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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Raum, Raumbedürfnis und Personal Space. 5
2.1 Raum 5
2.1.1 Der orientierte Raum. 5
2.1.2 Der gestimmte Raum 7
2.2 Raumbedürfnis. 8
2.3 Personal Space. 10
2.3.1 Funktionen des Personal Space 11
2.3.2 Theoretische Konzepte. 11
a) Gleichgewichtstheorie (Equilibrium Theory) 11
b) Attributionstheorie (Attribution Theory) 12
c) Erwartungstheorie. 12
2.4 Personal Space nach HALL 13
2.4.1 Intime Distanz 14
2.4.2 Persönliche Distanz 15
2.4.3 Soziale Distanz 17
2.4.4 Öffentliche Distanz 18
3. Kommunikation des persönlichen Raums 20
3.1 Kommunikation, Verhalten und Interaktion 20
3.1.1 Kommunikation. 20
3.1.2 Verhalten. 21
3.1.3 Interaktion 23
3.2 Kommunikation der Grenzen des persönlichen Raums 24
3.2.1 Auditive Kommunikation 24
a) Sprache 25
b) Nonverbale Vokalisierungen 26
3.2.2 Visuelle Kommunikation 26
a) Blick 26
b) Mimik 27
c) Gestik / Körperbewegungen 30
d) Körperhaltung. 32
e) Kleidung und andere Aspekte der äußeren Erscheinung 33
f) Proxemik (Räumliches Verhalten) 35
3.2.3 Taktile Kommunikation 40
3.2.4 Olfaktorische Kommunikation. 41
3 2 5 Gustatorische Kommunikation 42
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3.3 Beeinflussende Parameter 42
3.3.1 Personenbezogene Unterschiede 42
3.3.2 Situative Unterschiede 43
3.3.3 Prothesen und Verlängerungen 43
4. Resümee 44
4.1 Intime Distanz 45
4.2 Persönliche Distanz 46
4.3 Soziale Distanz. 47
4.4 Öffentliche Distanz 48
5. Das andere archimedische Prinzip - ein Beispiel 49
5.1. Hintergrund 49
5.2 Die gestörten Kreise 50
5.2.1 Archimedes. 51
5.2.2 Der römische Legionär 51
5.2.3 Das Zusammentreffen 52
6. Schlusswort. 53
7. Verzeichnisse. 54
7.1 Literaturverzeichnis 54
7.1.1 Wissenschaftliche Literatur 54
7.1.2 Beispielliteratur und Unseriöses 56
7.1.3 Historische Quellen 56
7.2 Internetquellen 57
7 3 Abbildungsverzeichnis 57
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1. Einführung
Die Menschheit agiert im Raum. Das Individuum füllt mit seinem Körper einen gewissen Raum in unserer Welt aus und beansprucht diesen. Um jedoch handlungsfähig und sicher zu bleiben, hört dieser beanspruchte Raum nicht mit der Körpergrenze, also der Haut, auf, sondern das Individuum benötigt mehr Platz - um agieren zu können und um sich mögliche Feinde vom Leib zu halten. Dieser Raum, der persönliche Raum oder Personal Space 1 , endet erst mit dem Erreichen der sensomotorischen Grenzen. Wer wie weit in dieses kleine Stück Privatsphäre eindringen darf, entscheidet das Individuum von Situation zu Situation aufs Neue und kommuniziert dieses. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt bei der Art und Weise, wie Raum, im Speziellen der persönliche Raum, kommuniziert wird. Wobei nach Maletzke Kommunikation im engen Sinne zu verstehen ist, also als ein „Vorgang der Verständigung und der Bedeutungsvermittlung zwischen Lebewesen“ (MALETZKE 1963: 18).
