INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
(2. allgemeine Vorbetrachungen zum Spagat - sit. Aspekt. 7)
3. Der Sprachstil der Disziplinierung. 3
3.1. Wurzeln der Disziplinierung 3
3.2. Dynamiken und Ausdrucksformen 3
3.3. Aggression und Zerfall und Ausbrechen -Polaritäten (Diszilpinier. 3
4. Repression, Privatheit und Sprache 4
4.1. Gramsci und Privatheit. 3
4.2. Privatheit im RAF-info-System. 3
5. Sprache der Gewalt und Sprache der Ohnmacht. 8
6. ZUSAMMENFASSUNG 12
LITERATURVERZEICHNIS 13
2
1. EINLEITUNG
“
Kommunikationssituationen der Moment der Repression und der ihrer sprachlichen Folgen eigen.
Das “verkümmerte Ich” tritt offen zu Tage. Gramsci verbringt seit seiner Freilassung 1934 die meiste Zeit in Klinken und stirbt schließlich im Jahre 1937. Seit Anfang der 70er sitzen viele RAF-Mitglieder in der BRD in Haft. 1977 stirbt die Kommandoebene um Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin in Stuttgart-Stammheim. Die Kommunikation innerhalb des Freiheitsentzug (RAF) und die Kommunikation nach draußen (Gramsci) bilden, so die These dieser Arbeit, Ablagerungen linguistische Sedimente der Repression ab. Das Subjekt und der Kontext der Repression sind grundverschieden. Das
1 Apitzsch, Ursula: “Kritsiche Theorie der Selbstkonstruktion des Menschen”, S.10. in: Gramsci, Antonio: Gefängnisbriefe, Bd 1, Briefwechsel mit Giulia Schucht, Hamburg 1994.
2 Aust, Stefan: Der Baader-Meinhof-Komplex, München 1998, S. 285.
3 Repression. 4 Verkümmertes Ich.
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faschistische Italien Mussolinis zeigte in den 20er Jahren schon in der Mateotti-Krise wie es mit Regime-Gegnern umging. Als Marxist und PCI-Mitglied muss Gramsci auch mit einem Anschlag auf sein Leben rechnen. Schließlich wird er unter außerordentlichen Massnahmen 1926 inhaftiert und der Staatsanwalt Michele Isgrò gibt 1928 die Strategie der Ankläger aus: “
Der BRD-Strafvollzug schuf technisch modernste und damit gänzlich andere Bedingungen einer Isolationshaft wie den sogenannten “toten Trakt” in Köln-Ossendorf. Hier waren die Häftlinge komplett sensorisch von allen Reizen isoliert. Dabei kommt es zu einem Prozeß der sensorischen Deprivation. Personen, die über eine längere Zeit solchen Bedingungen ausgesetzt, werden “empfänglich” für Gehirnwäsche und Manipulation. Allgemein führt die sensorische Deprivation zu einem geistigen und körperlichen Verfall. Bei Einzelpersonen leiden an einem noch beschleunigten Verfall. Ulrike Meinhof beschrieb in ihren Aufzeichnungen die Isolationshaft im “toten Trakt”: 7 “Das Gefühl, es explodiert einem der Kopf. Das Gefühl, die Schädeldecke müßte eigentlich zerreißen, abplatzen. Das Gefühl, es würde einem das Rückenmark ins Gehirn gepreßt ... Das Gefühl, die Zelle fährt... Rasende Aggressivität für die es kein Ventil gibt. Klares Bewußtsein, daß man keine Überlebenschance hat. Das Gefühl Zeit und Raum sind ineinander verschachtelt.” 8 Der Verfall der RAF-Häftlinge ist aber nicht nur äußerlich konstituiert. In einem Teufelskreis greifen er mit dem inneren Kampf der Gruppe zusammen. Mehrere Hungerstreiks kosten unter anderem Holger Meins das Leben. Zwangsernährung tut ihr übriges.
