Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Erzähltheorie und Novellentheorie. 4
2.1. Der Erzähler bei Stanzel. 4
2.1.2. Aspekte der Erzähltheorie 4
2.2. Novellentheorie. 7
3. Der Erzähler in Katz und Maus 9
3.1 Pilenz und was er zu erzählen hat 9
3.2. Medialisierung, Perspektivierung. 10
3.3.Dialektik 11
3.4. Ich, Er und Du. 12
3.5. Schuld 13
4. Schlussfolgerung. 16
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1. Einleitung
In der Novelle Katz und Maus von Günter Grass geht es eigentlich, mag man dem Erzähler Pilenz Glauben schenken, nicht so sehr um ihn, sondern vor allem um die Figur die im Mittelpunkt seiner Erzählung steht: um Joachim Mahlke (461) 1 . Zweifellos hat die Beschäftigung mit der Erzählerfigur jedoch auf jeden Fall Ihre Berechtigung, will man eine Untersuchung zur Erzählperspektive in Katz und Maus durchführen. Darüber hinaus ist aber auch die Frage interessant, ob Pilenz, etwas überspitzt formuliert, denn nun recht hat, und es wirklich so wenig um ihn geht, oder ob diese Figur nicht vielmehr von zentraler Bedeutung ist und mehr ist als der bloße Übermittler einer Geschichte…
In meinen Betrachtungen zum Erzähler und zur Erzählperspektive in der Novelle Katz und Maus möchte ich von grundlegenden erzähltheoretischen Überlegungen ausgehen. Hierzu soll die von Franz K. Stanzel in seiner Romantypologie ausgearbeitete Kategorisierung verschiedener Erzähler dienen. Ziel ist es auf dieser Basis
Betrachtungsebenen zu schaffen, welche noch dazu durch Eigenschaften angereichert werden sollen, welche der Novelle als typisch zugesprochen werden. Anhand dieser Instrumente folgt daraufhin eine Analyse der Erzählperspektive in Katz und Maus, durch welche ein klareres Verständnis vom Zugang, der hierdurch für den Leser geschaffen wird, entstehen soll.
Erkenntnisse über die Bedeutung der Erzählerfigur sollen das Ziel sein, resultierend aus den verschiedenen Ebenen der Erzählperspektive. Von Interesse sind demnach zum einen die durch die Erzählhaltung bestimmten Eigenschaften des Textes als auch der Stellenwert des Erzählers.
Begonnen werden soll nun jedoch mit der Konstruktion eines theoretischen Hintergrundes aus dem Bereich der Erzähl- und Novellentheorie um die für die weitere Analyse notwendig erscheinenden Instrumente bereit zu stellen.
1 Sämtliche Zahlenangaben in Klammern beziehen sich auf Seitenangaben in Grass (1996)
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2. Erzähltheorie und Novellentheorie
2.1. Der Erzähler bei Stanzel
Die wohl bekannteste, jedoch keinesfalls unumstrittene Methode einer formalen Betrachtung von Erzählerfiguren und Erzählperspektive stammt von Franz K.Stanzel. In dieser als Romantypologie entwickelten Theorie unterscheidet er nach seinem ursprünglichen Schema drei verschiedene Vermittlungsformen, die er als drei
unterschiedliche Erzähler bezeichnet. Diese sind der auktoriale Erzähler, der personale Erzähler sowie der Ich-Erzähler. Hierdurch soll eine Katalogisierung jeder Mischform einer Erzählsituation möglich werden, indem sie sich auf dem Typenkreis auf dem die drei Grundformen Stanzels angeordnet sind, einordnen lässt. Nach Stanzel nimmt der auktoriale Erzähler eine Position zwischen der Welt des Romanes und dem Leser ein. Er äußert sich in Kommentaren, ist jedoch keinesfalls mit dem Autor gleichzusetzen sondern eine Gestalt, die vom Autor geschaffen ist. Der Ich-Erzähler gehört eindeutig zur Welt der Erzählung und berichtet aus dieser Position von Geschehnissen an denen er direkt oder indirekt beteiligt war oder von ihnen gehört hat. Der personale Erzähler bildet quasi eine Maske die der Leser anlegt, der Leser betrachtet das Geschehen durch die Augen des personalen Erzählers. Dies wird dadurch erreicht, dass der personale Erzähler soweit zurücktritt, dass beim Lesen eine gewisse Unmittelbarkeit des Erlebens entsteht.
