Gliederung
1. Problemstellung
2. Referenzbasis
2.1.Rahmenbedingungen des Wettbewerbs
2.1.1.Handlungsfreiheit der Teilnehmer
2.1.2. „Spirit of competition“
2.1.3. Ungewissheit/ Unsicherheit
2.1.4. Freier Marktzutritt
2.1.5. Heterogenität der Güter
2.2. Funktionen des Wettbewerbs
2.2.1. Freiheitsfunktion
2.2.2. Innovationsfunktion
2.2.3. Allokationsfunktion
2.2.4. Verteilungsfunktion
3. Analyse der Ist-Situation
3.1. Beschreibung der Ist-Situation
3.2. Vereinbarkeit der Referenzbasis mit der Ist-Situation
3.2.1. Verteilungsgerechtigkeit
3.2.2. Effizienz
3.3. Zusammenfassende Darstellung des aktuellen Problemkreises
4. Grundkonzept zur Wettbewerbssteigerung
4.1. Vorstellung eines freiheitsorientierten Studiengebührenmodells
4.2. Erörterung der Vor- und Nachteile bestimmter Handlungsparameter anhand
ausgew ählter Wettbewerbsfunktionen
4.2.1. Autonome Auswahl der Studenten
4.2.2. Leistungsorientierte Hochschullehrerbesoldung
4.2.2.1.Leistung
4.2.2.2.Konzepte zur Leistungsbewertung
4.2.2.2.1. Objektive Leistungsbewertung
4.2.2.2.2. Subjektive Leistungsbewertung
4.2.2.2.3. „Verdrängungseffekt“
4.2.3. Einführung neuer Studiengänge/ -abschlüsse
4.3. Übergang von der Steuer- zur Gebührenfinanzierung
5. Fazit
3
1. Problemstellung
Wer einen deutschen Hörsaal betritt, dem wird schnell die malade Situation deutscher Hochschulen bewusst und in dem wird schnell Verständnis für zehntausende streikender Studenten geweckt. Gerade dort, wo Innovationen erforscht werden und Ergebnisse gelehrt werden sollen, sind nicht nur die Hörsäle überfüllt, auch die teilweise mangelnden Lehrmittel sind unmodern oder gar veraltet. 1 Fakultäten ringen um Gelder, die in vielen Bundesländern nicht vorhanden sind, 2 um zunehmender Anonymisierung und schwindender Lehrbuchausstattung entgegenzuwirken. Eine wichtige Elitenbildung wird erst jetzt in der Öffentlichkeit diskutiert, findet aber momentan nicht statt. 3 Bildungspolitische Reformen sind nur noch populistisches Produkt von stimmenmaximierenden Kalkül und haben die Situation verschlechtert. 4
Als essent ielles Element der Wissensgesellschaft, kann die Universität so nicht mehr ihren Grundaufgaben, der Forschung und der Lehre, in zufriedenstellender Weise gerecht werden und Deutschland kann es sich nicht länger erlauben, hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland zu beschäftigen, während die Arbeitslosigkeit in Deutschland permanent zunimmt, so dass eine grundlegende Reform des deutschen Bildungssystems längst überfällig wird. Mehr als je zuvor kommt es darauf an, den Bestand unserer wissensbasierten Gesellschaft, durch eine funktionsfähige Forschungs- und Lehreinrichtung in Gestalt der Universität, zu wahren und somit im Wettbewerb der Systeme konkurrenzfähig zu bleiben. Während die Studentenschaft jedoch von Semester zu Semester stetig wächst, ist nur e in verhältnismäßig geringer Zuwachs der Budgets der Hochschulen zu verzeichnen.
Bedenklich ist in diesem Zusammenhang ferner, dass unsere Nachbarn in Österreich schon seit 1993 mit Verabschiedung des Bundesgesetzes zur Organisation der Universitäten mutige Schritte wagen, um die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit ihrer Bildungs- und Forschungseinrichtungen zu fördern. Diese Arbeit wird sich im folgenden mit der Analyse der Ist-Situation deutscher Hochschulen auf der Grundlage einer Referenzbasis, die auf dem
1 Oberender/ Fleischmann, ORDO 54, S. 93.
2 Stuchtey, WiDi 02, S. 290.
3 Oberender/ Fleischmann, ORDO 54, S. 94.
4 Radnitzky, Ordnungspolitisches Problem, S. 33.
4
systemtheoretischen Ansatz fußt, befassen, um Ursachen für die Misere zu erkennen. Daraufhin wird ein freiheitsorientiertes Studiengebührenmodell vorgestellt, anhand dessen die wettbewerbsfördernde Wirkung einzelner Handlungsparameter deutscher Universitäten überprüft werden soll.
