1. Feride - Iphigenie oder verschmähte Geliebte? 3
2. Zu Autor und Werk 4
2.1 Çalikusu 5
3. Zur Sprache und Zeit 8
4. Çalikusu - eine Gesellschaftskritik 10
4.1 Die starre Bürokratie 10
4.2 Ein Blick auf die Reichen 12
4.3 Aberglaube und Angst - Schulbildung auf dem Lande 14
4.4 Das große Herz Anatoliens: Armut und Romantisierung 16
5. Frauenleben und Geschlechtermoral 17
5.1 Eigene Weiblichkeitsvorstellungen 18
5.2 Rigide Sexualmoral 22
5.3 Vielehe und Gewalt: Frauenschicksale 23
5.3.1 Geduldete Schläge 23
5.3.2 Der Ausschluss aus der Gesellschaft 25
6. Iphigenie und Doktor Hayrullah 26
7. Feride, eine Neue Frau? 29
8. Versuch eines Fazits 30
9. Literatur 32
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1. Feride - Iphigenie oder verschmähte Geliebte?
Iphigenie war die jüngste Tochter von Agamemnon und Klytaimnestras. Als seine Flotte auf dem Weg nach Troja festsaß, wurde Agamemnon durch einen Wahrsager mitgeteilt, dass nur die Opferung seiner schönsten Tochter zu Ehren der Göttin Artemis ihn retten könne. Agamemnon ist dazu bereit, lockt seine Tochter unter dem Vorwand einer Heirat zu seiner Frau. Doch Iphigenie wird, schon auf dem Opferaltar befindlich, von der Göttin Artemis selbst gerettet, indem sie sie gegen ein Reh eintauscht. Iphigenie wird zur Priesterin von Artemis, man sagt ihr Unsterblichkeit nach.
Yakup Kadri Karaosmanoglu sieht Feride der F igur der Iphigenie sehr nahe, „b eide verkörpern Würde, Tugend, Moral und Charakter. (…) Beide sind in ihrer Makellosigkeit Opfer blinden Aberglaubens, Unwissenheit und herzlosen Egoismus.“ 1 Durch diese Bewertung ermöglicht Karaosmanoglu einen Blick auf den Roman Çalikusu 2 , der bisher von den Kritikern eher vernachlässigt wurde, denn „in der türkischen Literaturkritik wurde dieser Roman gerne als dem leichten Genre zugehörig und als sentimental eingestuft.“ 3 Vornehmlich wurde die Geschichte als Liebesgeschichte, vielleicht als Abenteuerroman aufgenommen, dessen bemerkenswertestes Merkmal darin besteht, eine Frau als Heldin zu haben. Eine Kritik an der Frauenrolle wird ihm damit zugestanden, doch vielleicht das wichtigste Thema des Roman wurde lange an den Rand gedrängt: Der Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft, denn Feride steht „von Anfang bis Ende im Mittelpunkt der Handlung und Çalikusu (ist) allein Ferides Roman“ 4
Überspitzt kann man sagen, dass es scheint, als wäre die Liebesgeschichte nur dekorative Ausschmückung einer weit ausholenden Gesellschaftskritik. Iphigenie wird für die Gesellschaft geopfert, Feride von ihr, Iphigenie s Opferung bringt Errettung, Ferides niemandem Nutzen. Sie zeugt von der Unbarmherzigkeit einer Gesellschaft, die bereit ist, die Unschuld und Natürlichkeit des Einzelnen ohne Bedenken zu zerstören, denn, und dies soll in dieser Arbeit gezeigt werden, die Gesellschaft macht Feride ein selbstbestimmtes Leben unmöglich. Ihre Geschichte ist eine Odyssee des Leidens und der Rückschläge, das scheinbare Happy End doch nur eine Bestätigung der gesellschaftlichen Norm.
1 Beatrix Caner, Türkische Literatur: Klassiker der Moderne, Hildesheim 1998, S. 267
2 da mit dem türkischen Original gearbeitet wurde, wird sich auf das Buch immer mit diesem Titel, nicht mit der
Übersetzung als „Der Zaunkönig“ bezogen, d.h. Resat Nuri Güntekin, Çalikusu, Inkilâp Kitabevi Istanbul, 52.