Versucht man nun eine Einordnung der Novelle Katz und Maus in das beschriebene Schema, so ist als dominante Erzählsituation die Ich-Erzählsituation zu nennen. Den Ich-Erzähler bildet hier die Figur „Pilenz“. Ob parallel auch andere Momente des Erzählens bestehen soll später geklärt werden.
2.1.2. Aspekte der Erzähltheorie
Um den Erkenntnishorizont aufzuzeigen, den uns diese Einordnung ermöglicht scheint es sinnvoll, zu betrachten, welchen Zweck und Nutzen Stanzel seiner Methode zumisst und durch welche Gestaltungsmerkmale sich die Ich-Erzähler-Perspektive auszeichnen kann. Daraus soll dann geschlossen werden inwieweit diese Einordnung für unsere Betrachtungen von Bedeutung ist.
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Man kann Stanzels Theorie vor allem auf zwei für uns wichtige Arten kritisieren. Erstens kann man ihm seine Bezeichnung der Typen als „überzeitliche Konstanten“ vorwerfen. (Stanzel 1964: 8) Mit dieser Bezeichnung meint er eine Art utopischen Idealtypus im Gegensatz zu den konkreten Formen des tatsächlichen Romans. Hierdurch entsteht eine Vernachlässigung entscheidender Faktoren für die Interpretation, wie etwa historische und soziokulturelle Zusammenhänge in der Zeit in der das Werk entstand.
Zweitens ist auf die starke Konzentration Stanzels auf formale Eigenschaften des Romans hinzuweisen und somit eine Vernachlässigung des Inhaltlichen v orwerfbar. (vgl. Stanzel 1964: 4 ) Eine darauf basierende Kritik kann soweit führen, dass davon ausgegangen wird, dass sich „…nach Stanzel der Romaninhalt geändert hat, von der Wirklichkeit gelöst und auf artifizielle Gestaltmerkmale konzentriert“ ( Schröder 1986: 5)
Stanzel geht in seiner Theorie auf Besonderheiten des Ich-Erzählers ein, immer jedoch vom formalen Aspekt der Ich-Form ausgehend. Er geht dabei insbesondere so vor, dass er versucht die Ich-Erzählweise v on der auktorialen Erzählweise abzugrenzen, und damit auf Kritik zu reagieren, die die Unterscheidung dieser beiden Formen für müßig hält. Auf diesem Wege gelangt er zu drei Charakteristika der Ich-Erzählung die speziell auch für diese Arbeit wichtig erscheinen.
Erstens sieht Stanzel in Romanen, in denen der Ich-Erzähler eine Stellung einnimmt die sich am Rande des Geschehens befindet als besondere Merkmale die Medialisierung und die P erspektivierung an. Hiermit ist gemeint, dass die Erzählung besonders durch die Stellung des Erzählers geprägt ist, und dadurch, dass das Entscheidende ist, wie die Geschehnisse vom Erzähler betrachtet und aufgenommen werden, welchen Blick der Erzähler auf das Geschehen hat.
Zweitens weist Stanzel auf eine Dialektik zwischen erlebendem Ich und erzählendem Ich hin. Dies sei das herausragende Gestaltungsmerkmal vor allem in
„autobiographischen Romanen“. Mit dieser Dialektik ist eine Spannung gemeint, die oft mitunter daraus entsteht, dass der Erzähler einen mehr oder weniger drastischen Lebenswandel hinter sich hat. Er setzt sich somit in einer späteren Phase seines Lebens mit einer früheren Phase auseinander, auch die dazwischen liegende Zeit ist entscheidend für diese Dialektik. Die eigentliche Zuspitzung geschieht jedoch dadurch, dass dieser Konflikt in einer einzigen Person vereinigt ist.
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Arbeit zitieren:
Andreas Schuster, 2004, Erzählperspektive und Erzählmotivation in Günter Grass: Katz und Maus, München, GRIN Verlag GmbH
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