2. Referenzbasis
Die vorliegende Analyse basiert auf einer Referenzbasis, einem bestimmten Verständnis von Wettbewerb. Die Referenzbasis zu formulieren, stellt sich jedoch als problematisch dar, 5 weil sich in der Literatur zwei idealtypische Theorien herausgebildet haben, die Wettbewerb jeweils anders definieren: der wohlfahrtsökonomische und der systemtheoretische Ansatz. 6 Kern der hier zugrundeliegenden Referenzbasis ist der systemtheoretische Ansatz, welcher als zentrales Ziel die Freiheit definiert, die nicht in Konflikt mit ökonomischen Wettbewerbsfunktionen steht. 7 Wettbewerb wird hier als eine black box verstanden und ist nur negativ zu definieren: Wettbewerb liegt demnach dann vor, wenn kein Zwang und kein Betrug vorliegt. Für den Bildungssektor, als gesellschaftliches Subsystem 8 mit bestimmten Aufgaben unter der Bedingung der Knappheit, ist dieser Ansatz noch zu konkretisieren. Hayek spricht z.B. beim Bildungssektor nicht von Wettbewerb, sondern stellt dem marktlichen Wettbewerb die nicht weiter spezifizierten „Entdeckungsverfahren der Wissenschaft gegenüber. 9 Ausgestaltet wird dieser Kern im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft als ordnungspolitisches Leitbild, da sie Flexibilität und Anpassungsfähigkeit hat. Damit diese Flexibilität nicht falsch verstanden und für falsche Ziele missbraucht wird, ist der hier verstandene Sinn zunächst darzustellen.
Ziel der Sozialen Marktwirtschaft ist es, die Sicherung der Freiheit auf dem Markte mit dem Ziel der sozialen Gerechtigkeit zu vereinen. 10 Im Lichte des systemtheoretischen Ansatzes ist hierbei jedoch zu beachten, dass der Staat nur eine geeignete Rahmenordnung konstruiert und nicht prozesspolitisch agiert, um einem schleichenden Marktsozialismus vorzubeugen. Im Zentrum steht die Verhinderung
5 Schulz, Wettbewerbspolitik, S. 1.
6 Herdzina, Wettbewerbspolitik, S. 106.
7 Herdzina, Wettbewerbspolitik, S. 108.
8 Radnitzky, Ordnungspolitisches Problem, S. 28.
9 ORDO 53, S. 196.
10 Thuy, ORDO 50, S. 122.
5
von Marktmacht. Der Marktmechanismus führt allein, vorausgesetzt, es handelt sich um ein privates Gut, zum sinnvollen Ausgleich von Angebot und Nachfrage durch die freie Preisbildung. Die Soziale Marktwirtschaft vertraut zunächst diesem Marktmechanismus, da dieser zur bestmöglichen Güterversorgung bei gleichzeitig geringstmöglichen Koordinationskosten und somit zur Wohlfahrtsmehrung führt. Dieses setzt jedoch folgende Rahmenbedingungen voraus:
2.1 Rahmenbedingung des Wettbewerbs
2.1.1 Handlungsfreiheit der Teilnehmer
Die am Markt beteiligten müssen die Freiheit besitzen, ihre Aktionsparameter, wie Preis des angebotenen Gutes, Werbung und Qualität des Gutes, nach eigenem Ermessen einzusetzen. Die agierenden Marktteilnehmer dürfen nicht dem Zwang von Konkurrenz oder dem des Systems unterliegen, um auf Marktprozesse, die durch Aktionen der Konkurrenz ausgelöst werden, im eigenen Interesse und zum eigenen Vorteil reagieren zu können.
2.1.2 „Spirit of competition“
Die Wirtschaftssubjekte müssen die Bereitschaft für Rivalität und Risiko aufweisen. Das bedeutet für die Angebotsseite, dass diese bereit sein muss, eigene Vorteile gegenüber ihren Konkurrenten zu nutzen und auszunutzen, um diese in Pioniergewinne umzuwandeln. Für die Nachfrageseite bedeutet „spirit of competition“, dass man bereit ist, schlechte Anbieter z. B. durch Nichtnachfrage zu sanktionieren, gute Anbieter hingegen durch eine zunehmende Nachfrage zu belohnen.
2.1.3 Ungewissheit/ Unsicherheit
Um Vorsprungsgewinne generieren zu können, bedarf es einem gewissen Maß an Marktintransparenz. Man spricht hier von der Ambivalenz der Markttransparenz, d. h. dass eine Erhöhung der Transparenz auf der Marktgegenseite (Nachfrager) wettbewerbsfördernd wirkt, auf der Marktnebenseite (Konkurrenten)
wettbewerbseinschränkend, da die Anbieter bei zunehmender Markttransparenz immer leichter in der Lage sind, die Aktions-Reaktions-Verbundenheit zu
6
identifizieren. 11 Wo genau das optimale Maß der Markttransparenz liegt, ist nicht bestimmbar, da man nur Extremzustände theoretisch erfassen kann und sich in der Praxis die Markttransparenz durch ständige Lernprozesse laufend ändert. 12
2.1.4 Freier Marktzutritt
Ferner muss es potentiellen Konkurrenten möglich sein, jederzeit ohne die Überwindung von Marktzutrittsschranken, den Markt zu betreten.
