Nachhaltiger Tourismus in Kanada Wunsch oder Wirklichkeit?
Ein neues Paradigma veranschaulicht am Beispiel der staatlichen Nationalparkpolitik
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis III
1. Einführung 1
2. Definitionen und Abgrenzung der Begrifflichkeiten 3
2.1. Sanfter Tourismus 3
2.2. Ökotourismus (Ecotourism) 3
2.3. Nachhaltiger Tourismus (Sustainable Tourism) 4
2.4. Kanadische Großschutzgebiete 6
3. Kanadisches Verständnis von Großschutzgebieten (GSG) 7
3.1. Historische Entwicklung 7
3.2. Paradigmenwechsel in der Nationalparkpolitik 9
3.3. Touristische Bedeutung kanadischer GSG 13
3.4. Nachhaltigkeitskonzept der Parks Canada Agency 14
3.5. Zonenkonzept am Beispiel des Nationalpark Banff 15
4. Fallstudien 17
4.1. Banff and Lake Louise Tourism Bureau (www.banfflakelouise.com) 17
4.2. The Great Canadian Ecoventures (www.thelon.com) 18
5. Schlussfolgerungen 20
Literaturverzeichnis IV
Anhang VI
II
Abbildungsverzeichnis Seite
Abbildung 1: Wichtige Großschutzgebiete in Kanada 9
Abbildung 2: Suggested influence of various external groups on park 11 management over time
Abbildung 3: The changing emphasis in park roles over time 12
Abbildung 4: Zonen des Nationalpark Banff 16
Abkürzungsverzeichnis
BIP Bruttoinlandsprodukt
CO 2 Kohlenstoffdioxid
DMO Destination Management Organisation (Zielgebietsagentur)
Mrd. Milliarden
NP Nationalpark
NPPAC National and Provincial Parks Association of Canada
NRO Nicht-Regierungs-Organisation
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr
SARS Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom
USA United States of America
Vgl. Vergleiche
WTO World Tourism Organisation
WWF World Wide Fund for Nature
z.B. zum Beispiel
III
1. Einleitung
Im Jahr 2002 erwirtschaftete Kanada 5,25% seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) durch Tourismus 1 . Somit stellt Tourismus einen vergleichsweise bedeutende Wirtschaftsfaktor für Kanadas dar, vergleichbar mit z.B. dem Gesundheitswesen oder der Bauindustrie. Nimmt man die Export-Basis-Theorie 2 als ökonomische Ausgangssituation, ist davon auszugehen, dass die Basisindustrie Incoming Tourismus eine besonders hohen Einfluss auf die ökonomische Entwicklung der kanadischen Volkswirtschaft besitzt. Das Statistische Bundesamt Kanadas Statcan bewertete jedoch den Incoming Tourismus in seiner ökonomischen Bedeutung niedriger als den Binnentourismus. Dieser generiert etwa zwei Drittel der Gesamtwertschöpfung 3 im Tourismus. Etwa 83% der touristischen Aufenthalte über 24 Stunden entfallen auf kanadische n Binnentourismus (absolut etwa 92,1 Millionen Reisen im Jahr 2002) 4 . Im pro Kopf Vergleich entfallen aber höhere Summen auf den Übersee- bzw. Intrakontinentaltourismus (vor allem aus den USA) 5 .
Die Tourismusbranche sieht sich aber weitreichenden Veränderungen gegenüber. Neben den klassischen Problemen der Branche 6 sieht sich die Industrie der wachsenden Terrorangst konfrontiert. Zusätzlich ist eine Veränderung der Reisetrends beobachtbar. Neue Segmentierungskriterien 7 verändern die Aufgabenfelder der Unte rnehmen, während die soziologische, ideologische und gesellschaftspolitische Kritik am sog. Harten Tourismus (Massentourismus) das Reiseverhalten weltweit beeinflussen.
Die einzigartige ökologische Vielfalt Kanadas stellen in diesem Zusammenhang ein Potential dar, auf diese Entwicklungen zu reagieren. Moderne Formen des Tourismus, so z.B. Ökotourismus oder Nachhaltiger Tourismus sollen in der vorliegenden Arbeit definiert, analysiert und ökonomisch bewertet werden. Durch welche operationalisierbaren Kriterien ist Ökotourismus erkenn- bzw. bewertbar?
1 Eigene Berechnung nach Statistics Canada, http://www.statcan.ca/english/Pgdb/prim03.htm in Verbindung mit
http://www.statcan.ca/english/freepub/13-009-XIB/13-009-XIB2004001.pdf, S.XVI, 22.08.2004.
2 Vgl. Export Basis Konzept z.B. in Bathelt/Glückler 2002, S. 75f.
3 Touristischer Anteil des BIP 2002: $ 52,1 Mrd. vgl. http://www.statcan.ca/english/freepub/13-009-XIB/13-009-
XIB2004001.pdf, S.XVI, 22.08.2004.
4 Vgl.Statistics Canada, http://www.statcan.ca/Daily/English/031006/d031006b.htm, 22.08.2004.
5 z.B. durch länger Aufenthalte, vermehrte Nutzung von Hotel- und Gastronomiebetrieben usw.
6 Nicht Lagerfähigkeit der Dienstleistung; uno actu Prinzip; starke Konjunkturabhängigkeit.
7 geographische Quellgebietssegmentierung vs. Segmentierung nach psychografischen Kriterien (Affinity
Groups) vgl. z.B. Meffert 2000, S.181.