Um die kommunikativen Verhaltensweisen in Bezug auf den Personal Space untersuchen zu können, werde ich zuerst versuchen, die Bedeutung des Raums für das Individuum (Kapitel 2.1) näher zu erläutern und das Bedürfnis nach einem eigenen, einem persönlichen Raum zu erörtern (Kapitel 2.2). Kapitel 2.3 ist den Funktionen des persönlichen Raums und den theoretischen Konzepten zum räumlichen Verhalten gewidmet. In Kapitel 2.4 werde ich die Differenzierung des Personal Space in eine Intime, eine Persönliche, eine Soziale und eine Öffentliche Zone erläutern, die von dem Anthropologen Edward T. Hall in seinem Werk „The Hidden Dimension“ (1966) vorgenommen wurde, und versuchen, den einzelnen Distanzzonen sensomotorische und somit kommunikative Möglichkeiten zuzuschreiben. Das Forschungsinteresse dieser Bakkalaureatsarbeit besteht darin zu untersuchen, wie diese unterschiedlichen Distanzzonen und deren Grenzen kommuniziert werden. Der Hauptaspekt liegt also bei der Kommunikation von Raum, im Speziellen der Kommunikation des persönlichen Raums (Kapitel 3). Hierbei werde ich, nach der sensorischen Erfassung gegliedert, erörtern, welche Möglichkeiten der Kommunikation von Distanzverhältnissen bestehen. Die unterschiedlichen Distanzzonen werden auch bei Hall durch kommunikative Aktionen definiert, allerdings, und das ist auch der wichtigste Ansatzpunkt dieser Arbeit, bleibt Hall eine genauere Exemplifizierung und Systematisierung schuldig. Diese Bakkalaureatsarbeit soll dazu dienen, die Distanzzonen genauer zu definieren und sie
1 Im deutschsprachigen wissenschaftlichen Diskurs wird sowohl der englische als auch der
deutsche Terminus verwendet. Aus Gründen der sprachlichen Abwechslung verwende ich in
dieser Arbeit ebenso beide Ausdrücke.
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durch Zuschreibung kommunikativer Aktionen enger einzugrenzen bzw. klarer erkennbar zu machen. Im Resümee (Kapitel 4) soll daher in einer Tabelle versucht werden, die herausgefundenen Ergebnisse zusammenfassend darzustellen.
„Und was hat Archimedes mit dem Ganzen zu tun?“, höre ich sie fragen? In dem kurzen Exkurs (Kapitel 5) werde ich versuchen, das zuvor theoretisch erörterte Distanzverhalten zu veranschaulichen. Alle Leserinnen und Leser mögen mir meine vielen Beispiele verzeihen, die ich oft dem Widerkauen der grauen Theorie vorgezogen habe, welche Andere schon besser zusammengefasst haben (z.B.: SCHULTZ-GAMBARD (1990), KRUSE (1980), ARGYLE (2002)).
Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verzichte ich außerdem auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung der Sprache. Alle Leserinnen mögen entschuldigen, dass dabei der männlichen Form der Vorzug gegeben wurde, welche ich schon fast zwei Jahrzehnte verwende und die mir daher leichter von der Hand geht.
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2. Raum, Raumbedürfnis und Personal Space
2.1 Raum
Der euklidische Raum, der homogen, kontinuierlich und isotrop (sich in alle Richtungen gleichmäßig erstreckend) ist, kann nicht mit dem gelebten Raum gleichgesetzt werden, der inhomogen, diskontinuierlich und anisotrop ist (vgl. KRUSE 1990: 314). Das zentrale Charakteristikum des gelebten Raums besteht darin, „dass der Handelnde über seinen Körper im physisch-weltlichen Kontext immer einen konkreten Standort einnimmt, der für ihn immer zum Ausgangspunkt seiner Orientierungen und Handlungen im Erdraum wird.“ (WERLEN 1988: 179) Der gelebte Raum ist somit leibzentriert, das Individuum der Koordinatennullpunkt seines Raums. Das leibzentrierte Koordinatensystem ist „auf das jeweilige Subjekt bezogen und durch den dem Stand- und Blickpunkt des Subjekts entsprechenden Horizont begrenzt“ (KRUSE 1990: 314).