Baski
3 Klassiker der Moderne, S. 263
4 Stephan Guth, Brückenschläge, Eine integrierte „turkoarabische“ Romangeschichte, Wiesbaden 2003, S. 52
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Es soll gezeigt werden, wie Güntekin zwischen den Zeilen systematisch Mängel der Gesellschaft aufzeigt: Die Undurchlässigkeit der Bürokratie, die in sich selbst erstarrt, Bewegungen unmöglich macht, ein Bildungssystem, dass gerade auf dem Lande durch Unbildung auf sich aufmerksam macht und eine Gesellschaft, die sich durch starre Moralvorstellungen und Aberglauben auszeichnet. Dies zeigt sich vor allem an der unterdrückenden Behandlung von Frauen, die einerseits durch Feride deutlich wird, aber auch anhand anderer Frauenschicksale im Roman beispielhaft gezeigt wird. Der Geschlechterproblematik soll deshalb besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Aber auch Güntekins Idee einer besseren Gesellschaft lässt sich herausarbeiten. Repräsentant dieser kommenden Gesellschaft ist Doktor Hayrullah, eine Gesellschaft, die nicht durch Gleichheit aller markiert ist, sondern deren Führende sich durch Bildung hervortun, nicht durch Herkunft oder Geschlecht.
2. Zu Autor und Werk
Der 1889 in Istanbul geborene Autor Resat Nuri Güntekin gehört zu den bekanntesten Vertretern der Türkischen Nationalliteratur. Er studierte Literatur und unterrichtete zunächst in Bursa und danach an verschiedenen Schulen. Dies findet sich auch in Çalikusu wieder, arbeitet Feride doch auch zunächst in Bursa, bevor ihr Weg sie nach Anatolien führt. Seine Kenntnisse des Bildungswesens und sein Kampf für dessen Verbesserung, die immer wieder in den Roman einfließen, zeugen auch von seiner Tätigkeit als Inspektor des Nationalen Bildungsrates, bevor er in Paris UNESCO Vertreter für Erziehungs- und Kulturfragen der Türkei wurde. 1956 erlag er in London einem Krebsleiden. Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er gegen Ende des 1. Weltkrieges, wobei er zunächst Geschichten und Theaterkritiken schrieb. Berühmtheit erlangte er mit seinem 1922 erschienenen Roman Çalikusu, der zunächst als Vorabdruck in der Vakit Zeitung erschien und schon dabei Aufsehen und Interesse erregte.
Auch in späteren Romanen wird er die hierbei erstmals angesprochenen Themen wieder aufgreifen. Typisch ist, dass er das anatolische Leben als Hintergrund seiner Erzählungen nutzt, um dabei geschickt soziale und politische Probleme aufzudecken. Im Laufe der Analyse wird dies anhand des Romans „Çalikusu“ deutlich werden.
Güntekin hinterließ ein großes Werk: Neben mehr als hundert Artikeln für Bücher und Zeitschriften verfasste er achtzehn Romane, sieben Erzählbände, neunzehn Theaterstücke und unzählige Übersetzungen. Auch heute zählt er noch zu den beliebtesten und meistgelesenen Autoren der Türkei. Otto Spies weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass „alles was er
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verfasst (…) ansprechend, unterhaltend, leicht und flüssig ist, hat eine Lust zum Fabulieren und zur Analyse der Charaktere. Der Stil ist klar, die Darstellung fesselnd, psychologische Probleme sind mit großem Geschick gestaltet.“ 5
2.1 Çalikusu
Çalikusu, Güntekins erster Roman, erschien 1922 und sollte für immer mit seinem Autor verbunden bleiben. Obwohl er noch viele weitere Romane schrieb, die künstlerisch und erzä hlerisch seinen Erstling übertrafen, wurde kein zweiter derart berühmt. Çalikusu ist ein Abenteuerroman, in dessen Mittelpunkt Feride, Çalikusu genannt, steht. Es ist auch, mit einigen Einschränkungen, ein Entwicklungsroman, in dem die Heldin durch ein beständiges Auf-die-Probe-gestellt-Werden reift, es ist die Erzählung einer langen Reise, um am Ende zum Anfang zurückzufinden.
