Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung……………………………………………………… 2
2.1 Legende – Entstehungshintergrund………………………. 2 - 4
4 - 5
2.2 Historische Entwicklungsbedingungen………………………
3. Textbezogene Überlegungen ……………………………… 5 - 10
5 - 6
3.1 Orienthandlungen……………………………………………..
6 - 8
3.2 Gachmuret Handlung…………………………………………
8 - 10
3.3 Feirefiz – Parzival……………………………………………..
4.1 Kirche und Toleranzbild………………………………….. 10 - 12
5.1 „Interpretation eines Gesellschaftsentwurfes“…………. 12 - 14
14 - 16
5.2 Priesterkönig Johannes, Historische Relation…………….
6. Fazit/ Schluss……………………………………………… 16
7. Literaturverzeichnis………………………………………... 17 - 18
8. Erklärung selbständiges Arbeiten………………………... 19
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1. Einleitung „Wenn Du aber die Größe und Erhabenheit Unserer Hoheit wissen willst und in welchen Ländern Unsere Majestät gebietet, dann erkenne und glaube ohne Zweifel, dass ich, der Priester Johannes, Herr bin über die Herrschenden und hervorrage in allen Reichtümern, die unter dem Himmel sind, an Tugend und Macht über alle Könige dieser Erde.“. 1 Der Mythos des nie existierenden Priesterkönig Johannes, der auch Presbyter Johannes genannt wurde (griech. „Presbyteros“ = Ältester) 2 , gehört mithin zu den Gestalten des mittelalterlichen Abendlandes, die wesentlichen historischen Einfluss genommen hat und somit im Vergleich zu real existierenden Zeitzeugen in ihrer Wirkung in wenigem nachsteht. Bis ins 16. Jahrhundert hinein speisten verschiedenste, orientalische Reisebe- richte die Fortdauer der mythischen Legende. 3 In der folgenden Arbeit soll versucht werden, die Entstehung des Mythos, den Wolfram von Eschenbach im Parzival 4 zur damaligen Zeit erneut anstößt, zu veranschaulichen und dessen Motive zu erläutern. Auch die Beschreibung des historischen Hintergrundes soll Aufschlüsse über die Moti- ve der Einbettung orientalischer Quellen, sowie im konkreten Bezug auf den bearbeite- ten Haupttext des Parzival 5 geben. Am Text soll schließlich versucht werden das Bild des Heiden im Kontext der Zeit (Kirchen-/ weltliche Meinung) zu entwickeln und schließlich zu klären, inwiefern die Figur des Priesterkönigs Johannes tatsächlich und auf welche Weise eine Verbindung zwischen Orient und Okzident darstellen konnte. 2.
2.1 Legende - Entstehungshintergrund
Um die Bedeutung und Interpretation der Einbettung der Figur des Priesterkönigs Jo- hannes in den Parzival 6 systematisch zu erfassen, ist es entscheidend die historischen Voraussetzungen, sowie den Entstehungshintergrund der Johanneslegende zur Zeit
1
Der Brief des Presbyters Johannes, übersetzt von Knefelkamp,
Die Suche nach dem Reich des Priesterkönig Johan- nes,
Gelsenkirchen, 1986, S.180
2
Online in Internet: URL: http://www.net-lexikon.de/Presbyter.html [Stand 01.06.2004]
3
vgl.: Knefelkamp, Suche nach dem Reich, a.a.O.,S.121 ff.
4 Eschenbach, Wolfram, in Parzival nach der Ausgabe von Karl Lachmann, Ditzingen 2003 5 ebd.
6 im folg. nicht mehr aufgeführt
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W.v.E. darzustellen. Auf eine Forschungsübersicht zum Priesterkönig Johannes (P.J.) soll aus Umfangsgründen hier verzichtet werden (vgl. hierzu hist. Übersicht in Ulrich Knefelkamp 1986, S. 13-18).
Die erste Überlieferung, in der der Name eines Patriarchen Johannes auftaucht wird auf das Jahr 1122 datiert. Der unbekannte Autor bezieht sich in seinem Bericht auf die An- kunft eines indischen Patriarchen in Rom (erster Aufenthalt war Byzanz), der vor dem Papst über sein Heimatland referiert. Wesentlich sind Beschreibungen über Wunderwir- kungen der Mutterkirche des Apostels Thomas. 7 In einer weiteren Quelle wird um 1126 in leichten Variationen ähnliches referiert. 8 Anhand der Übereinstimmungen der zwei Quellen geht die Forschung von der Richtigkeit der Aussagen aus, ein interessanter Be- leg für die Erhaltung der Quelle ist jedoch, dass wie im Mittelalter (MA) üblich, münd- lichen Berichten und Überlieferungen von Orientreisenden seitens der Kirchenvertre- tung zunächst keinen Glauben geschenkt wurde und erst nach dem Schwur auf das E- vangelium eine mögliche Wahrheit akzeptiert werden konnte.