Das Koordinatensystem umfasst also die Dimensionen „links“, „rechts“, „vorne“, „hinten“, „oben“ und „unten“ von der Blickrichtung des Handelnden aus, sowie einen Koordinatennullpunkt, in dem sich die eben genannten Dimensionen schneiden und der vom Körperstandort des Handelnden gebildet wird. Der gelebte Raum ist durch seine qualitativ unterschiedlichen Stellen oder Punkte („Ich-hier“ gegenüber „dem-da“) und Richtungen („hin“ gegenüber „her“) charakterisiert: die Pole oben, vorne und rechts sind gegenüber unten, hinten und links bevorzugt. (Vgl. KRUSE 1990: 314). „Demzufolge bildet das aktuelle „Hier“ zum Zeitpunkt des Handelns nicht einen absoluten Fixpunkt, sondern den variablen Bezugspunkt der Orientierung im physischweltlichen Kontext.“ (WERLEN 1988: 179) Der gelebte Raum kann also auch als „orientierter Raum“ interpretiert werden. Die Orientierung erfolgt nach dem Bezugspunkt, dem Individuum, wobei hier zwischen einem „Wahrnehmungsraum“ und einem „Handlungsraum“ unterschieden werden kann. Demgegenüber kann man Raum aber auch als einen „gestimmten Raum“ sehen, der durch seine atmosphärischen Ausprägungen definiert ist. Widmen wir uns kurz diesen Konzepten:
2.1.1 Der orientierte Raum
Raum wird im Alltag erschlossen und benutzt, Bewegungen finden mit dahinter stehenden Intentionen, also zielgerichtet statt, sie beginnen „hier“ und enden „dort“. „Hier“ ist, wo sich das Subjekt als wahrnehmendes und handelndes Individuum befindet, „hier“ ist der Körper, das Zentrum, der Koordinatennullpunkt. „Dort“ ist das Ziel der Wahrnehmung
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Wahrnehmungsraum, alles innerhalb dieser Grenzen muss mit mindestens einem Exterorezeptor erkannt werden. „Von Handlungsraum wird gesprochen, wenn das Subjekt Ausgangspunkt zielgerichteten Handelns und Bewegens ist, vom Wahrnehmungsraum, wenn das Subjekt lediglich als sinnlich wahrnehmendes figuriert“ (KRUSE 1990: 315). Wenn auch Handeln und Wahrnehmung sehr stark aneinander gekoppelt sind, so kann das Individuum je nach Bedarf die eine oder die andere Fähigkeit in den Vordergrund treten lassen. In wahrnehmenden Momenten studieren wir den Fahrplan oder schwelgen im Überangebot in der Geschäftsauslage, während in handelnden Situationen der voll gepackte Einkaufswagen durch den Kassabereich manövriert werden muss. Die Wahrnehmung ordnet sich hier dem Handlungsziel unter und gewährleistet das Funktionieren der Handlung. „Entsprechend der funktionalen Einheit von Wahrnehmen und Handeln kann diese Differenzierung allerdings nur als analytische verstanden werden.“ (KRUSE 1990: 315)
a) Der Wahrnehmungsraum
umfasst, ungeachtet der Sonderstellung der visuellen Wahrnehmung, auch
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b) Der Handlungsraum
Das Subjekt ist Ausgangspunkt zielgerichteten Handelns und Bewegens,
2.1.2 Der gestimmte Raum
„Als gestimmten Raum erleben wir den Raum nicht in einzelnen, spezifizierbaren Eigenschaften (von Formen, Farben, Größenverhältnissen etc.), sondern in seinem Ausdrucksgehalt, seinen Anmutungsqualitäten, seiner Atmosphäre (als feierlicher Kirchenraum, belebte Straße, heitere Landschaft, gemütliches Zimmer oder ‚kalte Pracht’).“ (KRUSE, 1990: 318) Der gestimmte Raum ist unzentriert und atrop, das Subjekt nimmt - im Gegensatz zum orientierten Raum - nicht automatisch das Zentrum des Raumes ein. Die Gestimmtheit des Raumes muss sich nicht verändern, nur weil sich das Subjekt im Raum bewegt. Die Stimmung des dunklen Kellerlokals kann die gleiche bleiben, egal ob man am Tisch sitzt oder an der Bar lehnt.
Der persönliche Raum tritt natürlich auch im gestimmten Raum auf und verändert sich aufgrund der Atmosphäre und der geltenden Regeln und Tabus, jedoch handelt es sich beim gestimmten Raum hauptsächlich um ein beeinflussendes Parameter, um den Kontext unserer Handlungen und Wahrnehmungen. (Vgl. Kapitel 2.2.f und 3.3) Im orientierten Raum mit seinen sensorischen und motorischen Möglichkeiten bzw. Begrenzungen hingegen manifestiert sich der Personal Space in seinen unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Handlungsdimensionen. Die unterschiedlichen Dimensionen oder Möglichkeitsräume der sensomotorischen Fähigkeiten sind der Personal Space, der persönliche Raum.
Der persönliche Raum ist aufgrund der sensomotorischen Unterschiede nicht in sich homogen, hier gibt es gravierende Unterschiede in der Sensibilität und den
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Wahrnehmungs- und Handlungsmöglichkeiten. Der persönliche Raum ist als eine Ganzheit konzipiert, allerdings auch klar strukturiert und begrenzt.