Der Roman besteht bis auf den letzten Teil aus den Tagebuchaufzeichnungen Ferides, die teilweise rückblickend die Geschehnisse erzä hlen.
Feride ist die Tochter eines Offiziers. In sehr jungen Jahren verliert sie zunächst ihre Mutter, wenige Jahre darauf ihren Vater. Sie wächst unter der Obhut ihrer Tante Beysime auf, die sie schließlich in ein renommiertes französische s Internat gibt, wo sie 10 Jahre unterrichtet wird. Hier zeigt sich Ferides privilegierte Stellung, die Güntekin ihr zuweist. Während den meisten Frauen Anfang des Jahrhunderts noch der Zugang zu jeglicher Bildung verwehrt blieb, oder sie häufig nicht über eine Elementarerziehung - meist religiöser Prägung - hinauskamen, erfährt Feride gute Bildung in einer französischen Schule, lernt also sogar eine Fremdsprache. Diese Bildung ist es auch, die ihr ihren späteren Weg ermöglicht, die Tür zu eigener Berufstätigkeit öffnet. Andererseits zeigen sich auch die autobiographischen Verweise, denn auch Güntekin besuchte eine französische, katholische Ordensschule, deren Erziehung ihn entscheidend prägte.
Ihr Waisendasein bewahrt sie auch vor zu viel Hausarbeit. Rücksicht auf ihre Situation führen hier dazu, dass sie von der gesamten Familie beständig nachsichtsvoll behandelt wird. Ihre Frechheiten und Wildheit wird ihr verziehen, denn immer wieder betont Feride selbst, wie anders sie als Kind gewesen ist, was auch dazu führt, dass sie von den Mitschülern den Spitznamen „ Çalikusu - Zaunkönig“ erhält, als Anspielung darauf, dass sie die freie Zeit häufig in den Wipfeln der Bäume verbringt, wobei sich die Zuweisung von Spitznamen entsprechend ihrer weiteren Entwicklung durch den gesamten Roman zieht 6 . Auf Ferides
5 Otto Spieß, zitiert aus: Klassiker der Moderne, S. 260
6 Im Folgenden wird deshalb immer von Feride gesprochen, eine Untersuchung der Bedeutung der einzelnen
Spitznamen ist im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Meines Wissens, steht sie insgesamt noch aus.
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Wildheit und vor allem ihre Natürlichkeit wird später im Rahmen der Frage nach ihren eigenen Weiblichkeitsvorstellungen nochmals Bezug genommen werden. Es ist der Widerspruch daraus, obwohl fast erwachsen, noch immer die Rolle des Kindes zugewiesen zu bekommen, die sich durch den gesamten Roman zieht: „Meine Freunde hatten schon recht damit, mich nicht in ihrer Mitte aufzunehmen. Dennoch, von allen getrennt zu bleiben und obwohl man ein großes Mädchen ist noch immer wie ein kleines Kind behandelt zu werden ist nicht wirklich eine schöne Sache.“ 7 Auch die Gesellschaft trägt dazu bei, dass Feride ihre natürliche Unschuld und ihre Ungezähmtheit als unziemlich empfindet. Aber Çalikusu ist scheinbar vor allem eine Liebesgeschichte, die Erzählung der zunächst unglücklich verlaufenden Beziehung zwischen Feride und ihrem Cousin Kâmran, „einem das Leben genießenden, doch auch nach Osmanli-Art kontemplativ veranlagten Dandy.“ 8 Schon früh fühlen sie sich zueinander hingezogen und mit ausdauernder Beharrlichkeit gelingt es Kâmran, Feride für sich zu gewinnen. Sie verloben sich, er geht danach allerdings für einige Jahre nach Europa.
