möglichen. Damit schwindet die Diskrepanz zwischen potentieller Utopie und erreichbarer Realität - die Utopie verliert ihre eigentliche Wirkung. Stattdessen proklamieren konservative Schichten Negativutopien oder die gänzliche Tabuisierung utopischer Denkweisen. Dabei wird betont, dass ein gesellschaftliches Idealbild zwar nützlich sei (auch wenn es nicht vollständig erreicht werden könne) dass es jedoch unabdingbar sei, mindestens in Umrissen die Bedingungen einer Annäherung an dieses Ziel aufzuzeigen.
3.3 Die Utopie der Utopie - Verschmelzung sozialer und technologischer Aspekte
„In den utopischen Gesellschaftsentwürfen der Vergangenheit sind soziale und technologische Aspekte bisher meist getrennt worden“( Berndt Heide: 1968, S.156).
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Arbeit zitieren:
Florian Göger, 2004, Stadt und Utopie - Modelle idealer Gemeinschaften, München, GRIN Verlag GmbH
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