Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Hauptteil 2
2.1 Der Stellenwert der Medientheorie 3
2.2 Zur Person Marshall McLuhan und seiner Rezeption 4
2.3 McLuhans Medienbegriff 5
2.4 Die Sinne und die Wahrnehmung 6
2.5 „The Extensions of Man“ - das Konzept der Körperausweitung 6
2.6 das Zeitalter der Elektrizität 8
2.7 McLuhans sogenannte „Mosaikmethode“ und das „schwebende Urteil“ 12
2.8 Die magischen Kanäle - Understanding Media 13
2.8.1 „Das Medium ist die Botschaft“ 14
2.8.2 Heiße und kalte Medien 15
2.9 McLuhans Utopie und die Stellung des Künstlers 17
3. Schlussteil 17
Literaturverzeichnis 19
1
1. Einleitung
Medien sind aus unserer heutigen Gesellscha ft nicht mehr wegzudenken. Sie sind eine tragende Säule von Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaften. Sie gelten nicht nur als vierte Macht des Staates, sondern sind auch Plattform und Sprachrohr von einfachen Leuten, Minderheiten und Randgruppen. Heutzutage kann sich jeder, der will, in den täglichen Talkshows Gehör verschaffen und auf Anteilnahme spekulieren. Bereits in den 60er Jahren sah der Pionier der Medientheorie Marshall McLuhan diese Entwicklung voraus. In seinen umfangreichen theoretischen, zum Teil ausufernden Schriften beschäftigte er sich mit der Medienentwicklung, den unterschiedlichen Medienformen und deren Wechselwirkung auf den Menschen. Er entwickelte einen ganz neuen Medienbegriff, eine Einteilung der Menschheitsgeschichte in verschiedene mediale Epochen und formulierte erkenntnistheoretische Konsequenzen, die sich für das Individuum und die Gesellschaft aufgrund des dominierenden Mediums entstehen. Für ihn ist die Entwicklung vom Buchdruck zu elektrischen Medien nicht nur eine technische, sondern auch eine epistemologische Revolution: Das lineare Denken des Buches wird vom mosaikartigen Denken der elektrischen Vernetzung abgelöst. Diese Zäsur ist für McLuhan eine Notwendigkeit für die individuelle Freiheit des Menschen und einer intensiven Lebensqualität. Das globale Dorf oder Das Medium ist die Botschaft gehören zu seinen bekannten Thesen, denen in der vorliegenden Arbeit, die das Werk Die Magischen Kanäle - Understanding Media untersucht, noch weitere folgen werden.
2. Hauptteil
2.1 Der Stellenwert der Medientheorie
Medientheorie ist mittlerweile ein wesentlicher Bestandteil der Wissenschaften. Die Medientechnologie ist einer rasanten Entwicklung unterlegen, denn so gut wie kein Bereich, ob Politik, Ökonomie, Bildung oder Kunst f unktioniert heute ohne Kommunikations- bzw. Informationsmedien. Sie bestimmen zunehmend die Art und Weise der Organisation unserer Gesellschaft.
Noch in den 70er Jahren wurde die Medienwirkung nur im politischen Bereich untersucht. Medien sind seitdem zum Gegenstand vieler Wissenschaften geworden. Medientheoretische Fragen werden nicht nur in den Kommunikationswissenschaften und Publizistik erörtert, sondern auch mit steigender Tendenz in Geistes- und Sozialwissenschaften wie zum Beispiel Literatur- und Erziehungswissenschaft, Soziologie, Politologie und Psychologie. Dabei werden sowohl spezielle Medien und
2
Medienwirkungen betrachtet als auch Medien und ihre Bedeutung an sich. 1 Dieser Frage widmete sich auch der Medientheoretiker Marshall McLuhan.