Wendepunkt des Romans bildet der Abend vor der Hochzeit. Feride erfährt von einer unbekannten Frau, dass Kâmran sie während seines Aufenthalts in Europa betrogen hat und einer anderen die Ehe versprach. Dies ist der Grund für Ferides Entschluss, wegzugehen. Es ist eine impulsive Entscheidung, ihrem Verlobten und vor allem auch dem sicheren Leben im Hause ihrer Tante, dass „Freiheit, Toleranz, ja sogar eine bestimmte islamfremde Weltoffenheit“ 9 wie eine Selbstverständlichkeit erschienen ließ, den Rücken zuzukehren. Mit dem Verlassen des Hauses ist Feride beständiger Unsicherheit ausgesetzt, in einer Umgebung, die vor allem durch die Abwesenheit der bisherigen Werte geprägt ist. Insgeheim wohl schon wissend, was geschehen wird, nimmt sie ihr Schuldiplom mit. Feride entscheidet sich, in Anatolien als Lehrerin zu arbeiten, denn „die Menschen dort ähneln uns nicht. Sie selbst sind zwar arm, aber im Herzen sind sie so unglaublich reich.“ 10 Mit der Realität wird Feride später konfrontiert, wobei deutlich wird, dass die Bewohner Anatoliens zwar ein großes Herz haben mögen, ansonsten aber vor allem durch Aberglauben und Misstrauen geprägt sind. Beharrlich verfolgt Feride dabei ihr Ziel und erhält schließlich eine Stelle in einem kleinen Dorf. Dieses bildet allerdings nur die erste Station auf einer langen Reise durch Anatolien.
7 Çalikusu, S. 32, alle Zitate in der Übersetzung d. Verf..
8 Brückenschläge, S. 50
9 Klassiker der Modern, S. 270
10 Çalikusu, S. 127
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„Zeyniler“ ist ein abgelegener Ort, deren Bewohner konservativ und arm sind. Dennoch schafft es Feride, die anfänglichen Abneigungen zu überwinden und findet sich in ihre Rolle als Lehrerin. Darüber hinaus nimmt sie sich besonders eines Mädchens, Munise, an, dessen Mutter durch ein Verhältnis mit einem anderen Mann in Schande geschieden wurde, wobei das Fehlverhalten der Mutter auf das Mädchen reflektiert wird. Im Rahmen der Darstellung verschiedener Frauenschicksale werden wir uns mit Munises Mutter noch einmal beschäftigen.
Feride gelingt es schließlich, Munise zu adoptieren und sie nimmt das Kind auch mit sich, als die Schule geschlossen wird und Feride wieder auf die Suche nach einer neuen Anstellung geht. Diese findet sie an einer Schule für Lehrerinnen und mit Freude erfüllt sie diese Aufgabe.
Der an Tuberkulose leidende Musiklehrer der Schule verliebt sich in Feride. Seine Verliebtheit trägt entscheidend dazu bei, dass innerhalb des Dorfes über Feride geredet wird, immer mehr Männer kommen zur Schule, versuchen, einen Blick auf sie zu werfen und Feride wird auf der Straße belästigt. Als sie auch noch am Bett des sterbenden Lehrers wacht, wird die Situation unerträglich, da man ihr eine völlig ungerechtfertigte Mitschuld am Tode gibt und Feride lässt sich versetzen.
Ähnlich ergeht es ihr auch an der nächsten Schule, wo sie durch eine jüngere Kollegin zu einer Art Party gelockt wird, deren unmoralisches Ambiente Feride zutiefst schockiert. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass sie Opfer einer Intrige wurde, zur Abendgesellschaft gelockt, um dort verführt zu werden.
Sie bittet um ihre abermalige Versetzung, ist doch ein Bleiben unter diesen Voraussetzungen nicht mehr möglich.