5 Bochmann, Klaus: Die Gefängnishefte, Hamburg 1991,Bd.1, S. 61. 6 Aust, Stefan: Der Baader-Meinhof-Komplex, München 1998, S. ?????. Das info-System.... 7 Schut, Pieter Bakker: Stammheim, ?????, S. 106-115 . 8 Aust, Stefan: Der Baader-Meinhof-Komplex, München 1998, S. 270.
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Während die demokratische Bundesrepuplik sich gegen den Angriff auf die staatlichen und wirtschaftlichen Schaltstellen erwährte, mußten in Italien alle Oppositionellen mit Verfolgung und Willkürakten durch die Diktatur der Faschisten rechnen. Gramsci und die RAF standen jedoch im Gegensatz zu Staat und Macht. Wurde die RAF explixit zum “Staatsfeind Nummer Eins” erklärt, so stempelte auch Gramsci als Marxist zu einem Staatsgegner ab. Gramscis situative Kommunikationsituation unterscheidet sich grundlegend von der der RAF. Denn die Gefängnisbriefe, um die es hier gehen soll, waren für eine Kommunikation vom Gefängnis nach draußen bestimmt. Sie hatten vor allem private Intentionen in dem Austausch mit seiner Frau Giulia Schucht direkt oder zumeist indirekt über die Schägerin Tania Schucht. Die Kassiber-Briefe der RAF fungieren hingegen als Binnenkommunikation innerhalb der Gruppe. Es geht dabei um die Organisierung einer kollektiven Verteidigung, einen ständigen politischen Abgleich in Meinung, Diskussion und Literatur. Das info-system hatte explixit unprivaten und betont politischen Chararkter. Nicht zuletzt stand als Synthese der info-Strategie der Kampf ums Überleben gegen Isolationshaft und die Folgen des Hungerstreiks. Gramsci hatte nur begrenzten Zugang zur Literatur und in den ersten Haftjahren nicht einmal Schreibmaterial zur Verfügung und das auch nur für eine bestimmte Zeit. Er erleidet im Gefängnis zwei schwere gesundheitliche Krisen, kann nur bedingt arbeiten. Gramsci gerät zudem schon krank in Haft. Er muss die Zurückhaltung und Zensur eigener und der Briefe von draußen rechnen. So ist er von einer permanent stockendenden Briefwechsel sehr stark betroffen. Aus gesundheitlichen Gründen ist an ein schriftliches Arbeiten nicht mehr zu denken. Die allgemeine Situation des schriftlichen Austauschs überschneidet sich ergo in der bedingten Freiheit der Worte die aus der Kontrolle und der Zensur herrührt. Das Maß an Vorsicht demgegenüber und die damit sprachlich sichtbar gemachte Ohnmacht gegenüber dem Subjekt der Macht müssen nun unter die Lupe genommen werden.
3. Der Sprachstil der Disziplinierung
So unterschiedlich die Textfunktionen im Briefverkehr bei Gramsci sowie bei den RAF-Häftlingen waren, so formte sich doch ein gemeinsames Phänomen der sprachlichen Disziplinierung heraus. Die Manifestation und die handwerkliche Umsetzung desgleichen ist sehr unterschiedlich, aber bestimmte
Überschneidungsmengen der Reaktion und des Kampfes gegen das Ausgesetztsein der Repression gegenüber sind festzustellen. Wie das genau aussieht werden wir in diesem Punkt sehen.
3.1. Wurzeln der Disziplinierung
Gramsci hat bei seinen linguistischen Untersuchungen die Einheit von Sprache und Denken betont. Gerade hier liegt schon das Problem. Denn das Denken in Unfreiheit muss bereits viele Windungen durchlaufen bevor es in Schrift fließt. So ist es vielleicht hilfreich von einer zweiten Ebene, einer Nachricht zwei zu sprechen, die nach den benannten Faktoren eine gehobelte, verkürzte Version
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Arbeit zitieren:
Marcus Fiebig, 2003, Verkümmertes Ich: Sprache unter dem Eindruck von Repression - am Beispiel von Gramscis Gefängnisbriefen und dem Informationssystem der RAF-Häftlinge, München, GRIN Verlag GmbH
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