„Innerhalb des Gesamtbereichs lassen sich Teilbereiche abgrenzen: die 'inner-personalen'
Bereiche sind von einem 'sensomotorischen' Bereich umgeben, der als 'Grenzzone' oder
vermittelnder Bereich zwischen dem innerpersonalen Bereich und der Umwelt fungiert. Beim
innerpersonalen Bereich wird zwischen mehr zentralen und mehr peripheren Bereichen oder
Schichten unterschieden. Die zentralen werden als die mehr intimen oder persönlichen
Regionen definiert, in denen das Individuum gewöhnlich 'empfindlicher' ist als in den
peripheren. Die peripheren Schichten sind, da sie enger mit dem motorischen Grenzbereich in
Verbindung stehen, eher äußerungsfähig. […] zentrale Bereiche [haben] im allgemeinen
weniger Zugang zum Motorium.“ (KRUSE 1980: 86)
Der persönliche Raum dient der Vermittlung und Erschließung der Umwelt und ist daher ein wichtiger Verbündeter im Überlebenskampf. Wir beschützen daher uns, indem wir unseren persönlichen Raum sichern. Diesem Bedürfnis nach einem sicheren persönlichen Raum soll im nächsten Kapitel auf die Schliche gekommen werden.
2.2 Raumbedürfnis
Raum ist ständig um uns herum. Immer und überall. Wir gestalten und kontrollieren Raum und sind ihm doch stark unterworfen, wir benutzen und verändern ihn, wir sind also in sehr intensivem Kontakt mit dem Phänomen Raum. Er ist ein Kontext, in dem wir unser Leben gestalten. Vor allem unser persönlicher Raum. Hier können wir Handlungen setzten und Informationen sammeln. Je mehr wir wissen und je besser wir agieren, desto angenehmer und zufriedener verläuft unser Leben. Wenn ich agiere oder wahrnehme, um mein Leben zu gestalten oder mein Überleben zu gewährleisten, lasse ich mir nicht gerne von anderen in die Quere kommen. Also muss ich, um meine Handlungsmöglichkeiten aufrechtzuerhalten, den Raum, den diese Handlungen benötigen, erobern, halten und verteidigen. Und wenn sie nicht aus dem Weg fahren, hupe ich ganz laut. Ein weiterer wichtiger Verteidigungsaspekt ist es, mich vor zu hohen sensorischen Inputs (wie einem Messer im Körper) zu schützen. Es reicht aber auch schon, wenn sich immer irgendeine kunstinteressierte und detailverliebte Person dicht vor das Gemälde im Museum stellt, und zwar genau in meiner Wahrnehmungsachse. Ein schöner Rücken kann zwar entzücken, aber hier stört er meine Kreise. Ich muss auf jeden Fall darauf reagieren, da mein Handlungs- bzw. Wahrnehmungsziel so nicht erreicht werden kann und in meinen sensomotorischen Raum auf unerlaubte bzw. sehr unhöfliche Weise eingedrungen wurde. Das war mein Raum! Informationen müssen ausgesandt und vor allem auch empfangen werden, um zu Kommunikation zu werden und damit soziale Interaktion zu gewährleisten. Um in soziale Kontakte zu treten, müssen Verletzungen dieses persönlichen Raums also in Kauf
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genommen werden. Manchmal ist dies gar nicht so schlimm, wie der Kuss der Tante, der mit einem kleinen Schokolade-Trostpflaster abgegolten wird. Manchmal ist die Intimität sogar sehr angenehm, wenn man gemeinsam unter einer Decke steckt. Ab und zu aber ist es ein schwerer Fehler, dass man jemanden soweit in den persönlichen Raum eindringen hat lassen. Jedes Individuum tritt als Ansprucherhebender auf, der seinen eigenen Raum, seinen persönlichen Raum, kontrollieren und gebrauchen will. Tritt ein Individuum in sozialen Kontakt und hält gleichzeitig den Anspruch auf den persönlichen Raum aufrecht, so muss es Kompromisse eingehen - bis hierher, aber nicht weiter. Na gut, du schon. Jede soziale Situation ist daher ein ständiges Grenzen abbauen, öffnen, befestigen, verteidigen, Zollbeschränkungen einführen (ohne Schokolade kein Kuss) und natürlich überwachen. Soziale Beziehungen können nur eingegangen werden und bestehen, indem die Grenzen definiert werden und entsprechende Handlungen zur Umsetzung dieser Definitionen gesetzt werden. Dabei wird immer versucht, den größtmöglichen Nutzen aus der eingegangenen Intimität zu ziehen. Suche ich Kontakt oder gibt es gute Gründe, die für mehr Distanz sprechen? Prinzipiell gibt es jedem gegenüber, den ich nicht kenne, ein Kontaktverbot. Erst nach gegenseitigem „Abtasten“ und durch genügend Vertrauen abgesichert lasse ich wen an mich heran.