Marktzutrittsschranken, die sowohl von privaten Unternehmen, als auch vom Staat oder sonstigen Institutionen organisiert werden können, besitzen herausragende Bedeutung für die Wettbewerbsprozesse. Ein beschränkter Marktzugang reduziert die Wettbewerbsintensität, während sich die Möglichkeit zur Koordination verbessert. 13
2.1.5 Heterogenität der Güter
Die auf dem Markt angebotenen Güter müssen sich zumindest in einem Merkmal für die Nachfrageseite erkennbar unterscheiden, was zur Folge hat, dass sich Präferenzen bilden können und somit Sanktionen gegenüber Schlechtanbietern nicht dem Zufall unterliegen.
2.2 Funktionen des Wettbewerbs
Wenn das oben dargestellte, konstituierende Gerüst besteht, kann der Wettbewerb seinen ihm zugeschriebenen Funktionen nachkommen.
2.2.1 Freiheitsfunktion
Das zentrale Ziel des Wettbewerbs im Lichte des systemtheoretischen Ansatzes ist die Freiheitssicherung. Unklarheiten hierbei resultieren aus den zahlreichen Komponenten der Freiheit, die nicht eindeutig zu definieren sind. 14 Problematisch ist in diesem Zusammenhang ferner, wo die Freiheit des einen endet und die des anderen beginnt, da die einzelnen Freiheitsbereiche nicht komplementär, sondern substitutiv sind, so dass versucht werden muss, die Freiheit der einzelnen zu
11 Oberender/ Väth, WISU 86, 193.
12 Oberender/ Väth, WISU 86, 195 f.
13 Aberle, Wettbewerbstheorie, S. 20.
14 Herdzina, Wettbewerbspolitik, S. 12.
7
maximieren und zu vereinheitlichen. Grundlage ist es also Freiheit nicht als absolute, sondern relative Größe zu verstehen. 15 Die Freiheitsfunktion ist als gesellschaftspolitische und auch als ökonomische Funktion zu verstehen. Es erscheint sinnvoll die Freiheit in eine formale, als auch eine materiale Komponente zu unterscheiden.
Die formale Freiheit ist eine Situation, in der die Wirtschaftssubjekte die gleichen objektiven Möglichkeiten haben, bestimmte Handlungen vorzunehmen. 16 Die materiale Freiheit bezeichnet die F ähigkeit, die gewünschten Ziele zu erreichen. 17
2.2.2 Innovationsfunktion
Zwar geht der systemtheoretische Ansatz davon aus, mit dem zentral verfolgten Ziel der Freiheit andere Funktionen des Wettbewerbs automatisch zu erfüllen, dennoch sollten zur Unterstreichung der Relevanz der anderen Funktionen des Wettbewerbs diese explizit behandelt und erweiternd hinzugezogen werden. Grundsätzlich besteht bei den Wirtschaftssubjekten eine Aversion gegen die Übernahme von Kosten zur Erforschung neuer, risikobehafteter Güter. Dennoch müssen sie Forschungs- und Entwicklungsaufwand betreiben, wenn für sie ein Verlust- oder Existenzrisiko besteht, sollten sie diesen Aufwand unterlassen. Durch den Vorsprung, neue, bessere Offerten machen zu können, lassen sich jedoch nicht unbedingt nur die Kosten für die Forschung und Entwicklung zurückerlangen, sondern auch Pioniergewinne erzielen, die als Anreiz dienen, Forschung und Entwicklung zu betreiben. Aber auch Innovationen im Produktionsprozess können sich auszahlen, da geringere Produktionskosten die Konkurrenzfähigkeit steigern. Die Innovationsfunktion fasst Such-, Entdeckungs-, Informationsgewinnungs-, Informationsverarbeitungs-, Lern-, Kostensenkungs- und Ausleseprozesse in sich zusammen. 18
15 Herdzina, Wettbewerbspolitik, S. 13.
16 Herdzina, Wettbewerbspolitik, S. 13.
17 Giersch, Wirtschaftspolitik, S.73.
18 Herdzina, Wettbewerbspolitik, S. 27.
8
Arbeit zitieren:
Christian Zimmermann, 2004, Wettbewerbspolitische Analyse der Handlungsparameter von deutschen Hochschulen in einem freiheitsorientierten Studiengebührenmodell, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Reproduktion von sozialer Ungleichheit durch das deutsche Bildungssyst...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Seminararbeit, 9 Seiten
Kurzer Einblick in den heutige...
Seminararbeit, 19 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Christian Zimmermann hat den Text Wettbewerbspolitische Analyse der Handlungsparameter von deutschen Hochschulen in einem freiheitsorientierten Studiengebührenmodell veröffentlicht
Christian Zimmermann hat einen neuen Text hochgeladen
Sale-and-lease-back-Analyse und Vergleich nach deutschem Steuerrecht, ...
Analyse und Vergleich nach deu...
Andreas Siebert, Jost W. Kramer, Karl Wolfhart Nitsch
Eine Analyse der Strategieindizes der Deutsche Börse AG
Motivation, Konstruktion und B...
Michael Kaya
Dual Career Couples an Hochschulen
Zwischen Wissenschaft, Praxis ...
Julika Funk, Elke Gramespacher, Iris Rothäusler
Cours d'analyse de l'École Royale Polytechnique. I partie. Analyse alg...
Augustin-Louis Cauchy
0 Kommentare