Die zentrale, historische Quelle für die Johannes Forschung beruht auf der Chronik von Otto Freising (ca.1111-58), Bischof, Theologe und Geschichtsschreiber, der einen Be- richt des Bischofs Hugo v. Gabula (Djibal in Syrien) beschreibt, wonach »vor wenigen Jahren ein gewisser Johannes, ein König und Priester, der im äußersten Orient, jenseits von Persien und Armenien, wohne und wie sein Volk Christ, aber Nestorianer 9 sei, zwei Brüder, die Könige der Perser und Meder 10 , Samiarden genannt, angegriffen und ihre Hauptstadt ... erobert« habe (Chronik VII, 33). 11 Aus der Erzählung des syrischen Bi- schofs, die von Freising unkommentiert weitergegeben wird, sind erste Johannes My- then, wie ein Land voller Überfluss im fernen Osten, glänzende Erfolge in Schlachten gegen die Könige der Meder und Perser, oder aber auch der Wunsch Jerusalem zu be- freien (angeblich am unüberquerbaren Tigris gescheitert) abzulesen. Schnell verbreite- ten sich im christlichen Europa erste Legenden und Fabeln über ein fantastisches Reich im Osten. 12
7
vgl.: Knefelkamp, Suche nach dem Reich, a.a.O.,S.21 ff.
8 ebd.,S.55 9 Nestorianer, benannt nach dem Erzbischof v. Konstantinopel (428-31). Anhänger schlossen sich in der Nestorianischen Kirche zusammen und betrieben erfolgreiche Missionsarbeit im Orient. Online in Internet: URL: http://www.net-lexikon.de/Nestorianer.html [Stand 01.06.2004] 10 Meder, iranische Stämme (Anatolien-Ostiran), ebd.
11 Biographisch Bibliographisches Kirchenlexikon, Bf. III (1992), Spalten 530-533 Autor: Christof Dahm. Online in Internet: URL: http://www.bautz.de/bbkl/j/Johannes_d_pri.shtml [Stand 01.06.2004] 12 ebd., Spalten 530-533
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So taucht um 1170 ein angeblicher Brief von P. J. an Kaiser Emanuel von Byzanz, Kai- ser Friedrich Barbarossa und Papst Alexander III. auf, der den Mythos geschickt erwei- tert und ausbaut. Zu W.v.E. gelangte der Brief vermutlich durch eine Abschrift und Ü- bersetzung (griech. lat.) des Erzbischofs Christian von Mainz. Inhaltlich werden, ex-
emplarisch für die mittelalterlichen, bis in die Antike zurückreichenden Kenntnisse und Motivgestaltungen des Orients, paradiesische und den Überfluss beschreibende Elemen- te genannt (vgl. Anhang I.). Die europäischen Kenntnisse von Indien, wo man irgendwo den P.J. vermutete, stammten nahezu ausschließlich von antiken wie spätantiken Quel- len (Herodot 484-425 n.Chr., Isidor von Sevilla 560-637, etc.) Als Hauptquelle des Briefverfassers wird die Alexanderüberlieferung
13
angesehen, allerdings tauchen auch Parallelen zu Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht, sowie Kenntnisse, die vermut- lich entsprechend aus den Enzyklopädien der „Etymologiae“ des Isidor, der „Naturalis Historia“ des Plinius und der „Collectanea“ des Solinus stammen, auf. So kann man fast sicher sein, dass schon damals mancher Zweifel an der Authentizität des Briefes auf- kam, da bekannte Quellen identifiziert werden konnten.
14
Setzt man nun beispielhaft an den und für die Entstehung des Briefes notwendigen Motiven und zeithistorischen Mo- menten an an, so wird auch das Quellenumfeld in dem W.v.E. schrieb deutlicher. Inte- ressant hierbei ist besonders welche Motive dem großen Interesse Europas am fernen Indien, Asien und Afrika zugrunde lagen.