„Der Einzelne kann belästigt, physisch bedroht, sozial und materiell ausgebeutet werden, es
kann ihm der grundsätzlich einer jeden Person gebührende Respekt bzw. die Achtung
verweigert werden. Um diese prinzipiell möglichen ‚Inkorrektheiten’ bzw. ‚Risiken’
auszuschalten, ist die Außerkraftsetzung des Kontaktverbotes gesellschaftlich reglementiert
und nur unter bestimmten Bedingungen bzw. Umständen erlaubt. Personen müssen einen
offiziell anerkannten Grund haben, um mit einer anderen in Blickkontakt zu treten. Die
Reglements für Zugänglichkeit bzw. Initiierung von zentrierten Begegnungen stellen daher ein
Mittel der sozialen Kontrolle dar, da durch sie gewährleistet werden soll, dass sich Personen
nicht in unzulänglicher Weise anderen nähern.“ (REIGER 1997: 93)
Welche Zugangsbeschränkungen gibt es, wie sehen nun diese Grenzen der Distanzzonen im Detail aus und wo sind sie? Das ist die Frage, der ich mich im nächsten Kapitel zuwenden möchte.
Die Möglichkeiten, diese Grenzen zu sichern oder auf Eindringen zu reagieren, liegen in Verhalten jeglicher Art, dem immer kommunikativer Gehalt anhaftet. (Vgl. Kapitel 3.1)
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2.3 Personal Space
Begründet wurde die Forschung zum persönlichen Raum durch die Arbeiten des Anthropologen Edward T. HALL (1966) und des Psychologen Robert SOMMER (1969). Hall fasste unter dem Begriff „Proxemics“ die untereinander zusammenhängenden Beobachtungen und Theorien bezüglich des räumlichen Verhaltens des Menschen zusammen und entwickelte ein Klassifikationssystem für dieses räumliche Verhalten, angespornt durch H.E. HOWARD, einen englischen Ornithologen, Verfasser von „Territory in Bird Life“ aus dem Jahre 1920 (Vgl. HALL 1966: 7). Erstmals definiert wurde der Personal Space von SOMMER (1969: 26):
"Personal Space refers to an area with invisible boundaries surrounding a person's body into
which intruders may not come."
„Wiewohl man den Persönlichen Raum am einfachsten als eine den Körper umgebende Zone oder Blase veranschaulichen kann, handelt es sich bei ihm nicht um eine feste Zone, sondern um bestimmte personen- und situationsabhängige Regelmäßigkeiten in der Einhaltung räumlicher Interaktionsbedingungen.“ (SCHULTZ-GAMBARD 1990: 325) Um sich aber ein Bild zu machen, eignet sich das Beispiel der Blasen:
Abb.2: Der persönliche Raum 1 Abb.3: Der persönliche Raum 2 Darstellung: DI Norbert Haiden Darstellung: DI Norbert Haiden
Das Konzept des Personal Space führte zu unzähligen Studien über „Struktur und Dynamik interpersonaler Distanzen und ihrer Variabilität in Abhängigkeit von differentiellen und Persönlichkeitsvariablen (Alter, Geschlecht, Rassen-, Kultur- und Schichtenzugehörigkeit, Intelligenz und Fähigkeiten, Motivationsstrukturen, physischen und psychischen Stigmata), von interpersonalen Faktoren (wie Sympathie, Attraktivität,
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Macht- und Statusbeziehungen, Gruppengröße und -kohäsion, Kooperation vs. Wettbewerb) und situativen Faktoren (räumlich-materielle Rahmenbedingungen, Möbel-und Sitzanordnung, formelle vs. informelle, öffentliche vs. private settings)“ (KRUSE 1980: 147). In dieser Arbeit sollen nun die Distanzzonen durch Zuordnung bestimmten sensomotorischen Kommunikationsverhaltens präziser definiert werden.
2.3.1 Funktionen des Personal Space
Nach Schultz-Gambard können dem persönlichen Raum zwei grundlegende Funktionen zugeordnet werden: Kontrolle und Kommunikation
a) Kontrolle:
Die Einhaltung gewisser Distanzen hilft bei der Kontrolle von unerwünschter
b) Kommunikation
„Durch die Wahl der Distanz bei einer sozialen Interaktion wird die erwartete
2.3.2 Theoretische Konzepte
a) Gleichgewichtstheorie (Equilibrium Theory)
Argyle und Dean (1965) gehen von einem Gleichgewicht zwischen den vier Dimensionen Abstand, Intimität des diskutierten Themas, Häufigkeit und Intensität des Blickkontakts und des Lächelns aus, welches durch Anziehungs- und Vermeidungskräfte bestimmt
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Martin Haiden, 2004, Kommunikation des persönlichen Raums, München, GRIN Verlag GmbH
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