Entschieden ist also in ihrem Leben ihre Schönheit und ihre Jugend, die sie von ihr selbst ungewollt in den Mittelpunkt des Interesses rücken und am Ende ein eigenes Leben fast unmöglich erscheinen lassen. Zweimal ist Feride gezwungen aus einer Umgebung zu flüchten, die für sie zur Bedrängnis wird. Immer mehr zieht sie sich dabei in sich selbst zurück, ein Verhalten, dass ihrer eigenen Offenheit und unschuldigen Neugier entgegensteht. Schließlich kommt Feride nach Izmir, wo sie sich zunächst erfolglos um eine Stelle bemüht, um dann die Kinder eines reichen Mannes, Resit, zu unterrichten. Abermals wird sie hierbei Opfer einer Intrige. Resit veranlasst, dass sie durch die Prüfungen zum Französischlehrer fällt. Arbeitslos, mit der Sorge um ihre Tochter belastet, bleibt ihr keine andere Möglichkeit, als die Stelle anzunehmen.
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Es ist die härteste Zeit für Feride. Sie wird von den Hausangestellten schlecht behandelt und vom Sohn bedrängt. Als schließlich auch Resit, ein Mann, der ihr Vater sein könnte, ihr einen Heiratsantrag macht, entschließt sie sich, wiederum zu gehen und reist nach Kusadasi. Dort findet sie eine Stellung an einer Schule, deren Direktorin sie bald darauf wird. Doch der Ausbruch des Krieges führt zum Schließen der Schule, um sie als Lazarett zu nutzen. Dort trifft Feride zufällig wieder auf Doktor Hayrullah, den sie schon in ihrer ersten Zeit als Lehrerin im Dorf Zeyniler kennen gelernt hatte. Gemeinsam arbeiten sie im Lazarett und als Ferides Adoptivtochter Munise stirbt, ist er es, der ihr zur Seite steht und sie in sein Haus aufnimmt.
Das Tratschen der Leute macht es für sie unmöglich, freundschaftlich zusammen zu leben und so heiraten die beiden pro forma, ohne die Ehe jemals zu vollziehen. Doktor Hayrullah ist neben Feride der am tiefsten gezeichnete Charakter des Romans. In seiner humorvollen, natürlichen Art ist er ein Sympathieträger und damit in der Lage, fortschrittliche Ideen dem Leser näher zu bringen. Seine Größe zeigt sich auch in seiner uneingeschränkt väterlichen und freundschaftlichen Liebe zu Feride, der jegliches Begehren fehlt.
Ihm ist auch das glückliche Ende der Geschichte zu verdanken. Mit größerer Kla rheit als Feride erkennt er die Lage und nimmt ihr das Versprechen ab, nach seinem Tode zu Kâmran zurück zu kehren und ihm einen Brief zu übergeben.
In diesem Brief befinden sich Ferides Aufzeichnungen, die Zeugnis ihrer Liebe zu Kâmran sind. Als Kâmran schließlich diese erhält, kann er Feride davon abhalten, abermals zu fliehen und die beiden finden zueinander.
3. Zur Sprache und Zeit
Güntekin gilt, wie schon eingangs erwähnt, als Vertreter der türkischen Nationalliteratur, die sich am Beginn des Jahrhunderts, etwa zwischen 1908 bis zur Gründung der Republik, entwickelte.
Die Handlung des Romans lässt sich zeitlich auf die Endphase der Herrschaft der Ikinci Mesrutiyet lokalisieren (ca. 1908 - 1919) und erstreckt sich über etwa fünf Jahre. Dennoch wird die politische Situation nur am Rande thematisiert. Der Befreiungskrieg findet vor allem in Form verletzter Soldaten Eingang in den Roman oder mit dem Hinweis darauf, dass Ferides Schule in ein Lazarett umgewandelt wird. Die Hinwendung zum Leben in Anatolien, die Thematisierung der Glaubens- und Lebensumstände ist typisch für diese Periode der Literatur und wird auch von Güntekin
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Arbeit zitieren:
Gesine Aufdermauer, 2004, Ferides Kampf - Eine Auseinandersetzung mit der Gesellschaftskritik in Resat Nuri Güntekins Roman "Calikusu", München, GRIN Verlag GmbH
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