2.2 historische Entwicklungsbedingungen
In den drei Jahrhunderten nach der Kreuzigung von Jesus Christus konnte sich das Christentum trotz zahlreicher Verfolgungen weiter ausbreiten und wurde im 4. Jh. sogar zur Staatsreligion des römischen Reiches ausgerufen. Die Kirche divergierte in der Fol- ge in eine als Ost- und Westkirche bezeichnete Gemeinschaft, die schließlich im 7.Jh. zunehmend den Kontakt zu entfernten Sonderkirchen (z.B. den Monophysiten vgl. Kne- felkamp S.21) verlor, was auf zunehmende geographische Einbrüche durch den Islam zurückzuführen war. Der Westen büßte so zunehmend den Kontakt zu Gruppierungen (allg. als Häretiker bezeichnet) ein, die außerhalb der großen Zentren der römischen und byzantinischen Kirche lagen. Das stetige Interesse Europas am Osten wurde jedoch durch den beständigen Strom pilgernder Christen, die seit dem 4.Jh. zu den heiligen
13
1150 vom Pfaffen Lamprecht in dt. Sprache übersetzt, seit 327 n.Chr. stetiges, literarisches Quellenmotiv. vgl.: Knefelkamp, Suche nach dem Reich, a.a.O.,S.35
14
Ebd.
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Stätten in Jerusalem zogen, nicht geschmälert. Neue Informationen über den weiten Os- ten konnten jedoch erst wieder die Kreuzzüge liefern und vor allem neue enthusiastische Begeisterung für den Orient hervorrufen. Die Faszination W.v.E. für die Kreuzzugsthe- matik, als späterer Zeitgenosse zeigt sich hier vor allem auch in Figuren wie dem „Her- mann“ im „Willehalm“ 15 und auch im Werk „Titurel“ 16 . Nachdem sich die Kreuzzugs- bewegung zunächst nach/ in Spanien ausbreitete (Höhepunkt war die Eroberung Tole- dos 1085 n.Chr.) begann gegen Ende des 11. Jahrhunderts auch am östlichen, christli- chen Bollwerk gegen die Ungläubigen, dem byzantinischen Reich, der „Aufruf“ zum Kreuzzug (Papst Urban 1095 in Clermont). Die Motive der Ziehenden, Überbevölke- rung, wirtschaftliche/ soziale Probleme, Kriegsschäden, Missernten, Ablässe, Kirchen- schutz, Sorge um das eigene Seelenheil paarten sich mit kirchlichen Motiven wie der Rückgewinnung des heiligen Landes, Schutz der Pilger, Prestige und Einflussnahme auf den Islam. Meldungen über einen christlichen Gegenpol im Osten waren so willkom- mene Motivierungshilfen für die bewegungswilligen Massen. Die Vertreibung der Hei- den (im folg. immer gemeint: Muslime 17 ) und Ungläubigen aus Spanien und dem späte- ren Israel als mithin tragendem Leitmotiv und die damit verbundene Figuration des Heidenbildes im Abendland im Vergleich mit W.v.E. Darstellungen wird später noch Gegenstand der Betrachtung sein.
3. Textbezogene Überlegungen 3.1 Orienthandlungen
Nach Schröder 18 lassen sich im Parzival drei Bühnenwelten konfigurieren, von denen insbesondere die Darstellung der ritterlichen Kultur im religiösen Zwiespalt zwischen Orient und Okzident Aufschlüsse zur Thematik verspricht. Im Parzival schafft W.v.E. eine äußere Rahmenhandlung, die eine Verbindung am Anfang (erstes Buch) und am Ende des 15. - 16. Buches zwischen der islamischen und christlichen Welt herstellt. E- schenbach präsentiert dem Leser so zu Anfang die ferne, zeitgenössische, arabisch-
15
Wolfram von Eschenbach:
Willehalm,
übers. von Dieter Kartschoke. ,3.Aufl., Berlin 2003
16
Wolfram von Eschenbach:
Titurel,
übers. von Helmut Brackert, New York 2003
17
Muslime galten landläufig als Anhänger einer polytheistischen Religion.
vgl.: Ulrich Müller: Toleranz zwischen Christen und Muslimen im Mittelalter? Zur Archäologie der Beziehungen zwischen dem christlich-lateinischen Okzident und dem islamischen Orient, In: Kulturthema Toleranz. Zur Grundle- gung einer interdisziplinären und interkulturellen Toleranzforschung. München 1996, S.307-353, auch online: URL: http://www.sbg.ac.at/ger/people/muelleru/toleranz.doc [Stand 01.06.2004] 18 in Ulrike Grein Gamra: Ein komplexer Ritter auf seiner dynamischen Queste. Wolframs Parzival und die Chaos- theorie. Eine strukturelle Untersuchung, Bern 1999, S.32
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Quote paper:
Philipp Schaubruch, 2004, Die Figur des Priesterkönigs Johannes, Projektionsfigur einer visionären Verbindung zwischen Orient und Okzident? anhand W. Eschenbachs Parzival, Munich, GRIN Publishing GmbH
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