1
Welche Chancen und Umsetzungsstrategien ergeben sich für Kanada und im besonderen für das kanadische Nationalparksystem? Hierzu soll auch im Detail auch auf die Historie und Entwicklung des kanadischen Nationalparksystems eingegangen werden. Im letzten Teil der Arbeit soll anhand einiger Fallstudien die tatsächliche Umsetzung dieser neuen Tourismusformen analysiert werden. Hat sich der Tourismus nachhaltig verändert, oder wird Ökotourismus als Sigel ohne Internalisierung ökologischen Kriterien im Sinne eines Etikettenschwindel verwendet?
2
2. Definitionen und Begrifflichkeiten
2.1 Sanfter Tourismus
Hans -Magnus Enzensberger stellte schon 1979 fest: „Der Tourismus zerstört das, was er sucht, indem er es findet“. Die Erhaltung der touristischen Destinationen erfolgt also aus der pragmatischen Begründung einer ökonomischen Nutzbarkeit. Hier gilt es einen Ausgleich zwischen Übernutzung und `optimaler Ausbeutung´ zu finden. Kann es überhaupt einen Grad der optimalen Nutzung einer Region geben? Hieraus ergibt sich das Doppelziel ökologisch/ökonomisch ausgeglichener Destinationspolitik. Schutz vor dem Tourismus als Grundlage eines Schutzes für den Tourismus 8 . Entstanden durch die Kritik am sog. Harten Tourismus (Massentourismus) und seinen ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Schattenseiten entwickelte sich die Konzeptidee sanfter Tourismus. Unter diesem Begriff wird heute Umweltverträglichkeit, Sozialverträglichkeit, eine optimale Wertschöpfung und eine neue Reisekultur im Tourismus verstanden 9 . Die Realisierungskonzepte des sanften Tourismus sollen vor allem über qualitatives Tourismuswachstums gesichert werden. Es geht also nicht darum eine Destination durch intensivere touristische Nutzung zu bearbeiten, sonder vielmehr durch z.B. Diversifizierung und Qualitätssteigerung erhöhte Zahlungsbereitschaft der Kunden zu generieren.
2.2 Ökotourismus (Ecotourism)
Ökotourismus ist ebenso kein scharf abzugrenzender Begriff. Generell geht es hier vielmehr um die reine ökologische Verträglichkeit der touristischen Inwertsetzung. Kriterienmerkmale sind in diesem Zusammenhang:
ein möglichst geringer Eingriff in den Naturhaushalt - eingeringer Landschaftsverbrauch - geringeVeränderungen des natürlichen Landschaftsbildes und - dieErhaltung der naturnahen Kulturlandschaft 10 .
- 8 Vgl.Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de/03/031402_iyeumwelt.htm, 15.07.2004.
9 Vgl. Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de/03/031402_iyesanft.htm, 15.07.2004.
10 Vgl. Bundesamt für Naturschutz, http://www.bfn.de/03/031402_iyeumwelt.htm; 15.07.2004.
3
Ansonsten divergieren die Definitionen des Ökologischen Tourismus/Ecotourism. Während die Ecotourism Society, 1991 eher auf verantwortungsvolle Reisen zur Konservierung der Umwelt und Sicherung des Wohlfahrtsniveau der örtlichen Bevölkerung abstellt, geht die World Tourism Organisation (WTO) 11 in ihrer Definition stärker auf das Genusserlebnis ein 12 . Umwelt dient hier vor allem als Bewunderungsobjekt und soll gesichert werden, um nachfolgenden Generationen die Chance zu bieten von ihr zu lernen. Beide Organisationen sind der Meinung das Ökotourismus nur in unzugänglichen bzw. unerschlossenen Regionen stattfinden kann, da eine Massenbearbeitung diesen Werten antithetisch gegenüberstünde.
2.3 Nachhaltiger Tourismus (Sustainable Tourism)
Der Begriff Nachhaltigkeit ist nicht zuletzt durch die Diskussion über die „(Lokale) Agenda 21“ vielzitiert und fehlgedeutet/fehlverwendet worden. Die Brundtland Kommission definierte Nachhaltigkeit 1987 als:
Zusätzlich darf keine r egionale Diskriminierung der Nutzung von natürlichen Ressourcen stattfinden 13 . Im Sinne des Tourismus wurde von der World Conference of Sustainable Tourism auf Lanzarote, 1995 die Charta for Sustainable Tourism ratifiziert, die 18 Eckpunkte des Nachhaltigem Tourismus definiert, von denen die wichtigsten Punkte nachfolgend aufgeführt werden:
Sicherung der ethische, soziale und ökologische Verträglichkeit für die
Bewohner eines Zielgebietes. Jede touristische Aktion hat das Ziel das
Wohlfahrtsniveau für alle Menschen zu erhöhen.
Nachhaltigkeit und somit Erhalt des natürlichen und kulturellen Erbes wird
über einen integrierten Managementprozess und kontinuierliche Evaluation
erzielt.
11 Nichtregierungsorganisation, bestehend aus 144 Ländern und Regionen, sowie 350 Unternehmen des
öffentliche und privaten Sektors. Ziel ist die Vermarktung und Entwicklung des Tourismus zur Erreichung von
Frieden, sozialem Verständnis, ökonomischen Zielen sowie Handelsausweitung.
12 Vgl. World Tourism Organisation, www.world-tourism.org/isroot/wto/pdf/1250-1.pdf, 22.08.2004.
13 Sustainable Development Forum e.V. Forum für Nachhaltige Entwicklung Universität Passau, http://www.sd-
forum.de/nachhaltigkeit/main.html, 22.08.2004.
4
Arbeit zitieren:
Florian Michaelsen, 2004, Nachhaltiger Tourismus in Kanada - Wunsch oder Wirklichkeit?, München, GRIN Verlag GmbH
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