1. Einleitung
„Gewerkschaften sind freiwillige Zusammenschlüsse von lohnabhängig beschäftigten Arbeitskräften, die dauerhaft bestrebt sind, ihre sozialen, ökonomischen und politischen Interessen gegenüber ihren Kontrahenten auf der Seite der Arbeitgeber und des Staates zu schützen und im Sinn einer Gestaltung und Überwindung inhumaner Verhältnisse reformorientiert durchzusetzen. Als ,,Non - Profit - Organisation,, basieren sie auf gemeinsam geteilten Werten, die sich in der Programmatik niederschlagen. Sie sind ebenso Ausdruck einer sozialen Bewegung, wie sie als ,,intermediäre Organisationen,, pragmatisch zwischen Kapital - und Systeminteressen auf der einen sowie den Mitgliederinteressen auf der anderen Seite vermitteln.“ (1)
Gibt es eine gewerkschaftliche Gegenöffentlichkeit? Die Funktionäre äußern sich in den Medien, in Mitgliederzeitschriften wird publiziert und Presseveröffentlichungen der Gewerkschaften, 1. Mai Kundgebung, alles das praktizieren die Gewerkschaften. Ist das die gewerkschaftliche Gegenöffentlichkeit, oder ist das nur eine Variante der etablierten Öffentlichkeit? Die Gewerkschaften sind ein Teil der Gesamtöffentlichkeit und prägen diese, aber sind sie auch eine Gegenmacht? In der Öffentlichkeit werden die Gewerkschaften unterschiedlich vom Publikum wahrgenommen. Der DGB, als Dachverband, wird als gesamtgesellschaftliches Sprachrohr gewerkschaftlicher Meinung dargestellt, als der Verband aller Arbeitnehmervertretungen, der deren Interessen z. B. im Bündnis für Arbeit oder bei anderen Aktivitäten gegenüber der Bundesregierung und den Bundesverbänden der Arbeitnehmer vertritt. Die Einzelgewerkschaften IG-Metall, Verdi, GEW etc. vertreten nur die Mitglieder ihrer Branche.
(1) Prott, Jürgen: Öffentlichkeit und Gewerkschaften, Verlag Westfälisches Dampfboot 1. Auflage Münster 2003 S.169
3
2. Geschichte der Gewerkschaften
Mit Beginn der industriemäßigen Produktion in Deutschland ab Mitte der 30er Jahre des 19.Jahrhunderts entstanden erst lose Vereinigungen unter den Arbeitern in Form von Unterstützungskassen, Arbeiterbildungsvereinen und Streikkoalitionen. 1838 gründeten unter Führung Wilhelm Weitling Handwerksgesellen die erst deutsche Arbeiterorganisation, den Bund der Gerechten. In den Jahren nach der bürgerlichen Revolution in Deutschland 1848/49 wurde unter der Arbeiterschaft die Bestrebungen nach einer Organisationsform der Arbeiter gegen die Macht der Fabrikbesitzer stärker. 1865 bzw. 1866 entstanden als erste natio nale Gewerkschaftsverbände der Verband der Zigarrenarbeiter und der Verband der Buchdrucker.
1868 wurde von Lassalle als Dachorganisation der Allgemeine Arbeiterschaftsverband und im gleichen Jahr wurde von August Bebel und Karl. Liebknecht die ebenfalls als Dachorganisation gedachte Internationale Gewerksgenossenschaft gegründet. Beide Organisationen vereinigten sich 1875. 1892 wurde auf dem ersten Gewerkschaftskongreß in Halberstadt der Zusammenschluß der Einzelgewerkschaften bestätigt. Während in den Jahren bis zum 1. Weltkrieg die Gewerkschaften einen großen Mitgliederzuwachs hatten und durch viele abgestimmte Aktionen spürbare Verbesserungen für die Arbeiter im Kampf mit den Unternehmen erreichen konnten (Verkürzung der Arbeitszeit; bessere Arbeitsbedingungen; Kampf gegen Kinderarbeit usw.) traten die Gewerkschaften unter dem Einfluss der Gewerkschaftsfunktionäre ab dem 1. Weltkrieg nicht mehr so gesellschaftskritisch auf und der gewerkschaftliche Kampf verlagerte sich im wesentlichen auf den Lohnkampf.
3. Formen der Gegenöffentlichkeit
Die Hauptarbeit der gewerkschaftlichen Gegenöffentlichkeit liegt in den Betrieben. Über den Betriebsrat und durch die Tätigkeit der gewählten Vertrauensleute werden die Informationen der Gewerkschaft verbreitet.