2.2 Zur Person Marshall McLuhan und seiner Rezeption
Der kanadische Anglist Herbert Marshall McLuhan wurde 1911 in Edmonton/Alberta, Kanada geboren. Sein Studium in Cambridge (UK) von 1934-36 war wesentlich für seine Entwicklung als Medientheoretiker, denn dort begann er sich für die neuen Medien zu interessieren. 2 Er gründete 1963 das Institute for Culture and Technology in Toronto. Seine beiden Hauptwerke sind The Gutenberg-Galaxy von 1962 und Die magischen Kanäle - Understanding Media von 1964. Beide Werke erregten große Beachtung in den USA und Kanada. Mit seinen Magischen Kanälen wurde er über Nacht in der englischsprachigen Welt ein gefeierter Star. 3 Unter den Medientheoretikern gilt er als der prominenteste. Seine Thesen, die keiner einzelnen Disziplin einer an Universitäten üblichen Fakultäten zuzuordnen sind, erlangten große Popularität. In den USA und Kanada fanden sie zu Beginn der sechziger Jahre eine hohe Resonanz. Damals herrschte eine Aufbruchstimmung, die durch das Auftreten der Pop-Art und der Protest-Jugendkultur entstanden war. Seine These vom Ende der Gutenberg Ära 4 und dem Anbruch eines neuen elektrischen Zeitalters trafen somit den revolutionären Zeitgeist. 5
In Deutschland hingegen tat man sich schwer mit dem Medientheoretiker: Ein Grund soll in der Unparteilichkeit seiner Thesen liegen. Man konnte ihn politisch nicht einordnen, und so waren sowohl die Konservativen als auch die Linken ihm gegenüber misstrauisch, was zur Folge hatte, dass seine Bücher von großen Teilen beider Lager abgelehnt wurden. 6 Erst in den achtziger Jahren fanden seine Schriften in Deutschland mehr Anerkennung. 7
Seine wissenschaftliche und öffentliche Rezeption war zwiespältig. Seine provokanten und zum Teil schwer erschließbaren Ideen spalteten die Gemüter: Die Konservativen sahen in ihm einen Propheten des „Rückfalls in eine barbarische, weil schriftlose
1 Vgl. Kloock, Daniela, Spahr, Angela: „Magische Kanäle. Marshall McLuhan“, in: Klook, Daniela, Spahr, Angela: Medientheorien. Eine Einführung, 2. korr. Und erw. Aufl., Wilhelm Fink Verlag: München 2000, S. 39-76, S. 7f. (künftig unter Kloock)
2 Vgl. Ebd., S. 46.
3 Vgl. Ebd., S. 39.
4 Anm.: Johannes Gutenberg ist der Erfinder des Buchdrucks mit auswechselbaren Lettern. Er revolutionierte mit Erfindung das Buchdruckwesen. Der wichtigste Bestandteil seiner Idee war die Zerlegung der Texte in seine einzelnen Bestandteile, so dass flexibel und schneller als bislang gedruckt werden konnte. Das Massenmedienzeitalter war geboren.
5 Vgl. Kloock, S. 39.
6 Vgl. Baltes, Martin, Böhler Fritz und Jürgen Reuß (Hrsg.): Der McLuhan Reader. Medien Verstehen, Mannheim 1997, (Einleitung der Herausgeber, S. 7-25, künftig unter Baltes u. a.), S. 9.
7 Vgl. Kloock, S. 40.
3
Gesellschaft der Massenmedien“ 8 . Phillip Marchand schreibt, dass man ihn als einen „populistischen Schwätzer“ oder gar „Wirrkopf“ bezeichnete, doch auf der anderen Seite wurde er zum Hellseher und Propheten im positiven Sinn stilisiert. 9 Peter Drucker spricht von ihm als einem „ernsten Forscher mit Systematik in Methode und Analyse und [...] schöpferische(n) Künstler mit dem Blick für das Ganze“ 10 , doch viele Leute wussten nicht, was sie von ihm und seinen revolutionären Thesen halten sollten. Tatsache ist, dass viele seiner Thesen unsere heutige Situation beschreiben. 11 So schrieb McLuhan:
Denn es ist jetzt möglich, die Verhältnisse der Sinne untereinander so zu programmieren, dass sie dem Zustand des Bewusstseins nahe kommen. (...) wenn wir einmal unser Zentralnervensystem zur elektromagnetischen Technik ausgeweitet haben, ist es nur mehr ein Schritt zur Übertragung unseres Bewusstseins auch auf die Welt der Computer. 12
McLuhan starb 1980 in Toronto an den Folgen eines Schlaganfalls. Nicht verwunderlich sind die Reaktionen auf seinen Tod. Man hoffte, dass diese Prophezeiungen nun ein Ende hätten. Die Zeit titelte „letzte Meldung aus dem Medien-Dorf“ 13 . Im Gegensatz zu Frankreich, wo er von Autoren wie Virilio rezipiert wurde, wurden seine Thesen in Deutschland zunächst nicht aufgegriffen.
