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Inhalt und Gliederung:
1. Die Mafia S. 3- 4
1.1 Definition und Einführung in die Thematik Mafia S. 3- 4
2. Der Schutz in der Praxis 4-14
2.1 Die Verflechtung der Mafia in Schutzgebung und Alltag S. 4- 5
2.2 Der Praxisschutz 5-10
2.3 Regulierte und unruhige Märkte 10-14
3. Bewertung und Zusammenfassung S.14-15
3.1 Resümee und Schlusswort S.14-15
Literatur - und Quellennachweis 15
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1. Die Mafia
1.1. Definition und Einführung in die Thematik Mafia
Die Mafia - zahlreiche Geschichten, Mythen, Phänomene und inzwischen auch Wahrheiten und Erkenntnisse existieren über diesen Begriff.
„Entzaubert“ ist er aber noch lange nicht, was der Mafia an sich bestimmt nicht ungelegen ist. Sie ist daran interessiert, „diesen Zustand“ weiter aufrecht zu erhalten. Schuld daran sind nicht nur die Medien, insbesondere Filme, welche einen Mythos darstellen, der im Realen nicht existiert (Mafiosi übernehmen sogar teilweise diese Filmmythen in ihr Realvorgehen), sondern auch die Verbindungen des Aspekts Mafia mit dem Unbekannten und Verschleierten. Hans Blumenberg schreibt dazu 1 : „Archaisch ist die Furcht nicht so sehr vor dem, was noch unerkannt ist, sondern vor dem, was unbekannt ist. Als Unbekanntes ist es namenlos; als Namenloses kann es nicht beschworen oder angerufen oder magisch angegriffen werden.“ Spätestens von dem Zeitpunkt an, als die ersten Mafia-Aussteiger (Pentiti) im Italien der 80er Jahre ihr Wissen preiszugeben begannen, konnte ein wenig mehr „Licht“ in das „dunkle“ Unbekannte gebracht werden. Die Mafia als Organisation zeigte Zusammenhänge; ihre Struktur (cosca) und ihr Netzwerk wurden Fakten.
„Mit dem Schlagwort Mafia wird gemeinhin eine Form organisierten Verbrechens assoziiert, das ökonomisch orientiert ist und sich nötigenfalls mit Gewalt durchsetzt, eine Form der Gewalt, die also gezielt eingesetzt wird und kalkuliert zu sein scheint.“ 2 - So nur eine von vielen ähnlich lautenden Definitionen über die Mafia.
Die klassische Mafia in Sizilien lässt sich nur als komplexes soziales Phänomen begreifen, welches dort so aus bestimmten historischen, politischen und kulturellen Verhältnissen hervorgegangen ist. 3 Wenn wir aber heute von Mafia sprechen, reden wir meistens von der Cosa Nostra (übersetzt: „unsere Sache“).
Im weiteren Verlauf der Abhandlung, in dem der Hauptbezugspunkt das Buch von Diego Gambetta, „Die Firma der Paten - Die sizilianische Mafia und ihre Geschäftspraktiken“ ist, wird es unter dem Hauptthema „Der Schutz in der Praxis“ noch zur Klärung mancher Aspekte kommen, wie zum Beispiel Schutz nach Kriterien und vor Verbrechen, regulierte und unruhige Märkte, und natürlich der Praxisschutz, welcher auch an Beispielszenarien angeführt wird.
1 Aus: Nicola Köhler - Thesenpapier zum Referat vom 13.02.2002.
2 Susanne Krasmann, Mafiose Gewalt. Mafioses Verhalten, unternehmerische Mafia und organisierte Kriminali-
tät, in: Trutz von Trotha (Hrsg.), Soziologie der Gewalt (Reihe Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozial-
psychologie - SH 37). Opladen 1997, S.200.
3 Ebenda.
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2. Der Schutz in der Praxis
2.1. Die Verflechtung der Mafia in Schutzgebung und Alltag
Der Mafiosi hat drei Machtfunktionen, die Repression, den Vermittler und den Schutz. Dabei wandelte sich durch interne Umstrukturierung die traditionelle Mafia zur heutigen, modernen und unternehmerischen Mafia. Aber die Schutzgebung hat es auch schon bei der traditionellen Mafia gegeben. Denn ihr Ursprung liegt in dem bewaffneten Schutz der baronalen Gutshöfe gegen Viehraub. Zudem wurden die „guardini“ (Vorläufer der Mafiosi) auch die Aufsicht der baronalen Leibeigenen und des Barons Leibgarde. Daraus entwickelte sich später die Organisation der Mafia mit ihrem hierarchischen Gefüge. 4 Und dieses historische Element der Schutzgebung bzw. -gewährung ist bis heute ein wichtiger und unverkennbarer Bestandteil des mafiosen Handelns. Doch wie funktioniert der Schutz in der Gegenwart, wen schützt die Mafia konkret und welche Kriterien sind dabei zu beachten?