4
Die Öffentlichkeitsarbeit der Gewerkschaften erfolgt daneben durch die Herausgabe von verschiedenen Publikationsmaterialien auf zentraler Ebene bis hin zu den betrieblichen Informationsmaterialien. (Mitgliederzeitschriften, Betriebszeitungen u.a.). Eine Darstellung der Zielstellung der Gewerkschaften erfolgt auch in den Medien (Fernsehen, Rundfunk). Unter Einbeziehung von Funktionären der verschiedenen Gewerkschaften werden Gesprächsrunden zu aktuellen Themen durchgeführt. Hier können die Interessen der Gewerkschaften mit vertreten werden.
Zunehmend muss auch das Internet als Verbreitungsmedium von Informationen beachtet werden.
Die Gewerkschaften treten mit ihren Zielsetzungen auf öffentlichen Veranstaltungen und Demonstrationen auf.
Eine Form der Gegenöffent lichkeit ist auch der Streik. Die Gewerkschaft kann mit diesem Mittel die Interessen der Arbeiter vertreten und bestimmte Ergebnisse (mehr Lohn/Gehalt, Rücknahme von Entlassungen oder soziale Abfederung bei unausweichlichen Entlassungen) für die Arbeiter erzielen. 4. Aktuelle Lage der Öffentlichkeitsarbeit der Gewerkschaften Die Wahrnehmung der Gewerkschaften in den Betrieben ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Viele Leute nehmen die Gewerkschaft nicht war. Oft wird die eigene Gewerkschaft von ihren Mitgliedern nur wahrgenommen bei der Wahl des Betriebsrates, von Vertrauensleuten und bei Streikaktionen. Somit entsteht bei vielen Arbeitern der Eindruck, daß außer bei Streikaktionen, die Gewerkschaften nur wahrgenommen werden, wen es um die Besetzung von „Posten“ geht. Dieses Bild haben daher auch viele von den Gewerkschaften, weshalb die weit verbreitete Meinung ist, dass die Gewerkschaften nichts machen und es den Funktionären nur um die Sicherung ihrer unkündbaren Posten im Betriebsrat geht. „Entstanden zunächst aus spontaner Auflehnung gegen bedrückende Verhältnisse des Proletariats im 18. und 19. Jahrhundert, haben sich die Gewerkschaften in dem Maße, indem sie ihre Mitgliederbasis erweiterten und Erfolge im politischen, wie im ökonomischen Raum der Gesellschaft erringen konnten, mehr und mehr zu ,,befestigten Organisationen,, (Götz Briefs) mit handlungsverbindlichen Strukturmustern nach innen und einem stabilen Beeinflussungsapparat nach außen entwickelt. Indem sich ihre Programme (Satzungen, Grundsatzbeschlüsse) und Handlungsfelder (Tarifpolitik, betriebliche Interessenvertretung,
5
Arbeit zitieren:
Sven Wilke, 2004, Chancen gewerkschaftlicher Gegenöffentlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Islam in der westlichen Sichtweise - oder Märchen aus 1001 Nacht
Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft
Hausarbeit, 18 Seiten
Janusz Korczak - ist seine Pädagogik heute noch anwendbar?
Hausarbeit, 23 Seiten
Volksstereotyp des Orients: die Türken - Vorurteile und Feindbilder ge...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 16 Seiten
Das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft: Das Abhängigkeitsverhä...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe.
Fachlicher Ansatz oder politis...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 31 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Nur die Rabenmutter ist eine gute Mutter. Vergleichende Analyse der Mu...
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Das Bild des Ausländers in der deutschen Presse
Zur Rolle der Nachrichtenauswa...
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Hausarbeit, 22 Seiten
Über die Pädagogik Janusz Korczaks und die Schwierigkeiten im Umgang m...
Hausarbeit, 21 Seiten
Die historische Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland
Hausarbeit, 24 Seiten
Medien Contra Multi-Kulti? Ein Gewichtungsversuch der Bedeutung von Me...
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit, 18 Seiten
Das Normalität produzierende Subjekt in der Novelle Klein und Wagner v...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Arnold Gehlens Begriff der Institution
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Feindbilder - Teilbereich der Projektgruppe "Der Irak-Krieg 2003 ...
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Forschungsarbeit, 22 Seiten
Sind wir Individuen oder soziale 'Produkte'? - Soziale Sinngeb...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit, 12 Seiten
Von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft - eine Ein...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Seminararbeit, 11 Seiten
Sven Wilke hat den Text Chancen gewerkschaftlicher Gegenöffentlichkeit veröffentlicht
Sven Wilke hat einen neuen Text hochgeladen
Englisch in der Primarstufe. Chancen und Herausforderungen
Evaluation und Erfahrungen aus...
Eike Thürmann, Bernd Groot-Wilken, Gabriele Engel
Gesellschaftstheorie und Europapolitik
Sozialwissenschaftliche Ansätz...
Monika Eigmüller, Steffen Mau
0 Kommentare