2.3 McLuhans Medienbegriff
Für McLuhan macht die Technik generell, also vom Rad über die Dampfmaschine bis zur Videokamera, das Medium aus. Jene setzt er ins Verhältnis zum menschlichen Körper, indem er die Technik bzw. Medien als Erweiterung oder Ersatz von Körperteilen und -funktionen sieht. Diese wiederum wirken auf den Körper zurück und nehmen Einfluss auf ihn. 14 Medien bestimmen l aut McLuhan die Formen der Weltwahrnehmung. 15 Es ergibt sich ein Problem bezüglich McLuhans Medienbegriffes. Er verwendet den Begriff des Mediums sowohl bei technischen als auch bei nichttechnischen Dingen: Egal ob Haus, Mode, Geld oder Straße - alles ist ein Medium:
8 Baltes u. a., S. 10.
9 Vgl. Kloock, S. 9.
10 McLuhan, Marshall: Die Magischen Kanäle - Understanding Media -, 2. erw. Aufl., Verlag der Kunst: Dresden, Basel 1995, (Vorwort von Peter F. Drucker, S. 9-14, künftig unter Drucker), S. 12.
11 Vgl. Baltes u. a., S. 13.
12 Kloock, S. 73.
13 Baltes u. a., S. 12.
14 Vgl. Kloock, S. 11.
15 Vgl. Ebd.
4
Technik und Medium sind in McLuhans Verständnis Synonyme. 16 Man sollte hier jedoch eine klare Unterscheidung vornehmen. Das Medium Fernsehen beeinflusst den Menschen in seiner Wahrnehmung anders als ein Kleidungsstück zum Beispiel. Der Vergleich ist unzulänglich.
2.4 Die Sinne und die Wahrnehmung
McLuhans Reflexionen über Medien sind wahrnehmungstheoretisch. 17 Für die Perzeption - sinnliches Wahrnehmen als erste Stufe der Erkenntnis - spiele die Synästhesie - das Zusammenwirken der gesamten Sinne - eine wichtige Rolle. Medien beeinflussen die Sinne, durch deren Wechselspiel die Wahrnehmung verändert würde, und sie bestimmen die Art und Weise, wie der Mensch die Welt wahrnimmt. Jede neue Technik erzeuge ein anderes Wechselspiel der Sinne und ein neues Wahrnehmungsmuster, das neue Varianten der Perzeption hervorbringt. Somit geschieht Wahrnehmung nach Ansicht McLuhans technisch vorstrukturiert. 18 Um die Welt ganzheitlich wahrnehmen zu können sei die maximale Beteiligung aller Sinne also notwendig. Der Tastsinn, auch als Taktilität bezeichnet, sieht McLuhan nicht als eigenständigen Sinn, sondern er stehe für Synästhesie und bilde somit die Gesamtheit sinnlicher Empfindungen. 19 Das jedoch scheint unlogisch: Der Tastsinn ist ein einzelner Sinn. Er kann nicht die Gesamtheit der Sinne bilden, denn beim Tasten, wird weder der Sehsinn, noch den Hör- oder Geschmackssinn beansprucht.
2.5 „The extensions of Man“ - das Konzept der Körperausweitung
McLuhans Leitthese ist, dass die Technik die Erweiterung des menschlichen Körpers darstellt. Jede Ausweitung ob der Haut, der Hand oder des Fußes, berühre das ganze psychische und soziale Gefüge. 20 Das Rad sei zum Beispiel eine Erweiterung oder besser gesagt Absonderung des Fußes. Diese Idee steht in geisteswissenschaftlicher Tradition. So zum Beispiel die Theorie von Ernst Knapp, der im Jahre 1877 in Deutschland die erste Philosophie der Technik verfasste, die den Körper als Basis jeglicher technischen Erfindung sah: Technik resultiere aus der Imitation des Körpers. 21 In diesem Zusammenhang spricht der Medientheoretiker von einer
„Nachtwandlermentalität“, die im Bezug auf die technischen Mittel herrsche. Der Mensch sei sich der Entfremdung nicht bewusst. So sagt McLuhan: „Das Unbewusste
16 Vgl. Kloock, S. 57.
17 Vgl. Ebd., S. 56.
18 Vgl. Ebd., S. 53.
19 Vgl. Ebd., S. 55.
20 Vgl. Drucker, S. 16
21 Vgl. Ebd., S. 50.
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Arbeit zitieren:
Yvonne Strüwing, 2003, Medienentwicklung, Medienbegriff und Medienformen nach Marshall McLuhan, München, GRIN Verlag GmbH
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