Leider weiß man nur sehr wenig darüber, wie der reelle Schutz funktioniert, weil Informationen nur sehr spärlich nach außen dringen. „In der Regel erfahren wir allenfalls etwas über Fälle, in denen irgendetwas nicht funktioniert hat - dann nämlich, wenn es Auseinandersetzungen gibt und möglicherweise auch Blut fließt. Klappt jedoch alles, gibt es nichts zu denunzieren und also auch keinen Grund, darüber zu reden. Wahrscheinlich ist daher das hier von der Schutzgebung gekennzeichnete Bild härter und konfliktreicher als sonst. Der größte Teil uns bekannter Fälle bezieht sich auf solche, die durch den Ausbruch von Streitigkeiten verursacht waren…“. 5
Die Mafia bzw. Cosa Nostra mit ihren Mitgliedern lebt in und von einer Art Doppelmoral. Nach außen ist es wichtig den Schein zu wahren und deswegen geht man meist legalen Tätigkeiten nach. Denn die Mafiosi haben in aller Regel einen ganz normalen Beruf. Besonders die in der Hierarchie untenstehenden („Soldati“) üben Arbeiten aus, welche völlig unverdächtig und harmlos erscheinen (z.B.: Blumenhändler, Straßenlehrer u. s. w.). 31,1% von ihnen sind noch heute im landwirtschaftlichen Bereich beschäftigt. Dagegen ist von den wirklich wichtigen und hochstehenden Mafiosi oft überhaupt keine berufliche Tätigkeit bekannt. Sie haben ja auch meist genug mit ihren eigenen „Geschäften“ zu tun. Rekrutiert
4 Näher: Henner Hess, Mafia: Ursprung, Macht und Mythos, Freiburg 1993.
5 So: Diego Gambetta, Die Firma der Paten - Die sizilianische Mafia und ihre Geschäftspraktiken, München
1994, S.219.
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werden und wurden aber auch gerne Personen qualifizierter Berufsstände wie: Finanzmakler, Apotheker, Ärzte, Chemiker und Anwälte. Alles Berufsgruppen die im Notfall nützlich sein bzw. geschäftsfördernde Unterstützung geben könnten (Bsp.: Apotheker und Chemiker: Herstellung von synthetischen Drogen bzw. Streckung des „normalen“ Rauschgiftes). Angemerkt sei aber, dass niemand von diesen Berufszweigen mit an der Spitze der cosca steht 6 , auch weil man nicht direkt Mitglied der Mafiafamilie ist 7 .
2.2. Der Praxisschutz
Schutz ist ja eigentlich die Macht gegen eine Gefahr, gegen eine Bedrohung, auch gegen Übervorteilung bei der Abwicklung von Geschäften. Diesen Mechanismus machte sich die Mafia zunutze, indem sie sich als großer Schutzgeber aufspielte. Würden wir die Mafia als Dienstleistungsunternehmen betrachten, ist die Schutzgewährung die Ware, welche die Mafia verkauft. Tatsächlich aber ist ihr „Verkauf“ mehr eine Erpressung, nämlich die sogenannte Schutzgelderpressung. Dabei kommt es zu einem Wechselspiel von Drohung und Fügsamkeit. Der mafiose Schutzgeber übernimmt den Part des Drohenden und die Beschützten sind jene, welche an die Schutzmacht, aber auch an das Bedrohungspotential glauben (müssen). Die Art des Schutzvertrages hängt auch mit dem Kräfteverhältnis zwischen Kunde und Mafiosi zusammen. Unter gleichen Voraussetzungen sind legale Unternehmen weniger erpressbar als illegale, weil sie stets auf die Justiz zurückgreifen können. Die Polizei ist somit für die Mafia ein Konkurrent bei ihrer Schutzgewährung. Unter dem Druck des Marktes muss der Mafiosi zugleich auch der Konkurrenz durch andere Anbieter standhalten. Weiterhin ist einer mit vielen Kunden ausgestatteter Mafiosi unabhängiger als der mit nur einem Klienten. Zusätzlich bringen viele Kunden auch mehr Umsatz und auch mehr Macht. Denn die Ziele mafioser Aktivitäten liegen im Umsatz, im Gewinn, in der Macht und nicht in der Gewalt. Aber Macht auszuüben, bedeutet auch Gewalt gegen andere auszuüben. Denn wer Schutz anbietet tut folglich beides: Er produziert und er verhindert Gewalt!
Sind ihre Interessen nicht unmittelbar im Spiel, übernehmen Mafiosi keineswegs den Schutz einer undifferenzierten, gesichts- und namenlosen Öffentlichkeit, die man ja auch kaum in Geldwert umrechnen kann. Die begehrenswertesten Kunden sind und bleiben die einzelnen
6 Ebenda, S. 220.
7 Die Mafia setzt sich aus mehreren Familien zusammen, die sogenannten Mafiafamilien, welche den
Grundstock für eine Mafiagruppierung bilden. Ihr Oberhaupt ist der Pate, ihm folgt der „capodecina“. Im
untersten Glied sind die „Soldati“. Sie setzen sich meist nicht mehr aus Familienangehörigen zusammen.
Arbeit zitieren:
Ronny Hollstein, 2002, Elemente mafiosen Handelns - Der Schutz in der Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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